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1 – 8 – 13 (Wollenweber)

Ω

Hier ruhet
Frau Therese Wollenweber
geb. Lüttich,
brgl. Silberarbeiters-Gattin,
* 22. Mai 1826, † 26. Mai 1853.
Frau Louise Wollenweber
geb. Glas,
kgl. Hofsilberarbeiters-Gattin
* 13. Jan. 1826, † 8. Dez. 1873.
Herr Eduard Wollenweber
Rentier,
* 26. Jan. 1822, † 29. Dez. 1889.
Ihm folgte unsere liebe
unvergessliche Gattin und Mutter
Frau Alice Wollenweber
geb. Podolsky,
Kommerzienrats- und
Hofsilberarbeiters-Gattin,
* 18. Oktober 1862, † 26. April 1908.

Ω

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Eduard Wollenweber

* 26.1.1822
† 29.12.1889
Silberarbeiter

Landauer Zeitung (8.4.1858)

Im Kunstverein erregt ein von dem hiesigen Goldarbeiter Eduard Wollenweber verfertigter großer silberner Pokal durch seine wahrhaft künstlerische Ausführung die allgemeine Bewunderung. Dieser Pokal ist ein Ehrengeschenk der Stadt Kissingen für den Professor v. Scanzoni in Würzburg.

Landshuter Zeitung Nr. 78. Donnerstag, den 8. April 1858.

Münchener Bote für Stadt und Land (5.6.1859)

Die gerechten Wünsche auf Verbannung französischer Industrie, die als berechtigte Stimmung des Zeitgeistes in öffentlichen Blättern verlautbaren, werden um so weniger auf unfruchtbaren Boden fallen, als von unserer einheimischen, in dieser kritischen Zeit nicht wenig gefährdeten Industrie schon jetzt mancher Nothruf ertönt und wohl in nächster Zukunft noch lauter sich vernehmbar machen wird. Wir haben in München bei unseren Gewerbsausstellungen tausendfache Beweise gesehen, daß die Leistungen gar vieler Meister mit fremdländischen Produkten in die Schranken treten können. Glücklicher Weise kommt diese Ansicht auch in höheren Kreisen immer mehr zur allgemeinen Geltung und es ist doppelt erfreulich, wenn von den höchsten Regionen, und zumal in jetziger Zeit das Beispiel der Berücksichtigung des einheimischen Gewerbfleißes gegeben wird. So ließ Se. k. H. Prinz Karl von Bayern bei dem hiesigen Silberarbeiter Hrn. Eduard Wollenweber zwei (4 Fuß 10 Zoll hohe) silberne Candelaber fertigen, die von getriebener Arbeit (nach einer Zeichnung des trefflichen Künstlers Hoff) in Bezug auf Geschmack der Form und Gediegenheit der Ausführung als Meisterwerke von jedem Beschauer gegenwärtig bewundert werden. I. k. H. die Frau Herzogin Max hat ebenfalls bei Hrn. E. Wollenweber ein überaus reiches Pathengeschenk für die neugeborene Prinzessin von Thurn u. Taxis anfertigen lassen, welches, in einem reichen Silberservice für jeglichen Kinderbedarf bestehend, als wahrhafte Musterleistung im Gebiete der Silberarbeiter-Kunst zu betrachten ist, jedoch morgen schon an seinen Bestimmungsort abgeht.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 134. Sonntag, den 5. Juni 1859.

Augsburger Postzeitung (31.1.1860)

