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Büste von Johann Baptist Straub
Allegorie des Glaubens
Sockel-Inschrift
Perennat.
Hier Ruhen, wie sie gelebet im Frieden
die Wohl Edle Frau Maria Elisabeth
Theresia Straubin Churfrtl. Hofbildhauerin
gestorben den 28. Dec. im Jahr 1774, ihres Alters 57. Jahr.
Und der Wohledle und Kunstberühmte Herr
Johann Baptist Straub, Churfrt. Hofbildhauer. Ge-
storben den 13. July 1784. seines Alters 89 Jahr u 19 T.
Gott gebe ihnen die ewige Ruhe.
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Straub, Maria Elisabeth Theresia (vh) / Schluttenhofer (gb); – 28.12.1774 (München); Hofgerichtsadvokatens-Tochter / Bildhauers-Gattin
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* 1.6.1704 (Wiesensteig/Wttbg.)
† 15.7.1784 (München)
Bildhauer
Kurzgefaßte Nachricht von dem churbaierischen ersten Hofbildhauer Herrn Johannes Straub.
Der Geburtsort unsers Herrn Straubens ist das im Schwäbischen Kreise und dem durchlauchtigsten Churhause Baiern zugehörige Städtchen Wiesensteig. Sein Vater Johann Georg, war Bildhauer daselbst, der aus zweyerley Ehen viele Kinder, und unter diesen fünf Söhne erzeugte, die er alle der Bildhauerkunst widmete, und ihnen hierin einen so getreuen Unterricht gab, daß sie in verschiedenen Orten ihren standsmäßigen und guten Unterhalt fanden. Philipp kam nach Gratz in Steuermark; Joseph nach Marburg, eben daselbst; Johann Georg nach Rakersburg, auch daselbst; und Franz, nach Agram in Kroatien.
Unser Künstler ist den 25. Junius 1704. gebohren. Die Anfangsgründe seiner Kunst lernte er bey seinem redlichen Vater, der ihn nach glücklich überstandener Lehre nach München zu seinem Freunde, dem churfürstlichen Hofbildhauer, Gabriel Luidel, von Mähring in Baiern unweit Augsburg gebürtig, mit der väterlichen Ermahnung abschickte, daß er zu noch besserer Erlernung der Kunst den erforderlichen Fleiß anwenden, und sich wohl aufführen solle. Unser Künstler gehorchte seinem Vater, und blieb in dieser Condition vier Jahre lang. Es wurde aber damals der Schluß gefaßt, in der churfürstlichen Residenz die schönen Zimmer machen zu lassen, und dem noch ziemlich jungen Straube die Arbeit, die aus Verzierungen und kleinen Geniis bestand, vor allen andern, die sich darum bewarben, anvertrauet. Herr Straub verließ desfalls seinen Meister, und unternahm aus eignen Kräften die ihm angewiesene Arbeit, die er in Zeit von zwey Jahren zu Stande brachte. Hierauf nahm er von München seinen Abschied, und richtete sein Augenmerk nach Wien; von welcher Hauptstadt ihm nicht unbekannt war, daß daselbst die Künste, sonderlich die Bildhauerey, in großem Flore stehe, und er vor andern Orten eine Condition allda finden würde. Er erhielt in Wien anfangs bey Herrn Ignaz Gunst, nachmals aber bey dem Prinzeugenschen Hofbildhauer Christoph Mader Arbeit; bey welchen Meister er drey Jahre lang aushielt, und ihm verschiedene schöne und kostbare Arbeiten machen half. Um eben diese Zeit wurde daselbst von dem damaligen Prälaten des Klosters, de Monteferrato genannt, mit dem neuen Kirchen- und Klosterbau der Anfang gemacht, und Herr Straub im 26. Jahr seines Alters zu der dazu erforderlichen Bildhauerarbeit bestimmet. Er machte auf den Hochaltar eine Madonna in der Grüße derjenigen, welche in Spanien zu Monte serrato verehret wird; ferner die Oratorien; die sehr schöne Kanzel, und andere erhabene Arbeiten und Verzierungen, die in dieser Kirche noch heut zu Tage zu sehen sind. Erwähnter Herr Prälat