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4 – 12 – 29 (Baader)

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DR. MED.
JOSEF v. BAADER
INGENIEUR
OBERBERGRAT

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Dr. med. Josef von Baader

* 30.9.1763 (München)
† 20.11.1835 (München)
Ingenieur

Denkwürdige Bayern (1865)

Joseph von Baader,
Oberstbergrath zu München.

Non cum corpore exstinguuntur magnae animae
Tacitus.
Große Seelen sterben mit dem Körper nicht ab.

»Zu schön und beneidenswerth wäre mein Loos, wenn es vom Himmel mir vergönnt werden sollte, die Ausführung dieser meiner Ideen im Großen noch zu sehen, und ihre nützliche Anwendung in meinem Vaterlande selbst zu leiten. Sollte mir aber auch dieses Glück nicht mehr zu Theil werden, so werde ich mich doch mit dem beruhigenden Gefühle trösten, meine Kräfte und meine Zeit für die Zukunft nicht unnütz verwendet zu haben, und mit der Hoffnung, daß eine billige, den kleinlichen Reibungen und Umtrieben der Parteilichkeit fremd gewordene Nachwelt meinem patriotischen Eifer und der Reinheit meiner Absichten Gerechtigkeit widerfahren lassen werde«, so schreibt Joseph v. Baader über die von ihm mit Gerstner zuerst und vor Andern mit allem Nachdrucke bevorworteten Eisenbahnen. Wenn er auch die Erbauung dieser eisernen, nun den ganzen Weltkreis durchziehenden, völkernähernden Straßen und deren kulturfördernden Segnungen nur in kleinen Anfängen [Die am 17. Dez. 1835 eröffnete Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth] erleben durfte, so hat seine Nachwelt sein Andenken dankbar bewahrt und, niemals wird Deutschland und sein engeres Vaterland seines Namens und seiner Verdienste vergessen.

Joseph Baader, geboren am 30. Sept. 1763 zu München, war der zweitgeborne Sohn des kurfürstl. Medizinalrathes und Leibarztes Franz Joseph Baader und seiner mit ihm am 23. Mai 1761 vermählten Gattin Maria Dorothea Rosalia v. Schöpff, der Tochter des kurfürstl. Hofmalers Joh. Adam v. Schöpff aus Straubing.

Von Natur aus mit trefflichen Anlagen begünstigt und von innerm Triebe geleitet, vollendete er mit Auszeichnung die Gymnasialstudien, und gab sich während dieser Zeit ohne Auffordern dem Studium der Mechanik mit solchem Eifer hin, daß er schon in seinem fünfzehnten Jahre einen großen Theil der bessern deutschen, französischen und lateinischen Werke über Mechanik und Maschinenwesen gelesen und sich im Zeichnen und Entwerfen von Maschinen tüchtig vorgebildet hatte; doch folgte er dem Wunsche seines Vaters, der ihn der Heilkunde bestimmt hatte, und betrieb diese vom Jahre 1781–83 zu Ingolstadt, 1784 zu Wien und errang im nächsten Jahre den Doktorgrad derselben zu Ingolstadt. Nach einem halbjährigen Aufenthalt in Göttingen, wo er mit Kästner und Lichtenberg in freundlichen und dauernden Verkehr trat, begab er sich im Winter 1786 über Amsterdam nach London und Edinburg und widmete sich hier neben seinen medizinischen Studien unter den berühmten Professoren Black, Playfair und Robertson der Chemie, Mathematik und Physik. Seine hiedurch erweiterten außerordentlichen Kenntnisse in der Mechanik veranlaßten den deutschen Dr. Schwertlauer, welcher an dem Firth of Forth zu Prestonpans eine große Saline und chemische Fabrik errichtet hatte, im Jahre 1787 ihm den Auftrag zu geben, dort neue Maschinen anzulegen, welche, vollkommen gelungen, ihm das Vertrauen der angesehnsten Männer Englands errangen, und ihm die Möglichkeit gaben, ohne weitere Unterstützung seines Vaters nun mehr ganz seinem Lieblingsfache nachzugehen. Drei Jahre durchreiste er hierauf England und Schottland, besah die größten Eisen-, Berg- und Hüttenwerke, Maschinen und Kanäle, und es gelang ihm als Civil-Ingenieur, durch sein Talent und seinen Rath sich ein hinreichendes Einkommen und den allgemein verbreiteten Ruf eines ausgezeichneten Technikers zu sichern.

