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AA – 24 (Freyberg · Freyberg-Eisenberg · Kesling)

Ω

Die Grabanlage besteht aus 4 Grabsteinen-/tafeln, die nachfolgend (entsprechend der Grabnummerierung der Alten Arkaden) von rechts nach links aufgeführt sind

I

Linke Spalte

Karl Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
General d. Kav. z. D.
geb. 5.IV.1828, gest. 24.IV.1919.
Lucie Freifrau von
Freyberg-Eisenberg
geb. von Hardegg
geb. 12.VIII.1846, gest. 24.II.1924.

Mitte

Ludwig Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
kgl. b. Major a. D.
geb. 21.I.1834, gest. 10.XII.1905.
Julius
Max Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
kais. Bezirkspräsident a. D.
geb. 9.IX.1832, gest. 30.IX.1912.
Emma Freifrau von
Freyberg-Eisenberg
geb. von Koch-Sternfeld
geb. 3.VII.1844, gest. 23.IV.1889.

Rechte Spalte

Marie Freiin von
Freyberg-Eisenberg
geb. 22.III.1828, gest. 16.VI.1907.
Ludwig Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
Hauptmann i. 3. Garde-Rgt. z. F.
Ritter d. Eis. Kreuzes u. hoh. Ord.
geb. 18.XI.1878, gest. den Heldentod
fürs Vaterland 26.IX.1914 an seinen
bei Saint-Quentin am 29.VIII.
erhaltenen Wunden.
Ernst Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
geb. 16.II.1872, gest. 5.VI.1877.
Dr. phil. Josef Freiherr von
Freyberg-Eisenberg
geb. 21.X.1877, gest. 17.X.1928.

II

ALEXANDER
FREIHERR von FREYBERG
K. B. GENERALLIEUTNANT z. D.
GEB. ZU ANSBACH 2. APRIL 1821.
GEST. ZU THALKIRCHEN 20. OKT. 1894.
THEKLA
FREIFRAU von FREYBERG
GEB. FREIIN von FREYBERG
GEB. ZU MUENCHEN 8. APRIL 1850.
GEST. DASELBST 3. DEZEMBER 1914.

R. I. P.

III

Dem Andenken
der geliebten Gattin u. Mutter
gewidmet
von dem trauernden Gatten
und den trauernden Kindern
Karl, Max, und Wilhelm
Freyh. von Freyberg.
Hier ruhet die Gemahlin S. Ex.
des K. B. Oberststallmeisters
Louise Freyfrau von Kesling
geborne Freyin von Wangenheim
Pallast-Dame S. M. der Königin
und Ehrenmitglied des Theresien Ordens
geb. den 3. Aug. 1758. gest. den ¿ Nov. 1830.
Friede ihrer Asche
und
einstiges Wiedersehen!

IV

Johann Baptist Willibald des K. B. Freyherr v. Freyberg
und Eisenberg auf Allmedingen Altheim und Henberg.
Kurpfalzbayrischer Kammerer und geheimer Rath. uih
Fürstlich Freyhrgischer geheimer Rath, Oberst Jägermeister und
Haupt Pfleger zu Burgrhain, des Bayrischen
St. Georgii-Ordens ¿ gebohren den 2. July 1757.
starb den 27ten August 1796.
So edel an Herz als an Geburt,
So innig von Gattin Kindern und Freunden geliebt,
Als er sie libte ward er zu ihrem unvergeßlichen Schmerzen
zu bald entrissen. Er ruhe ewig wohl.

Ω

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Freyberg-Eisenberg, Ernst Freiherr von

* 16.2.1872
† 5.6.1877 (Metz), Tod durch Schlangenbiss
Kreisdirektors-Sohn

Illustrirte Bayerische Volkszeitung (17.6.1877)

Vermischtes.

Festung Metz in Lothringen. Durch einen Schlangenbiß und seine bedauerlichen Folgen ist eine Familie in tiefe Trauer versetzt worden. Herr Kreisdirektor und Bürgermeisterei-Verwalter Freiherr von Freyberg hatte am Sonntag einen Ausflug nach Gravelotte unternommen, und in der Umgegend dieses Ortes war es, wo der 5jährige Sohn desselben von einer giftigen Viper gebissen wurde. Wohl wurde die Wunde sofort sorgsam ausgesaugt, doch konnten weitere kräftigere Gegenmittel erst nach der Rückkunft nach Metz in Anwendung gebracht werden. Leider erwiesen sich dieselben als fruchtlos, denn in vergangener Nacht ist das arme Kind verschieden. Es ist dies seit wenigen Jahren der dritte Fall, daß Bisse giftiger Schlangen in hiesiger Umgegend zu verzeichnen waren.

Illustrirte Bayerische Volkszeitung Nr. 24. Sonntag, den 17. Juni 1877.

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Marie Elektrine Freifrau von Freyberg (vh)

Stuntz (gb)

* 24.3.1797 (Straßburg)
† 1.1.1847 (München)
Historienmalerin, Landschaftsmalerin, Portraitmalerin und Lithographin

Journal des Luxus und der Moden (1812)

September 1812.

Kunst.

I.

Ueber die lythographischen Bilderhefte der Mlle. Stuntz in München.
(Mitgetheilt von einer Kunstfreundin.)

München im August 1812.

