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Franz Hanfstaengl * 24. März 1804 † 18. April 1877
Hermann * 7. Mai 1830 † 13. Juni 1834
Franziska Hanfstaengl-Wegmeier * 4. Okt. 1809 † 11. Dez. 1860
Peter * 1805 † 12. Feb. 1883
Egon * 21. Sept. 1844 † 8. März 1905
Edgar * 15. Juli 1842 † 28. Mai 1910
Erwin * 17. April 1888 † 12. Aug. 1914
In memoriam: Egon * 31. Juli 1884, für das Vaterland gefallen 2. Mai 1915
Edgar Maria * 9. Febr. 1919 † 19. Feb. 1919
Hertha * 20. Juli 1924 † 28. Juli 1929
Johanna Hanfstaengl geb. Schwartz * 26. Feb. 1850 † 30. Okt. 1938
Rechte Seite
K. Knappe
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Hanfstaengl-Wegmeier, Franziska (vh) / Wegmeier (gb); 4.10.1809 – 11.12.1860 (München); Hofrats-Gattin
Hanfstaengl, Edgar Maria; 9.2.1919 – 19.2.1919
Hanfstaengl, Egon [in memoriam]; 21.9.1844 – 8.3.1905 (München, Überführung nach Jena); Photograph
Hanfstaengl, Egon [in memoriam]; 31.7.1884 – 2.5.1915; Leutnant der Reserve
Hanfstaengl, Erwin; 17.4.1888 – 12.8.1914
Hanfstaengl, Franz Seraph von; 1.3.1804 (Baiernrain/Obb.) – 18.4.1877 (München); Lithograph, Photograph und Kunsthändler
Hanfstaengl, Hermann; 7.5.1830 – 13.6.1834
Hanfstaengl, Hertha; 20.7.1924 – 28.7.1929
Hanfstaengl, Peter; 1805 – 12.2.1883 (München)
Schwartz, Johanna (gb) / Hanfstaengl (gs); 26.2.1850 (Hamburg) – 30.10.1938 (München); Schauspielerin und Sängerin
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* 15.7.1842 (Dresden)
† 28.5.1910 (München)
Photograph
Statt jeder besonderen Anzeige.
Sonntag Morgen 8¼ Uhr ist mein lieber Mann, unser guter Vater
Hofrat Edgar Hanfstaengl
sanft entschlafen.
München, 30. Mai 1910.
Katharina Hanfstaengl
Edgar Hanfstaengl
Erna Hanfstaengl
Ernst Hanfstaengl
Erwin Hanfstaengl.
Die Ueberführung der Leiche zur Feuerbestattung in Ulm findet Dienstag, 31. Mai 1910, Nachm. 3 Uhr vom südlichen Friedhof aus statt. Im Sinne des Verstorbenen bitten wir von Blumenspenden abzusehen.
Münchener Neueste Nachrichten No. 247. Dienstag, den 31. Mai 1910.
Hofrat Edgar Hanfstaengl †. Einer der bekanntesten und bedeutendsten Vertreter der Münchener Kunst und des Münchener Kunstgewerbes, der Besitzer der angesehenen photographischen Kunstanstalt an der Widenmayerstraße in München, ist am Sonntag, gestorben. Edgar Hanfstaengl war am 15. Juli 1842 geboren und ein Sohn von Franz Hanfstaengl, der 1877 starb und von 1853—1868 das von ihm gegründete lithographische und photographische Institut leitete. 1868 hat Edgar Hanfstaengl die Firma »Franz Hanfstaengl, k. b. photographische Hofkunstanstalt und Kunstverlag«, übernommen. Hanfstaengl war Mitglied des staatlichen Sachverständigenvereins für Photographie. Kurze Zeit wandelte er sein blühendes Unternehmen in ein Aktienunternehmen um, doch kaufte er die Aktien rasch auf und führte den Betrieb wieder in Personalfirma. Die Anstalt hat Zweiggeschäfte in New-York und London und umfaßt Photographie, Photogravüre, Lichtdruck, Autotypie, die Fabrikation von Pigment- und Kohledruckpapier, Galvanoplastik. Als vornehmstes Werk hat der Verlag die »Galerie moderner Meister« herausgegeben. Hofrat Hanfstaengl stand in regem Verkehr mit den bedeutendsten Münchener Künstlern. Meister wie Defregger verdanken den treffenden Nachschöpfungen des Hansstaenglschen Verlags zum großen Teil ihre umfassende Popularität. Auch die Werke der Galerien und Sammlungen in München, Dresden, Berlin, Kassel, Brüssel, Amsterdam, Haag, London usw. hat Hanfstaengl vorzüglich reprodziert. Der Herzog von Koburg-Gotha verlieh ihm den Titel Hofrat. Von Bayern hatte er den Titel k. Hofphotograph und den St. Michaelsorden vierter Klasse erhalten. Die künstlerischen Leistungen der Firma Hanfstaengl sind längst weltbekannt und ihre Kunstblätter allenthalben verbreitet. Die schönen Gartenanlagen der Hanfstaenglschen Villa an der Widenmayerstraße wurden in letzter Zeit überbaut, während die dortige Kunstanstalt unter gleicher Firma weiterbetrieben wird. Die Leiche Edgar Hanfstaengls wird zur Feuerbestattung nach Ulm übergeführt.