Die Streitsache zwischen dem badischen Gesandten Frhrn. v. Berkheim und dem hiesigen Silberarbeiter Wollenweber wegen eines aus Gold gefertigten für den Cardinal Antonelli bestimmt gewesenen Jagdbechers bildet hier das Tagesgespräch. Wer aber den wahren Sachverhalt kennt und den Becher gesehen hat, der spricht vom unparteischen Standpunct sich dahin aus, daß Wollenweber in seinem Rechte und Freiherr v. Berkheim im Unrechte ist. Letzterer bestellte bei Wollenweber den Becher nach einem Modell, welches ihm vorgelegt worden war; er besuchte den Silberarbeiter fast täglich, so lange dieser mit der Anfertigung der Bestellung beschäftigt war, sprach stets seine Zufriedenheit mit der Arbeit aus, nahm den vollendeten Becher sogar an, hatte ihn 3 Tage im Besitz, ließ sogar von einem Graveur am Rande die Worte eingraviren: »Zum Wohl bei jedemmale dem hohen Cardinale« und hatte endlich selbst mit dem Juwelier K. ein Uebereinkommen getroffen im Betreff des Einsetzens der beiden Augen, welche aus werthvollen Edelsteinen bestehen. Als Hr. v. Berkheim Hrn. Prof. v. Kobell ersuchte, einen besondern Trinkspruch zu entwerfen und dieser sich weigerte, dem Ansinnen zu entsprechen, da ein Becher, welcher einen Fuchskopf darstellt, für einen Cardinal ein ganz unpassendes Geschenk sei, kam Hr. v. Berkheim zu der gleichen Ansicht. Er erklärte, denselben nicht annehmen zu können, wenn nicht diese oder jene Änderung vorgenommen werde, was ohne Einschmelzen rein unmöglich ist. Mehrere namhafte Künstler, ja Jedermann, der den Becher sieht, haben ausgesprochen, daß die Bestellung auch in künstlerischer Beziehung gar nichts zu wünschen übrig läßt. Die Berichtigung, welche gestern im der Abendzeitung erschien, hat hier allgemeine Entrüstung hervorgerufen nicht nur wegen der Drohung der geschäftlichen Beeinträchtigung, sondern auch wegen der absichtlichen Entstellung und Verdrehung des wahren Sachverhalts. Ihrem Berichterstatter ist die ganze Geschichte schon seit Wochen bekannt, er glaubte aber im Interesse der dabei betheiligten Persönlichkeiten von einer öffentlichen Erwähnung dieser Geschichte Umgang nehmen zu sollen, und er würde auch jetzt keine Silbe davon erwähnt haben, wäre nicht bereits die Sache an die große Glocke gehängt worden.

Augsburger Postzeitung No. 25. Dienstag, den 31. Januar 1860.

Der Bayerische Landbote (1.2.1860)

Thatsächliche Berichtigung.

Ohne mein Wissen und Zuthun fand eine zwischen dem großherzogl. badischen Gesandten Herrn Baron v. Berkheim und mir bestehende Differenz geschäftlicher Natur den Weg in die Oeffentlichkeit. Eine, wie es scheint, aus der Feder des Herrn Baron geflossene unrichtige Darstellung der Sache veranlaßt den Unterzeichneten, ein für alle Mal folgende thatsächliche Berichtigung zu veröffentlichen:

Herr Baron v. Berkheim kam Ende Oktober v. Js. in meinen Laden und sah dort einen silbernen Becher von getriebener Arbeit, einen Fuchskopf darstellend. Dieser Fuchskopf fand so sehr den Beifall des Hrn. Baron, daß er denselben als Muster für einen in Gold anzufertigenden, circa 80 Dukaten schweren Becher bestimmte. Der goldene Becher sollte auch in etwas größerem Maßstabe ausgeführt werden. Getreu nach dem Muster und bestellungsgemäß fertigte ich den Becher an. Als derselbe von mir aus vollendet war, nahm ihn der Hr. Baron persönlich in Empfang und war mit dessen Ausführung vollständig zufrieden.

Einige Tage, nachdem Herr Baron den Becher ohne Beanstandung von seiner Seite schon im Besitz hatte, ließ er durch mich einen Graveur zu sich bestellen und durch denselben auf den Becher den Trinkspruch: »Ein Hoch mit jedem Male – dem großen Cardinale!« dann ein Wappen mit dem Cardinalshute eingraviren. Herr Baron begnügte sich noch nicht mit diesen von ihm am fraglichen Becher vorgenommenen Eigenthums-Handlungen, sondern übergab sodann auch noch den Becher einem Juwelier, um durch denselben zwei Edelsteine, welche die Augen des Fuchses repräsentiren sollten, in den Becher einzusetzen. Nachdem nun der Herr Baron solche Eigenthums-Handlungen selbst vorgenommen, daß dadurch der Becher dem allgemeinen Gebrauchswerthe entzogen wurde, belieben Herr Baron auf ein Mal an dem Becher keinen Gefallen mehr zu finden, sondern schickte mir denselben zurück und verweigert seither die Bezahlung. Unter solchen Umständen blieb mir natürlich keine andere Wahl, als, nachdem jeder Versuch, die Sache gütlich auszugleichen, scheiterte, mein Recht im Prozeß-Wege zur Geltung zu bringen.