verfertigte zwo kunstreiche mathematische Maschinen, die er nachhero Sr. Majestät Kaiser Karl den VI. in allerhöchstdero Cabines verehrte. Unser Künstler genoß dir unerwartete Ehre, die vielen Figuren und Verzierungen dazu zu machen. Durch diese und obige Arbeiten verschafte er sich Ansehen, und die ihm sehr nüzliche Bekanntschaft mit dem kaiserlichen Hofbaumeister Freyherrn von Fischer, und mit dem berühmten Architekten Bibiena, aus welchem Unterricht in Kunstsachen er großen Nutzen schöpfte, den er durch fleißige Besuchung der übrigen geschickten Leute, und der Kunstakademie daselbst, noch mehr zu erweitern suchte. Seine hierdurch erlangte Geschicklichkeit ward nicht nur in Wien, sondern auch in München bekannt, und da eben damals der weltberühmte Hofbildhauer Andreas Faistenberger, von Kizbühel aus Tyrol gebürtig, eine ansehnliche Arbeit zu machen hatte, so säumte er nicht unsern Straub zum Gehülfen abzurufen. Straub gieng daher unverweilt nach Baiern zurück. Er verfertigte die ihm angewiesene Arbeit und blieb bey diesem seinem Meister ein Jahr lang in Condition. Da aber damals der Gedanke in ihm aufstieg, sich selbst als Meister in München niederzulassen, so erhielt er zur Ausführung seiner Absicht die erwünschteste Gelegenheit, da ihm 1736 die Verfertigung einer sieben Schuh hohen Venus, samt dreyen Genien zu dem Springbrunnen in das itzige Grafkönigsfeldische Haus übertragen wurde. Mit dieser Arbeit erwarb er sich so großen Beyfall, daß Ihro damals regierende Churfürstliche Durchlaucht in Baiern, Karl Albert, churmildesten Andenkens, bewogen wurden, den Herrn Straub als Hofbildhauer huldreichst zu ernennen. Im folgenden Jahre gelang es ihm sein Vorhaben zur Würklichkeit zu bringen, und mit der Jungfer Theresa Elisabetha, einer Tochter des churbaierischen Hofkupferstechers Franz Xaveri Späthens (* Er ist ein gebohrner Münchner, wo sein Vater Münzschlösser war.) in den Ehestand zu tretten, mit der er vergnügt lebte, und mit ihr binnen elf Jahren fünf Kinder, die alle ihrer Mutter in noch jungen Jahren in das Grab nachgefolgt sind, erzeugte. Im Jahre 1749. schritt er zur zwoten Ehe, und nahm sich die Tochter des berühmten churfürstlichen Hofgerichtsadvocatens und Auditors Herrn Johann Schluttenhofers, Elisabetha Theresia zur Gehülfinn. Seine zwote Ehe wurde mit zehen Kindern gesegnet; wovon drey artige Mädchens Theresia, Josepha, und Anna noch im Leben, und durch ihre guten Eigenschaften einer glücklichen Versorgung sehr würdig gemacht haben.
Es wird nun unsern Lesern nicht unangenehm seyn, eine kurzgefaßte Anzeige der noch übrigen ansehnlichen Werke, die sein Fleiß in München seit 36 Jahren hervorgebracht hat, hier aufzusammeln: Straub machte für den churbaierischen Hof:
1) das Grabmal Kaiser Karl des Vll. nach Altöttingen – die Traurigkeit hält das Porträt des höchstseligen Kaisers, und die dabey angebrachte Urne ist mit dem Reichsadler und Trophäen gezieret. Dieses Werk ist von gegossener Arbeit und vergoldet.
2) Die Statuen zu den Trauergerüsten des eben erwähnten Kaisers und seiner durchlauchtigsten, Gemahlinn, Maria Amalia.
3) Alle Figuren und Hauptverzierungen in dem neu erbauten Opernhause.
4) Alle Paradeschlitten und Paradewägen.
5) Zwey Bassins, in denen zwey Tritonen eine große Muschel von Marmor tragen. In der Muschel selbst sitzet in beeden Stücken ein mit Rohren und Genien umgebener Schwan, der Wasser auswirft. Die Figuren sind von Bley, und vergoldet, die übrige Zubehör aber von Marmor.
