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3 – 12 – 54·55 (Widder)

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GABRIEL BERNHARD
von WIDDER
1774 – 1831

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Gabriel Ritter von Widder

* 20.10.1774 (Mannheim)
† 21.2.1831 (München)
Generalkommissär des Isarkreises

Neuer Nekrolog der Deutschen (1833)

Gabriel Bernard von Widder,
königl. baier. wirkl. Staatsrath im außerordentl. Dienst, Generalcommissär und Präsident der königl. Regierung des Isarkreises, Großkreuz des Civilverdienstord. der baier. Krone zu München;
geb. d. 20. Oct. 1774, gest. d. 21. Febr. 1831
(Nach einer schon gedruckten Biographie.)

Er war zu Mannheim geboren, kam aber schon in seiner frühesten Jugend nach München, wohin sein Vater im J. 1778 als königl. Rath und Geheimer Sekretär von Mannheim aus berufen wurde. Die erste Grundlage seiner Bildung verdankte er den geschickten Händen des dermaligen Herrn Bischofs und Domprobstes von Streber, welcher ihm zehn Jahre hindurch ein einsichtsvoller Lehrer und sicherer Führer war. In München besuchte er das Gymnasium, ging dann auf die Hochschule nach Heidelberg, widmete sich vorzugsweise den Rechts- und Cameralwissenschaften, und vollendete seine Studien auf der Hochschule in Ingolstadt. Sein Vater war inzwischen in der Eigenschaft eines Hofkammerdirectors nach Mannheim zurückgekehrt, er aber ging nach der Beendigung seiner Universitätsstudien von Ingolstadt nach München, betrat seine praktische Laufbahn, und wählte, allein seiner Neigung folgend, den landgerichtlichen Geschäftskreis. – Es zeigte sich bald, daß er recht gewählt hatte. Seine Wißbegierde fand Befriedigung, sein Talent beschleunigte die Ausbildung, und schon nach kurzer Zeit erkannte man in ihm die glücklichen Anlagen des Geschäftsmannes, welche in seinen spätern Lebensepochen immer glänzender hervortraten. Im Januar 1798 wurde er zum Landrichter in Schwaben, im dermaligen Landgerichtsbezirke Ebersberg ernannt. Von nun an war er in das Geschäftsleben eingeführt. Die damaligen Kriegsereignisse, welche seinen Amtsbezirk zum Schauplatze einer erfolgreichen Schlacht machten, gaben ihm Gelegenheit, seine Einsicht und Thätigkeit zum Nutzen seiner Amtsuntergebenen zu erproben. Der Erziehung und Bildung der Jugend widmete er eine besondere Aufmerksamkeit; seine Verdienste hierin wurden von seiner vorgesetzten Behörde im Regierungsblatte, Jahrg. 1803, S. 260 öffentlich anerkannt. Nicht minder war das Armenwesen der Gegenstand seiner unermüdlichen Sorgfalt. Er gab diesem Zweige der öffentlichen Wohlfahrt eine Einrichtung, welche von der damaligen churfürstlichen Landesdirection in Baiern durch das Ausschreiben vom 23. November 1804 sämmtlichen Landgerichten als allgemeine Norm vorgezeichnet worden ist. Bei solchen Handlungen mußten die Blicke auf ihn fallen, wenn von der Wiederbesetzung höherer Stellen die Rede war. Im August 1803 wurde er zum General-Landesdirectionsrathe in München befördert, im darauf folgenden Jahre als dirigirender Rath der churfürstlichen Landesdirection nach Bamberg versetzt, im J. 1805 zum wirklichen Director der eben erwähnten Landesstelle ernannt, und im J. 1806 in der Eigenschaft eines Directors des Guberniums der Provinz Tyrol nach Innsbruck berufen. Die Verdienste, welche er sich in diesen schwierigen Dienstverhältnissen um den Staat erworben hatte, wurden am 19. Mai 1808 durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Civilverdienstordens der baierischen Krone belohnt. Als im J. 1808 das Fürstenthum Tyrol in drei Kreise getheilt, und demselben eine innere Verwaltung gleich den übrigen Landestheilen gegeben wurde, erhielt er die ehrenvolle Beförderung zum Referendar im geheimen Finanzdepartement zu München. Die großen Ereignisse, welche damals schnell auf einander folgten, und die Finanzquellen Baierns sehr fühlbar in Anspruch nahmen, erhöhten die Wichtigkeit des ihm