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4 – 2 – 47·48 (Gruithuisen)

Ω

Büste
Inschrift

GRUITHUISEN
ASTRONOM

Büste Signatur
Rechte Seite

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FRANZ VON
GRUITHUISEN
PROF. DR. MED.
NATURFORSCHER
1774 – 1852

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Prof. Dr. med. Franz Paula von Gruithuisen

* 19.3.1774 (Burg Haltenberg am Lech/Lkr. Schongau/Obb.)
† 21.6.1852 (München)
Arzt und Astronom

Baireuther Zeitung (14.11.1825)

Die diesjährige schöne Sommerwitterung hat dem Professor Gruithuisen, auf seiner Erholungreise durch die schönsten Theile Deutschlands, Gelegenheit gegeben, die Professoren der Astronomie mehrerer Universitäten auf die Originale der von ihm entdeckten wallähnlichen Gebilde auf dem Monde aufmerksam zu machen. Sie haben ohne Ausnahme seine Zeichnung mit denselben übereinstimmend erklärt. Er theilte ihnen auch eine 33 Figuren enthaltende große Stein-Drucktafel, welche die neuesten von ihm im Monde gemachten Entdeckungen ähnlicher Art enthält, mit. Ein ausführlicher naturwissenschaftlicher Reisebericht wird demnächst von ihm in einem Deutschen Journale erscheinen.

Baireuther Zeitung Nro. 225. Montag, den 14. November 1825.

Freimüthiges Abendblatt (16.6.1826)

Uebersicht der Beschäftigungen der philomatischen Gesellschaft zu Rostock während der beiden Jahre vom Mai 1824 bis April 1826.

[...]

Am 27sten September trug der Hr. Prof. Flörke eine Beleuchtung der, von dem Königl. Baierschen Akademiker, Hrn. Prof. Gruithuisen in München entdeckten Spuren der Mondbewohner vor, besonders eines kolossalen Kunstgebäudes derselben, und legte seine Ueberzeugung dar, daß wenn man im allgemeinen die sämmtlichen großen Himmelskörper auch für Wohnsitze belebter, ja vernünftiger Wesen halten dürfe, doch die sammlichen großen Himmelskörper auch für Wohnsitze belebter, ja vernünftiger Wesen halten dürfe, doch die bis jetzt von dem Hrn. Prof. Gruithuisen bekannt gemachten Entdeckungen noch keinen Beweis dafür liefern. Insonderheit sei das von dem Hrn. Prof. G. entdeckte Kunstgebäude höchst wahrscheinlich nur ein sternförmig getheilter Bergrücken, da man doch nicht annehmen könne, daß die, aller Analogie nach, gegen die die Erde bewohnenden Menschen gerechnet, viel kleineren und schwächeren Mondbewohner ein Gebäude sollten aufführen können, das ¾ deutsche Meilen im Durchmesser und ½ Meile in der Höhe hätte, so wie eine fast 5 Meilen im Durchmesser haltende Stadt!

[...]

Freimüthiges Abendblatt Nro. 389. Schwerin, den 16. Juni 1826.

Neuer Nekrolog der Deutschen (1854)

Dr. med. Franz von Paula Gruithuisen,
Professor der Astronomie zu München;
geb. den 19. März 1774, gest. den 26. Juni 1852.