Münchner Neueste Nachrichten No. 247. Dienstag, den 31. Mai 1910.
Bayerische Chronik.
München, 14. November.
Jubiläum. Am vergangenen Sonntag feierte der k. preuß. Hofphotograph und herzogl. sächs. Hofrath Edgar Hanfstaengl das 25jährige Inhaber-Jubiläum der Firma Franz Hanfstaengl, kgl. bayer. photogr. Hof-Kunstanstalt in München. War der Name Franz Hanfstaengl insbesondere durch den Begründer der Firma, wegen der mustergültigen seiner Hand entstammenden lithographischen und später photographischen Erzeugnisse weltberühmt geworden, so blieb es doch hauptsächlich seinem Sohn Edgar Hanfstaengl vorbehalten, denselben als einen der ersten auf dem Gebiet der reproducirenden Kunst zu begründen. Als Edgar Hanfstaengl in den sechziger Jahren die Leitung übernahm, befand sich die photomechanische Technik noch in den ersten Stadien der Entwicklung, doch er hat von Anfang an die richtige Erkenntniß von der großartigen Bedeutung der Photographie für Kunst und Wissenschaft gehabt und es als sein Hauptziel betrachtet, dieses Vervielfältigungsmittel zu vervollkommnen, und es auf die Höhe einer selbständigen Kunst zu heben. Alle bekannten Verfahren, welche die Photographie zur Grundlage haben, werden gegenwärtig in der Hanfstaengl'schen Anstalt ausgeübt: Photogravüre (Kupferätzung), Aquarellgravüre, Lichtdruck, Zinkographie und Typogravüre und namentlich sind die vortrefflichen Kohledrucke geschätzt, welche einen dauerhaften und vornehmen Ersatz für die Silberphotographie darstellen und auf in der eigenen Fabrik hergestelltes Pigmentpapier übertragen werden. Die Beglückwünschung des Jubilars seitens einer vom Gesammtpersonal abgeordneten Deputation gestaltete sich zu einer intimen Feier, es wurden bei dieser Gelegenheit u. a. eine mit 128 Unterschriften versehene prächtige Adresse, von der Meisterhand Prof. Hermann Kaulbachs gefertigt, sowie ein in der Werkstatt von Harrach und Sohn componirter graziöser Pocal, zum Andenken an diesen denkwürdigen Tag überreicht.
Allgemeine Zeitung Nr. 317. München; Mittwoch, den 15. November 1893.
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* 1.3.1804 (Baiernrain/Obb.)
† 18.4.1877 (München)
Lithograph, Photograph und Kunsthändler
Hanfstängl, Franz, wurde im Jahre 1804 den 1. März zu Bayernrain, im bayerischen Hochlande, einem Dorfe unweit dem Kloster Dietramszell, geboren, dessen Vater dortselbst Bauer ist. In seinem 12ten Jahre kam er nach München in die Zeichnungsschule des verdienstvollen Professors Mitterer; viele Freunde und Gönner trugen durch Unterstützung für seine weitere Ausbildung bei; besonders aber sorgte Prof. Mitterer väterlich für seine Zukunft. Vom Jahre 1819 bis 1824 besuchte er die Maler-Akademie unter der Leitung des Direktors Langer. Später widmete er sich ausschließlich der Lithographie.
Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.
Franz Hanfstängel, der Sohn eines Bauers, geboren 1804 zu Bayernrain im Hochlande Oberbayerns. Erst in seinem zwölften Jahre und mit wenigen Vorkenntnissen kam er nach München, besuchte hier die zweckmäßig eingerichtete Feiertags- und Zeichnenschule, und zeichnete sich durch Fleiß und Fortschritte bald so aus, daß der Professor Mitterer, welcher die Vervollkommnung der Lithographie und ihre Anwendung zu eigentlichen Kunstzwecken auf das Eifrigste und Glücklichste durch immer erneute Versuche erreicht hatte, den fähigen Jüngling immer mehr an sich zog, bildete und ganz der Kunst zuführte. Hanfstängel besuchte die Akademie und widmete sich dann ausschließlich der Lithographie, in welcher er das Trefflichste leistete, was diese Kunst bisher in Deutschland, ja überhaupt hervorbrachte. Zuerst gab er sehr gelungene Porträte, dann wagte er sich an die Nachbildung von Oelgemälden, deren Kraft und harmonische Farbenwirkung er durch lange Uebung und die sorgfältigste Ausführung glücklich wieder in so zart abgestuften Licht- und Schattentönen zu erreichen wußte, daß man wirklich ein Gemälde zu sehen glaubt, wenn man seine auf Stein ausgeführten Bilder betrachtet. Mit der Klarheit und dem charaktervollen Ausdrucke in den Köpfen verbindet er die glänzendste Behandlung der Gewandung, und die schillernden Seidenstoffe, Leichtigkeit und Schwere sind auf das Täuschendste ausgedrückt, und das Urbild des Malers in seiner geistigen Auffassung und ganzen Eigenthümlichkeit wiedergegeben, wie die herrlichen Blätter zeigen, die er aus der Gallerie in Dresden gab, wo er sich seit dem Jahre 1835 befindet. Kaum ist einem anderen Lithographen, außer ihm, gelungen, den Zauber des Helldunkels, die Silberklarheit des Tones, die feine Charakteristik seines Originals, den eigenthümlichen Vortrag, das Glatte und Markige, Leichte und Derbe des Pinsels vermittelst der Kreide so kenntlich wiederzugeben, und den Meister in seiner ganzen Eigenthümlichkeit, so weit dieses nur immer durch bloße Abstufung der Lichter und Schatten geschehen kann, nachzubilden.
Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.
Hanfstängel, Franz,
Herzog Sachsen-Coburg-Gothaischer Hofrath und Lithograph, ist geboren in Bayerrain im bayer. Hochlande im Jahre 1804. Er kam. 1816 nach München in die Schule des Professors Mitterer; besuchte sodann von 1819 bis 1825 die kgl. Akademie, wo er sich der Malerei widmete und zugleich Porträts auf Stein zeichnete, was damals noch wenig bekannt war. Im Jahre 1830 errichtete er eine lithographische Kunstdruckerei in München; 1834 reiste er nach Paris, und von dort zurückgekehrt ging er nach Dresden, um die vorzüglicheren Gemälde der dortigen Gallerie nach den Originalen auf Stein gezeichnet herauszugeben. Fest begründet und aller Orten bekannt ist der Ruf dieses Künstlers und dessen Arbeiten im Porträtfache. Von ihm sind auch verschiedene Kunstvereins-Blätter, als: für Köln »des Sängers Fluch« nach Foltz; für Prag »Römische Pilger« nach Lindau; wieder für Prag: »Römisches Oktoberfest« nach Marstrand; Dresden »die Tabulettenkrämer« nach Lindau; und noch eines für Dresden »die Wiedertäufer« nach Beer; »die Reue des Raubmörders« nach Gonne, auch für Dresden. Eines seiner neueren Blätter ist Erzherzog Karl, k. k. General-Feldmarschall, umgeben mit den berühmtesten Generalen seiner Zeit, nach Aertinger u. m. a.