Eduard Wollenweber, Silberarbeiter.

Der Bayerische Landbote No. 32. München; Mittwoch, den 1. Februar 1860.

Münchener Punsch (5.2.1860)

Plastisches.

Es wäre wirklich der Mühe Werth, den für den Cardinal Antonelli bestimmten und vom Besteller jetzt zurückgewiesenen Fuchskopf-Pokal im Kunstverein auszustellen, so groß ist der Andrang derjenigen, welche sich dieses Cadeau beschauen möchten. Es ist nicht, wie es anfangs hieß, ein Pokal, an welchem ein Fuchskopf angebracht ist, sondern ein großer goldener Becher, der ganz und gar aus Meister Reineckes weltbekanntem Haupte besteht, so daß Dr. Scheve all' seine Finten und Praktiken phrenologisch herausfinden könnte. – Der links und rechts von dem Wappen eingravirte Spruch, muß in grammatikalischer wie orthographischer Hinsicht befremden, er lautet: »Ein Hoch mit jedemmale dem großen Cardinale.« – Vielleicht bezieht sich diese Fassung auf den Umstand, daß Graf Antonelli als Italiener jedenfalls auch schlecht deutsch spricht.

Wenn übrigens neuestens erklärt werden wollte, der Becher sei wegen Mängel in der Ausführung zurückgewiesen, so macht man dadurch die Sache noch schlechter, indem man bekräftigt, daß man einen wahrhaften, wohlgetroffenen und ganz perfekten Fuchskopf zum Präsent machen wollte! – O Zufall du bist grausam! – Und dann erst die verfluchten Zeitungen!

Münchener Punsch Nro. 6. Sonntag, den 5. Februar 1860.

Augsburger Postzeitung (6.2.1860)

München, 5. Febr. Der Civilprozeß des Silberarbeiters Wollenweber dahier gegen den badischen Geschäftsträger an unserem k. Hofe Hrn. v. Berkheim hat bereits in Folge einer Weisung aus Karlsruhe sein Ende erreicht. Hr. v. Berkheim hat nicht nur den ursprünglich für Cardinal Antonelli bestimmten goldenen Becher vollkommen bezahlt, sondern sich auch anheischig gemacht, alle bisher erlaufenen Proceß- und anderen Kosten noch zu bezahlen, sobald ihm Rechnung gestellt wird. Das ist der Erfolg von der Bekanntgabe der ganzen Angelegenheit in öffentlichen Blättern, woran aber Wollenweber nicht die mindeste Schuld trägt. Welches Aufsehen diese Sache in ganz Deutschland machte, davon gibt Zeugniß, daß aus Leipzig allein gestern bei Wollenweber 12 Bestellungen eingegangen sind, und zwar gerade auf solche Becher, welche in den Bestellbriefen als »Antonellibecher« bezeichnet waren. Für die »Illustrierte Zeitung« ist eine Zeichnung des so berühmt gewordenen Bechers abverlangt worden.

Augsburger Postzeitung No. 29. Montag, den 6. Februar 1860.

Bayerischer Kurier (7.2.1860)

Die Streitsache zwischen dem badischen Gesandten Hrn. v. Berkheim und dem Silberarbeiter Hrn. Wollenweber wegen des goldenen Bechers scheint auswärts so grosses Interesse erregt zu haben, wie hier. Auch hat die Form dieses bechers eine gewisse Berühmheit erlangt, den für Leipzig allein sind bei Hrn. Wollenweber nicht weniger als 12 solche Becher bestellt worden, die aber in Silber auszuführen sind. Die Zeichnung des von Hrn. v. Berkheim bestellten Bechers ist für die Illustrirte Zeitung verlangt worden.

Bayerischer Kurier Nr. 37. München; Dienstag, den 7. Februar 1860.

Landshuter Zeitung (7.2.1860)

Als Curiosum müssen wir Ihnen noch mittheilen, daß in Folge der bekannten Geschichte zwischen dem hiesigen Silberarbeiter Wollenweber und dem badischen Gesandten Herrn. v. Berkheim der erstere plötzlich eine bedeutende Anzahl von Bestellungen auf »Antonellibecher« erhalten hat, und zwar vom Auslande. Letzterer hat übrigens nicht nur den Becher, sondern auch alle aus dieser Streitsache erwachsene Kosten bezahlt.