6) In die Kirche, zum alten Hof genannt, eine Auferst. Christi, und zum Tabernakel Genien, und andere Verzierungen.
7) Erst in dem jüngst verflossenen Augustmonate dieses Jahrs sind von ihm zwo Statuen Pluto, und Proserpina, jede sieben einen halben Fuß hoch, im Hofgarten zu Nymphenburg aufgestellt worden. Pluto hält in der rechten Hand nebst dem Scepter den Zacken, und in der linken den Höllenhund Zerberus. Proserpina hält gleichfalls in der rechten Hand ihren Scepter, und mit der linken macht sie eine angenehme Action auf die Brust. Neben ihr stehet die Eule Ascalaphus. Daß sich unser Herr Straub durch diese zwo schöne Statuen Ihro churfürstlichen Durchlaucht höchste Zufriedenheit, und sowohl des ganzen Hofes, als auch aller Kunstverständigen vorzügliches Lob und Beyfall erworben habe, ist aus der ordinären Münchner Zeitung vom 25 des Herbstmonats Num. 146 genugsam bekannt. Wir sehen es daher für überflüßig an, diese trefliche Arbeit hier noch weitläufiger zu beschreiben. Wir schreiten vielmehr zu der Anzeige seiner übrigen Werke; als nämlich:
8) Für Sr. hochfürstlichen Durchlaucht Herzog Clemens aus Baiern mildesten Andenkens in dero Hofgarten beym Neuhauserthore zu München, den Kriegsgott Mars, 3 Fuß hoch.
9) Für die verwittibte Frau Fürstinn von Portia, eine Diana, und neben derselben einen Genium mit einem Waldhorn.
10) Für die Haupt- und Residenzstadt München den Heil. Johann von Nepomuk mit dem Fluß Moldau gruppirt.
11) Den Jupiter mit den vier Elementen in Genien vorgestellt.
12) Diana mit einem Jagdhunde.
13) Einen Apoll mit einer Harfen und Genio. Diese Statuen sind sieben Fuß hoch, und auf die Rohrbrunnen in der Stadt gesetzt worden.
14) Für den churbaierischen Obristhofmeister Grafen von Preysing, den Altar in dero Hauskapelle, ein Crucifix, eine Madonna, und zwey kniende Engel.
15) Ferner, in die Kirche auf dero Güter, zwey Auf. Christi, zwey Statuen und zwey Engel.
16) Das Grabmahl für des churbaierischen Generalfeldmarschals, Grafen von Törring Frau Gemahlinn, nach Kloster Au. Es stehet dabei die Traurigkeit in Lebengröße, und das Grabmal selbst ist mit den Gräflichen Wappen und anderen Schnitzarbeiten ausgezieret.
17) Das Grabmal für dero erstgebohrenen Sohnes, Herrn Hofkammerpräsidenten Maximilian Emanuel Grafens von Törring Frau Gemahlinn erster Ehe. Die dabey stehende eheliche Treu, samt den übrigen Verzierung sind aus Bley gegossen und vergoldet.
18) Für eben denselben auf die Haupttreppen dero prächtigen Palastes in München 9 acht Fuß hohe Statuen, und 8 grupirte Genies.
19) Für ersagten Herrn Generalfeldmarschallens zweytgebohrnen Herrn Sohn, Grafen August, churbaierischen Hofrathspräsidenten, zu dem Hochaltare in Bogenhausen, den heil. Ritter Georg zu Pferd, und zwo andere Statuen in Lebensgröße; in dem obern Auszug ist die heil. Dreyfaltigkeit und andere Verzierungen zu sehen.
20) Das Grabmal für des Freyherrn Reichbergs Frau Gemahlinn, welches von gegossener Arbeit und aus Marmor ist.
21) Für den Freyherrn von Rufin zwey Altäre in die St. Peters Kirche in München; die Kanzel in die Kirche des Hieronymitauerklosters, eben daselbst.
22) Das Grabmal für dero Frau Schwester; hiebey ist eine liegende Figur von gegossener Arbeit, die dabey angebrachte Achitectur hingegen von Marmor.