Schon seit geraumer Zeit zeugen die, aus den hiesigen lythographischen Kunstanstalten hervorgehenden Arbeiten von dem Werthe einer Erfindung, die anfänglich kaum ihr dürftiges Daseyn fortfristete, viel weniger je Einem die Idee rege machte, als sey ihr für die Zukunft ein schönes, selbstständiges Leben bestimmt. Seit der Erscheinung von Albrecht Dürer's, sich auf der hiesigen k. Centralbibliothek befindenden Handzeichnungen, welche Göthe im Jahre 1808 seiner ganz besondern Aufmerksamkeit in der Jenaer Literatur-Zeitung Stück 67 würdigte, sah man stets vollendetere Kunstproducte ans Licht treten, und es gebührt vorzüglich dem Institut der Herrn Strixner Piloty und Comp. das Lob, alles geleistet zu haben, und fortwährend noch zu leisten, was auch die strengsten Anforderungen eigensinniger Kunstrichter befriedigen kann. Man darf diese Anstalt mit gutem Gewissen die erste der Welt nennen; zumal da Baiern, und München insbesondere, als die Wiege und Nährerin der Erfindung des Steinzeichnens zu achten sind.

Aber nicht nur die Herausgabe trefflicher Copien der köstlichen Handzeichnungen, die sich in den Privat-Sammlungen Sr. Maj. des Königs von Baiern befinden, sondern auch ein zweites Unternehmen dieser Anstalt, oder vielmehr eines Mitglieds derselben, verdient besonders berücksichtigt zu werden, indem man lithographischer Kunst und Schöpfung gedenkt.

Es erscheinen nämlich seit einiger Zeit unter dem Titel: Mes leçons de Mythologie, Bilderhefte mit erläuterndem Text, die eine fortlaufende bildliche Darstellung der mythologischen Dichtungen nach chronologischer Zeitfolge enthalten. Die Verfasserin ist ein junges, l4jähriges Mädchen, Electrine Stuntz.

Die Verfasserin setzte sich ein hohes, schwer zu erreichendes Ziel. Ihre Bilder sollten keine Schöpfungen der Ueppigkeit seyn; sie sollten sich Jedem so zeigen, wie sie in der Idee der reinen Bildnerin hervor traten. Das schöne Gewand zarter Weiblichkeit sollte der Fabel umgeworfen werden, die aus dem Schoose eines üppigen Volkes hervor gieng, und später (in unsern Zeiten erst strahlt helleres Denken über diesen Punkt), durch unzarte Erklärer und Deuter noch mehr in den Staub gezogen wurde.

Auf die erste Ankündigung dieses Unternehmens mochte wohl Mancher tadelnd über dasselbe, als nicht vereinbar mit weiblichem Sinn und weiblicher Sitte, die Achseln gezuckt haben, zumal da die Jugend der Verfasserin eine Schwierigkeit mehr der wirklichen Ausführung ihrer schönen Idee, in den Weg legte. Sie besiegte mit ihrem ersten Heft die Ungläubigen auf eine glänzende Weise, und gab zugleich den Freunden und Schützern des aufblühenden Talentes Ansprüche auf die Erfüllung der schönen Hoffnung, in ihr der Kunst eine preiswürdige Schülerin reifen zu sehn.

Die Uebersicht ihrer bisher gelieferten Blätter in Bezug auf Idee und Ausführung, soll unsern Lesern, wenn nicht Beweis des Gesagten, den sie nur durch eignes Anschaun erhalten können, doch wenigstens einen Begriff von der Weise geben, wie sie die darzustellenden Gegenstände aufgefaßt hat, um sie ihrem Zwecke zu vereinigen.

[…]

Wir haben nun den Cyklus der bis jetzt erschienenen Hefte vollendet. Nicht die Werke einer Anfängerin nur sind es, die wir so ausgezeichnet zu würdigen gedachten, sondern die Zeugen eines erwachenden Genies, zu dessen Reife wir, wenn anders günstige Umstände sein Fortschreiten unterstützen, in diesen armen Zeiten freudiges Vertrauen hegen dürfen.

Dieselbe Künstlerin liefert Blätter in Federzeichnungs-Manier, zu einer Bearbeitung der Nibelungen, die in München heraus kommen wird.

Journal des Luxus und der Moden. Weimar; September 1812.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode (1815)

Junius 1815.

VI.
Kunst.

Kunst-Nachrichten aus München. – Neueste Gemälde der Dlle. Electrine Stuntz.

Es bleibt der Kunst aufbehalten, die Hand der Bekräftigung und Verwirklichung auf manche religiöse Dogmen und Mythen zu legen, und durch ihre Gestaltungen das auszudrücken, was alle Figuren der Redner nicht anschaulich zu machen im Stande sind: vor Allem aber ist es der Malerei gegeben, das Wort lebendig, das Unbegreifliche begreiflich, das Unkörperliche körperlich darzustellen, und dadurch dem Menschen alles Geistige näher zu bringen, daß sie seine Ideen gleichsam personifizirt.

Der Katholicismus ist fruchtbar an dergleichen, aus dem Reiche des Uebernatürlichen genommenen Gegenständen. Wir rechnen dazu das Dogma von der unbefleckten Empfängniß Maria, welcher Gegenstand an und für sich ganz und gar nicht geeignet scheint zu irgend einer bildlichen Darstellung, sey es auch auf eine allegorische Weise. Aber gerade an solchen Vorwürfen zeigt sich die Sublimität der Kunst, und große Meister haben schon durch ihre Behandlung derselben bewiesen, wie innig sich die Wahrheit der Darstellung mit der des dargestellten Gegenstandes vereinigen lasse. Doch gehört es einem zarten jungfräulichen Gemüthe zu, die schöne Poesie in dem Englischen Grusse so aufzufassen, wie sie uns als Schönheit und Wahrheit zugleich und allseitig befriedigend vor die Augen tritt.