Landshuter Zeitung Nr. 30. Dienstag, den 7. Fevruar 1860.

Epheuranken (9.2.1860)

Aus München wird eine seltsame Geschichte berichtet, bei welcher der badische Gesandte Frhr. v. Berkheim die Hauptrolle spielt. Dieser, der bekanntlich das badische Konkordat in Rom unterhandelt und abgeschlossen hat, hatte bei dem Silberarbeiter Wollenweber einen kostbaren Becher zum Geschenke für den Kardinal Antonelli, wie es heißt nach eigenen Angaben, fertigen lassen. Als aber der Becher fertig war, fiel es dem Hrn. Gesandten ein, daß ein darauf befindlicher Fuchskopf bei einem Ehrengeschenke für einen Kardinal doch nicht wohl passe; er verweigerte deßhalb die Zahlung des bedungenen Preises und verlangte Aenderung des Kunstwerkes. Der Silberarbeiter hielt sich jedoch nicht dazu für verpflichtet und stellte gegen den Frhrn. v. Berkheim Klage (wegen des Vorrechts der Exterritorialität, welches Gesandte genießen, bei dem Hofgericht in Karlsruhe). Jetzt hat sich nun Hr. v. Berkheim entschlossen, den Becher einschließlich des Fuchsköpfes anzunehmen, und den Preis sammt erlaufenen Kosten zu zahlen.

Epheuranken Nr. 17. Belletristische Beilage zum Würzburger Abendblatte. Donnerstag, den 9. Februar 1860.

Bayerischer Kurier (11.2.1860)

Der Wollenweber'sche Fuchskopf-Becher kommt nicht zur Ruhe. Der badische Geschäftsträger in Stuttgart hat dem dortigen »Beobachter« eine Berichtigung eingeschickt, wornach der Becher des Hrn. v. Berkheim »keineswegs zu einem Geschenke für einen Cardinal, sondern zum Gebrauche bei der Jagd bestimmt gewesen.« Diese Berichtigung würde einen Werth haben, wenn nicht das Gegentheil erwiesen wäre, denn die Inschrift »ein Hoch mit jedemmale dem großen Cardinale« und das Eingravieren des Wappens des Cardinals Antonelli wird man wohl nicht als Erfindung hinstellen wollen!

Bayerischer Kurier Nr. 41. München; Samstag, den 11. Februar 1860.

Kunst und Gewerbe (1873)

Museen, Schulen, Ausstellungen.

