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3 – 12 – 24 (Michel)

Ω

Hier ruht
Johann Balthasar Michel
geb. am 6. Febr. 1755 zu Mannheim
gest. am 13. Aug. 1818 zu München

Ein treuer Vater
Ein thätiger Bürger
Ein verlässiger Freund.

Er war der erste Protestant
dem Bayerns Hauptstadt
das Bürgerrecht verlieh.

Ω

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Johann Balthasar Michel

* 6.2.1755 (Mannheim)
† 13.8.1818 (München)
Weinwirt und Pferdehändler

Münchener Tagblatt (21.2.1848)

Kurfürst Max IV. und der berühmte Patriot Utzschneider über die Aufnahme des I. Protestanten in München.

Der am 31. Jänner 1840 an den Folgen eines unglücklichen Wagensturzes gestorbene Geheime Rath v. Utzschneider, ein Mann von bewunderungswürdiger Selbstständigkeit, hatte in den ersten 80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Hochschule in Ingolstadt besucht und dort die Tendenzen der Illuminaten kennen gelernt. Man erzählte sich manches Decenium fortan, er sei ihr Verräther gewesen und habe als früherer Geheimschreiber der Frau Herzogin Maria Anna nur deßwegen die Universität besucht oder vielmehr auftragsweise im Solde des Karl Theodor’schen Hofes besuchen müssen, um dort sich selbst als Illuminat aufnehmen zu lassen und das geheime Treiben dieser Verbindung an die Regierung zu berichten. Dem sei, wie ihm wolle, wahr ist, daß Utzschneider vom Hofe des Kurfürsten auf alle Weise begünstigt wurde, während andere Illuminaten die Geisel geheimer Verfolgung auf ihrem Nacken fühlten. Utzschneider verlor demohngeachtet eine loyale Freimüthigkeit nie und galt in seinem öffentlichen als Privatleben stets als ehrenhafter Patriot. So erkannte und würdigte ihn wohl der höchstselige König als Kurfürst Max IV. Joseph, ein ächtes Menschenherz auf einem Königsthrone. Es war nämlich – so erzählte uns der selige Utzschneider selbst – eines Tages im Jahre 1800, als der Kurfürst ihn rufen ließ. »Hör‘ einmal Utzschneider, – sprach Max – sind denn meine Münchner Bürger gar so intolerant, daß sie in ihrer Mitte keinen Protestanten vertragen können?« Es handelte sich nämlich damals um die Bewilligung zur Bürgeraufnahme des ersten Protestanten in München, des sogenannten Weinwirths Michel, die der Magistrat um keinen Preis gewähren wollte, in dem Sinne, wie etwa die Nürnberger keinen Juden aufnehmen wollten; und deßwegen war die Entscheidung dem Churfürsten allein vorbehalten. »Durchlaucht, – erwiederte also Utzschneider auf obige Frage – Durchlaucht, nehmen also den Michel als Bürger auf, dann ist doch der Kurfürst selbst der Toleranzträger für’s ganze Land.« »Er sei aufgenommen«, – sprach Max – und ausser einigen Pamphletisten sprach Niemand mehr ein Wort über jenes Ereigniß, welches nach und nach die Folge hatte, daß jetzt die protestantische Gemeinde in München über 8000 Seelen zählt. Wer weiß aber, wenn der katholische Utzschneider diese präcise Antwort nicht gegeben hätte, ob denn diese umfangreiche Folge auch wirklich bestehe oder nicht. – Jedenfalls gehört diese Thatsache ebenso gut in die Annalen der Residenzstadt München, wie die im Jahre 1804 vom Kurfürsten gegebene Erlaubniß für die erste Israelitenfrau, daß sie nämlich in München entbinden dürfe, während früher alle Judenweiber ihrer Niederkunft in Kriegshaber bei Augsburg entgegensehen durften. Wer möchte solche Zeiten zurückrufen, und wer diese beschränkte alte Zeit als eine gute loben!?

Dr. Wolf’s Annalen.

Münchener Tagblatt No. 52. Montag, den 21. Februar 1848.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Michel Johann Balthasar, 1755 (Mannheim) – 1818, Weinhändler, Weinwirt, Pferdehändler und Münchens erster evangelischer Bürger; als M. das Anwesen an der Rosengasse Nr. 11 erwerben wollte, suchte das der Rat von München zu verhindern; nur durch unmittelbares Eingreifen des Kurfürsten wurde der Widerstand gebrochen; der Landesherr verfügte: »Nach reiflicher Überlegung und in der Gewißheit, daß das Recht auf meiner Seite ist, befehle ich hiemit meinem Stadtmagistrat, bis spätestens morgen abend 6 Uhr dem Handelsmann Michel aus Mannheim das Bürgerrecht zu erteilen, widrigenfalls ich mich genötigt sehen würde, mit strengsten Mitteln einzugreifen« (29. Juli 1801); eine besondere Flugschrift beschäftigte sich mit der »Geschichte der ersten Bürgeraufnahme eines Protestanten in München«; mit diesem Vorgang hat nicht nur Bayern, sondern auch München den Charakter der ausschließlichen Katholizität verloren; wie L. von Westenrieder berichtet, bangten die Münchner, in das von M. erworbene Haus würde der Blitz einschlagen; »Hier ruht der erste Protestant, dem Bayerns Hauptstadt das Bürgerrecht verlieh, und er war dieser Ehre wert«, stand einst auf seinem Grabstein.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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