In dem alten Ritterschlosse Haltenberg am Lech erblickte G. das Licht der Welt. Sein aus Herzogenbusch gebürtiger Vater, Peter G., war durch Maximilian III. nach Bayern berufen worden, wo er die Stelle eines Falkoniers erhielt. Sein Einkommen war gering und er konnte auf die Erziehung seines Sohnes, dessen Fähigkeiten sich frühzeitig entwickelten, nicht so viel verwenden, als er wohl gewünscht hätte, thun zu können. In den alten Sprachen machte G. schnelle Fortschritte. Auch in seiner wissenschaftlichen Bildung überhaupt zeichnete er sich rühmlich aus. Zu seinem Berufsfache wählte er die Chirurgie. Aus dem älterlichen Hause sehnte er sich hinaus in die Welt. Er wollte Erfahrungen sammeln und seine Kenntnisse berichtigen und erweitern. Noch sehr jung, in seinem 14. Lebensjahre, trat er 1788 beim Ausbruche des Türkenkrieges in österr. Dienste als Feldchirurg. Erst nach seines Vaters Tode ging dessen Wunsch, ihn unter den Dienern des Kurfürsten Karl Theodor angestellt zu sehen, in Erfüllung. G. hatte dadurch Zeit gewonnen, sich mit manchfachen Studien, besonders mit der Philosophie zu beschäftigen. Durch mehrere Experimente und selbst gefertigte Fernröhre gewann er die Gunst eines einflußreichen und vermögenden Mannes, der sich seiner thätig annahm und ihm auf der Universität Landshut ein reichliches Jahrgeld zufließen ließ. Dort studirte G. seit 1801 Medicin und setzte nebenher seine philosophischen Studien fort. 1808 erlangte er zu Landshut den medicinischen Doktorgrad. Er ward in dem genannten Jahre als Professor der Physik berufen, lehnte jedoch diesen Ruf ab, als ihm gleichzeitig ein Lehramt in München angetragen ward. Bis 1824 war er dort bei der Schule für Landärzte als Lehrer der Physik, Chemie, Naturgeschichte, Zoonomie und Anthropologie angestellt. Während seines Aufenthalts in München zeigten sich ihm Aussichten zu anderweitigen Beförderungen. Die Universitäten Freiburg und Breslau wünschten ihn zu gewinnen, jene für Chemie, Physik und Astronomie, diese für Physiologie. G. blieb aber seinem Vaterlande treu. Als die Universität Landshut nach München verlegt ward, verschafften ihm seine Entdeckungen am Himmel das Lehramt der Astronomie, das er seitdem bis zu seinem Tode verwaltete. Das Institut royal zu Paris verlieh ihm wegen seiner Erfindung, den Stein in der Harnblase zu zermalmen, den Preis von 1000 Frcs. Auf seinen Reisen durch Deutschland in den Jahren 1825 und 1826 erhielt er von Gelehrten aus allen naturwissenschaftlichen Fächern Beweise ehrender Anerkennung. Außer zahlreichen Schriften, von denen später ein Verzeichniß folgt, lieferte er mehere gehaltvolle Aufsätze in Journalen. Einer der interessantesten war seine in Kästner’s Archiv abgedruckte »Entdeckung vieler deutlicher Spuren der Mondbewohner, besonders eines kolossalen Kunstgebäudes derselben.« Die von dem Marschall v. Bieberstein 1802 veröffentlichten Untersuchungen über den Ursprung und die Ausbildung des Weltgebäudes, fanden an G. einen lebhaften Vertheidiger. Nach seinen Beobachtungen der Mondgebirge wollte er sie nicht für Vulkane gelten lassen. Er war vielmehr der Meinung, daß die meisten Ringflächen der Mondgebirge sich als die obern Segmente der in den Mond versenkten Weltkörper ankündigten, und daß die Mondgebirge selbst koncentrisch geschichtete Ringe wären, die sich aus den versunkenen Kugeln abgestreift hätten und sich als Urgebirge zeigten, wodurch man veranlaßt werde, die größeren Weltkörper sich aus kleinern zusammengesetzt vorzustellen.