München. Leistungen der Kunstindustrie. Vor ein Paar Jahrzehnten erwies sich die Münchener Kunstindustrie noch als eine künstlich gezogene Pflanze, deren Blüthen man einen nur höchst zweifelhaften Werth beilegen konnte. Dass es seither besser wurde, das verdanken wir nicht zum geringsten Theile den grossen Reformen im Gebiete des Gewerbewesens, und vor allem dem König Maximilian II., der das bayerische Nationalmuseum gründete. Daneben aber muss als ein nicht zu unterschätzender Factor die realistische Richtung genannt werden, welche die Münchener Kunst einschlug, und welche sie dem Volke verständlicher machte als die idealistische, welche ihr vorausgegangen. Eine ganz eigenthümliche Erscheinung aber war die, dass gerade diese aus Frankreich importirte Kunstrichtung die Kunstindustrie vom französischen Einfluss befreien half. Die Münchener Kunstindustrie darf jetzt wohl behaupten, dass sie gelernt hat auf eigenen Füssen zu stehen, und dass der steigende Wohlstand Münchens auf der Entwicklung ihrer ganz eminenten Kräfte basirt. Was vor wenigen Jahren noch als eine Unmöglichkeit erschien, muss jetzt als eine Thatsache constatirt werden: das Münchener Kunstgewerbe sieht sich wegen Arbeitermangels genöthigt zahlreiche Aufträge aus allen Ländern der Welt theils abzulehnen, theils Jahre lang unerledigt zu lassen. Die Welt-Ausstellung wird der Münchener Kunstindstrie einen bessern Platz anweisen als sie, wie die deutsche im allgemeinen, noch auf der Pariser Ausstellung einnahm. Aber beklagenswerth bleibt es immerhin, dass die schwache Betheiligung der Münchener Kunstindustriellen nothwendig manche Lücke entstehen lassen wird. Um so erfreulicher erscheint es, dass einzelne hervorragende Industrielle dort glänzend vertreten sein werden. So namentlich auch der kgl. Hof-Silberarbeiter, Hr. Eduard Wollenweber, der dieser Tage in seinem Verkaufslokal eine reiche Sammlung hervorragender Erzeugnisse seiner Kunst, welche für die Weltausstellung bestimmt sind, ausstellte. In keinem Münchener Atelier wird die Punze mit solcher Meisterschaft geführt als in dem seinigen, und seine grosse silberne Fruchtschale nach Herrn v. Schmaedels trefflichem Entwurf im reichsten Renaissance-Stil wird voraussichtlich eine für alle Zeiten mustergültige Arbeit bleiben. Die in den grössten Massverhältnissen ausgeführte Schale, nicht minder die mit ausserordentlicher Sauberkeit und feinstem Stilgefühl durchgebildeten Zierrathen, zum grossen Theil figürlicher Art, geben das glänzendste Zeugniss für das Streben und Können des Meisters. Auch an zierlichen Fruchttellern, Weinkrügen, Pokalen und Sturzbechern mangelt es nicht, und sie werden nicht verfehlen in Wien den Ruhm Münchens zu erhöhen. Von den Pokalen dürfen namentlich der von Sr. Maj. dem König Ludwig II. vor einigen Jahren dem akademischen Gesangverein dahier zum Geschenk gemachte, der Pokal des Verlegers der »Gartenlaube«, und der, den die Münchener Universität im vorigen Jahre durch die Munificenz der drei bayerischen Prinzen erhielt, welche akademische Bürger waren, nicht unerwähnt bleiben.

Kunst und Gewerbe No. 20. Wochenschrift zur Förderung Deutscher Kunst-Industrie. 1873.

Illustrirte Zeitung (28.8.1886)

Die Urne mit dem Herzen König Ludwig’s II.

Am Morgen des 16. August bewegte sich ein feierlicher Zug von der alten Hofkapelle in München durch die Residenzstraße, über den Max-Joseph-Platz, durch die Maximiliansstraße nach dem Ostbahnhof. Schon um halb sechs Uhr wurde in der Hofkapelle in Gegenwart der für die Ueberführung des Herzens Ludwig’s II. ernannten Commission eine Messe gelesen. Nach Beendigung der kirchlichen Handlung wurde das Gefäß mit dem Herzen des Königs, mit einem schwarzen Velum bedeckt, durch den Stiftsdekan Ritter v. Türk in Begleitung der Commission zwischen Spalier bildenden Hartschieren in einen mit sechs Pferden bespannten Wagen getragen, worin der Dekan alsdann Platz nahm und unter dem Geleit einer Abtheilung des 1. königl. schweren Reiterregiments Prinz Karl nach dem Ostbahnhof fuhr, den dort befindlichen Extrahofzug bestieg und sich nach Neu-Oetting begab. Daselbst angelangt, bestieg er wiederum den bereitstehenden sechsspännigen Wagen, der ihn nach der Stiftskirche in Alt-Oetting brachte. Um 9 Uhr traf der Wagen am Portal der Stiftskirche in Alt-Oetting ein, wo der Stiftsdekan vom Bischof von Passau, den Gemeindevertretungen von Neu- und Alt-Oetting, einer Deputation des Offiziercorps von Burghausen und sämmtlichen Bürgermeistern des Amtsbezirks empfangen wurde. Der Bischof celebrirte alsdann unter Assistenz des gesammten Klerus der Diöcese Passau das Requiem, während das »Libera« von Ett intonirt wurde.

