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Grabstätte
der
Bierbrauers Eheleute
Zacherl
1843
Ω
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* 1773 (München)
† 16.9.1849 (München), Tod durch Selbstmord
Brauereibesitzer
Revue der Einläufe.
München den 18. März. Ich kann Ihnen wenig oder gar keine Neuigkeiten von Interesse melden; die Landstande vertragen sich ganz friedlich miteinander und die Münchner selbst haben jetzt gar keine Zeit, an Zank und Streit zu denken, da der bekannte Bierbrauer Zacherl in der Au bereits die Vorrede des berühmten »Bockes,« nämlich das sogenannte »Salvator-Bier« oder »Zacherl-Oel« herausgiebt. Diese Salvator-Zeit ist eigentlich der Probirstein der Münchner, auf welchem so Mancher erprobt, wie viel im menschlichen Leben man ertragen kann. Uebrigens haben wir hier mitunter wahre Virtuosen des Zacherl-Oeles, die es mit 8 bis 10 Maas aufnehmen und den Feind bis auf den Boden schlagen. München bietet aber auch keinen imposanteren Anblick als von der Salvatorbier- und Bock-Seite! Diese braune Gemüthlichkeit übersteigt alle Begriffe. Selbst in die geistigen Eigenschaften des Menschen greifen der Bock und das Salvatorbier ein, und einige Mäßlein dieses Zaubertrankes sind bei Manchem schon hinreichend, die auffallendsten Gesinnungsveränderungen hervorzubringen. Ein Mensch, der noch gestern das Futteral über alle Grobheiten war, ist heute beim Salvatorbiere oder beim Bocke der feinste Mann der Welt; aber auch den Höflichsten stempelt es zuweilen zum non plus ultra aller Grobheiten. Der kälteste Ehemann wird hier zum feurigsten Liebhaber und der verschwiegenste Seladon zur Plaudertasche; die unversöhnlichsten Feinde reichen sich hier beim Tranke der Vergessenheit (wo sich so Viele vergessen) die braunbegossenen Hände zur Versöhnung, und entzückt über den Geist dieses fünften Elementes sieht Mancher Alles doppelt schön. Aber auch so Mancher geht in diesen Tagen mit leichtem Kopfe und schwerer Tasche in die Au, und kehrt mit schwerem Kopfe und leichter Tasche zurück zur Frau.
Der Nürnberger Lustwandler Nro. 36. Samstag, den 25. März 1837.
Das Salvatorbier und der Bock in München.
Und beide machen lustig, machen froh,
Trinkt man sie en detail und nicht en gros!
Die Berliner haben einen »Stralauer-Fischzug« und dieser Stralauer-Fischzug ist die Zeit ihrer Eldorado’s. Wir Münchner aber sind reicher an dergleichen Eldorado’s, denn wir haben alle sieben Jahre einen Schäfflertanz, jährlich einen Metzgersprung, einen Käferlohermarkt, ein Oktoberfest und zwei der höchsten Seligkeiten – Salvatorbier und Bock!
Salvatorbier und Bock sind die Quint-Essenzen und Univerial-Tinkturen des Lebens. Das Salvatorbier schickt uns in den April, der Bock bringt uns den Mai. Auf den Bock werden wir später – zur Bockzeit selbst zurückkommen – heute wollen wir uns nur beim Salvatorbier aufhalten.
Dieses Salvatorbier wird von einem unserer Großbräuer Hrn. Zacherl in der Au bereitet und deswegen auch häufig »Zacherlöl« genannt. Die Salvatorzeit ist eigentlich für Hrn. Zacherl die schlimmste im ganzen Jahre, denn gerade zu dieser Periode wird er jedesmal ein gestrafter Mann. Er soll nämlich sein Salvatorbier nur 3 Tage hindurch verleit geben; allein – ich weiß nicht wie es kommt, trinken die Leute zu wenig oder braut Hr. Zacherl zu viel von diesem Oele* (* Das Erstere ist nicht der Fall; das Zweite – sagt man – könne möglich seyn.) – mit einem Worte, die Schenkzeit des Salvatorbiers wird durch ihren edlen und einsichtsvollen Erzeuger öfters prolongirt und Hr. Zacherl darum öfters gestraft; indeß macht er sich nichts draus und wir kümmern uns nichts d’rum.