Davon überzeugt uns ein Oelgemalde der Dlle. Electrine Stuntz, welches den Englischen Gruß vorstellt. Dieses Gemälde (Kniestück, in Lebensgröße 25 franz. Zoll hoch und 36 Zoll breit) ist von so großer Schönheit in Zeichnung, Composition und Colorit, daß es schwer hält, dasselbe mit bloßen Worten zu beschreiben. Was ein zartes Gemüth in Stunden der Weihe gefühlt, woran es mit inniger Liebe gehangen, offenbart sich in den zwei göttlichen Gestalten des Engels und der Jungfrau. In den klaren, blauen Augen der Letztern, wie sie so kindlich fromm und treu-ergeben, und dennoch so begeistert von jener Andacht, von der sich sagen laßt, sie vermähle uns mit dem Ueberirdischen, nach dem himmlischen Boten blicken; in ihren holden, und dennoch ernsten Mienen erscheint uns wirklich ein Wesen höherer Art, ein Wesen, das wir uns wohl denken konnten, ohne es je mit den Augen der Sinne zu erblicken. Dasselbe gilt von dem Engel, dessen majestätische und doch unbeschreiblich liebreizende Züge uns Alles zurückrufen, was wir einst in seligen Träumen von überirdischen Wesen geschaut. Die Jungfrau befindet sich im Lichte, während der sich zu ihr neigende Engel im Schatten schwebt. Die Mitteltinten, die halb- und ganz dunkeln Partien sind trefflich gehalten, und ein genaues Studium der Carnation nicht zu verkennen. Die Kunstgröße läßt sich leicht voraussehen, wenn auch nicht ermessen, die ein solcher Anfang verkündigt, denn noch ist diese Künstlerin nicht 18 Jahre alt, und hat nie einer andern Leitung, als der ihres, freilich sehr kenntnißreichen Vaters, des rühmlichst bekannten Landschaftmalers Stuntz genossen. Was muß nicht aus ihr werden, gesellt sich erst die Erfahrung zu ihrem Genie, wird ihr unermüdlicher Forschungsgeist mehr durch vielfältigeren Umgang, durch Lectüre, und hauptsächlich durch die Gelegenheit zum Ziele geführt, nach der Natur arbeiten und ihre geistreichen Phantasien darnach berichtigen zu können! Sie besitzt jetzt schon eine ganz besondere originelle Farbentechnik, und der in ihren Gemälden sichtbare Fleiß läßt sich einzig mit dem der altteutschen und altniederländischen Maler vergleichen. Man kann sagen, das Gefühl führe ihren Pinsel, und ein so richtiges und schönes Gefühl, das dem Wunsche keinen Raum mehr läßt. Alle starken, grellen Pinselstriche, wodurch einige unter den heutigen Malern, Rubens und andere große Meister nachahmend, ihre Genialität zeigen wollen, sind selbst da aus ihren Gemälden verbannt, wo sie nicht ohne Wirkung seyn würden. Sie arbeitet nicht auf den Effect, und doch wirkt er unausbleiblich und stärker, als alle Pinselstreiche unserer sogenannten Genies.

Eben so weit entfernt ist sie von einer andern Mode, die unter den jetzigen Malern einzureißen beginnt, und im eigentlichen Verstande einreißt und wegwirft, was Jahrhunderte mühsamer Forschung im Gebiete der Kunst entdeckten, um sie wissenschaftlich zu begründen. Man könnte es die kindische Manier nennen, obgleich sie als Nachahmung des Naiv-Frommen der altteutschen und altitalienischen Schulen kindlich und nicht kindisch seyn möchte. Diese Manier schließt alle Kenntniß der Perspective, der Anatomie und der Optik aus, und man kann auf diesem Wege wirklich sehr bequem zu Ruhm und Ehren gelangen, zumal leider auch talentvolle Künstler ihr schwer erworbenes Wissen von sich werfen, um dieser Mode und den Launen der sogenannten Liebhaber zu fröhnen, deren geringste Sünde es ist, Alles, was den wahren Vortheil der Kunst betrifft, über ihre Einfälle zu vergessen. Die Ansichten dieser Menschen richten sich meistens nach ihrem Umgange und ihrer Lectüre, und da es der umgehenden und schreibenden Narren so viele giebt, wechseln sie jene eben so oft, als eine neue Narrheit zum Vorschein kommt. Der Werth, den diese Nachahmungen der Nachahmung, wie sie Manlich gar treffend nennt, in den Augen der Liebhaber hat, ist von kurzer Dauer, vorübergehend wie ihre Launen, nur das wahrhaft Kunstgemäße lebt durch alle Zeiten, und krönt das Verdienst des Künstlers durch sich selbst, und durch den Beifall, den es sich in den Augen aller Kunstgenossen und Kunstfreunde erwirbt. Es ist diesen bei'm Anblick eines nach den Regeln der Kunst erschaffenen Bildes gerade, als wären sie durch eine lange Galerie schlechter Copien gewandert, und erblickten nun zuletzt noch ein schönes Originalgemälde, über welches sie sich freuen, und an dem sie sich von ihrer unbehaglichen Wanderung erholen können. Und gerade dieß Gefühl der Erholung nach einer ausgestandenen Mühseligkeit war es, welches Referent empfand, als er dieß erwähnte Gemälde der Dlle. Stuntz, und noch ein anderes, Madonna mit dem schlafenden Jesuskinde erblickte. Nicht ohne Bedauern, über das letztere nicht weitläuftiger seyn zu können, schließen wir diese Anzeige, welche, wie wir hoffen, dazu beitragen wird, die Ausmerksamkeit des Publicums auf ein Talent zu richten, welches einst ein Stern erster Größe am Kunsthimmel aufgehen wird.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode. Weimar; Juni 1815.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode (1815)

September 1815

Kunst-Nachrichten aus München.