Seine Schriften sind: Naturhistor. Untersuchungen üb. d. Unterschied zwischen Eiter und Schleim durch das Mikroskop. M. 1 Kpfr. München 1809. – Ueber d. Existenz der Empfindung in d. Köpfen u. Rümpfen d. Geköpften, und von d. Art, sich darüber zu belehren. Nürnb. 1809. – Anthropologie, od. von d. Natur des menschl. Lebens und Denkens, für angehende Philosophen u. Aerzte. München 1810. – Die Naturgeschichte im Kreise der Ursachen u. Wirkungen, od. d. Physik histor. bearbeitet. Ebds. 1810. – Organozoonomie, od. üb. d. niedrige Lebensverhältniß als Propädeutik zur Anthropologie; mit e. Anhange: Versuch e. Terminologie d. allgem. physiol., anthropol. u. philos. Ausdrücke. Ebds. 1811. – Ueber d. Natur des Kometen, mit Reflexionen auf ihre Bewohnbarkeit und Schicksale; bei Gelegenheit des Kometen von 1811. M. 1 Kupfer, 3 lithograph. Tafeln und 2 Tabellen. Ebds. 1811. – Von d. Beschaffenheiten, statt e. Metaphysik b. Sinnlichen. Ebds. 1811. – Siegfried, od. kurze Biographie des Verstandes bis auf d. Geist mit seinen Kindern, in e. nach d. Leben gewählten Darstellung. Ebds. 1812. – Beiträge zur Physiognosie u. Heautognosie f. Freunde d. Naturforschung, auf d. Erfahrungswege von d. Jahren 1809,1810 u. 1811. M. Karten. Ebds. 1812. – Neuer kosmo-theol. Beweis von d. Eristenz Gottes. Und daß Herr Fr. H. Fries sich in die Philosophie unserer Zeit nicht finden kann, wird gezeigt von u. s. w. Veranlaßt durch des Hrn. Fries neue Schrift von deutsch. Philosophie, Art u. Kunst, worin f. Herrn Friedr. Heinr. Jacobi, gegen F. W. J. Schelling ein Votum gegeben worden. Landshut 1812. – Hippokrates d. Zweiten ächte medicin. Schriften in’s Deutsche übers. Mit e. alphabet. Repertorium der Sätze und Materien. Ein Taschenbuch für junge Aerzte, herausgeg. von u. s. w. München 1814. – Lieblingsobjekte im Felde d. Naturforschung. Ebds. 1817. – Ueber Naturforschung; nebst Anhang; Uebersicht d. Arbeiten des Verfass. im Felde d. Naturforschung. Augsburg 1824. – Handb. der Vorbereilungslehre an den k. bayer. Schulen f. Chirurgie. Mit Holzschnitten (auch unter d. T.: Einleitung in das Studium der Arzneikunde, enthaltend: Allgem. Naturlehre der medicin. Chemie, Meteorologie, Organologie u. Pharmakologie. Nebst Regist. u. Anhang. Nürnb. 1824. – Gedanken u. Ansichten üb. d. Ursachen der Erdbeben, nach der Aggregations-Theorie der Erde. Ebds. 1825. – Analekten für Erd- und Himmelskunde. 7 Hefte. München 1828–1831. – Neue Analekten für Erd- und Himmelskunde. 2 Bde. Ebds. 1832–1836. – Kritik d. Rede Schelling’s zum 75 Jahrestage der königl. bayer. Akad. d. Wissenschaften. Ebds. 1834. – Naturgeschichte d. gestirnten Himmels. Eine neue, zufolge ihrer Einrichtung jedem scientifisch Gebildeten faßl. Darstellung d. neuest. Lehren der Astronomie, nebst tabellar. Astronomie, als Anhang. München 1836. – Astronom. Jahrbuch f. phys. u. naturhistor. Himmelsforscher, mit den für d. J. 1839 vorausbestimmten Erscheinungen am Himmel. Ebds. 1838. – Kritik der neuesten Theorie d. Erde, und Sieg d. Natur üb. dieselben. Für Geologen u. überhaupt für Naturhistoriker, Physiker und Astronomen. Landshut 1838. – Astronom. Jahrbuch f. phys. u. naturhistorische Himmelsforscher, mit den für das Jahr 1840 vorausbestimmten Erscheinungen am Himmel. München 1839. – Astronom. Jahrbuch u. s. w. 3. Jahrg. Mit 4 lithogr. Tafeln. Ebds. 1840. 4. Jahrgang. Ebds. 1842. Mit 3 lithograph. Tafeln. Ebds. 1842. – Naturwissenschaftl.-astronomisches Jahrb. u. s. w. Mit 3 lithograph. Tafeln. Stuttgart 1842. – Neue einfache trigonometr. Methode, die Höhen der Berge zu messen u. sie zu besteigen, bewirkt durch d. Auffindung der wahren terrestrischen Refraktion. München 1842. – Phys.-astronomische Beobachtungen d. Saturn, Mars, des Mondes, der Venus und Sonne (in Bodee’s* *Dessen Biog. siehe im 4. Jhrg. des N. Nekr. S. 688) astronom. Jahrbüchern für 1817); Beiträge zu d. Salzburger medicin.-chirurgischen Zeitschrift (1812–14, 1816, 1819, 1820, 1822, 1823, 1825); zu Oken’s Isis (1820); zu den Verhandl. der Leopoldinischen Akad. der Naturforscher. Bd. 10 (1820); zu Bode’s astronom. Jahrbüchern auf d. Jahre 1825 u. 1828 u. a. Journalen. – Sein Bildniß befindet sich vor dem 6. Hefte der von ihm herausgegebenen Analekten f. die Erd- u. Himmelskunde. (München 1835).

