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Das Grab ist nicht erhalten
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† 1.6.1856 (München), 22 Jahre alt; Opfer eines Duells
Pfarrers-Sohn / Student
Tagesbericht.
München, 3. Juni. Der Student, welcher am Sonntag Abends als Opfer des Zweikampfes fiel, heißt Philipp Georg, Pfarrerssohn aus Kirchenlamitz. Sein Gegner war der Lieutenant Betzl vom 1. Artillerie-Regiment. Den ersten Schuß hatte Georg, fehlte aber. Die Kugel aus der Pistole des Gegners drang ihm in die rechte Seite der Brust, so daß der Tod nach 4 Minuten eintrat. Der Gefallene, welcher als ein sehr braver Student geschildert wird, hat vor seinem Tode noch einige Worte gesprochen und dem Gegner die Hand zur Versöhnung geboten. Seine Begleiter brachten den Leichnam Abends 9 Uhr in die Wohnung des Verstorbenen, dessen Mutter und Schwester in Regensburg wohnen und sofort von dem traurigen Vorfall in Kenntniß gesetzt wurden. Die Veranlassung dieses Duells soll ein Wortwechsel gewesen sein, den Georg und Betzl bei einem in der vergangenen Woche schon stattgefundenen Pistolenduell zwischen einem Cavallerieoffizier und einem anderen Corpsstudenten, mit einander hatten.
Bayerische Landbötin No. 132. München; Mittwoch, den 4. Juni 1856.
München, 2. Juni. Der gestern im Duell gebliebene Consenior der »Pfälzer« heißt Philipp Georg und ist aus Kirchenlamitz gebürtig; die Kugel war ihm in die rechte Brusthöhle eingedrungen, so daß der Tod schnell erfolgte. Sein Gegener im Duell war der Lieutenant Betzl vom k. 1. Artillerie-Regiment. Die Veranlassung zu diesem Duell soll ein Streit gegeben haben, welcher bei einem Tags zuvor in einem hiesigen Wirthslokale beabsichtigten, von der Polizei aber noch rechtzeitig verhinderten Duell zwischen einem Chevaulegers-Offizier und einem andern Corps-Studenten unter den Secundanten, zu denen auch der unglückliche Georg gehörte, ausgebrochen war. Letzteres Duell, soll, dem Vernehmen nach, durch Eifersucht hervorgerufen gewesen seyn.
Der Bayerische Landbote No. 156. München; Mittwoch, den 4. Juni 1856.
Deutschland.
München, 1. Juni. Die unselige Duellwuth hat leider schon wieder ein beklagenswerthes Opfer gefordert. Heute Sonntag Nachmittags hat auf dem hiesigen Artilleriekugelfange bei Milbertshofen zwischen dem Artillerielieutenant Pötzl und dem Consenior der Pfälzer Georg aus Regensburg ein Pistolenduell stattgefunden. Der Student erhielt einen Schuß durch den linken Arm in die Leber, der augenblicklich den Tod nach sich führte. Der Offizier hat sich bei seiner zuständigen Behörde sogleich selbst gestellt. Veranlassung zu diesem unglücklichen Ereignisse soll eine indirekte Beleidigung geboten haben.
Passauer Zeitung No. 152. Mittwoch, den 4. Juni 1856.
Neuere Nachrichten.
München, 2. Juni. Schon vorgestern hat ein Pistolen-Duell bei Pullach zwischen einem Offizier und einem Studenten stattgefunden, das indessen unblutig ablief. Gestern fand ein Pistolenduell zwischen dem Artillerie-Lieutenant Betzl und dem Consenior der Pfälzer, Student Philipp Georg, Sohn eines protestantischen Geistlichen aus Kirchenlamitz bei Milbershofen, statt. Georg hatte den ersten Schuß, fehlte aber, Lieutenant Betzl traf ihn darauf am rechten Ellenbogen, die Kugel prallte jedoch am Knochen ab und schlug sich in die Seite, verletzte die Leber und Georg mußte nach 5 Minuten seinen Geist aufgeben. Der Lieutenant stellte sich sodann selbst vor seinem Obersten, welcher ihn in Kasern-Arrest schickte. Die Ursache dieser Duelle datirt sich von dem Künstlerfest bei Pullach. Die beiden Offiziere suchten nämlich in einem Gartenhause Platz, wo Studenten saßen, wurden aber mit nicht gar feinen Worten abgewiesen. Die Offiziere forderten darauf.
Passauer Zeitung No. 152. Mittwoch, den 4. Juni 1856.
Tagesbericht.
München, 5. Juni. Das Begräbniß der Leiche des im Duell gefallenen Studrenten Georg hat gestern stattgefunden. Alle Studenten-Corps und sehr viele sogenannte Obscuranten, dann ein sehr zahlreiches Publikum fanden sich im Gottesacker ein. Der die Leiche begleitende prot. Geistliche hielt eine dem traurigen Vorfall entsprechende sehr schöne Rede, und bezeichnete den Zweikampf, der aus heidnischer Zeit stammt, als einen unheilvollen Brauch, der vom christlichen Standpunkte vollkommen zu verwerfen ist.
Bayerische Landbötin No. 134. München; Freitag, den 6. Juni 1856.
Deutschland.
München, 3. Juni. Das in voriger Woche stattgehabte Künstlerfest hatte traurige Folgen. Bei dem Einsteigen in den Bahnzug bei Großhesselohe fanden Reibungen zwischen Studenten und Offizieren statt, welchem dann drei Pistolenduelle folgten; eines am Samstag zwischen dem Sohne eines verstorbenen Minusters und dem Sohne eines Generals, welcher Chevauxlegerslieutenant ist. Dieses ging unblutig aus, dagegen blieb bei dem am Sonntag Abend folgenden Duelle zwischen dem Studenten Georg aus Regensburg, Consenior des Corps der Pfälzer, und dem Artillerielieutenant Betzl der erstere todt auf dem Platze, und bei dem dritten, welches gestern Morgen stattfand, wurde ein Offizier tödtlich verwundet. Georg ist der einzige Sohn einer in Regensburg lebenden Pfarrerswittwe. Daß diesem schmählichen Vorurtheile abermals Opfer fielen, ist um so mehr zu bedauern, als die Veranlassung zu den Zweikämpfen eine ganz geringfügige war. (Beob.)
Pfälzer Zeitung Nro. 134. Ludwigshafen; Freitag, den 6. Juni 1856.
Vermischte Nachrichten.
Dem Leichenbegängniß des im Duell erschossenen Conseniors der »Pfälzer,« Philipp Georg wohnten auch Artillerieoffiziere bei und war bei den erhitzten Gemüthern wohl Störung möglich, daher drei Polizeicommissäre anwesend waren. Wie der Geistliche, Dekan Dr. Mayer mit eben so wahren als scharfen Worten die Verwerflichkeit des Zweikampfes aussprach, hat ein Student, der Sohn eines ehemaligen Ministers und ebenfalls Mitglied des Corps »Palatia« zu murren angefangen und waren mehrere in seiner Nähe befindlichen Musensöhne bereits seinem Beispiele gefolgt, als sofort ein Polizei-Commissär hinzutrat, den jungen Hitzköpfen die Karten abnahm und sie vor jeder weiteren Störung ernstlich verwarnte. Auch wollen die verschiedenen Verbindungen, daß ein Fackelzug stattfinde, allein der Rector magnificus, Herr Dr. v. Ringseis legte ein entschiedenes Veto ein.
Friedens- und Kriegs-Kurier Nummer 157. Nürnberg; Sonntag, den 8. Juni 1856.