23) Für eben diesen Freyherrn nach Maria Eichel unweit dero Landgut Planeck, einen Altar.
24) Für Herrn Weinwirth Huber in München eine große Statue, den römischen König vorstehend, mit der Fama und einem Genio, wie auch zwey Vaßen.
25) Eben daselbst für Herrn Kaufmann Sauer einen Altar, in seine Hauskapelle, worauf die heil. Dreyfalligkeit mit zwey stehenden Engeln, dem heil. Michael und Schuzengel, zu sehen.
26) Für den Wechselherrn Nocker in München ein Vesperbild, in seine Hauskapelle.
27) Das nämliche für Herrn Kaufmann Storch seligen Andenkens, eben allda.
28) In die Stlftskirche zu unser lieben Frauen in München den heil. Apostel Jakobi in Lebensgröße.
29) In die Pfarrkirche zu St. Peter, eben allda, das Grabmal des jüngst verstorbenen Dechanten Härtels, in Form einer Piramide, die mit des Verstorbenen Porträt, seinem Wappen, und andern Zubehörden verziert ist.
30) In die Kirche des Herzogsspitals in München zu eben diesem Altare der schmerzhaften Mutter zwey kniende große Engel.
31) Für die Theatiner in München zwey große Engel, die das Gemälde des heil. Cajetans halten.
32) Eine große verschnittene und mit einen Genio gezierte Einfassung, auf den Frauenaltar, die nachhero von Silber gemacht, und vergoldt worden.
33) Für die Herrn Jesuiten, eben allda, zwey große Engel zum Tabernakel.34) Die heil. Anna, und
35) den heil. Joachim in die Frauenkapelle, jede Statue 6. Fuß hoch.
36) Vier Brustbilder, welche vier Apostel vorstellen.
37) Acht Stücke von erhabener Arbeit, oder Basreliefs, und
38) zwey drey Fuß hoch stehende Engel. Diese lezten zehen Stücke sind nachhero von Silber gemacht worden.
39) Für die Karmeliten eben allda ein Tabernakel mit Engeln verzieret.
40) Eine Madonna auf den Scapulieraltar.
41) Noch eine solche mit dem Kinde auf dem Sessel sitzend.
42) Den heil. Joseph zweymal.
43) Drey Brustbilder, die Mutter GOttes, den heil. Johannes den Evangelisten, und den heil. Lucas.
44) Für die Franciscaner eben daselbst, drey lebensgroße Statuen, die heil. Anna, den heil. Joachim, und den heil. Florian.
45) Für die Klosterfrauen im Bittrich, auch in München, das Tabernakel auf dem Hochaltar in ihrer Kirche mit allerley Verzierungen, der nachmals von Silber gemacht worden ist.
46) Für die Hieronymitaner auf dem Lechel nächst München das Tabernakul, mit Genien und andern Sachen verzieret.
46) Auf den äußern Gottesacker der Stadt München das Grabmal des berühmten Hofmalers und churfürstl. Malerey Inspectors Balthasar Augustin Albrechts (* Dieser Künstler ist 1687. zu Berg unweit Aufkirchen in Oberbayern gebohren, und aus dieser Welt den 15. August 1765. abgerufen worden) mit dessen Porträt und einem Genio, alles von Marmor.
47) In die Maria Hülf Kirche in der Au, unweit München, den Hochaltar, worauf die Mutter GOttes mit den 4. Welttheilen, Genien und andern Verzierungen.
48) In die churfürliche St. Michaelskirche zu Berg, unweit München, sieben Altäre. Auf dem Hochaltar stehen die sieben Erzengel in Lebensgröße; auf den Altären die zwölf Apostel. Auf der Faßade dieser Kirche der heil. Erzengel Michael, zehen Fuß hoch.
49) Für das Kloster der Urselinerinnen zu Nymphenburg, auf eben den Hochaltar, den heil. Johann von Nepomuk, und den heil. Petrus Fererius.
50) Für das Kloster Tegernsee, vier große Statuen, den heil. Sebastian, Rochus, Florian, und Agatha.