Einen imposanten Anblick gewährt es, wie die lieben Münchner in ganzen Prozessionen – bei weitem zahlreicher als bei Wahlfahrts-Prozessionen – nach der Au zum Salvator ziehen; aber einen noch imposanteren Anblick bieten die Scenen und Situationen der Salvatorjünger im Zacherlöl-Berge selbst und dann die Heimkehrenden dar.
Wir wollen unsern Lesern einige Salvator-Witze mittheilen:
1) Ein junger und ein etwas bejahrter Herr – beide vom Salvatoröle schon ein bischen inflammirt – unterhalten sich mit einander über politische Dinge. »Was halten Sie von der Kölner-Angelegenheit?« fragte endlich der Erstere. Ganz gemüthlich, mit schon halb geschlossenen Augen, antwortete der ältere Herr: »Ich meine eben, daß die Kellner nicht so gut sind, als die Kellnerinnen, denn von den letztern wird man weit besser bedient.«
2) An einem Tische wird von der Münchner-Augsburger-Eisenbahn gesprochen. »Was halten Sie von der Eisenbahn?« fragte ein Maurermeister einen Hufschmid. Dieser antwortete: »Auf das Eisen halte ich sehr viel, auf die Bahn aber gar nichts!«
3) Mehrere Damen unterhalten sich etwas laut über die Geschäfte ihrer Männer. Eine Kaufmannsfrau lenkt nun das Gespräch auf die doppelte Buchhaltung. »Ach ja,« bemerkte ihre Nachbarin, »die doppelte Buchhaltung ist etwas sehr Schönes. Mein Mann hat sich nun auch einen doppelten Buchhalter verschrieben, und ich habe für ihn schon ein zweischläfriges Bett aufschlagen lassen.«
4) Ein Arzt sitzt am Tische mit mehreren ihm unbekannten Männern von schlichtem Ansehen. Einer von diesen spricht endlich den Jünger Aeskulaps an: »Ey, Hr. Doktor, heute wollen Sie mich gar nicht kennen: ich bin ja der Pflasterer S…, der Ihre Hausflur pflasterte und wofür ich noch 10 fl. gut habe. »Von mir habt Ihr nichts mehr gut,« antwortete der Doktor; »denn Ihr habt mir mein Pflaster verdorben und dann brav Erde darauf geworfen, daß man eure Pfuscharbeit nicht sehen soll. »Herr Doktor!« rief der Pflasterer; »reichen Sie mir die Hand; es gibt mehr Pfuscharbeiten, die die Erde zudecken muß, und werden doch bezahlt.«
5) Einen jungen Soldaten, der seinen Feldwebel fragte, was er dem Könige antworten sollte, wenn er ihm einmal begegne und von diesem gefragt würde, wurde eingeprägt, daß der König gewöhnlich frage: »Wie lange dient Er? Wie alt ist Er? Bekommt Er seine Menage richtig? und daß er dann die erste Frage mit »Ein Jahr«, die zweite mit »zwanzig Jahr« und die dritte mit »Richtig« beantworten soll. Dieser Soldat sitzt beim Salvatorbier und ist schon ziemlich illuminirt. Ein Civilist fragt ihn: »Wie lange dient er schon, mein Freund?« »Zwanzig Jahr.« – »Wie alt ist er?« »Ein Jahr.« »Plagt ihn der Teufel?« »Richtig!«
Münchner-Augsburger Figaro No. 10. Mittwoch, den 4. April 1838.