anvertrauten Postens; dessen ungeachtet erstreckte sich seine Thätigkeit über den gewöhnlichen Wirkungskreis jener Stelle hinaus, und seine Arbeiten bei der königl. Ministerial-Kriegscommission, sowie seine Leistungen bei der Errichtung und Bildung der Gensdarmerie werden noch lange in rühmlichem Andenken bleiben. Die zahlreichen Personalveränderungen, welche im J. 1817 mit der neuen Formation der Ministerien verbunden waren, gingen nicht ohne ihn zu berühren vorüber; er wurde damals als Vicepräsident der königl. Regierung des Regenkreises nach Regensburg versetzt, kehrte aber schon am 30. October desselben Jahres in gleicher Eigenschaft zur königl. Regierung des Isarkreises nach München zurück. Am 1. December 1819 wurde er zum Generalcommissär und Präsidenten der eben genannten Regierung befördert, am 16. October 1820 erhielt er das Commandeurkreuz des Civilverdienstordens, am 22. Oct. 1822 seine Ernennung zum wirklichen Staatsrathe im außerordentlichen Dienste, und endlich im J. 1825 als den höchsten Beweis des Vertrauens und der Anerkennung seiner Verdienste das Großkreuz des Civilverdienstordens der baier. Krone. Für diese Reihe von Wohlthaten hat er die glühendste Dankbarkeit gegen den königlichen Geber bis zu seinem letzten Athemzuge in treuer Brust bewahrt. – Der jetzt regierende König Ludwig schenkte ihm sogleich nach seiner Thronbesteigung das besondere und ausgezeichnete Vertrauen, ihn der Zahl derjenigen Staatsmänner einzuverleiben, welche sich um seine Person zu versammeln hatten, um die Verbesserungen der innern Verwaltung, so wie die Ersparungen im Staatshaushalte zu berathen, deren Früchte jetzt so sichtbar sind. Den schönsten Lohn für seine Bemühungen hierbei hat er in dem öffentlichen Ausdrucke (Reg.-Bl. 1826, S. 63) der huldvollen Anerkennung und der Zufriedenheit seines Königs gefunden. Kein weiterer Ehrgeiz lag in seiner Brust, sein einziger Wunsch war, bei der Kreisregierung, welcher er mit ganzer Seele zugethan war, zu bleiben und zu wirken. Die Gnade des Königs gewährte ihm diesen Wunsch, er blieb und wirkte, bis am 19. Febr. 1831 ein Schlagfluß ihm die Kräfte nahm, und viel zu früh am 21. desselben Monats seinem thätigen und früchtereichen Leben ein Ende machte. – Der Künstler sucht seinen Nachruhm in dem Pallaste, der aus fremder Kraft erbaut von ihm die Form erhielt. Der Staatsmann findet seinen Ruhm zunächst in der Gegenwart, in der Huld seines Fürsten, in den Herzen seiner Untergebenen, in der öffentlichen Ordnung, die v. W. kräftig und würdevoll festhielt. Wie weit der Verstorbene auf dieser Bahn des Ruhmes vorgedrungen sey, mag das Gefühl eines Jeden entscheiden, welcher ihn zu kennen Gelegenheit hatte. Die allgemeine Stimme hat am Grabe gesprochen. Unermüdet war er im Dienste, einsichtsvoll in der Behandlung der Geschäfte, entschlossen im Augenblicke des Handelns. Keine Rücksicht auf seine Gesundheit hat seinen Eifer mäßigen können; er hat sich in seinem Leben wenig Ruhe gegönnt, er hat sie nun gefunden.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Ilmenau, 1833.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Widder Gabriel, von, Ritter, 1774 (Mannheim) – 1831, Generalkommissär des Isarkreises und Staatsrat; aus Mannheim kommend war W. anfangs Pflegskommissar und dann Landrichter des altbayerischen Pfleggerichts Schwaben (östlich von München); 1803 war er Generallandesdirektionsrat in München, 1806 Direktor des Guberniums in Innsbruck, 1808 war er geheimer Referendär im Finanzministerium und von 1819 bis 1831 Generalkommissär und Präsident des Isarkreises; wegen seiner Verdienste wurde W. das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen; bei den Münchner Studentenunruhen zu Weihnachten 1830 hat der reaktionäre Regierungspräsident das Mißtrauen des Königs gegen diese unterstützt.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



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