Jena. Dr. Heinr. Döring.

Dr. Heinrich Döring: Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1854.

Denkwürdige Bayern (1865)

Dr. Franz Gruithuisen,
Professor zu München.

»Die Welt wird besser, muß besser werden. Dann wird sie nicht bloß im todten Buchstaben die Lehren der Weisheit bewahren, sondern in den Gemüthern, worin sie dann auch nicht mehr zu verbrennen sind.«
Gruithuisen, Lieblingsobjekte. S. 7.

Per aspera ad astra.
Durch Nacht zum Licht.

Derjenige, welcher unter ungünstigen Verhältnissen nur durch eigene Kraft mit Zähigkeit und Ausdauer sich emporringt, um einen ehrenvollen Platz unter seinen Mitmenschen einzunehmen, verdient mehr unsere Anerkennung und Bewunderung, als Der, den glückliche Umstände begleiten, den die Gunst des Zufalls und der Stellung in seinen Bestrebungen unterstützt und es ihm nebst seinen Anstrengungen möglich macht, einen hervorragenden Namen sich zu schaffen.

Solch einen Mann, der trotz der Ungunst äußerer Verhältnisse sich einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der Wissenschaft seines Vaterlandes errungen hat, verehren wir in Franz Gruithuisen, geboren auf dem Jagdschlosse Haltenberg am Lech (Landg. Landsberg in Oberbayern) am 19. März 1774 als der Sohn des von Kurfürsten Max III. aus Herzogenbusch (Nordbrabant) nach Bayern als Falkonier berufenen Georg Gruithuisen. Sein Vater, die seltenen Geistesanlagen seines Sohnes berücksichtigend, brachte ihn auf das Gymnasium, um ihm die erste klassische Bildung zu verschaffen, er konnte aber bei seiner geringen Stellung ihm nicht so weit nachhelfen, daß er die Gymnasialstudien vollendet hätte; Gruithuisen mußte daher bei einem Bader in die Lehre treten.

Eine solche seinem Streben nicht entsprechende Stellung veranlaßte ihn, diese zu verlassen; er entfloh nach Wien und widmete sich dort chirurgischen Studien. Beim Ausbruche des letzten von Oesterreich und Rußland im vorigen Jahrhunderte gegen die Türken unternommenen Krieges trat er (1787) als dreizehnjähriger Knabe in der Eigenschaft eines Feldchirurg in das Militär ein; jedoch ist es ungewiß, wie lange er dort aushielt. Heimgekehrt mußte er wieder als Badergeselle seinen Unterhalt suchen, benützte aber jede freie Zeit, in der lateinischen Sprache sich zu vervollkommnen. Wegen seiner ansehnlichen körperlichen Gestalt in das Hartschierkorps aufgenommen, begann er nun sich der ihm liebgewordene Physik und zugleich der Astronomie, zu deren besserem Betrieb er sich selbst Fernrohre baute, zu widmen und es gelang ihm, durch seine Experimente einen hohen Gönner zu erwerben, der ihm die Mittel gab, die Universität zu beziehen. Er ging nach Landshut (1801), 27 Jahre alt, studirte hier mit allem Eifer Philosophie und Medizin, und erhielt nach siebenjährigen Anstrengungen den Doktorhut (1808). Noch in demselben Jahre wurde ihm an der Landarztschule zu München das Lehramt für Chemie, Physik, Naturgeschichte, Anthropologie und Zoologie übertragen. Einen zu dieser Zeit erhaltenen Ruf nach Hofwyl schlug er ebenso ruhig aus, als eine Berufung nach Breslau und Freiburg (1824), indem er vorzog, seinem Vaterlande zu nützen, und nicht wie ein literarischer Landsknecht ohne Vaterlandsgefühl demjenigen seine Person zu verkaufen, der eine höhere Summe bot, nicht größerem Gelderwerb seinen heimischen Boden unterzuordnen.

