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1 – 1 – 18 (Zuccarini)

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1797
Josef G.
Zuccarini
Botaniker
1848

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Josef Gerhard Zuccarini

* 10.8.1797 (München)
† 18.2.1848 (München)
Botaniker

Gelehrtes München im Jahre 1834

Zuccarini, Jos. Gerhard, außerordentl. Professor der Botanik an der Ludwigs-Maximilians-Universität, außerordentl. Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften, und Adjunkt des botanischen Conservatoriums in München, geboren 1797 den 12. August in München. Sohn des Franz Anton Zuccarini, Regisseur des königl. Hoftheaters, und Katharina Lang, königl. Hofsängerin.

Er besuchte in seiner Jugend die öffentlichen Schulen, das Gymnasium und Lyceum in München, und bezog im Herbste 1815 die Universität Erlangen, um Medizin zu studieren, beschäftigte sich aber während seines Universitätskursus, so wie schon früher auf dem Lyceum, vorzugsweise mit Naturgeschichte. Nach seiner Zurückkunft von Erlangen im Herbste 1819 widmete er sich ganz dieser Wissenschaft. Unter der Leitung des Hrn. geh. Rathes v. Schrank nahm er an den wissenschaftlichen Arbeiten des königl. botanischen Gartens Theil, und untersuchte zugleich die in botanischer Hinsicht nach wenig bekannten Umgebungen der Hauptstadt. Als im Herbste 1820 die Herren v. Martius und v. Spix aus Brasilien zurückkamen, erhielt Zuccarini den Auftrag, an der Aufstellung und Bearbeitung des großen, von dort mitgebrachten Herbariums Antheil zu nehmen. In Folge dessen bearbeitete er den ersten Theil der Nova genera et species plantarum brasiliensum (M. siehe unten). Im Jahre 1823 ward er zum Adjunkten der königlichen Akademie der Wissenschaften ernannt, und ihm zugleich das Lehramt der Botanik am Lyceum etc. übertragen, nachdem er schon seit 1822 zugleich freiwillig öffentliche Vorträge über Botanik am botanischen Garten gehalten hatte. Diese Vorträge wurden bei der Errichtung der medizinischen Schule im Jahre 1825 fortgesetzt, und Zuccarini endlich, als die Universität von Landshut nach München versetzt wurde, im Jahre 1827 zum außerordentlichen Professor der Botanik an derselben, und zum außerordentlichen Mitgliede der königlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. In der Zwischenzeit hatte er ausser mehreren unten erwähnten Abhandlungen das Material zu seiner Flora von München vollständig gesammelt, und durch viele Reisen Stoff zu einer größern Flora des ganzen Königreiches zusammengetragen. Seitdem beschäftigte ihn ausser seinen Vorlesungen über »allgemeine Botanik, Forstbotanik, ökonomische und technische Botanik und allgemeine Naturgeschichte des Pflanzenreiches,« vorzüglich seine nun vollendete deutsche Forstbotanik und weitere Vorarbeiten zu der Flora bavarica.