Dem freundschaftlichen und anregenden Umgang mit den reichsten und größten Eisenhüttenbesitzern Wilkinson, Wilson, Banks und den berühmten Mechanikern James Watt und John Rennie verdankte er hiebei manchen Vortheil. Auf die Empfehlung Wilkinson's und Watt's übernahm er 1790 die Oberaufsicht eines bedeutenden Eisenhüttenwerks des Lords Balcarres in Lancasshire. Bevor er nun diese Stelle antrat, kehrte er über Hamburg nach Deutschland zurück, durchreiste den Harz, das Erzgebirg, die Lausitz und Böhmen und traf Anfangs des Jahres 1791 wieder in München ein.

Bei seiner Anwesenheit hier gab Baader dem Generallieutenant Tompson, spätern Grafen Rumford, von der Anwendung der Dampfmaschine Watt's für den Betrieb von Mühlen, die im Falle einer Belagerung auch im Winter zu gebrauchen wären, Kenntniß, und erhielt von demselben den Auftrag, bei Watt und Boulton eine solche zu bestellen; er nahm daher in Mannheim einen tüchtigen Schlosser, den nachmals so berühmten Ludwig Reichenbach, mit sich, um ihm in England jene Kenntnisse zu verschaffen, welche die Aufstellung und den Betrieb der Maschine in Mannheim ermöglichen sollten, und reiste am 3. Juni 1791 nach England ab. Als aber der Kurfürst Karl Theodor die gemachte Bestellung zurücknahm, entließen die Mechaniker Watt und Boulton auf wenig glimpfliche Weise Reichenbach, da sie den Verdacht hatten, man habe ihn zur Auskundschaftung ihrer Geheimnisse benützt, wieder, und es war nun Baader's Sache geworden, für dessen Unterhalt und fernere Ausbildung weitere zwei Jahre Sorge zu tragen.

Seine Stelle bei Lord Balcarres behielt er jedoch nicht lange, da ihm dieser seine Versprechungen nicht hielt; andere eingegangene Verbindungen mit Wilson, die ihn in Prozesse verwickelten, oft getäuschtes Vertrauen und manche Unannehmlichkeit brachten ihn zum Entschlusse, Schottland wieder zu verlassen, und er ging daher 1783 von Edinburg nach Berlin. Hier auf's Ehrenvollste aufgenommen, lehnte er jedoch auf die Nachricht von dem am 16. Febr. 1784 erfolgten Tod seines Vaters den ihm angebotenen preußischen Staatsdienst ab, wofür er dagegen in seinem Vaterlande als Maschineninspektor bei dem kurfürstl. Oberstberg- und Münzmeisteramte seine Verwendung fand (12. Sept.). Schon 15. Juni 1795 vermählte er sich mit Nannette Capon aus Mannheim, aus welcher Ehe eine einzige Tochter hervorging.

Im Jahre 1797 konstruirte er eine vorzüglich wirksame in ihren Leistungen ausgezeichnete Feuerspritze.