Die Urne, welche das Herz König Ludwig’s II. einschließt, ist von dem Hofsilberarbeiter Eduard Wollenweber in München angefertigt und verdient die Bezeichnung als Kunstwerk ersten Ranges. Der rühmlichst bekannten Firma war mit der Herstellung dieser Urne, für welche der Architekt Brochier den Entwurf und die ausführliche Zeichnung lieferte, eine eigenartige Aufgabe gestellt, welche aber, wie ein Blick auf das vollendete Werk zeigt, in sehr glücklicher Weise und zweckentsprechend gelöst wurde. Die deutlich ausgesprochene Herzform der Urne bringt deren Bestimmung sofort zur Anschauung. Die Ausschmückungen sind so gewählt, daß sie in sinniger und pietätvoller Weise andeuten, was das innen verwahrte Herz im Leben besonders beschäftigt und beglückt hat; die Urne ist nämlich in dem Stile gehalten, welcher dem verstorbenen König stets vor Augen schwebte, in dem Ludwig’s XIV.; an beiden Seiten ist je ein Sträußchen von Alpenrosen und Edelweiß, dem Schmucke der von dem König so sehr geliebten Berge, angebracht, während die Vorderseite das von einer Krone überragte verschlungene Doppel-L, die mit einem Verschlusse versehene Rückseite das bairische Wappen zeigt. In diese als äußere Umhüllung dienende, auf einem schwarzen Marmorsockel, von dem sich die silber vergoldete Inschrift: »Ludwig II. König von Baiern« wirkungsvoll abhebt, ruhende Urne ist das verlöthete und versiegelte Zinnbehältniß mit dem Herzen des Königs ganz knapp eingefügt. Das Ganze, mit dem Sockel 60 Cmtr. hoch, wirkt edel und harmonisch; die einzelnen Theile, die zumeist in Silber getrieben sind, bekunden eine hohe Meisterschaft der Technik und die liebevollste Durchführung. Die nach der Natur getriebenen Alpenblumen sind wahre Cabinetsstücke.

Illustrirte Zeitung Nr. 2252. Leipzig und Berlin, den 28. August 1886.

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Luise Wollenweber (vh)

Glas (gb)

* 13.1.1826
† 8.12.1873 (München)
Silberarbeiters-Gattin

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (10.12.1873)

TODES-ANZEIGE.

In Gottes unerforschlichem Rathschlusse lag es, heute Morgens 9½ nach nur fünftägigem Leiden schnell und unerwartet unsere heissgeliebte Gattin, Mutter, Schwester, Tante und Schwägerin,

Frau
Louise Wollenweber,
geb. Glas,

im 46. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen.

Wer den edlen aufopfernden Charakter der unvergesslichen Verblichenen kannte, wird unsern endlosen Schmerz theilen.

München, den 8. Dezember 1873.

Der tieftrauernde Gatte
Eduard Wollenweber, k. Hof-Silberarbeiter,
im Namen aller übrigen Verwandten.

Die Beerdigung findet Mittwoch den 10. Dezember 1873 Nachmittags 3½ Uhr im südlichen (alten) Friedhofe und der Gottesdienst den 13. Dezember Vormittags 10 Uhr in der Metropolitanpfarrkirche statt.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 344. München; Mittwoch, den 10. Dezember 1873.

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Therese Wollenweber (vh)

Lüttich (gb)

* 22.5.1826
† 26.5.1853 (München)
Malzmüllers-Tochter / Silberarbeiters-Gattin

Münchener Bote für Stadt und Land (28.5.1853)

Todes-Anzeige.

Eine schwere Heimsuchung hat mich und die Meinen betroffen. Diesen Morgen um halb 8 Uhr ist meine unvergeßliche Gattin

Therese Wollenweber, geb. Lüttich,

nach 14wöchentlicher Krankheit im 27. Lebensjahre nach Empfang der heiligen Sterbesakramente verschieden. Wer diese mit den edelsten Tugenden ausgestattete liebevollste Gattin, zärtlichste Mutter kannte, wird die Größe meines Schmerzes ermessen und mir und den Meinen eine warme Theilnahme, der Hingeschiedenen aber ein frommes Andenken nicht versagen.

Dieß ist der einzige Trost in meiner unermeßlichen Trauer.

München, den 26. Mai 1853.

Hochachtungsvoll

Eduard Wollenweber, Silberarbeiter, mit seinen zwei unmündigen Kindern und sämmtliche Verwandte.

Die Beerdigung findet Samstag, den 28. Mai Nachmittags 3 Uhr vom Leichenhause aus und der Gottesdienst Samstag den 4. Juni Vormittags 9 Uhr in der Pfarrkirche zu U. L. Frau statt.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 128. München; Samstag, den 28. Mai 1853.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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