§. §. Nova genera et species plantarum, quas in itinere per Brasiliam jussu et auspiciis Maximiliani Josephi I. Bavar. Regis august. suscepto collegit et descripsit. Dr. C. F. P. de Martius etc. Pingendas curavit et secundum auctoris schedulas digessit Dr. J G. Zuccarini, Vol. I. cum tab. 1–100. 4. Flora der Gegend um München von Dr. J. G. Zuccarini. Erster Theil. Phanerogamen. 8. München, ,1829. Lindauer. (418 S.) Charakteristik der deutschen Holzarten im blattlosen Zustande. 1. 2. 3. Heft mit 27 Tafeln. 4. München, 1830 – 1 32. Cotta. Handbuch der deutschen Forstbotanik. 8. München, 1832. Cotta. In den Denkschriften der königl. Akademie der Wissenschaften sind erschienen: Monographie der amerikanischen Oralisarten. Mit 6 Steindrucken. 60 S. (in 9 Bde. 18 5). Nachtrag zu der Monographie der amerikanischen Oralisarten. Mit 3 Steindrücken. S. 102. (im 10 Bde. 1832). Plantarum novarum vel minus cognitarum, quae in horto botanico herbarioque regio monacensi servantur, elenchus. Fascilus 1. (S. 112 ) cum tab. VI. lapidi incisis. (im 10 Bde. 1832). In der botanischen Zeitung in Regensburg: Ad floram Erlangensem adnotationes nonnullae. (p. 605.) seq. 1821. Botanische Notizen über eine im Juli 1823 nach Tyrol und Oberitalien gemachte Reise, (p. 256. seq., p. 277. seq., p. 202.) 1824. Bemerkungen über Polygonum viviparum. (p. 289. seq.) 1825. Ueber Oxalis corniculata und stricta. (p. 257. seq.) 1826, Ueber die Saamen der Gentianen. (p. 305. seq.) 1826. Ueber einige Anemonen aus der Abtheilung Pulsatilla. (p. 369. seq.) 1826. Ueber den Utriculus der Carices. (p. 119. seq.) 1827. Der Winter 1829/30 im botanischen Garten zu München, (p. 745. seq.) 1830 Skizzen aus meinem Reisetagbuche über die Schweiz und Oberitalien. Mehrere Recensionen sind in verschiedenen Jahrgängen enthalten. In der Zeitschrift »Inland und Ausland« kommen mehrere Aufsätze, z. B. über Allee-Anlagen um München, Erinnerungen aus dem bayerischen Hochlande u. s. w. Mehrere Gedichte sind hie und da anonym erschienen. In der 2ten Auflage der Beschreibung des Wildbades zu Kreuth ein Aufsatz über die Vegetation jener Gegend.

Adolph von Schaden: Gelehrtes München im Jahre 1834, oder: Verzeichniss mehrerer in Bayerns Hauptstadt lebenden Schriftsteller und ihrer Werke. München, 1834.

Conversations-Lexikon der Gegenwart (1841)