Bei dieser Gelegenheit muß ich auch eines Besuches erwähnen, den II. MM. die Kaiserin von Rußland [Elisabeth Alexejewna], unsere Königin [von Bayern, Karoline Friederike Wilhelmine], und I. K. H. die Herzogin von Zweibrücken im Atelier der Dlle. Elektrine Stunz machten. Die Absicht der allerhöchsten Herrschaften war es nämlich, sich über die Kunst des Steinzeichnens und Druckens genauere Kenntnisse zu verschaffen. II. MM. verweilten beinahe eine Stunde im Kreise dieser liebenswürdigen Familie; ein Sohn, Joseph Hartmann, den Sie vielleicht aus einer Recension in der Leipz. Musikal. Zeitung als einen sehr geschickten Tonsetzer kennen gelernt haben, befand sich gerade von einer Schweizerreise wieder auf kurze Zeit bei den Seinigen. Die Herrschaften unterhielten sich mit unbeschreiblicher Huld mit Allen über Gegenstände der Kunst und die besondern Interessen der Familie, wobei sie sich genau von Allem unterrichteten, was zur Lythographie gehört. Sie besahen auch die Malereien der Künstlerin, und bezeigten derselben die schmeichelhafteste Zufriedenheit. Es mußte vor Ihren Augen gezeichnet und gedruckt werden, und I. M. die Königin zeichneten mit eigner Hand die Umrisse eines Blumenkörbchens auf einem, zu dem mythologischen Werke der Elektrine Stunz gehörigen Stein. Der Kaiserin von Rußland Maj. ließen der Dlle. Stunz ein kostbares Halsband-Schloß von Brillanten, in deren Mitte sich ein sehr großer blaß-rother Rubin befindet, (welche I. M. selbst getragen haben,) und dem Hrn. Hartmann Stunz eine goldene Uhr mit der Kette einhändigen.

So viel für heute, Leben Sie wohl.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode. Weimar; September 1815.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode (1817)

Oktober 1817.

IV.
Kunst.

1. Kunstnachrichten aus München.

Eine langwierige, schwere Krankheit, in welcher die Verehrer wahrer Kunst oft bebten, eine ihrer herrlichsten Kunstblüthen abfallen zu sehen, ehe sie sich ganz in ihrer Pracht entfaltet, hinderte Elektrinen Stuntz, diese hoffnungsvolle, bescheidene Künstlerin, ihre begonnenen Arbeiten zu vollenden. Dennoch hat sie in diesem Jahre eine Charitas, von herrlichem Colorit und eine der lieblichsten Compositionen, ein wahrhaft Raphaelisches Bild, das Portrait des General Grafen Jos. Rechberg, Gesandten Sr. M. am Berliner Hofe, und zwei Landschaften vollendet, welche beweisen, wie sehr die Künstlerin auch in diesen Fache der Malerei unter der Leitung ihres geschickten und einsichtsvollen Vaters gewonnen. Wir hoffen in diesem Blättern Raum zu finden, diese schönen Gemälde ausführlicher zu beschreiben, wenn anders eine bloße Beschreibung es vermag, den überirdischen Farbenglanz, den Duft, das Verschwimmen der Töne von Licht, Schatten und Halbschatten, alle jene Eigenthümlichkeiten zu versinnlichen, welche die Magie des Colorits ausmachen, wodurch sich diese, in ihrem Fache ganz originelle, Künstlerin vor vielen Neueren so vortheilhaft auszeichnet.

Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode. Weimar; Oktober 1817.

Monogrammen-Lexikon (1831)

Künstlerinnen, welche schon vor ihrer Verheirathung Kunstruhm sich erworben hatten, setzten in diesen seltnen Fällen ihrem angeheiratheten Namen noch ihren ursprünglichen Familiennamen bei; so bezeichnete sich z. B. als geborne Stunz die zu München lebende, durch ihre Oelgemälde, Lithographien und Kupferätzungen rühmlich bekannte Electrine v. Freiberg.

Joseph Heller: Monogrammen-Lexikon enthalten die bekannten, zweifelhaften und unbekannten Zeichen, so wie die Abkürzungen der Namen der Zeichner, Maler, Formschneider, Kuferstecher, Lithographen u. s. w. mit kurzen Nachrichten über dieselben. Bamberg; 1831.

Neues allgemeines Künstler-Lexicon (1837)

Freyberg, Elektrine Freifrau von, eine berühmte Künstlerin, die 1797 zu Strassburg geboren wurde. Von der Natur zur Kunst aufgefordert, fand sie schon als Kind am Zeichnen Lust, und geleitet von ihrem Vater, dem Landschaftsmaler Johann Stuntz, erkräftigte sie sich immer mehr. Sie wählte das historische Fach, und hierin entwickelte sie ein tiefes poetisches Gefühl. Zu ihrer Bildung trugen auch Reisen in Frankreich und Italien bei, und besondern Nutzen zog sie aus ihrem Aufenthalte in Rom, wo die Künstlerin von 1821 bis 1822 verweilte. Sie wurde auch Ehren-Mitglied der Akademie von S. Luca, da man schon damals in Rom ihren grossen Werth anerkannte, und gegenwärtig behauptet sie in der Kunstgeschichte einen weit höheren Hang als die gepriesene Angelica Kaufmann. Frau von Freyberg übertrifft diese Künstlerin an Ernst der Gedanken, an Correktheit und Adel des Styls und in der Ausführung beurkundet sie eine Meisterhand. Im Colorite haben alle ihre Bilder einen mehr oder minder bräunlichen Ton, der jedoch weder der Wahrheit der Carnation, noch der Kraft der übrigen Farben Schaden thut, und ein überaus wohlthuendes Helldunkel bewirkt. In der Mischung der Farben besitzt sie tiefe Einsicht, und sie weiss diese besonders angenehm und markig aufzutragen.