Gegenwärtig wird Hanfstängel immer einen Theil des Jahres in München zubringen. Dieser Künstler ist in Bezug auf Lithographie einer der größten Meister seiner Zeit zu nennen.
Universal-Handbuch von München. München, 1845.
(† Franz Hanfstängl.) Einem auf das Grab des Verblichenen niedergelegten Nachruf einer seiner vielen trauernden Freunde entnehmen wir folgende Notizen über sein Leben:
»Hofrath Franz Hanfstängl, k. preuß. Hofphotograph, beschloß am 18. ds. Morgens 9 Uhr in seinem geliebten München, im Kreise der Seinigen, sein thatenreiches Dasein.
Der Sohn schlichter Landleute, 1804 zu Bayernrain im bayerischen Hochgebirge geboren, erweckte er schon als Knabe, – die Särge der Landbewohner mit Blumen bemalend, – die Aufmerksamkeit Aller, die ihn sahen.
Sein zarter Sinn für Bildung, seine eminente Begabung und begeisterter Drang nach Kunst führten ihn, 12 Jahre alt, durch Gönner unterstützt, nach München, wo er arbeitend, studirend und Unterricht ertheilend (Sendlingerstraße neben St. Johanneskirche), später mit Alois Senefelder befreundet wurde und mit demselben forschend, mit den Erfolgen ihrer damaligen Lithographie noch keineswegs befriedigt, beschloß, als einfacher Arbeiter nach Paris zu wandern, um sich bei Lemercier zu vervollkommnen.
Was er dort erstrebt, legte er, nach Deutschland zurückgekehrt, in Dresden allen Sachverständigen und Kunstkennern vor Augen.
Mit einer fast unglaublichen Anzahl Porträts hervorragender Persönlichkeiten und 190 Lithographien nach den Werken der berühmten Dresdener Gallerie verbreitete sich sein Ruhm allmählig in die ganze civilisirte Welt.«
Süddeutsche Presse und Münchener Nachrichten Nr. 95. Sonntag, den 22. April 1877.
Hanfstaengl Franz, von, 1804 (Baiernrain/Obb.) – 1877, Lithograph, Photograph, Kunsthändler und Hofrat; er schloß sich schon sehr früh A. Senefelder und H. J. Mitterer an, nach Senefelders Tod begründete H. die Lithographische Anstalt, 1844 eine Anstalt für Kunstdrucke, der er nach der Erfindung durch F. von Kobell eine Anstalt für Galvanographie angliederte; 1853 gründete er ein Atelier für Photographie und bald darauf noch Lichtdruck- und Heliogravür-Ateliers; H., der es verstand, die technischen Erfindungen in den Dienst der Kunst zu bringen, machte sich vor allem durch die kunstfertige Reproduktion alter und neuer Gemälde verdient.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.
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Hanfstaengl (gs)
* 26.2.1850 (Hamburg)
† 30.10.1938 (München)
Schauspielerin und Sängerin
Zum ersten Male nach langer Zeit wurde am 6. Dezember des Jahres 1875 am Hoftheater in Karlsruhe Preciosa von Pius Alexander Wolff (Musik von Weber) gegeben; aber nicht dieser Umstand war es, welcher dieige Menge in dichtgedrängten Schaaren zu Thaliens Hallen zog, die allgemeine Spannung, mit welcher man der Vorstellung entgegensah, hatte vielmehr einen anderen Grund: die Titelrolle wurde von der Opernsängerin Fräulein Johanna Schwartz gegeben, einer Künstlerin, welche zwar als Elsa von Brabant Rühmliches geleistet hatte, im Schauspiel aber bis dahin noch nicht aufgetreten war. Das Urtheil der Kritik über diese Leistung, sowie über ihre Wiedergabe des Gretchen, welche jenem ersten schauspielerischen Versuch bald folgte, lautete sehr günstig; ja, in Beziehung auf das Gretchen bekannte die Kritik, dass ihr für die richtige Würdigung einzelner Punkte geradezu die Worte fehlten. Das waren die schauspielerischen Anfänge einer Künstlerin, welche heute zweifelsohne zu den ersten unserer deutschen Bühne zählt.