51) Ferner den heil. Benedict, welcher nachmals von Silber gemacht worden, wie auch Genios und andere Verzierungen.
52) Für das Kloster Scheftlarn sieben Altäre, die Kanzel, die Verzierungen zur Orgel und sechzehn große Statuen von Heiligen und Engeln.
53) Für das Kloster Diessen zwey Altäre, zwey Tabernakel, und die Verzierungen zur Kanzel, und Orgel, wie auch das Altärchen in die Abtey, samt andern Ornamenten.
54) Für das Kloster heiligen Berg, oder Bergadechß, eine Madonna samt dem Tabernakel auf den Hochaltar, und die hierzu erforderlichen Verzierungen.
55) Ferner, vier Altäre und zwo lebensgroße Statuen die heil. Elisabetha und den Nicolaus vorstellend.
56) Für das Kloster Steinbach, die zwey Stifter desselben, und eine Auferst.
57) Für das Kloster Ettal sechs Altäre mit 12 großen Statuen der Heiligen, und eine Kanzel.
58) Für das Kloster Polling das Tabernakel mit zwo lebensgroßen Figuren, wie auch die Stifter dieses Klosters, den Kaiser Heinrich und dessen Gemahlinn Kunigunda.
59) Für das Kloster Benedictbaiern einen Altar mit dem heiligen Georgius zu Pferd, samt der übrigen Verzierung.
60) Für das Kloster Fürstenzell den Hochaltar, samt dem Tabernakel und sechs großen Statuen.
61) Für das Kloster Altomünster sechs Altäre mit neun großen Statuen, Genien und anderen Schnizarbeiten.
62) Für das Kloster der Urselinerinnen zu Landshut zwey lebensgroße Engel mit Kennzeichen aus der Lauretanischen Lytaney.
63) Für das Kloster der Karmeliten zu Schongau den Hochaltar mit zwo sieben Fuß hohen Statuen die heil. Anna und Elisabetha; wie auch zwey große Engel und andere Ornamente.
64) Für das Kloster der Karmeliten zu Urfarn vier Altäre, worinn statt der Altarblätter erhobene Arbeit ist; hierzu zwo sieben Fuß hohe Statuen den heil. Antonius und Cajetanus.
65) Ferner ein großes Crucifix nebst der Mutter GOttes unter dem Kreuze, und ein kleines Altärchen auf den Chore.
66) Nach Graf Rath einen Hochaltar mit den heil. Aposteln Philippus und Jakobus. In den obern Auszug Christus mit dem heil. Ratho.
67) Das Tabernakel zu diesem Altar mit Engeln und andern Verzierungen.
68) In die Kirche zu Gauting den Altar, in dessen Mitte der heil. Joseph mit dem JEsuskinde sitzet.
69) Ueberdas vier Statuen die heil. Elisabetha, Zacharias, Franciscus Xaverius, und Franciskus Salesius.
70) Nach Buchendorf, den Erzengel Michael.
71) Auf den Calvariberg, unweit Schleißheim, ein Eccehomo.
72) In die Pfarrkirche zu Grafing, drey Altäre.
73) Ebendaselbst für Herrn Grandauer ein Vesperbild.
74) In die Reichsprälatur Ochsenhausen, zwey Altäre.
75) Für den chursächsischen Hofrath Herrn Ponte vier Gruppen: a. die Geburt Christi; b. die Auferst. Christi; c. Christus im Schoße seiner Mutter; d. Christus am Kreuze und unter demselben seine Mutter. Diese vier Stücke sind vier Fuß hoch.