Im Sommer des Jahres 1825 unternahm er eine wissenschaftliche Reise an die Universitäten Tübingen, Heidelberg, Bonn, Göttingen, Jena, Freiberg, Prag, Erlangen, besuchte die chemischen und astronomischen Anstalten derselben und die geologischen Sammlungen dieser und anderer auf seinen Reisen berührter Städte, und setzte sich in unmittelbaren Verkehr mit den damals berühmtesten Professoren und Gelehrten, die ihm vielfache Beweise ehrender Anerkennung zu Theil werden ließen. Bis zur Verlegung der Universität Landshut nach München im Jahre 1826, wo er als Professor der Astronomie verwendet wurde, erschien ein großer Theil seiner interessanten Schriften: »Untersuchungen über Eiter und Schleim durch das Mikroskop«, »eine Physik«, »Anthropologie«, »Propädeutik der Medizin«, »über die Ursache der Erdbeben« etc. Von nun an widmete er sich hauptsächlich der Astronomie und Erdkunde, und veröffentlichte die Resultate seiner Bestrebungen in seinen Schriften über »die Naturgeschichte des gestirnten Himmels«, der »Wind und seine Natur« und in den astronomischen Jahrbüchern und Kastner's Archiv. Seine Beobachtungen über die Sonnenflecken und die Oberfläche des Mondes, auf der er Schanzen und große Gebäude, aufgeführt von lebenden Wesen, mit denen auch in Korrespondenz getreten werden könne, entdeckte (»Ich beobachte des Mondes Oberfläche bereits über dreißig Jahre unausgesetzt mit den besten fraunhoferischen Fernröhren, und hatte das Glück, seinen äußern Bau so zu studiren, daß ich in den Stand gesetzt bin, aus dem Aeußern auf das Innere zu schließen«), seine Ansichten über die Entstehung des Mondkörpers aus in ihn versenkten Weltkörpern, deren obere Segmente die sichtbaren Ringgebirge seien, die zu phantastisch klangen, um nicht durch Uebertreibung dem Spotte zu verfallen, wurden nichts desto weniger von den berühmten Astronomen Keppler und Ritter Olbers in Bremen hauptsächlich getheilt. »Auch ich halte es für sehr wahrscheinlich, sagt dieser, daß der Mond von lebenden, selbst von vernünftigen Geschöpfen bewohnt wird … die Bemühungen, die Spuren vegetabilischen und animalischen Lebens auf dem Monde aufzusuchen etc., halte ich für höchst verdienstlich und wichtig! Ihr vorzüglich scharfes Auge, von trefflichen Instrumenten unterstützt, Ihr bewunderungswürdiger ausdauernder Fleiß und Ihr so seltenes Talent, womit Sie das Gesehene so treu und schön in Zeichnung und Steindruck wieder darzustellen im Stande sind, machen Sie vorzüglich geeignet, uns hierin noch weit zu führen«, ruft er Gruithuisen ermunternd zu.

Aber nicht nur in der Astronomie, auch in der Medizin hat Gruithuisen Hervorragendes geleistet; er war der Erste, der die Idee zu einem Instrumente gab, den Stein in der Harnblase zu zertrümmern, Lithotritie, eine in der Geschichte der Medizin Epoche machende Erfindung, deren Priorität vor Civiale von allen, selbst von den französischen Aerzten anerkannt ist, und für die ihm die Pariser Akademie einen Preis von 2000 Franken zuerkannte. Vieles und Großes verdankt ihm die Medizin und Astronomie. Gruithuisen's imposante Gestalt, in der ein ruhiger und fester Charakter thronte, befähigte ihn, ein langes bis an sein Ende wissenschaftlich thätiges Leben zu führen, das sein Geist am 26. Juni 1852 mit der Ruhe des Philosophen verließ, zu jenen Gestirnen sich aufschwingend, deren nähere Kenntniß seines Lebens Zielpunkt war.

Pleickhard Stumpf: Denkwürdige Bayern. Kurze Lebensbeschreibungen verstorbener verdienter Männer, die in dem Ländergebiete des jetzigen Königreiches Bayern geboren oder durch längern Aufenthalt ihm angehörig waren. München; 1865.