Es hat sich jetzt wieder bewährt, was hier schon seit Jahres zum allgemeinen Glauben geworden, daß nemlich, so oft unsere Vorstadt Au irgend ein Fest, eine Dult oder sonst dergleichen Ausserordentliches begeht, dieselbe immer vom schönsten Wetter begünstigt wird. Mögen die vorhergehenden Tage, mag selbst der Vorabend noch so sehr stürmisch und regnerisch gewesen seyn, gewiß wird der Morgen des festlichen Tages mit der heiterstes Miene der Sonne beglückt werden. So auch dieser Tage. Hat uns der Monat April in den letzten Tagen der Charwoche, selbst noch am Ostersonntage seine Launen in vollem Maße fühlen lassen; am Ostermontag hat Herr Zacherl seine Hallen und die Quellen des Salvatorbieres geöffnet, und seit dieser Stunde hat auch nicht die mindeste Wolke unsern Himmel getrübt, seit dem Ostermontage hat die liebe Sonne bei uns ihr Feiertagsgewand angelegt, und es scheint, so lange Zacherl-Oel noch fließt, wird auch bei ihr kein Werktag kommen, und sie wird diese Zeit über in ihrem besten Humor bleiben. Aber kaum können auch die ausserordentlich großen Räume des Zacherl-Bräuhauses alle die nach Sättigung lechzenden Pilger in sich fassen, alle Zimmer, der Keller sind überfüllt, selbst in den großen, freien Hofraum fand man am Montage keinen Platz mehr. Eine an diesem Tage dort stattgehabte sehr blutige Schlägerei bildet hier das allgemeine Tagsgespräch, und hat schon, wie es bei solchen Neuigkeiten immer geschieht, bedeutende Vergrößerung und Uebertreibung erlitten, denn, wie das Sprichwort sagt, erzählt der erste Mund den Tod einer Mücke, wird der zwanzigste Mund schon einen Elephanten sterben lassen. Doch werden dadurch die Patienten des Zacherl nicht abgeschreckt, sondern eben dieß Spectakel zieht immer eine noch größere Menge an. Wie lange das Ausschenken des Salvatorbiers heuer noch dauert, hört man nichts Gewisses.
Der Bayerische Eilbote No. 46. München; Freitag, den 16. April 1841.
Das Salvatorbier aus der Zacherl’schen Brauerei in der Vorstadt Au macht noch immer bedeutenden Furor. Der zahlreiche Besuch vom frühen Morgen bis in die Nacht spricht jedenfalls für die Güte und man wird des Lobes dieses sogenannten Zacherl-Oels gar nicht müde.
Die Bayerische Landbötin No. 46. München; Samstag, den 17. April 1841.
Zugabe.
Während ich mit der Ausarbeitung dieser Auflage beschäftigt war, führte Herr Zacherl, Besitzer des wegen Großartigkeit des Betriebs und der ansehnlichen Baulichkeiten wegen auch im Auslande viel bekannten Brauanwesens in der Vorstadt Au, welche die Isar von der Haupt- und Residenzstadt München trennt, den längst in seinem Unternehmungsgeiste vorgehabten Gedanken aus, den kostspieligen Versuch einer Brauerei mittelst Dampf anzustellen. Das mit Umsicht und Beharrlichkeit unternommene Werk arbeitet nun mit sicherem Gange und hat bereits schon an 70 Suden gemacht, die sämmtlich zur vollkommensten Zufriedenheit des Besitzers ausfielen und selbst seine bescheidenen Erwartungen übertrafen.
Die Anlage dieser Dampfbrauerei wurde vorzüglich begünstiget durch die seltene Räumlichkeit des Hofes, welche dieses Brauanwesen darbietet, deren sich kein einziges Brauanwesen in der Stadt in solcher Ausdehnung zu erfreuen hat, worin auch die Hauptschwierigkeit liegt, dieses gelungene Werk in den Braustätten Münchens mit größtentheils sehr beschränkten Hofräumen durch nachahmende Ausführung zu vervielfältigen.
Das Zacherl’sche Brauanwesen bildet im Grundriß ein Rechteck mit langgestreckter Basis. Etwa in der Mitte durchschneidet diesen Grund rechtwinkelig auf die Längenseite das Sud- und Kühlhausgebäude, und die in der Mitte desselben angebrachte Durchfahrt verbindet die beiden großartigen Hofräume, wovon der Umfang des vordern an die Straße gränzenden Hofes mit den zusammenhängenden Wohn- und Braugebäuden, der Umfang des hinteren durch angränzendes fremdes Besitzthum abgeschlossenen Hofes an seinen Langenseiten mit den Nebengebäuden als Branntweinbrennerei, Brunnenhaus mit Druckwerk, Stallungen für Pferde und Mastvieh etc. umgeben ist.