Dieses sind nun die vorzüglichsten Werke unsers unermüdeten Künstlers. Von kleinern, die er in einer ungeheuren Meng gemacht hat, wollen wir hier nichts melden, weil wir durch den engen Raum dieses Kunstblattes allzusehr eingeschränkt sind. Nur wollen wir hier noch von seinen zween Scholaren eine Nachricht geben. Der ältere ist Herr Franz Ignaz Günter, Bildhauer in München, von dessen zwo Statuen in unser Kunstzeitung vom Jahre 1771. im 28. Stück Seite 217. eine Beschreibung zu finden ist. Dieser Künstler ist in Baiern unweit Kelheim gebohren, und von seinem Vater zu Herrn Straub in die Lehre gegeben worden, bey dem er sieben Jahre lang gearbeitet hat. Der andere ist Herr Franz Xaver Messerschmid, der sich itzo als kaiserlich-königlicher Hofbildhauer und Professor der Sculptur bey der Akademie der Künste in Wien befindet, und eine ansehnliche Stelle, nach dem Urtheile des Herrn Köremons, das ist, des Herrn von Scheib, im zweyten Theile seines Unterrichts von Kunstsachen S. 93. mit dem größten Ruhm begleitet, und ohne Zweifel einer der geschicktesten Bildhauer unsrer Zeit ist. Herr Messerschmid ist des Herrn Straubens leiblicher Schwester Sohn, und zu Eisensteig in Schwaben, allwo sein Vater Weißgärber war, gebohren. Sein Vater schickte ihn bey noch sehr jungen Jahren zu Herrn Straub in die Lehre, bey der er sieben Jahre lang geblieben ist. Hier können wir nicht umhin, von einer Begebenheit Meldung zu thun, die sowohl Herrn Straub als den Herrn Messerschmid Ehre macht. Als nämlich Herr Messerschmid vor vier Jahren durch München nach Wisensteig gieng, um allda seiner noch lebende Mutter zu besuchen, so hielt er sich in München etliche Wochen lang auf, und machte allda, aus Dankbarkeit, das Porträt seines Vetters und Lehrmeisters nach der Natur, von Ton in Profil, wie auch dessen drey Töchter, etwas kleiner in ein Stück zusammen. Jenes Stück formte Messerschmid ab, und goß dasselbe in Bley; es ist dasselbe noch bey Herrn Strauben zu sehen. Daß Herr Roman Booß bey Herrn Straub neun Jahre lang in Condition gestanden, ist schon in unsre Kunstzeitung vom Jahre 1770 im 23 Stück 183 Seit. angemerkt worden. Joseph Weinmüller aus Euterang in Schwaben, ein geschickter junger Mensch hat die Kunst vier Jahre lang bey Herrn Straub gleichfalls studiert, und verdienet also auch hier namhaft gemacht zu werden. Wir wünschen dem ehrvollen Alter des Herrn Straubens viele Zufriedenheit und Ruhe.
Augsburgisches monatliches Kunstblatt. Dritter Jahrgang, VII. Stück. 31. Juli 1772.
Seit meiner letzten Anzeige starb er arme, alte, brave Maler Stephan, starben Straub, und Schega, und viele andere giengen dahin, deren Andenken uns rühmlich und lehrreich ist. Ich will dießmal nur des Straubs, und des Schega, und der übrigen in der Folge gedenken.
Straub.
Einen Auszug der vornehmsten Lebensumstände dieses berühmten Künstlers (so wie vieler anderer damals lebender bayerischer Künstler, nebst den Anzeigen ihrer Werke) hat uns schon im Jahre 1772 unser um die Gelehrsamkeit und die Künste bestens verdiente Herr Oberlandesregierungrath Johann Caspar Edler von Lippert in dem zu Augsburg gedruckten monatlichen Kunstblatt (3ter Jahrgang 7tes Stück S. 53) geliefert.
Johann Baptist Straub wurde 1704 den 23. Jun. zu Wiesensteig, einem im schwäbischen Kreis liegenden, und nach Bayern gehörigen Städtchen, geboren. Sein Vater, Johann Georg, war daselbst ebenfalls Bildhauer, und hielt seine fünf Söhne, welche er aus zweien Ehen, nebst einigen Töchtern, erhalten hatte, sämmtlich zu seiner Kunst an, wie sie sich dann auch auf dieselbe mit vielem Eifer verlegt, und sich in verschiedenen Ländern, als Philipp zu Grätz in Steiermark, Joseph zu Marburg ebend., Johann Georg zu Rackersburg ebend., und Franz zu Agram in Kroatien, als Bildhauer niedergelassen haben.