Johanna Schwartz, welche aus Hamburg gebürtig ist und heute dem Verbande des Königlichen Schauspielhauses in Berlin angehört, trat zum ersten Male als »Agathe« im »Freischütz« im Jahre 1869 an der Berliner Hofoper auf, an welcher sie sofort auf 6 Monate engagiert wurde. Nach Ablauf dieser Zeit folgte sie einem Rufe nach Karlsruhe, wo sie bis zum Jahre 1881 verblieb. Die Zeit, welche sie in dieser Residenzstadt zubrachte, fiel für sie in denjenigen Lebensabschnitt, wo der Mensch für geistige Anregungen am empfänglichsten ist. In dem Verkehr mit Künstlern und Gelehrten gewann sie jenen starken Trieb, zu immer höherer Vollkommenheit zu gelangen, welcher neben der Idealität ihrer Gesinnung einen hervorstechenden Zug ihres Charakters bildet. Die vortrefflichen dramatischen Leistungen, mit denen die Künstlerin uns heute erfreut, sind nicht zu geringem Theil Früchte ihres Aufenthalts in Karlsruhe. Nahe Beziehungen zu den angesehensten Familien, namentlich zu der des Generalintendanten Baron Gustav zu Puttlitz, gaben ihr einen starken Halt und trugen wesentlich dazu bei, sie das Bühnenleben nur von der Lichtseite empfinden zu lassen. Da sie trotzdem natürlich in vieler Hinsicht auf sich selbst angewiesen war, so wurde das ihr von der Natur schon reichlich gegebene Mass von Selbstständigkeit und Energie – Eigenschaften, von deren Vorhandensein die Züge unseres Bildes beredtes Zeugniss ablegen – noch erheblich vermehrt.
Acht Jahre hatte Johanna Schwartz bereits an der Oper gewirkt, vom Publikum geachtet und verehrt, gern gesehen bei Hofe, als jener oben erwähnte Abend – durch eine Störung im Repertoir veranlasst – ihrer künstlerischen Thätigkeit eine durchaus neue Richtung gab. Zwei Jahre hindurch wirkte sie sowohl an der Oper, wie auch am Schauspiel, was manchen komischen Streit zwischen dem Intendanten der Oper und des Schauspiels hervorgerufen haben soll. Dieser Zustand war natürlich auf die Dauer unerträglich; entweder musste die Künstlerin sich auf die Oper beschränken, oder ganz zum Schauspiel übergehen. Sie entschloss sich zum Letzteren, nachdem sie sich durch das Urtheil Sachverständiger die Gewissheit verschafft hatte, dass sie hoffen durfte, als Schauspielerin Hervorragendes zu leisten. Sie fing ganz von vorne an zu lernen, befleissigte sich aber eines so rastlosen Studiums, dass sie schon nach Ablauf eines Jahres wieder auftreten konnte. Der grosse Erfolg, den sie erntete, zeigte, wie richtig sie gehandelt hatte.
Lange sollte ihres Bleibens in Karlsruhe nicht mehr sein. Am Schauspielhaus in Berlin war durch den Rücktritt der Frau Erhartt eine sehr empfindliche Lücke entstanden. Es schien fast, als ob die ausgeschiedene Künstlerin nicht zu ersetzen wäre, denn die zahlreichen Gastspiele, die zu einem Engagement führen sollten, blieben erfolglos. Da kam Johanna Schwartz nach Berlin und siehe da – sie eroberte durch ihr dreimaliges Gastspiel als Maria Stuart, Gräfin Orsina und Jungfrau von Orleans sofort die Herzen des Publikums und errang sich den allseitigen Beifall der Kritik; Th. Fontane brach voll Freude in den klassischen Ausruf aus:
»Geendet nach langem, verderblichen Streit.
Ist die Erharttlose, die schreckliche Zeit.«
Johanna Schwartz wurde engagiert und kehrte also als Schauspielerin in denselben Verband zurück, in welchem sie als ihre Bühnenlaufbahn begonnen hatte.
