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5 – 1 – 7 (Moritz · Pfändler · Silverio)

Ω

Familie
Pfaendler
und
Silverio.

Ω

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Josef Benedikt Moritz

* 16.2.1769 (Ensdorf/Opf.)
† 13.3.1834 (München)
Historiker

Neuer Nekrolog der Deutschen (1836)

Joseph Moriz,
ehemal. Benedictiner zu Ensdorf, Professor und Geschichtsforscher zu München;
geb. den 16. Febr. 1769, gest. am 13. März 1834.

Zu Ensdorf im heutigen Regenkreise, wo sein Vater ein armer Handwerker war, wurde unser M. geboren. In Amberg vollbrachte er seine Studien bis zur Theologie, trat 1789 mit seinem Bruder Anselm ins Benedictinerkloster seines Geburtsortes, und studirte hier Dogmatik und Moral, im Schottenkloster zu Regensburg aber Mathematik, die griechische und hebräische Sprache und Diplomatik des Staats- und Kirchenrechts. Nach seiner Priesterweihe erhielt er in seinem Kloster (1793) nebst dem Amte eines Bibliothekars auch das eines Archivars, und müßte spater auch das Lehramt der Dogmatik und des Kirchenrechts übernehmen. Zwei Preisfragen, die von der baier. Benediktiner-Kongregation und der Münchner Akademie aufgeworfen wurden, löste er so gut, daß er den ersten Preis erhielt und seine Schriften in die Münchner Abhandlungen aufgenommen wurden. Zugleich erhielt er das Diplom eines auswärtigen Mitglieds der bairerischen Akademie der Wissenschaften. Als im Jahre 1803 die allgemeine Aufhebung der baierischen Klöster erfolgte, wurde M., da man den Entschluß gefaßt hatte, aus den in den Klöstern zurückgelassenen Büchern für die Oberpfalz eine Provinzialbibliothek zu bilden, Vorsteher dieser Bibliothek, die man zu Amberg aufgestellt hatte. Je größer seine Liebe für diese Anstalt war, um so mehr mußte ihn der bedeutende Verlust schmerzen, den sie 1815 durch Brand erlitt. Aber nicht für immer sollte M. in dieser ihm so theuern Stellung bleiben. In Folge der Aufhebung der theologischen Section zu Amberg, die jedoch das Jahr darauf wieder hergestellt wurde, kam M. als Professor des kanonischen Rechts und der Kirchengeschichte an das königliche Lyceum zu Dillingen. Doch schon mit dem nächsten Jahre gab er diese Stellung auf und ging nach München, wo er im J. 1827 als Mitarbeiter in das königl. Reichsarchiv kam. Was er hier mit eisernem Fleiße und seltener Kritik geleistet, ist allgemein bekannt. Die Recension der größtentheils bereits in der neuen Sammlung der Monumenta boica abgedruckten Kaiserurkunden ist durchgängig sein Werk; schade, daß er dieses wichtige Unternehmen nicht bis zur Vollendung reifen sah, da ihn eine Geistesabspannung, als Folge seiner Anstrengungen befiel, die ihn zu jeder ernsteren Arbeit unfähig machte. Diese verdüsterte Gemüthsstimmung wirkte sehr nachtheilig auf seine schon durch's Alter geschwächte Gesundheit und führte allmählig seine gänzliche Auflösung herbei.

Moriz war sein ganzes Leben hindurch bei so vielen entschiedenen Verdiensten anspruchlos, treu bis zur Aengstlichkeit seinen Pflichten, übrigens, mit Ausnahme seiner literarischen Genüsse, für alle übrigen Lebensfreuden und außer ihm vorgehenden Ereignisse ohne Theilnahme.

Außer den schon genannten Werken bearbeitete er zu Stollbergs Geschichte der Religion Jesu (15 Bde.) das vollständige Register, eben so über Thom. Rieds diplomatischen Kodex des Bisthums Regensburg und über dessen geographische Matrikel genannten Bisthums. Auch war er Mitarbeiter an den vom Freiherrn von Freyberg begründeten baierischen Annalen und an Buchners und Zierls neuen Beiträgen zur Geschichte, Geographie und Statistik. Handschriftlich hinterließ er u. a. eine genealogisch-diplomatische Geschichte der Grafen von Sulzbach. Seine hinterlassene Bibliothek ist, ungeachtet einer früher schon an die Studienbibliothek zu Amberg überlassenen nicht unbeträchtlichen Anzahl schätzbarer Bücher, noch reich an historischen und diplomatischen Druck- und Handschriften.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1836.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Moritz Josef, 1769 (Ensdorf/Opf.) – 1834, Historiker, Hochschulprofessor und Archivar; ehemaliger Benediktiner des Klosters Ensdorf (Klostername Benedikt), wurde M. nach Klosteraufhebung mit der Verwaltung einer aus den oberpfälzischen Klöstern in Amberg gebildeten Provinzialbibliothek betreut; seit 1824 Professor des Kirchenrechts in Dillingen, lebte er zuletzt in München als Funktionär des königlichen Allgemeinen Reichsarchivs und wurde wegen seiner historischen Abhandlungen Mitglied der BAkdW; er beschäftigte sich als Archivar mit der Edition der Kaiserurkunden in den »Monumenta Boica« und schrieb für die Abhandlungen der historischen Klasse der BAkdW eine Geschichte der Grafen von Sulzbach, die von der Akademie preisgekrönt wurde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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