Unser Johann Baptist hatte kaum einige mechanische Fertigkeiten bei seinem Vater erlernet, als ihn dieser nach München schickte, und seinem Freunde, dem kurfürstlichen Hofbildhauer Gabriel Luidl gleichsam erst von neuem in die Lehre gab. Binnen vier Jahren, welche er bei diesem Künstler übte, brachte er es so weit, daß man ihn vor vielen andern wählte, die prächtigen Verzierungen, womit die schönen Zimmer der kurfürstlichen Residenz verherrlichet werden sollten, zu verfertigen. Er verließ nunmehr seinen Lehrmeister, und widmete sich gänzlich seiner ehrenvollen Arbeit, welche er in zwei Jahren zur größten Zufriedenheit des Hofes vollendete. Da er aber je länger je mehr wahrnahm, wie groß der Umfang seiner Kunst, und wie unendlich viele der Stufen wären, welche ein Künstler mit Talent durch Hülfe einer geistreichen Anleitung, durch lange und reife Betrachtungen des Schönsten in seiner Art, und durch unabläßliche Versuche und Uebungen besteigen müßte, um eine höhere Vollkommenheit zu erreichen, so faßte er den Entschluß, nach größern Städten, wo damals die Bildhauerkunst nicht so fast mehr geachtet, als durch Bestellung häufiger und schöner Arbeiten mehr ermuntert und geübt würde, zu wandern.
Mit diesem Vorsatze kam er nach Wien zu Herrn Ignaz Gunst, und nachmals zu Herrn Christoph Mader, Bildhauer des Prinzen Eugenius. Bei diesem Mader blieb er drei Jahre, und nahm an dessen zahlreichen und prächtigen Arbeiten immer einen unmittelbaren Antheil. Er wurde auch wegen seiner Geschicklichkeit täglich mehr bekannt, und als der Herr Abt de Monte Serrario eben einen neuen Kloster- und Kirchenbau vornahm, erhielt von ihm unser Straub den Auftrag, die Bildhauerarbeit zu verfertigen. Diese bestand in einer Madonna von der Größe, wie sie in Spanien zu Monte Serrato zu sehen ist, dann in den Oratorien, einer Kanzel, und verschiedenen erhabenen Arbeiten, und Verzierungen, welche in dieser Kirche noch diese Stunde zu sehen sind. Die Schönheit dieser Arbeiten zog ihm viele Achtung zu, und erwarb ihm zumal die Freundschaft des kaiserlichen Hofbaumeisters Freiherrn von Fischer, und des berühmten Architekten Bibiena, deren Umgang und Unterricht ihm vielen Nutzen verschaffte.
Dieser glückliche Fortgang des jungen Straub, und sein täglich wachsender Ruf machte seine Landsleute auf eine edle Art eifersüchtig; sie wünschten ihn bei sich zu haben, und der berühmte bayerische Hofbildhauer Andreas Faistenberger lud ihn ein, nach München zurück zu kommen, und mit ihm gemeinschaftlich zu arbeiten. Straub folgte diesem Aufruf mit tausend Freuden, arbeitete einige Zeit mit Faistenberger, aber bald darauf für sich selbst. Seine Werke erhielten auch allen den Beifall, und eine sieben Schuh hohe Venus mit drei Genien, welche er zu einem Springbrunnen in das Graf königsfeldische Haus verfertigte, gefiel so sehr, daß ihn der Kurfürst, und nachmalige Kaiser Albert sogleich zum Hofbildhauer ernannt, und sohin mit München auf immer verbunden hat. Herr von Lippert nennet in seiner dem augsburgischen Kunstblatt eingerückten Anzeige 75 der ansehnlichsten Werke, welche unser Straub seit 36 Jahren, als der Zeit seines Aufenthaltes in München, verfertiget hat, deren Wiederholung aber hier zu weitläufig seyn möchte.