Ausgangs der Saison 1881 nahm sie Abschied von der in Karlsruhe; wir entnehmen darüber dem »Berliner Fremdenblatte« Folgendes:
»Frl. Johanna Schwartz verabschiedete sich gestern als Jungfrau von Orleans.«
»Johanna geht und niemals kehrt sie wieder«
»Johanna sagt Euch ewig Lebewohl.«
Das Haus war bereits am frühen Vormittag ausverkauft und der ganze Abend war für die scheidende Künstlerin eine nicht endenwollende, stürmische Ovation. Schon nach dem Vorspiel sank auf die immer und immer wieder Hervorgejubelte ein förmlicher Regen von kostbaren Bouquets und Lorbeerkränzen mit prächtigen Schleifen nieder, und nach allen Scenen, Akten und zum Schluss wiederholte sich dies Schauspiel im Schauspiel. Schon vor einigen Tagen hatte Frl. Johanna Schwartz Abschiedsaudienz bei Ihrer Königl. Hoheit der Frau Grossherzogin und heute nach der Vorstellung liess auch der Grossherzog durch den Generalintendanten Baron Gustav zu Putlitz die Künstlerin zu sich in die Loge bitten, wo dann der ganze Hof versammelt war und Frl. Johanna Schwartz mit Freundlichkeiten überschüttete. Als die Künstlerin dann die Bühne wieder betrat, um sich in ihre Garderobe zu begeben, hatte sich inzwischen das Gesammtpersonal des Hoftheaters dort vereinigt, Herr von Putlitz geleitete die erstaunte Künstlerin in den Kreis, der sich schnell bildete und Herr Schneider ergriff das Wort. Er wies darauf hin, was die Künstlerin dem Institute gewesen und den Kollegen sei, dass sie als Sängerin die hiesige Bühne betrat und nun als »Jungfrau von Orleans« sich verabschiedet; »Elsa von Brabant« – »Fenella« – »Gräfin Autreval« – »Maria Stuart,« mit diesen vier Gestalten sei ihre ganze hiesige Carriere bezeichnet. Im Namen Aller sage er der lieben Kollegin das herzlichste Lebewohl und als Ehrengabe von Allen weihe er der auserwählten Künstlerin den wohlverdienten Lorbeer.«
In Berlin setzte sie mit demselben Glück ihre Laufbahn fort; nie stille stehend oder ausruhend auf den so reichlich, auch bei ihren Gastspielen in Hamburg, Danzig, Stettin und Frankfurt geernteten Lorbeern, sondern stets darauf bedacht, ihre künstlerischen Ideale zu verwirklichen.
Aus der Einleitung zu: Gerhardt Penzler: Charakterbilder aus dem deutschen Bühnenleben. Herausgegeben von Gerhardt Penzler. Heft I. Johanna Schwartz, Königliche Hofschaupielerin. Berlin, 1887.
Viele, noch heute nicht erloschene Symphatien erwarb sich beim Karlsruher Publikum Frau Johanna Schwartz. Ihre Stimme war nicht groß und umfangreich, besaß aber einen gewinnenden Klangreiz; damit verband die Künstlerin ein warmes, poetisches Empfinden und ausgesprochenes Spieltalent. Partieen wie Cherubino, Undine, die Gounod'sche Margarethe, die Katharina in der »Widerspenstigen Zähmung« von Götz fanden durch sie ein ungemein fesselnde Verkörperung. Johanna Schwartz ging schon in Karlsruhe zum Schauspiel über und vertrat von 1881 das Fach der Heroine am Königl. Schauspielhause zu Berlin.
Wilhelm Harder: Das Karlsruher Hoftheater. Karlsruhe, 1889.
Hanfstängl, Johanna, geb. Schwartz, war ursprünglich Sängerin und trat zuerst an der Königlichen Oper in Berlin auf, wo sie Partien wie die Gräfin im »Figaro« und die Agathe im »Freischütz« innehatte. Nach einem halben Jahr nahm sie ein Engagement in Karlsruhe als jugendlich dramatische Sängerin an und füllte dies Fach acht Jahre hindurch aus. Trotzdem fühlte sie sich immer mehr zum Schauspiel hingezogen und der gute Eindruck, den sie als Preziosa und Gretchen im »Faust« hinterließ, bestimmte sie einen vollständigen Wechsel in ihrer künstlerischen Tätigkeit eintreten zu lassen. Zwei Jahre hindurch war sie am großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe fürs erste Fach in der Oper wie im Schauspiel verpflichtet, dann ging sie 1880 an das Königliche Schauspielhaus nach Berlin, wo sie acht Jahre lang thätig war. Ihre Hauptrollen im Fach der Heroinen waren Iphigenie, Orsina, Maria Stuart, Jungfrau von Orleans, Antigone und andere. Ihre Verheiratung und eine ernste Erkrankung waren die Ursache, daß sie vier Jahre hindurch der Bühnenthätigkeit entsagen mußte. Seit 1893 ist die in Hamburg geborene Künstlerin am Hoftheater in München im Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen beschäftigt.