Am 1. März 1798 wurde Baader zum wirklich frequentirenden Hofkammerrath ernannt, und ihm die Leitung sämmtlicher Wassermaschinen und Wasserleitungen in München und den k. Lustschlössern übertragen, welcher Wahl am 19. Mai seine Ernennung zum k. Bergrathe folgte. Bei der im Jahre 1800 erfolgten Organisation trat er als wirklicher Rath bei der allgemeinen Landesdirektion und 1805 in das geheime Centralberg- und Hüttenbüreau unter Beibehaltung der Leitung des Brunnenwesens ein. In dieser seiner Stellung bewährte er glänzend seinen Eifer durch Anlegung neuer Schmelz- und Bergwerke, vorzüglich der von ihm nach seinen Plänen erbauten Eisenhütte bei Mantel in der Oberpfalz, mit einem eigenen und vielfach angewendeten Cylindergebläse, und eines neuen Hammers (1799), dann durch Brunnen- und Pumpwerke (zu Reichenhall etc.), namentlich die beiden 1805 und 1810 in Nymphenburg nach seinen Plänen ausgeführten zwei großen Fontainen, die ihm durch ein Belobungsdekret seines Königs und durch eine reiche Gratifikation gelohnt wurden. Napoleon, der im Jahre 1805 die Springbrunnen in Nymphenburg sah und bewunderte, berief ihn 1806 nach Paris, um die alten Wasserwerke in Marly durch neue Hebungsmaschinen zu ersetzen. Baader legte seine Pläne der k. Akademie daselbst vor, aber sie wurden aus Nationaleifersucht nicht ausgeführt, wenn er auch reich belohnt.

Die Anerkennung seiner Verdienste hatte seine Ernennung zum k. Oberstbergrath (16. Nov. 1808) und zum Ritter des Civilverdienstordens und damit die Erhebung in den Adelsstand (19. Mai 1808), dann seine Berufung durch den Vicekönig Eugen nach Mailand (1810) zur Folge, doch der mit Rußland begonnene Krieg trat hindernd der Ausführung seiner Pläne entgegen.

Angeregt durch die Anschauung und Nützlichkeit der während seines Aufenthaltes in England schon seit einem Jahrhundert bei Bergwerken gebrauchten kleinen Eisenbahnen und von dem unberechenbaren Nutzen solcher Straßen, die schwere Lasten mit geringen Kräften zu bewegen möglich machen, für den allgemeinen Verkehr auf's Lebhafteste überzeugt, entwarf Baader schon im Jahre 1808, zu einer Zeit, wo noch in keinem Lande größere dem allgemeinen Verkehr dienende Eisenbahnen zu bauen versucht worden, Pläne und Entwürfe zur Einführung von eisernen Kunststraßen und Wagen, die er in einer Schrift (1814) »Ankündigung einer neuen, überall anwendbaren Erfindung von eisernen Kunststraßen zur Erleichterung des Transports aller Waaren und Produkte«, der Oeffentlichkeit übergab, und für welche er (27. April 1815) ein fünfundzwanzigjähriges Privilegium erhielt. Von nun an kämpfte er mit unablässigem Eifer, unbeirrt durch Indolenz, mit eiserner Beharrlichkeit für diese seine nun so allgemein angenommene Idee in Wort, Schrift und That bis an sein Ende.