Straub hatte sich zweimal verheirathet, als a) mit Theresia Elisabetha, einer Tochter des hiesigen Hofkupferstechers Fr. Xaver Spät, mit welcher er binnen einer ellfjährigen Ehe fünf Kinder erzeugte, welche aber alle ihrer Mutter in das frühe Grab gefolgt sind, b) mit Elisabetha Theresia, Tochter des kurf. Hofgerichtsadvokatens und Auditors Herrn Johann Schluttenhofer. In dieser Ehe erhielt er zehn Kinder, wovon aber nur noch zwei Töchter am Leben sind. Was unserm Straub zur vorzüglichen Ehre gereicht, ist, daß auch seine Scholaren berühmte Künstler geworden sind. Der ältere war Herr Franz Ignaz Günter, Bildhauer in München, von dessen Leben und vorzüglichem Werken ich im nächsten Theile eine befriedigende Erwähnung machen werde. Der zweite Scholar war Herr Franz Xaver Messerschmid, sein Schwestersohn, der sieben Jahre bei ihm zugebracht, und einen ganz besondern Grad von Vollkommenheit erreicht hat. Messerschmid wurde nachmals zu Wien kais. kön. Hofbildhauer und Professor der Skulptur bei der dasigen Akademie der Künste, gieng aber einige Zeit darauf nach Preßburg, wo er unlängst gestorben ist. Zu einem Denkmal der Dankbarkeit gegen seinen Vetter und Lehrmeister hat er dessen Portrait nach der Natur, von Ton, im Profil, so wie auch die Portraite der straubischen Töchter, deren damals drei am Leben waren, in Ein Stück zusammengeformt, und nachmals in Blei gegossen, wie sie noch vorhanden sind. Auch verfertigte er für die verstorbene zweite Frau des sel. Straub den schönen einfachen Leichenstein, voll sanfter Rührung und stiller Melancholie, dessen ich im ersten Theile meines Jahrbuches S. 163 erwähnet habe. Auch unser noch lebende Hofbildhauer, Herr Roman Booß, der die ältere Tochter des Herrn Straub geheiratet hatte, stand bei ihm neun Jahre in Arbeit. Herr Johann Bapt. Straub starb den 15ten Juli 1784 im 80sten Jahre seines Alters.
Lorenz von Westenrieder: Sämmtliche Werke: Biographische Schriften. Kempten, 1833.
Straub Johann Baptist, 1704 (Wiesensteig/Wttbg.) – 1784, Hofbildhauer; Sohn eines Bildhauers, lernte er die Anfangsgründe bei seinem Vater, 1722/26 bei dem Hofbildhauer G. Luidl in München und schließlich ab 1728 bei J. Gunst und vor allem bei G. R. Donner und Ch. Mader in Wien, wo er mit Fischer von Erlach und Bibiena bekannt wurde; dann zog er wieder nach München, wo er Gehilfe von A. Faistenberger wurde und nach dessen Tod (1735) dessen Werkstatt kurze Zeit übernahm; 1736 »erwirbt er sich selbst durch die Fertigung einer sieben Schuh hohen Venus samt dreyen Genien zu den Springbrunnen in das itzige Grafkönigsfeld’sche Haus« (Erzbischöfliches Palais an der Kardinal-Faulhaber-Straße) den Titel eines Hofbildhauers und die Gunst Karl Albrechts; vom Schicksal wenig begünstigt – er lebte stets in sehr bescheidenen Verhältnissen, 1748 stirbt seine erste Frau, fünf Kinder folgen ihr in jungen Jahren, aus der zweiten Ehe bleiben von zehn Kindern nur drei Mädchen, von denen eines, Maria Theresia Amalia, seinen Schüler R. A. Boos heiratet –, besaß St. ausgesprochene Führertalente (zahlreiche Schüler: u. a. G. I. Günther, Boos, Messerschmidt) und war tief gläubig, was am besten die Inschrift auf der Madonna seines Hauses bezeugt: Causa nostrae laetitiae (Ursache unserer Freude).
Hauptwerke: Altaraufbauten, Tabernakel und Figuren in den Klosterkirchen von Schäftlarn, Fürstenzell, Ettal, Andechs, St. Anna, München, St. Michael, München, Berg am Laim, Tegernsee, Ursulinen in Landshut, Englische Fräulein in München-Nymphenburg, Grafrath, Polling, St. Georg in München-Bogenhausen, Altomünster, Figuren Nymphenburger Schloßpark, im Treppenhaus des Törring-Palais; neben G. I. Günther ist St. der Hauptmeister der Plastik Münchens und Altbayerns im 18. Jahrhundert.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.