Allgemeine Deutsche Biographie (1879)

Gruithuisen: Franz Paula von G., geb. am 19. März 1774 auf dem Ritterschloß Haltenberg am Lech, † am 21. Juni 1852 in München. Der Vater war ein von Kurfürst Maximilian III. nach Baiern berufener Falkonier aus Herzogenbusch, der seinen Wohnsitz auf dem am Lech gelegenen Ritterschlosse Haltenberg erhielt, aber nicht in glänzenden Verhältnissen lebte, so daß er dem Sohne nur die genügende Schulbildung zum Studium der Chirurgie geben lassen konnte. Als österreichischer Feldchirurg diente er schon im J. 1788 im Kriege gegen die Türken. Dreizehn Jahre nachher gelang es ihm durch Unterstützung wohlhabender Personen auf der Universität Landshut Medicin und Philosophie zu studiren und 1807 erlangte er die medicinische Doctorwürde. Einen Ruf als Professor der Physik nach Hofwyl nahm er nicht an, wurde aber 1808 nach München an die Schule der Landärzte als Lehrer der physischen und naturhistorischen Wissenschaften berufen. Seine Vorträge veranlaßten, daß er einen Ruf nach Freiburg, einen anderen nach Breslau erhielt, die er aber beide ablehnte. Durch König Ludwig I. wurde er 1826 zum ordentlichen Professor der Astronomie an der Münchener Universität ernannt, gehört aber zu den originellen Astronomen. Er gab sich metaphysischen Spekulationen und Theorien hin, denen jede mathematische Grundlage fehlte und seine lebhafte Phantasie veranlaßte ihn, in den regulären Wällen des Flecken Schröter auf dem Monde Städte und Festungen zu erkennen, deren Beschreibungen er als angebliche Entdeckungen ausgab, woran er noch Hypothesen über Bewohner des Mondes und deren Cultur knüpfte; ja er machte schon über eine Correspondenz mit den Mondbewohnern Vorschläge, die viel Wunderliches und völlig Nutzloses haben. Sein Werk »Ueber die Natur der Kometen« (1811) ist eben so wunderlich. Viel Phantastisches steht in seinen »Analekten für Erd- und Himmelskunde« (7 Hefte, 1828–31) und seinen »Neuen Analekten« (von 1832–36). Von seinem »Naturwissenschaftlich-astronomischen Jahrbuche« erschienen 9 Jahrgänge (Stuttgart 1838–47); im J. 1810 schrieb er eine »Physik«, eine »Anthropologie«, 1811 eine »Organozonomie«, 1812 »Beiträge zur Physiognosie und Heautognosie«, 1817 »Lieblingsobjecte im Felde der Naturforschung«, 1823 eine »Propädeutik der Medicin«, 1825 ein Buch »Ueber die Ursachen der Erdbeben«. Unter astronomischen Sachen ist noch aufzuführen eine »Naturgeschichte des gestirnten Himmels« (1836), eine »Kritik der neuesten Theorie der Erde« (1838), eine neue einfache trigonometrische Methode, die Höhe der Berge zu messen, ohne sie zu besteigen (1842). Aus den Sonnenflecken wollte er das Wetter prophezeien, wodurch er sich viele Gegner zuzog. Ein wahres Verdienst hat er in der Medicin erlangt, indem er schon vor Civiale der Erfinder eines Instruments zum Zermalmen des Steins in der Harnblase war, wofür die Pariser Akademie ihm einen Preis von 1000 Francs zuerkannte.

Vgl. Jahn’s Unterhaltungen, Jahrg. 1852.

Bruhns.

Karl Christian Bruhns in: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1879.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Gruithuisen Franz Paula, Dr. med., von, 1774 (Haltenberg am Lech, Lkr. Schongau/Obb.) – 1852, Arzt, Naturforscher, Astronom und Universitätsprofessor; er erlernte Chirurgie und nahm 1788 als Feldchirurg in der österreichischen Armee Dienste; in Landshut studierte er dann Philosophie und Medizin; 1808 wurde G. Lehrer der Naturkunde an der landärztlichen Schule in München und 1826 Professor der Astronomie an der Universität München.

Hauptwerke: Über die Existenz der Empfindungen in den Köpfen und Rümpfen der Geköpften und von der Art, sich darüber zu belehren, Einführung in das Studium der Arzneikunde, Anthropologie, Organozoonomie, über die Natur der Kometen, Mitarbeit an »Analekten für Erd- und Himmelskunde« und »Astronomisches Jahrbuch«; viel Aufsehen erregte Cs. phantastischer Aufsatz in Kastners »Archiv« über die »Entdeckung vieler deutlicher Spuren der Mondbewohner« besonders eines kolossalen Kunstgebäudes derselben«; seine astronomischen Forschungen werden heute ernster aufgenommen; auf medizinischem Gebiet besteht seine Leistung darin, daß er zuerst und lange vor Civiale ein Instrument zum Zerbröckeln der Blasensteine erfand.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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