Ausgerüstet mit neuen Plänen und Modellen zur Construktion von Eisenbahnen, begab sich Baader im J. 1815 zum Drittenmale in Begleitung des Hofbrunnenmeisters Heß nach England, um dort ein Patent für sein System zu erhalten, allein auch dießmal ohne Erfolg, da er überall Widerstand fand; er verließ daher nach achtmonatlichem Aufenthalt England wieder. Im Jahre 1818 stellte er im Hofstadel zu München ein arbeitendes Modell einer nach seinem System gefertigten Eisenbahn mit drei Wagen, dann auf Befehl des Königs eine größere mit wirklichen Wagen neben einer nach englischer Art konstruirten Eisenbahn im Hofgarten zu Nymphenburg auf, um beide Systeme mit einander vergleichen zu können; es fehlte aber, obgleich die beiden Kommissionen, eine von der k. Akademie der Wissenschaften und eine zweite aus dem landwirthschaftlichen und polytechnischen Vereine zusammengesetzte, wohl sich günstig für ihn aussprachen, noch der weitaussehende prophetische Blick in die Zukunft, dazu auch der Muth, große Kapitalien solchen Anlagen zu widmen, und so unterblieb der Bau von Eisenbahnen in Bayern bis zu einer Zeit, wo die Gefahr nahe herzu trat, daß Bayern durch den Bau solcher Kunststraßen in den Nachbarstaaten bei Unterlassung derselben in seinen Gewerbs- und Verkehrsverhältnisien in den empfindlichsten Nachtheil gerieth. Obgleich nun seine Pläne im Großen nicht zur Ausführung kamen, so blieb sein Muth doch ungebrochen und er fuhr fort durch seine Schriften: »Ueber die Vorzüge der Eisenbahnen gegen die Kanäle in Frankreich« in französischer Sprache (1829), »Huskison und die Eisenbahnen« (1832), und einen Vorschlag zu einer München-Starnberger Bahn, für seine Ideen mit aller Macht zu kämpfen, indem er den Vorzug einer Eisenbahn gegen die Kanalprojekte hervorhob. Mit dem ausgezeichneten Nationalökonomen Friedrich List hegte er den Plan, den Rhein und die Weser, und so Bayern mit der Nordsee durch eine Eisenbahn zu verbinden, eine Idee, die nun glücklich zur That geworden ist.

Trotz aller seiner Verdienste, trotz der Anerkennung, die ihm das Inland durch seine Ernennung als Mitglied der Akademie der Wissenschaften (21. Juni 1796), das Ausland durch seine Ernennung als Mitglied gelehrter Gesellschaften zu Edinburg, Paris, Colmar, Jena, Marburg und Potsdam ausgesprochen hatte, wurde er, Dank dem Siege der jeden Aufstreben feindlichen Mittelmäßigkeit, im J. 1832 ohne seine Bitte gegen seinen Wunsch in den Ruhestand versetzt. Dieser Schlag und der am 7. Febr. 1834 erfolgte Tod seiner von ihm heiß geliebten einzigen Tochter untergrub die Gesundheit des genialen kraftvollen Mannes, er begann zu kränkeln und starb am 20. Nov. 1835 im zweiundsiebenzigsten Lebensjahre.

Hoch patriotisch, religiös, wohlthätig und freundlich gegen Arme, seinen Freunden ergeben, leicht versöhnlich, war Baader gleich anerkennenswerth als Mensch, wie als Techniker. Unsere Eisenbahnen sind ihm ein unvergängliches, täglich sich vergrößerndes Denkmal.

Pleickhard Stumpf: Denkwürdige Bayern. Kurze Lebensbeschreibungen verstorbener verdienter Männer, die in dem Ländergebiete des jetzigen Königreiches Bayern geboren oder durch längern Aufenthalt ihm angehörig waren. München; 1865.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Baader Josef, Dr. med., von, 1763 (München) – 1835, Oberbergrat, Ingenieur und Geheimer Rat; dieser ältere Bruder des Philosophen Fr. von Baader studierte zuerst Medizin, dann Technik, von 1787/93 arbeitete er in England und wurde 1798 Direktor der Maschinen und des Bergbaus in Bayern, 1808 Geheimer Rat, später Oberbergrat und Mitglied der BAkdW; er bereiste dann 1815 Frankreich zu Studienzwecken; B. ist sehr verdient um die Anlage der ersten Eisenbahnen; er erfand auch das sogenannte »Baadersche Gebläse«, das Druckwerk zu den Springbrunnen im Nymphenburger Park und schrieb viele fachkundliche Beiträge; B’s Eisenbahnverbesserungen waren von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung des Schienenweges.

Hauptwerke: Beschreibung eines neuerfundenen Gebläses, Vollständige Theorie der Saug- und Hebepumpen, Neue Vorschläge zur Verbesserung der Wasserkünste beim Bergbau und Salinenwesen, Von der neuesten Verbesserung der Eisenbahn.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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