Diese Künstlerin malt mit Erfolg Landschaften und Portraite, aber doch ist es besonders die Historie, in welcher sie sich mit Vorliebe bewegt. Ihre Madonnen sind von hoher Schönheit, Anmuth und Lieblichkeit, und der Ausdruck aller ihrer Figuren ist tief gefühlt, doch fern von aller Sentimentalität, nach Massgabe ernst und naiv, immer wahr. Man bewunderte mehrere ihrer Bilder auf den öffentlichen Kunstausstellungen, denn sie gehören immerhin zu den besten Erzeugnissen der modernen Kunst, und dabei sind sie in Form und Gestalt von einer Lieblichkeit, die stets das Auge fesselt.

Elektrine Stuntz trat 1823 mit dem Baron Wilhelm von Freyberg in ein eheliches Verhältnis, und so widmet sie jetzt ihre Zeit in München der Kunst und ihrer liebenswürdigen Familie. In letzterer Zeit beschäftigte sie sich mit mehreren Gemälden von bedeutender Dimension.

Man hat auch kleine geätzte Blätter von ihrer Hand und auch in der Lithographie hat sie sich versucht. Ein kleines Blatt mit der Vermählung der heil. Jungfrau ist mit E. bezeichnet, auf den meisten ihrer Gemälde aber ist ein Monogramm, das Elektrine von Freyberg, geborne Stuntz bedeutet.

Dr. G. K. Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. München; 1837.

Kunst-Blatt (16.8.1838)

Nachrichten vom Juni.

Versteigerungen.

München, 7. Juni. Die in diesen Tagen stattgehabte Versteigerung der auserlesenen Gemäldesammlung des verstorbenen Barons E. v. Eichthal, welche größtentheils Werke hiesiger Künstler enthielt, erregte ungewöhnliche Theilnahme, und die Bilder von P. Heß, Rottmann, Alb. Adam, v. Bayer, Dom. Quaglio, Weller etc. wurden zu bedeutend hohen Preisen verkauft. Die Madonna einer talentvollen Dilettantin, Elektrine von Freyberg, erstand der Herzog Max von Leuchtenberg um 1850 fl.

Kunst-Blatt No. 66. Donnerstag, den 16. August 1838.

Die bildende Kunst in München (1842)

Elektrine, Freifrau von Freyberg,

geboren 1797 zu Straßburg, ist die Tochter des Landschaftmalers Johann Stuntz, welcher zu seinem Aufenthalt München wählte, in dessen Nähe er zu Thalkirchen ein Landgütchen, die jetzige verschönerte Villa Freyberg besaß. Sie widmete sich frühe der Kunst und bildete ihre herrlichen Anlagen in München, dann auf Reisen in Frankreich und Italien, vorzüglich während eines längeren Aufenthaltes in Rom, aus. Von der Natur mit einem tiefen poetischen Gefühle beglückt wußte sie ihre innersten Anschauungen bald mit einem zarten Pinsel voll Geist und Leben vorzutragen, daß ihre Bilder überall die verdiente Anerkennung fanden und sie schon während ihres Aufenthaltes in Italien zum Ehrenmitglied der Akademie von St. Luca ernannt wurde.

Wie ihr Leben selbst vom poetischem Geiste durchdrungen ist – nach einer durch viele Hindernisse schwer geprüften und von beiden Seiten mit romantischer deutscher Treue bewährten Liebe vermählte sich im J. 1821 mit der liebenswürdigen Künstlerin der wackere Freiherr Wilhelm von Freyberg, – so weiß sie die zartesten Gefühle mit jungfräulicher Anmuth und Wahrheit zu schildern, und in jedem Beschauer die Gefühle der stillen Freude, der Andacht und Liebe durch ihre Darstellung zu erwecken.

Mit welchem zarten Pinsel ist der Besuch der Frauen am Grabe des Heilandes geschildert, wie ihnen der auf dem Rande des geöffneten Grabes sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft verkündet, und die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet, mit dem Salbengefäße in den Händen, am Grabe in stiller Freude niedersinkt, während die beiden anderen noch wie zweifelnd stehen. Das schöne Bild war schon längst für die Leuchtenbergische Galleite erworben und ist jetzt durch den Steindruck von Strixner allgemein bekannt.

Wer erinnert sich nicht an die schöne Madonna, die jetzt ebenfalls für die Leuchtenbergische Gallerie erworben ist? Wie ist die anmuthvolle Mutter (in halber Lebensgröße ausgeführt) im Anblicke des göttlichen, blonden Kindes beseligt, das vor ihr steht und in eben so milden als kräftig warmen Fleischestönen gehalten ist? Wie lieblich naiv ist in einem anderen Bilde der Hirtenknabe, welcher die Flöte bläst! Wie edel das kleine Brustbild einer betenden Madonna! Wie oft, treu und wahr und beseligend schilderte die Künstlerin nicht die Mutterliebe in der Madonna, welche sie mit dem göttlichen Kinde in den mannichfaltigsten Gruppen darstellte! So in einem Bilde, wie sie, in einer Rebenlaube sitzend, das Kind auf ihrem Schooße hält, welches den vor ihm stehenden kleinen Johannes liebkosend umfängt. Sinnend und voll inniger Freude ruht der Blick der Mutter und jedes Beschauers auf der schönen Gruppe.

Eigenthümlich ist der Künstlerin der mehr oder minder bräunliche Ton, welchem sie ihre Gemälde wie in einem zarten Grundtone zu halten pflegt.