Zuccarini (Joseph Gerhard von), Mitglied der bairischen Akademie der Wissenschaften, ordentlicher Professor der Botanik an der Universität und zweiter Conservator des botanischen Gartens zu München, wurde am 10. Aug. 1797 in München geboren, wo sein Vater, Franz Anton Z., als verdienstvoller Regisseur des königlichen Hoftheaters und seine Mutter, eine geborene Katharina Lang, als Hofsängerin lebte. Nach Beendigung seiner ersten wissenschaftlichen Studien auf den Schulen in München bezog er im Herbste 1815 die Universität zu Erlangen, um daselbst Medicin zu studiren. Seine von frühester Kindheit her überwiegende Neigung zur Naturgeschichte, insbesondere zur Botanik, machte ihn aber diesem Berufe untreu, und so widmete er sich seit seiner Zurückkunft im Herbste 1819 zu München, wo ihn der um die vaterländische Flora so verdiente geheime geistliche Rath von Schrank freundlich als seinen Schüler aufnahm, ausschließend dieser Wissenschaft. Nach der Rückkehr der gelehrten Reisenden von Spix und von Martius aus Brasilien im J. 1820 ward A. dem Letztern zur Aufstellung und vorläufigen Bestimmung des großen von dorther mitgebrachten Herbariums beigegeben, wodurch er die beste Gelegenheit erhielt, unter Leitung dieses ausgezeichneren Pflanzenforschers sich vollkommener auszubilden. Die Monographie der amerikanischen Oxalisarten, welche in den »Denkschriften« der bairischen Akademie der Wissenschaften im J.1825 abgedruckt erschien, und der erste Band der »Nova genera et species plantarium brasiliensium«, welchen er 1824 mit von Martius gemeinsam herausgab, waren die nächsten Früchte dieser Stellung. Inzwischen war er 1823 zum Adjunct der königlichen Akademie der Wissenschaften ernannt und ihm zugleich das Lehramt am Lyceum zu München übertragen worden, nachdem er schon seit 1822 freiwillig öffentlich« Vorträge über Botanik am botanischen Garten gehalten hatte. Bei Errichtung der medicinischen Schule im J. 1825 setzte er diese Vorträge fort, bis er endlich im J. 1827 an der von Landshut nach München verlegten Universität zum außerordentlichen und später zum ordentlichen Professor der Botanik und in gleicher Weise zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. Der staatswirthschaftlichen Facultät zugewiesen, hielt er seitdem Vorlesungen über Forstbotanik, ökonomische und technische Botanik, allgemeine Botanik und Naturgeschichte des Pflanzenreichs. Indessen hatte ihn gleichzeitig vorzugsweise die vaterländische Flora beschäftigt. Die Gegend von München wurde in den J. 1820–24 zuerst gründlich botanisch untersucht und lieferte interessante Resultate. Nicht minder erfolgreich waren mehre Reisen in die bairischen und tiroler Alpen, da sie viele neue Beiträge, Berichtigungen und Ergänzungen zur allgemeinen deutschen Flora lieferten. Die Ergebnisse dieser Bemühungen machte er seit 1821 zuerst in mehren Aufsätzen der regensburger »Botanischen Zeitung« und in der »Deutschen Flora« von Koch, dann aber auch besonders in seiner »Flora der Umgegend von München« (Bd. 1, Münch. 1829), und endlich in einer Abhandlung »Uber die Vegetationsgruppen in Baiern« (Münch. 1831) bekannt. Es sind dies alles Vorarbeiten zu einer größern Flora des ganzen Königreiches. Im J. 1829 hatte er überdies bereits die sehr interessante und seit Löffling's unvollkommenem Versuch ähnlicher Art fast ganz vernachlässigte »Charakteristik der deutschen Holzarten im blattlosen Zustande« (Heft 1–3, Münch. 1830–32, 4., mit 27 Tafeln) begonnen und dieselbe auf ganz sichere Merkmale zurückgeführt, wie solche die Stellung und der innere Bau der Knospen an die Hand geben. Hieran knüpfte sich eine Reihe Abhandlungen in den »Denkschriften« der Akademie, theils descriptiven Inhalts, wie unter Anderm über interessante, durch von Martius, Baron Karminsky und von Schubert aus Brasilien, Mexico und dem Orient mitgebrachte Pflanzen, theils morphologischer Art, wie über die Cacteen. Auch theilte er in denselben Schriften 1832 einen Nachtrag zu der Monographie der amerikanischen Oxalisarten mit und eine Auswahl neuer und weniger bekannter Pflanzen des botanischen Gartens in München. Noch erwähnen wir hier sein »Handbuch der deutschen Forstbotanik« (Münch. 1832) und seinen »Leichtfaßlichen Unterricht in der Pflanzenkunde« (Münch. 1834). Im J. 1835 verband er sich mit von Siebold in Leyden zur Herausgabe einer Flora von Japan nach den Erfahrungen und dem reichhaltigen Material, welches der berühmte Reisende während eines fünfjährigen Aufenthalts in dem sonst so unzugänglichen Lande zusammenzubringen gewußt hatte. Der erste Theil: »Flora japonica; sectio prima, continens plantas, usui vel ornatui inseryientes; centuria L.«, mit 100 colorirten Tafeln, ist bereits erschienen. Die systematische Anordnung und Gliederung, sowie die eigentliche botanische Charakterisirung des dargebotenen Materials im Ganzen und Einzelnen, auf dem Grunde der überall wörtlich mitgetheillen Angaben des Reisenden, in diesem großartigen und verdienstvollen Werke rühren von Z. her. Gleichzeitig beschäftigte denselbe die Herausgabe einer »Synopsis flora graecae«, aus den reichhaltigen, seit Begründung des griechischen Königreichs ihm zugegangenen Materialien, welche gegenwärtig zum Drucke vorbereitet wird. Z.'s poetische, ausschließend lyrische, vollständig bisher nicht publicirte Versuche verdienen nicht blos ihres innern, besonders in der gemüthvollen und zartsinnigen Auffassung tieferer Lebensmomente begründeten Werthes, sondern auch vielleicht noch deshalb hier Erwähnung, weil die Neigung zu dieser Richtung ein ihm mit zwei Geschwistern gemeinsames und auf gleiche Weise durchgebildetes Erbgut ist. Er gab im J. 1839 unter dem Titel »Kleeblätter, Lieder dreier Geschwisterte« einige Proben davon, die, von dem zu früh verstorbenen Stabsarzte in griechischen Diensten, Dr. Friedrich Z., von Virginie Z., verehelichte Widenmann, und ihm herrührend, eine seltene Einigung des Gemüths und der Gesinnung unter Geschwistern darthun.