Im Sudhause befinden sich zwei Braukessel von gleichem Inhalte neben einander, jeder mit seinem Biergrand und Maischbottich versehen. Auf jeder Pfanne kann man 18 Schäffel Winterbier und 20 Schäffel Sommer- oder Lagerbier sieden. Anstoßend an das Sudhaus ist nun im vordern Hofe das Dampfbrauwerk unter einem offenen mit einem Pultdache geschützten Raume angebracht. In diesem Raume befindet sich in der Erde die Schüre für den Dampfkessel, der daranstoßende Braukessel und der vor demselben stehende Maischbottich. Zwischen dem Maischbottich und der Braupfanne ist der Biergrand, wie bei jeder andern Brauerei, angebracht. Ueberhaupt unterscheidet sich die hier ausgeführte Dampfbrauerei von einer gewöhnlichen Brauerei nur dadurch, daß das Maischen durch eine Maschinenvorrichtung, welche man durch Dampfkraft in Bewegung setzt, verrichtet wird, während bei der gewöhnlichen Sudmethode Menschenhände das anstrengende Maischgeschäft besorgen. Von der Heizung des Dampfkessels kann man die Hitze unter die Darre leiten. Dieß ist hier aber nicht der Fall, sondem die Darre erhält ihre Hitze von den Sudöfen der im Sudhause stehenden Braupfannen.
Die Dampfmaschine arbeiet nur mit einer Pferdekraft, und kann 7 bis 8 Schäffel Malz absieden. Der Braukessel wird auf folgende Weise mit Dampf geheitzt. Von dem Dampfkessel streicht der Dampf durch eine Röhre in den Raum des Doppelbodens vom Braukessel, der auf die gewöhnliche Weise eingemauert ist; dieser Doppelboden wird dadurch gebildet, daß der eigentliche Braukessel bis zur Hälfte seiner Höhe in einen zweiten Kessel hineingesteckt und damit gehörig dampfdicht verbunden wird. Aus dem Doppelboden führt eine andere Röhre den Dampf wieder ab, die Röhre selbst läuft durch einen mit kaltem Wasser gefüllten Behälter, wodurch der Dampf sich wieder verdichtet und dieses Wasser von höherer Temperatur, als die des kalten Wassers ist, fließt wieder in den Dampfkessel zurück, wodurch eine schnellere Dampfentwicklung erzeugt wird. Die Brauknechte, welche die Maschine bedienen, heben bei der Kesselheizung mit Dampf vorzüglich das gleichförmige Sieden der Maische hervor, was bei der gewöhnlichen Heizung nicht erzielt werden kann; denn bei der gewöhnlichen Heizung ist nur über der Stelle, worunter das Feuer am lebhaftesten brennt, die größte Sudwallung zu bemerken, bei der Dampfheizung aber ist dieses Wallen auf der ganzen Fläche der Flüssigkeit im Kessel gleichmäßig verbreitet. Bei der gewöhnlichen Heizung muß daher ein eigener Pfannenknecht angestellt seyn, der das Feuer in der Schüre fleißig unter dem Braukessel gleichförmig vertheilt. Ist ein solcher Pfannenknecht darin nachläßig, so erhält die Pfanne Brennmale, welche eine Reparatur des Kessels nöthig machen, wodurch nicht selten ein längeres Einstellen des Siedens zum größten Schaden des Brauers herbeigeführt wird. Diese Besorgniß fällt aber bei der Dampfheizung ganz hinweg.
Ober dem Maischbottiche befindet sich die von einem Brauknechte mittelst Getrieb und gezähnter Stange hinauf und herab bewegbare Maischvorrichtung, welche mittelst eines endlosen Riemens mit der Dampfmaschine in Verbindung gesetzt ist. Dieser Maischapparat besteht aus zwei senkrechten Stäben, wovon ein jeder mehrere wagrecht stehende breit gedrückte flache Schienen (Schaufeln) hat, die sich in entgegengesetzter Richtung in dem Maischbottich bewegen und das Maischgeschäft so nachdrücklich verrichten, daß die erhaltene Maische eine viel süßere Würze gibt, als man durch das gewöhnliche Maischen nicht erhalten kann. Der ganze Maischapparat ist von Eisen.
Zu einem Gebräu von 6 bis 8 Schäffel braucht man eine Klafter Holz und 3 Mann können die Maschine und das Sudwerk mit leichter Mühe bedienen. Man erspart also namentlich an Arbeitslohn; denn zu einem Sudwerke von 8 Schäffel braucht man zum Maischen immer 6 bis 8 Mann.