Prof. Dr. Johann Michael Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

Allgemeine Zeitung (5.1.1847)

München, 8 Jan. Sie haben bereits erwähnt wie am ersten Tage des neu eingetretenen Jahres aus unserer Mitte ein edler Geist den Flug in die Heimath erhoben. Electrine Freifrau v. Freyberg, geb. Stunz aus Straßburg, wurde durch den Tod einer liebenden Familie, sie verehrenden Freunden, und der edlen Kunst der Malerei entrissen. Wenige ihrer Werke sind zwar in die Oeffentlichkeit gekommen, diese wenigen aber sprechen rühmlich, wenn auch nicht genügend, den hohen Kunstberuf, die Meisterschaft und das innige Gemüth ihrer Urheberin aus. Die ganze Bedeutsamkeit der Leistungen der Verstorbenen konnte nur jener ganz würdigen dem das Glück geworden war in ihre Häuslichkeit zu gelangen. Von den Wänden ihrer Gemächer zeugen zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Skizzen und Cartons von der ächten Kunstweihe der edlen Frau. Ein Künstler, den viele den größten seiner Zeit nennen, sagte von ihr: »Sie übertrifft die Angelica Kauffmann, und ist überhaupt als das bedeutendste Kunsttalent das noch unter dem Frauengeschlechte sich hervorgethan, zu betrachten.«

Allgemeine Zeitung Nr. 5. Augsburg; Dienstag, den 5. Januar 1847.

Kunstblatt (18.3.1847)

Nekrolog.

München. Am 1. Januar starb hier nach langen Körperleiden, allgemein betrauert, die Freifrau Electrine v. Freyberg, geb. Stuntz, Gattin des k. Viceoberstallmeisters Frhrn. Wilhelm v. Freyberg, welche mit seltenen Vorzügen des Geistes und Herzens auch ein ausgezeichnetes Talent zur Malerei verband. Mehrere ihrer geschätzten Bilder sichern ihr auch in der Kunstwelt ein dauerndes Andenken. Sie war Ehrenmitglied der römischen Akademie von San Luca. Ihr Alter brachte sie bis ins 50ste Lebensjahr.

Kunstblatt Nr. 13. Donnerstag, den 18. März 1847.

Conversations-Lexikon für Bildende Kunst (1848)

von Freyberg, Elektrine, geb. 1797 zu Strassburg, † am 1. Januar 1847, war die Tochter des Landschaftsmalers Johann Stuntz, der 1808 von Strassburg nach München übersiedelte, bildete sich früh unter väterlicher Leitung zur Künstlerin, besuchte 1821–22 Italien, wo infolge ihrer Anschauung der Werke Raffaels und andrer Heroen der Malerei ihr Sinn für religiöse Kunst zur Reife gedieh, und entfaltete darauf bald eine solche Kunstkraft, dass sie als Historienmalerin zu den vorzüglichsten künstlerischen Namhaftigkeiten, welche je in der Frauenwelt erstanden sind, gezählt werden konnte.

Mit ihrer Kunstbegeistrung verband sich aber aufs Schönste das zarteste weibliche Liebegefühl, das ihrem Leben und Streben den poetischen Hauch verlieh.

Nach einer durch viele Hindernisse schwergeprüften und beiderseits mit deutschromantischer Treue bewahrten Liebe vermählte sich Elekrine Stuntz in den ersten Zwanzigern des Jahrh. mit dem Freiherrn Wilhelm von Freyberg, mit dem sie in München sowie auf ihrem väterlichen Erbe, dem unweit der Stadt liegenden Landgütchen zu Thalkirchen, das zur »Villa Freyberg« verschönert ward, das gemüthlich befriedetste Leben führte, bis sie endlich in ein Körperleiden verfiel, dem sie unter allgemeiner Betraurung erlag.

In Ihren Bildern wusste sie mit jugendlicher Anmuth und Wahrheit die zartesten Gefühle zu schildern. In der Leuchtenbergschen Gall. zu München ist Ihre wunderschöne Schilderung des »Frauenbesuchs am Grabe des Heilands.« Den heil. Frauen verkündet der auf dem Rande des geöffneten Grabes sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft; die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet und die das Salbengefäss in Händen hat, sinkt am Grabe in stiller Freude nieder, während die beiden andern noch wie zweifelnd dastehen. (Verbreitet ist dies Bild durch eine Steichzeichnung von Nep. Strixner.) In ders. Gall. ist von ders. Künstlerin eine anmuthreiche Muttergottes in halber Lebensgrösse. Die schöne Madonna erscheint beseligt im Anblicke des göttlichen blonden Kindes, das vor ihr steht und in ebenso milden als kräftig warmen Fleischtönen gehalten ist.

Edel ist auch ihr kleines Brustbild einer betenden Madonna und ein Wonnebild der Mutterliebe bietet die Madonna in der Rebenlaube, wo sie das Kind auf ihrem Schoose hält, welches den vor ihm stehenden kleinen Johannes liebkosend umfängt. Sinnend und voll inniger Freude ruht der Blick der Mutter und jedes Beschauers auf der schönen Gruppe. (Auch Volksstücke kennt man von Elektrinens zartem Pinsel, z. B. das lieblich naive Bild des flötenden Hirtenhuben.)

Eigenthümlich ist Elektrinens Gemälden der mehr oder minder bräunliche Ton, in welchem dieselben wie in einem zarten Grundtone gehallen sind. Der Ruf ihrer Leistungen erwarb der Malerin, als sie in Rom verweilte, die Ehrenmitgliedschaft der Akademie von San Luca.

Valentin Schertle lithographirte nach ihr die Mad. mit dem Kinde, welche Hr. von Eichthal zu München besitzt; U. Köhler lithographirte eine Charitas, und die Meisterin selbst zeichnete auf Stein eine knieende Muttergottes.

Friedrich Faber: Conversations-Lexikon für Bildende Kunst. Leipzig, 1848.

Neuer Nekrolog der Deutschen (1849)

Maria Elektrina Freifrau v. Freyberg, geb. Stunz, zu München; geb. im Jahr 1798, gest. d. 1. Jan. 1847.

Sie war zu Straßburg im Elsaß geboren, die Tochter des Landschaftsmalers Johann Stunz, der sich später zu München oder vielmehr in dessen Nähe ansiedelte, wo er ein Landgütchen sich erwarb, die jetzige verschönerte Villa Freyberg zu Thalkirchen.