Conversations-Lexikon der Gegenwart. Leipzig, 1841.

Allgemeine Deutsche Biographie (1900)

Zuccarini: Joseph Gerhard Z., Botaniker, geboren zu München am 10. August 1797, † ebendaselbst am 18. Februar 1848. Zuerst durch häuslichen Unterricht, sodann auf dem Gymnasium und dem Königl. Lyceum seiner Vaterstadt vorgebildet, bezog Z. 1815 die Universität Erlangen, behufs Studiums der Medicin, nachdem er bereits als Gymnasiast durch fleißige Excursionen in die Umgebung Münchens sich eine nicht gewöhnliche Kenntniß der heimathlichen Fauna und Flora angeeignet hatte. Die natutwissenschaftlichen Fächer blieben denn auch die bevorzugten Gegenstände seines Studiums, wohl zumeist infolge der Anregung, welche der vielseitig gelehrte und geistreiche Erlanger Professor Christian Nees v. Esenbeck (s. A. D. B. XXIII, 368) auf ihn ausübte. Im Herbste 1819 nach München zurückgekehrt, widmete sich Z. ausschließlich der Botanik. Unter der Leitung des greisen Franz v. Paula v. Schrank (s. A. D. B. XXXII, 450) beschäftigte er sich im botanischen Garten mit systematischen Arbeiten, durchforschte auch auf mehrfachen Wanderungen einige weniger bekannte Gegenden der bairischen Alpen. Als im December 1820 die bairischen Naturforscher Spix und v. Martius (s. A. D. B. XX, 519) aus Brasilien zurückkehrten, erhielt Z. den Auftrag, an der Bearbeitung des mitgebrachten reichen Pflanzenmaterials Antheil zu nehmen. Im J. 1823 zum Adjuncten der Akademie der Wissenschaften und zum Lehrer der Botanik am Königl. Lyceum ernannt, übernahm er bereits im folgenden Jahre nach Errichtung der medicinisch-chirurgischen Lehranstalt zu München an dieser ein Lehramt, und als 1826 die Universität von Landshut nach München übersiedelte, die Stelle eines außerordentlichen Professors der landwirthschaftlichen und Forstbotanik. 1835 rückte er zum Ordinarius auf, erhielt 1836, nach v. Schrank’s Tode, die Bestallung als zweiter Conservator des botanischen Gartens und wurde 1839 zum ordentlichen Mitgliede der bairischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Während seiner Wirksamkeit in diesen Stellungen unterbrach Z. die Arbeiten seines Berufes eigentlich niemals. Denn auch gelegentliche Ausflüge nach Tirol und in verschiedene Theile Oberbaierns, sowie einige größere Reisen in die Schweiz, nach Oberitalien, nach Berlin, Wien und den Niederlanden dienten nur zur Förderung seiner Studien. Eine unermüdliche litterarische Thätigkeit förderte eine Reihe werthvoller Arbeiten zu Tage, welchen die Anerkennung nicht versagt blieb. Sie fand ihren Ausdruck in seiner Ernennung zum Mitgliede und Ehrenmitgliede zahlreicher gelehrter Gesellschaften des In- und Auslandes. Ein trefflicher akademischer Lehrer, heiteren und lebhaften Temperaments, dessen tiefes Empfinden sich gelegentlich auch in poetischen Ergüssen aussprach, ein liebevoller Familienvater, wurde Z. tief betrauert, als ein Lungenleiden im 51. Jahre seines Lebens seinem Schaffen ein frühzeitiges Ziel setzte.