Der Dampfkessel, liefert nicht nur das heiße Wasser zu seinem eigenen Sudwerke, sondern gibt auch noch eine reichliche Menge davon ins anstoßende Sudhaus ab. Wenn der Sud vollendet ist, so wird der Dampf mittelst einer eigenen Röhre in zwei auf dem Hofpflaster stehende mit Wasser gefüllte große Bottiche geleitet, und bringt dieses Wasser auch noch auf einen großen Hitzgrad, welches man dann zum Reinigen der Geschirre verwendet.
Die Dampfmaschine und der sinnig ausgedachte Maischapparat ist von dem im Dampfmaschineriewesen rühmlichst bekannten königl. Hofbrunnenmeister, Herrn Höß, und den Dampf-, sowie den Braukessel sammt der nöthigen Zugehör an Röhren etc. lieferte der wegen Solidität derartiger Arbeiten vielfach erprobte Kupferschmiedmeister, Herr Feßler, beide in München. Die Kosten dieser kurz beschriebenen Brauvorrichtung beliefen sich etwas über 9000 Gulden, wobei die Maurer- und Zimmerarbeit mit eingerechnet ist.
Sollte ein Brauer oder Gutsbesitzer mit Braubetrieb zur Ausführung eines ähnlichen Werkes Lust haben, so dürfte es zu ihrem Vortheil gerathen seyn, sich mit diesen Meistern in ihrem Fache in unmittelbare Korrespondenz zu setzen, um mit zuverläßigem Rath und mit solider Arbeit bedient zu werden.
Benno Scharl: Beschreibung der Braunbier-Brauerei in Bayern mit damit verbundener Branntweinbrennerei und Essigsiederei nebst Nachricht über die jüngst errichtete erste Dampfbrauerei in München. München, 1843.
Eine traurige Nachricht hat die Landbötin ihren gutschmeckerischen und braunen Nektar liebenden Lesern mitzutheilen, nemlich sie, daß Herr Zacherl in diesem Jahre kein Salvatorbier gebraut hat. Und noch sind sieben Wochen hin, bis die Bockquellen zu fließen beginnen. Es ist ein Jammer!
Bayerische Landbötin No. 39. München; Samstag, den 10. März 1849.
Gestern Nachts 11 Uhr verstarb in Folge eines Schlaganfalles der durch seine großartige Bierbrauerei, wie durch seinen rechtlichen Bürgersinn ausgezeichnete Bierbrauer Herr Zacherl in der Au.
Außerordentliche Beilage zum Bayerischen Landboten Nr. 260 vom 18. September 1849. Ausgegeben den 17. September Abends 8 Uhr.
Am 16. Nachmittag machte in der Vorstadt Au in München der durch seinen großartigen Bierfabrikationsbetrieb, und namentlich durch sein Salvatorbier allbekannte Großbräuer Zacherl dadurch seinem thätigen Leben ein Ende, daß er sich die Adern öffnete und sofort verblutete.
Würzburger Stadt- und Landbote Nr. 224. Mittwoch, den 19. September 1849.
Der Bierbräuer Zächerl in der Au tödtete sich am Sonntag, indem er sich die Adern aufschnitt; die Veranlassung soll Alteration gewesen sein, weil man dessen saures Bier theils ausließ, theils versiegelte.
Der Bayerische Volksfreund No. 150. München; Mittwoch, den 19. September 1849.
Dem verstorbenen Bierbrauer Zacherl in der Vorstadt Au wurde einige Tage vor seinem Ende ein bedeutendes Quantum Bier ausgelassen, da selbes gänzlich umgestanden und sauer geworden war. Auch in mehreren Wirthshäusern in der Stadt, in welchem Bier aus dieser Brauerei ausgeschenkt wird, wurde dasselbe versiegelt. Man berechnet den Verlust auf 1400 Eimer, allerdings ein nicht unbedeutender Schaden.
Würzburger Abendblatt No. 227. Samstag, den 22. September 1849.
Dem Pfarramte in der Vorstadt Au, soll wegen der feierlichen Beerdigung des Bräuers Zacherl, der sich bekanntlich selbst entleibt hatte, eine Art Verweis vom Ordinariate ertheilt, sowie an die Pfarrämter eine die Beerdigung von Selbstmördern betreffende Innstruction erlassen worden sein.
Nürnberger Tagblatt Nr. 254. Samstag, den 27. Oktober 1849.