Schon früher entwickelte sich bei ihr das Talent und die Liebe zur Kunst, der sie sich denn auch mit ganzer Seele widmete und in welcher ihr der Vater den ersten Unterricht ertheilte und sie zum thätigen Fortschritt ermunterte. Sie bildete ihre herrlichen Anlagen zuerst in München, dann auf Reisen in Frankreich und Italien aus, vorzüglich aber in dem mit Kunstwerken aller Art so reich begabten Rom, wo sie sich längere Zeit aufhielt.

Ihre Bilder, die sie mit wahrem poetischen Gefühl und mit zartem Pinsel voll Geist und Leben ausführte, fanden bald die verdiente Anerkennung und schon während ihres Aufenthaltes in Italien wurde sie zum Ehrenmitgliede der Akademie von St. Lucas ernannt.

Sie vermählte sich im J. 1821 mit Wilhelm Freiherrn v. Freyberg, königl. bayer. Kämmerer und Viceoberststallmeister, nachdem ihre gegenseitige treue Liebe die Hindernisse besiegt hatte, die ihnen durch Verwandte von beiden Seiten entgegengestellt worden waren. Sie wußte die zartesten Gefühle mit einer unbeschreiblichen Anmuth und Wahrheit darzustellen, daß in jedem Beschauer die Gefühle der reinsten Freude, der Andacht und Liebe erweckt werden. Wie zart und sinnig ist der Besuch der Frauen am Grabe des Heilandes geschildert, wie ihnen der am Grabe sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft verkündet und die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet, mit dem Salbengefäße in den Händen, am Grabe in stiller Freude niedersinkt, während die beiden Anderen noch wie zweifelnd stehen. Dieses schöne Bild ist schon längst eine Zierde der leuchtenberg’schen Galerie und wurde von Strixner durch Steindruck vervielfältigt und dadurch allgemein verbreitet.

Wer nur einmal obenerwähnte Galerie besuchte, erinnert sich gewiß noch an die schöne Madonna (in halber Lebensgröße ausgeführt) von dieser liebenswürdigen Künstlerin.

Eben so anmuthvoll und edel sind noch viele andere Bilder von ihr, die alle einzeln aufzuführen und zu beschreiben, der Raum dieser Blätter nicht gestattet. Zu früh wurde sie ihrem schönen Wirken und ihrer sie so innig liebenden Familie durch den Tod entrissen.

Sie starb nach schwerem Leiden einer langwierigen Abzehrungskrankheit als gottergebene Dulderin und hinterließ ihrem Gemahle, der sie stets mit innigster Zärtlichkeit liebte, vier hoffnungsvolle Kinder, drei Söhne und eine Tochter.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1849.

Die Monogrammisten (1860)

1570. Elektrine, Freifrau von Freyberg, geborne Stuntz. geb. zu Strassburg 1797, gest. zu München 1847, gehört zu den gemüthvollsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Schülerin ihres Vaters, des Landschaftsmalers Johann Stuntz, malte sie anfangs ebenfalls Landschaften in der Weise jener französischen Meister, welche zur Zeit ihrer Anfänge das Feld behaupteten. Ein längerer Aufenthalt in Rom führte sie aber auf das Gebiet der religiösen Malerei, welche sie mit grösster Zartheit und Liebe pflegte. Oft schilderte sie die Mutterliebe in der Madonna mit dem göttlichen Kinde, und zwar in den mannigfaltigsten Gruppen. Eines der schönsten Gemälde dieser Art, die hl. Jungfrau in halber Lebensgrösse mit dem vor ihr stehenden Kinde, kam mit der Gallerie des Herzogs von Leuchtenberg in letzter Zeit nach St. Petersburg. Ein zweites Bild, welches die heil. Frauen am Grabe des Heilandes vorstellt, ging denselben Weg. Letzteres ist von Strixner lithographirt, und von J. Muxel für das Leuchtenbergische Galleriewerk zart radirt, so wie die Madonna mit dem Kinde. Die Madonna mit dem Kinde in der Sammlung des Baron von Eichthal zu München ist von V. Schertle lithographirt, gr. fol. Eine knieende Maria mit dem Kinde hat die Künstlerin selbst lithographirt, gr. fol. Ein liebliches Bild der Charitas ist durch die Lithographie von H. Kohler bekannt, gr. fol. Der Gatte der Künstlerin, Baron Wilhelm von Freyberg in München, besitzt noch mehrere Gemälde und Zeichnungen von der Hand derselben. Darunter ist das lebensgrosse Bildniss der Künstlerin von feinster Vollendung, und ein sehr zartes Bild der Geburt des Johannes mit dem Monogramme und der Jahrzahl 1829, so wie ein Gemälde mit der Madonna und den beiden Kindern in einer Landschaft, in der Weise Rafael's componirt und gemalt. Auch dieses Gemälde ist mit dem Monogramme und der Jahrzahl 1826 versehen. Es kommt überhaupt auf den meisten Gemälden und Zeichnungen der Künstlerin vor, gewöhnlich in Cursiven, und mit der Jahrzahl. Der Buchstabe F ist nur selten durch den charakteristischen Querstrich angedeutet, so dass man auch E T lesen kann. Die Grösse ist nicht durchgehends gleich. Auf Gemälden ist das Cursivmonogramm öfters grösser, es stimmt aber mit den obigen Zeichen, welche wir nach Radirungen copirt haben.

Die radirten Blätter der E. von Freyberg sind nicht häufig, da sie nicht in den Handel kamen. Wir kennen folgende:

1) Die drei musicirenden Mädchen vor dem Wirthshause unter dem Baume. Das eine spielt die Harfe, das zweite am Baume die Violine, und das zwischen beiden sitzende Mädchen hält ein Notenbuch. Rechts oben ist das zweite Zeichen. H. 4 Z. 11 L. Br. 6 Z. 4 L.