Zuccarini’s bedeutendste litterarische Leistungen in der Botanik liegen auf dem systematischen Gebiete. Im Geiste der von Rob. Brown, Jussieu und Decandolle in die Wissenschaft eingeführten Classificationsmethode, welche sich nicht damit begnügte, die einzelnen Pflanzengestalten nach ihren habituellen Unterscheidungsmerkmalen zu beschreiben, sondern darauf ausging, in dem System zugleich auch den Ausdruck einer genetischen Entwicklungsreihe des Pflanzenreichs zu finden, betheiligte sich auch Z. durch seine Arbeiten an dem weiteren Ausbau der systematischen Botanik. Ein scharfes Beobachtungstalent, Klarheit und Unbefangenheit des Urtheils verbanden sich bei ihm mit einer frischen und plastischen Darstellungsweise, sodaß seinen Schriften ein bleibender Werth gesichert ist. Seine erste Arbeit war die Beschreibung einer Reihe von Pflanzengattungen aus den von Martius mitgebrachten Schätzen, veröffentlicht in dem ersten Bande der »Nova Genera et species plantarum Brasiliensium« 1823. Es folgten dann einige Monographien, wie die der amerikanischen Oxalis-Arten 1825, nebst einem Nachtrag dazu 1831, und der Cacteen, die beiden ersten als Sonderabdrücke aus den Denkschriften der Münchener Akademie (Band IX u. X), ferner eine Reihe ebendort publicirter kleinerer Abhandlungen unter dem Titel: »Plantarum novarum vel minus cognitarum, quae in horto botanico herbarioque regio Monacensi servantur« in 4 Fascikeln 1837–40 (Bd. X, XIII, XIX u. XXII der Denkschriften), welche Pflanzen aus Brasilien, Madagaskar, Mexiko und aus der Levante behandeln. Der Organographie und Morphologie angehörig sind folgende Arbeiten Zuccarini’s: »Charakteristik der deutschen Holzgewächse im blattlosen Zustande. Mit Abbildungen von Sebastian Munsinger.« 2 Hefte, 1823–31; »Beiträge zur Morphologie der Coniferen« (Denkschr. d. Münch. Akad. Bd. XVI); »Ueber zwei merkwürdige Pflanzenmißbildungen« 1844 (ebenda Bd. XIX). Ein großes Verdienst erwarb sich Z. durch seine ausgezeichnete Bearbeitung der Flora Japans. Der Naturforscher Ph. Fr. v. Siebold hatte während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Japan (1824–30) eine sehr ausgedehnte und wissenschaftlich hochbedeutende Pflanzensammlung aufgebracht, welche zugleich mit zahlreichen, an Ort und Stelle aufgenommenen Notizen und vielen Zeichnungen, sowie späteren, von Siebold’s Begleiter Dr. Bürger gesammelten Nachträgen, Z. als Material zur Bearbeitung überwiesen wurde. Er übernahm, unterstützt von tüchtigen Mitarbeitern, die Redaction des Ganzen mit großem Geschick und lieferte ein iconographisches Prachtwerk, das nicht nur durch die thatsächliche Bereicherung unserer Kenntnisse der Flora Japans, sondern ebenso sehr auch durch die neuen Aufschlüsse über die pflanzengeographischen Beziehungen dieser Inselwelt zu den übrigen Ländern einen großen allgemeinen Werth gewonnen hat. Die Zahl der von Z. mit Sicherheit bestimmten phanerogamischen Arten beläuft sich auf 1650, die zu 621 Gattungen und 172 Familien gehören. Er glaubt, daß sich im ganzen wohl mehr als 2400 Blüthenpflanzen, etwa zu 700 Gattungen gehörig, nachweisen lassen werden. Das in Rede stehende Werk erschien unter dem Titel: »Flora japonica s. plantae, quas in imperio japonico collegit, descripsit, ex parte in ipsis locis pingendas curavit Dr. Ph. Fr. de Siebold« von 1835 an sectionsweise, der erste Band vollständig, vom zweiten Bande bis zum Jahre 1844 5 Hefte. Als Ergänzung reihen sich daran mehrere in den Denkschriften der Münchener Akademie niedergelegte Abhandlungen Zuccarini’s (Bd. XVI u. XIX). Mit