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Das Grab ist nicht erhalten
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† 5.5.1862 (München), 43 Jahre alt, Tod durch Unfall
Bahnhofverwalter
München, 4. Mai. Der gestern Nachm. in einem Torfmagazine des Staatsbahnhofes ausgebrochene Brand währte, wie bei dem dort angesammelten Brennmateriale (6–8000 Zentner Preß und Stich-Torf, dann Werkholz) leicht begreiflich, die ganze Nacht durch und auch heute fort. Wohl einige Tage noch dürfte die Gluthmasse die Thätigkeit und Aufmerksamkeit des Aufsichts- und Löschpersonales in Anspruch nehmen. Leider haben wir heute ein weiteres Unglück im Staatsbahnhofe zu melden, daß sich gestern Abend nach 9 Uhr ereignete. Der erst vor. Herbst aus Augsburg hieher versetzt gewordene k. Bahnhofverwalter, Hr. Carl Bär, welcher noch in später Abendstunde der Brandstätte nachsehen wollte und sich durch den Wechselwärter Schreiber auf einer Tressine dahin fahren ließ, hatte nämlich das Unglück, auf eine zwar langsam rückwärts entgegen gekommene Maschine zu stoßen und wahrscheinlich von einem Puffer erfaßt, so lebensgefährlich im Unterleibe verletzt zu werden, daß augenblicklicher Tod des Verunglückten die Folge war. Der Verunglückte, ein achtenswerther Charakter u. tüchtiger Beamte, wird allgemein tief betrauert. Der Führer Schreiber, welcher, am Kopfe verletzt, ins allgemeine Krankenhaus gebracht und heute Morgen für gleichfalls todt ausgesagt wurde, lebte diesen Mittag noch.
Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 125. Montag, den 5. Mai 1862.
Politische Nachrichten.
München, 4. Mai. Das Jahr 1862 scheint für den Münchener Bahnhof und die daselbst Bediensteten ein verhängnißvolles zu werden. Kaum wurde nemlich die Nachricht gemeldet, daß ein Arbeiter daselbst erdrückt wurde, kaum haben wir über das gestrige Brandunglück berichtet, als bereits wieder ein neuer, in seinen Folgen schwererer Unglücksfall sich ereignete. Der königliche Bahnhofverwalter Baer nämlich wollte gestern Nachts gegen halb 10 Uhr noch auf die von der Bahnhofhalle ziemlich entfernte Brandstätte auf einer Draisine hinausfahren, ein Unternehmen, welches bei dem Netz von Geleisen und in der Dunkelheit als gefährlich ihm mißrathen wurde; er gerieth auch wirlich irrthümlich auf ein Geleise, auf welchem eine Locomotive gegen ihn heranfuhr, und diese zerriß ihn buchstäblich in Stücke. Ein bei ihm befindlicher niederer Bediensteter erlitt schwere Verletzungen; und ist derselbe auch schon gestorben.
Bayerische Zeitung Nr. 108 & 109. Montag, den 5. Mai 1862.
Hauptstadt-Neuigkeiten.
München, 5. Mai.
Das Brandunglück im hiesigen Bahnhofe hat leider auch Menschenleben als Opfer nach sich gezogen. Mit tiefer Erschütterung vernahmen wir gestern die Nachricht von dem schrecklichen Tode, der den k. Bahnhofverwalter Carl Bär am Samstag Abend betroffen. Begleitet von dem Wechselwärter Schreiber fuhr derselbe in einer Draisine Abends 10 Uhr wiederholt zur Brandstätte und indem beide rücklings gekehrt zum Zwecke rascheren Vorwärtskommens die Draisine bewegten, bemerkten sie nicht das langsame Nahen einer Reservelokomotive, die über sie hinwegging, so daß Bär eine elend zermalmte Leiche, sein Unglücksgefährte aber so schwer verstümmelt wurde, daß an ein Aufkommen nicht zu denken war. Bär fiel als Opfer seines stets regen Diensteifers im Alter von 43 Jahren. Nachdem derselbe im Laufe des Nachmittags und Abends an der Brandstätte die angestrengteste Thätigkeit entfaltet hatte, war er, um sich in aller Schnelligkeit zu restauriren, zu einer im Bahnhöfe versammelten Abendgesellschaft zurückgekehrt, die er jedoch alsbald wieder verließ, um sich nochmals nach dem Schauplatze des Brandes zu begeben. Man kann sich den Schrecken jener Gesellschaft denken, als sie den gräulichen Tod des Mannes erfuhr, der wenige Minuten zuvor noch frisch in ihrer Mitte verweilte. Bär wird von zahlreichen Personen aller Stände bedauert, welche stets gern mit dem wackeren Manne verkehrten, der erst im vorigen Jahre von Augsburg, wo er sich ebenfalls die allgemeinste Achtung erworben, wieder hieher versetzt worden war.
Münchener Bote für Stadt und Land No. 107. München; Dienstag, den 6. Mai 1862.