2) Ein die Schalmey blasender Knabe vor einer Mauer, an welcher links Schlinggewächse wuchern. Das Gemälde besitzt Baron von Freyberg, indem es das Bildniss seines Sohnes gibt. Links oben ist das dritte Zeichen mit der Jahrzahl 1824. H. 5 Z. 9 L. Br. 4 Z.

3) Die drei Kinder unter der Weinlaube, in einem an die Antike streifenden Costüme. Der Knabe spielt die Lyra, das gegenüber stehende Mädchen hält eine Rolle, und der zweite sitzende Knabe malt. Links unten das Cursivzeichen mit der Jahrzahl 1825. Höhe 6 Z. Breite 4 Z. 2 L.

4) Christus stehend, in ganzer Figur. Original-Lithographie. Rom den 22. Februar 1822. 8.

5) Die Verlobung Mariä. Original-Lithographie, 8.

6) Maria mit dem Kinde knieend. Original-Lithographie, gr. fol.

Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben etc. bedient haben.

Allgemeine Deutsche Biographie (1878)

Freyberg: Elektrine Freifrau v. F., geb. Stuntz, Historienmalerin, geb. in Straßburg am 24. März 1797, gest. in München am 1. Januar 1847. Durch Schönheit und Geist, wie Talent gleich ausgezeichnet, bildete diese zu ihrer Zeit berühmte Frau sich erst in Straßburg und Paris, dann in München unter dem Einflusse Langer’s und besonders in Rom aus, wo sie 1821–22 verweilte, und Overbek auf sie wirkte. Indeß zeigt sie in ihren Madonnen und sonstigen fast ausschließlich kirchlichen Bildern keineswegs seine Sentimentalität, sondern ist frischer und naiver, freilich auch ohne die Innigkeit seines religiösen Gefühls. Nach der überlegenen Marie Ellenrieder war sie jedenfalls eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit in Deutschland, und eine Madonna mit Kind, die sich nebst zwei anderen Bildern in der neuen Pinakothek in München neben Overbek’s heiliger Familie wohl behauptet, legt von ihrer damals ungewöhnlichen technischen Geschicklichkeit, wie ihrer zierlich anmuthigen Auffassung Zeugniß ab. Auch die Leuchtenberg’sche Gallerie in Petersburg enthält ein Bild von ihr, viel Anderes ist in Privatsammlungen zerstreut.

Friedrich Pecht: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1878.

Beilage zur Augsburger Zeitung (8.1.1898)

Jubiläumsstreifzüge durch die Kunst- und Literaturwelt.
Von Al. Zottmann.

I. Kunst.

Den Schluß der deutschen Künstlerjubilare bilde eine Vertreterin des schönen Geschlechts, die talentvolle Malerin Elektrine Freifrau von Freyberg. Geboren 1797 zu Straßburg als Tochter des Kunsthändlers und Landschaftsmalers Joh. Bapt. Stunz, verrieth sie schon sehr früh viel Talent und eine reiche Phantasie, und obwohl sie keinen Unterricht als den ihres Vaters genossen hatte, wurde sie bald eine treffliche Malerin, wozu besonders ihre Reisen in Frankreich und Italien beitrugen. In Rom war sie von 1821–1822 und wurde dort zum Mitglied der bekannten Malerakademie von S. Luca ernannt. 1823 verehelichte sie sich mit dem Baron Wilhelm von Freyberg, blieb aber auch von dieser Zeit an der Ausübung ihrer Kunst treu. Sie starb 1847 zu München. Von ihren Bildern, welche eine ungemeine Zartheit an sich tragen und die Frauenhand nicht wohl verläugnen können, habe ich in unseren Münchener Sammlungen drei gefunden; in der neuen Pinakothek die Namengebung des hl. Johannes und eine Porträtstudie; dann in der Lotzbeck'schen Sammlung am Karolinenplatz eine sogenannte Caritas, Mutter mit drei Kindern. Die Bilder fallen sofort auf, da sie vom modernen Realismus ziemlich abweichen und mehr etwas von der toskanisch-umbrischen Schule Italiens entlehnt zu haben scheinen. Es liegt etwas von »Unschuld, Anmuth und Natürlichkeit, von Anspruchslosigkeit« in diesen Bildern, »bei aller Schönheit der Farbenwirkung, Tiefe und Klarheit des Colorits«. Freilich verfällt die Malerin auch ins andere Extrem, daß verschiedene Figuren zu sinnig und in stilles Träumen verloren erscheinen, als ob sie die ganze Scene, zu welcher sie gehören, gar nichts angehe.

Beilage zur Augsburger Zeitung Nr. 1. (8. Januar 1898)

Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Freyberg, Marie Electrine, Freifrau von, geb. Stuntz, Historienmalerin, geb. 14. März 1797 in Strassburg, † 1. Jan. 1847 in München, Tochter und Schülerin des Landschaftsmalers und Lithographen Joh. Bapt. Stuntz, zeigte schon in früher Jugend ein grosses Talent zur Malerei, bereiste Frankreich und Italien, bildete sich besonders in Rom aus und malte nachher in München namentlich Historienbilder. Solche sind in der Neuen Pinakothek eine Madonna mit dem Kinde und Zacharias gibt dem kleinen Johannes den Namen; ausserdem das Johanneskind bei Zacharias, die 3 Frauen am Grabe Christi (Gal. Leuchtenberg in St Petersburg), eine betende Madonna, Verherrlichung der Religion durch die Künste, Maiandacht und einige Bildnisse. Man hat von ihr auch einige Original-Lithographien und Radierungen. 1888 wurde sie zum Mitglied der Akademie von S. Luca ernannt.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.



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