gleichem Eifer wandte sich Z. auch der Erforschung der vaterländischen Flora zu. Einen wesentlichen Beitrag dazu lieferte er in der »Flora der Gegend um München«, von welcher 1829 der erste Theil, die 11 ersten Classen des Linné’schen Systems umfassend, erschienen ist. Eine Fortsetzung dieser Arbeit unterblieb, weil die floristischen Werke von Reichenbach, Kittel und Koch das Bedürfniß nach einem derartigen Handbuch verringert hatten. Es war aber stets Zuccarini’s Wunsch gewesen, alle Specialfloren von Deutschland mit Koch’s berühmter Synopsis in Beziehung zu setzen, worüber er sich in einem Aufsatze in der Flora von 1835 gelegentlich äußerte. Er veröffentlichte selbst auch einige auf Pflanzengeographie und -Statistik bezügliche Beobachtungen in derselben Zeitschrift 1821, 1824 und 1831. In einer in der Akademie 1833 vorgetragenen Rede: »Ueber die Vegetationsgruppen in Baiern« gab Z. ein treffendes Bild von der Vertheilung des Pflanzenreichs in seinem Vaterlande und zeigte darin, wie man wissenschaftliche Beobachtungen auch den Zwecken einer rationellen Bodencultur nutzbar machen könne. Ueberhaupt schätzte er das Wissen auch seiner praktischen Verwerthung wegen. Er hielt viel auf populäre Darstellungsweise. Davon zeugt sein: »Leichtfaßlicher Unterricht in der Pflanzenkunde für den Bürger und Landmann« 1834, ein Buch, welches in vermehrter und verbesserter Auflage als »Naturgeschichte des Pflanzenreichs« 1843 herauskam und den zweiten Band von J. A. Wagner’s Handbuch der Naturgeschichte bildet. In ähnlicher Weise sind mehrere kleinere Aufsätze geschrieben und an verschiedenen Orten veröffentlicht (vgl. Martius‘ Denkrede auf Z. S. 23), worin bald örtliche Interessen verhandelt, bald allgemein menschliche Beziehungen zum Pflanzenreiche geschildert werden. In den Münchner Gelehrten Anzeigen befinden sich seit 1835 viele, größtentheils an die Beurtheilung fremder Arbeiten angeknüpfte Aufsätze, welche jedoch soviel Eigenes enthalten, daß sie als Originalarbeiten aufzufassen sind. Der poetischen Begabung Zuccarini’s ist bereits gedacht worden. Einige wenige seiner Dichtungen sind durch den Druck bekannt geworden in der Sammlung »Kleeblätter, Lieder dreier Geschwister«, 1839. Eins seiner schon während seiner Erlanger Universitätszeit gedichteten Lieder (»Es schlingt sich die Runde« u. s. w.) ist in den Liederschatz der deutschen akademischen Jugend aufgenommen worden.

Carl Friedr. Phil. v. Martius, Denkrede auf J. G. Zuccarini, München 1848. – Bot. Ztg. 1848. – Pritzel, thes. lit. bot. –.

E. Wunschmann.

E. Wunschmann: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1900.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Zuccarini Josef Gerhard, 1797 (München) – 1848, Botaniker und Professor der Landwirtschaft und Forstbotanik; unter Leitung von F. P. von Schrank beschäftigte er sich anfangs im Botanischen Garten in München mit systematischen Arbeiten und durchforschte einige weniger bekannte Gegenden der bayerischen Alpen; maßgebend für seine Laufbahn war seine Zusammenarbeit mit K. F. Ph. von Martius und J. B. Spix, deren Pflanzenmaterial aus der brasilianischen Expedition er bearbeitete; seit 1839 war Z. ordentliches Mitglied der BAkdW; Zs. bedeutendste literarische Leistungen in der Botanik liegen auf dem systematischen Gebiet.

Hauptwerke: Charakteristik der deutschen Holzgewächse im blattlosen Zustand, Flora der Gegend um München, Mitarbeit an Philipp Siebolds »Flora japonica«.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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