Spemanns goldenes Buch des Theaters. Berlin und Stuttgart, 1902
Hanfstängl, Johanna, geb. Schwartz, war ursprünglich Sängerin und trat zuerst an der Königlichen Oper in Berlin auf, wo sie Partien wie die Gräfin im »Figaro« und die Agathe im »Freischütz« innehatte. Nach einem halben Jahr nahm sie ein Engagement in Karlsruhe als jugendlich dramatische Sängerin an und füllte dies Fach acht Jahre hindurch aus. Trotzdem fühlte sie sich immer mehr zum Schauspiel hingezogen und der gute Eindruck, den sie als Preziosa und Gretchen im »Faust« hinterließ, bestimmte sie einen vollständigen Wechsel in ihrer künstlerischen Tätigkeit eintreten zu lassen. Zwei Jahre hindurch war sie am großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe fürs erste Fach in der Oper wie im Schauspiel verpflichtet, dann ging sie 1880 an das Königliche Schauspielhaus nach Berlin, wo sie acht Jahre lang thätig war. Ihre Hauptrollen im Fach der Heroinen waren Iphigenie, Orsina, Maria Stuart, Jungfrau von Orleans, Antigone und andere. Ihre Verheiratung und eine ernste Erkrankung waren die Ursache, daß sie vier Jahre hindurch der Bühnenthätigkeit entsagen mußte. Seit 1893 ist die in Hamburg geborene Künstlerin am Hoftheater in München im Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen beschäftigt.
Eugen Zabel: Bühnenkünstler der Gegenwart. Biographien und Charakteristiken von Eugen Zabel. In: Spemanns goldenes Buch des Theaters. Berlin und Stuttgart, 1902.
Schwartz Johanna geboren in Hamburg (verehel. gew. Hanfstängl), begann ihre theatralische Laufbahn in Würzburg. Bevor sie sich dem rezitierenden Drama zuwendete wirkte sie als Sängerin und zwar sang sie an der königl. Oper in Berlin mit vielem Erfolg Partien wie: »Gräfin« in »Figaro«, »Agathe« in »Freischütz« etc. Nach kurzem Wirken daselbst trat sie als jugendlich-dramatische Sängerin in den Verband des Hoftheaters in Karlsruhe, woselbst sie acht Jahre als hervorragendes Mitglied des Opernensembles wirkte.
Nichtsdestoweniger fühlte sie sich zum Schauspiel hingezogen und nachdem sie als »Preziosa« und »Gretchen« untrügliche Beweise ihres dramatischen Talentes gegeben hatte, beschloß sie ernstlich den Übergang zur ausschließlichen schauspielerischen Tätigkeit. Bevor sie jedoch diesen vollständigen Wechsel in ihrer künstlerischen Wirksamkeit ausführte, war sie während der letzten zwei Jahre ihres Engagements in Karlsruhe sowohl in der Oper als auch im Schauspiel tätig, und zwar vertrat sie stets ein erstes Fach.
1881 wurde die Künstlerin für das Hoftheater in Berlin verpflichtet, woselbst sie bis 1889 als Heroine, resp. tragische Liebhaberin äußerst erfolgreich wirkte. »Iphigenie«, »Orsina«, »Maria Stuart«, »Jungfrau von Orleans«, »Antigone« etc. gehörten zu ihren beliebtesten Leistungen. Da mußte sie sich infolge ernster andauernder Krankheit von der Bühne zurückziehen, die sie erst nach vier Jahren wieder betrat.
Sie folgte 1894 einem Ruf an das Hoftheater in München, woselbst sie das Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen mit entsprechender Würde und Noblesse vertritt.
Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig, 1903.