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6 – 1 – 43 (Bodmer)

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GOTTLIEB
BODMER
PORTRÄTMALER
UND
LITHOGRAPH
1804 – 1837

HABERL v. N. 6.1.43

Ω

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Gottlieb Bodmer

* 25.4.1804 (Hombrechtikon, Kt. Zürich/Schweiz)
† 18.7.1837 (München)
Lehrers-Sohn / Portraitmaler und Lithograph

Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Bodmer, Gottlieb, Sohn eines Schullehrers im Landgericht München, geb. 1804, kam in seinem sechzehnten Jahre auf die königl. Akademie zu München. In den Jahren von 1825–1829 malte derselbe in München viele Portraits, worunter sich auch das Bildniß einer Achenthalerin befindet. Im Jahre 1829 lithographirte er das Blatt Mad. del Sisto und behielt es in eigenem Verlag; durch die gute Aufnahme dieses Bildes veranlaßt, zeichnete Bodmer noch mehreres auf Stein, wovon das Hauptsächlichste ist: die Christnacht von H. Heß; ein Altarbildchen nach demselben Meister; La Mad. del’ Foligno; eine andere Madonna, nebst vielen Portraits; darunter sind: das Portrait der Fürstin Wilhelmine von Thurn und Taxis; Bildniß eines Engländers und das des Staatsraths von Feuerbach. Zu Anfang des Jahres 1831 ging Bodmer nach Paris, wo derselbe ein Jahr verweilte, und bey Grevedon und Noél zeichnete. Dort entstanden die Bilder: Amor et Psyché; le premier bain; Mademoiselle Noblet; Paris et Praga. Bei dessen Rückkehr nach München lithographirte derselbe Napoleon zu Pferd in großem Format; der Schweizer Grenadier; Portraits des Königs Otto, der Prinzessinnen Mathilde u. Marie, der Erzherzogin Sophie von Oesterreich mit ihrem Sohne Franz Joseph, und der Baronesse Dirnberg, sämmtlich nach Stielers Gemälden. Der Abschied König Otto’s, nach einer Komposition von Foltz, worauf sich vierzig Portraits befinden, welche Bodmer nach dem Leben auf Stein zeichnete; der Ritter und sein Liebchen nach Foltz; Nature nach Lawrence; das Portrait des königl. Staatsraths von Grandauer, und ein Tyroler Mädchen, nach eigenem Gemälde, sind dessen letzte Arbeiten.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

Süddeutsche Blätter für Leben und Kunst (25.7.1837)

Das Leichenbegängniß des für die Kunst zu früh verstorbenen Lithographen Bodmer hatte nicht allein seine vielen Freunde und Verehrer, sondern auch viele andere Personen aus allen Ständen auf dem Leichenacker zusammengeführt, um dem Verblichenen noch die letzte Ehre zu erweisen. Den Sarg begleiteten sechs Posaunisten vom Leichenhaus bis zum Grabe, an welchem unter Musikbegleitung ein Grablied abgesungen und sonach von dem Herrn Pfarrer Dr. Wagner der protestantischen Gemeinde eine ergreifende Rede an die zahlreiche Versammlung gehalten wurde. Tief bewegt gieng die Trauer-Versammlung auseinander.

Süddeutsche Blätter für Leben und Kunst Nro. 88. Dienstag, den 25. Juli 1837.

Kunstvereins-Bericht für 1837 (1838)

Biographische Notizen.

Gottlieb Bodmer, Lithograph,

geboren im Jahre 1804, war der Sohn eines Schullehrers im Landgerichte München. In seinem 16. Jahre in die hiesige Academie getreten, widmete er sich der Historienmalerei, ergriff aber nach dem Tode seines Vaters, da er ausser einem Cabinetsstipendium wenig Hülfsmittel hatte, das Portraitfach, und malte in den Jahren 1824 bis 1829 in München viele Portraite, wobei er dem als Mensch und Künstler gleich achtbaren Hofmaler Stieler vieles verdankte.

Im Jahre 1829 durch den Buchhändler Frankh veranlaßt, Raphaels Madonna di St. Sisto, in der Dresdner Gallerie befindlich, durch die Lithographie wieder zu geben, ergriff er unter der Leitung seines Freundes Winterhalter, der für einen der ersten Lithographen jener Zeit gilt, dieses ihm bisher fremde Fach.

Zur Zeit der Beendigung dieser Arbeit hatten sich Frankhs Verhältnisse geändert und Bodmer sah sich zur eigenen Herausgabe des Werkes genöthigt, welche er mit sehr günstigem Erfolge bewerkstelligte. Hiedurch ermuntert lithographirte er bald darauf zwei Bilder von Heinrich Heß – die Christnacht und ein Altarbildchen, – welche ihm die Anerkennung von ganz Deutschland erwarben.

Im Jahre 1831 unternahm der Künstler eine Reise nach Paris, wo er sich während eines Jahres, im vertrauten Umgange mit Grevedon und Maurin Noël einen hohen Grad von technischer Vollkommenheit in seiner Kunst erwarb.

In Paris entstanden damals unter andern Amor und Psyche, ein ungemein zartes Blatt nach Gerard, le premier bain nach Court, zwei Polen nach Cogniet, und Monna Lisa, nach Leonardo da Vinci.

Nach seiner Rückkehr lithographirte er in München verschiedene Darstellungen, gediegen und anerkannt, und errichtete eine großartige, lithographische Anstalt, deren vorzügliche Leistungen in aller Welt verbreitet und geschätzt sind.

Bodmers neuere größere Werke, – der Abschied König Ottos von Griechenland, nach Foltz, der Schweizer Grenadier nach Kirner, die königliche Familie nach Montens Composition, sowie das Bildniß Sr. Maj. des Königs mit Allegorien, sind zu rühmlich bekannt, als daß sie hier einer lobenden Erwähnung bedürften, und haben ihm die Anerkennung als eines der ausgezeichnetsten Lithographen unserer Zeit verschafft.

So in der Blüthe des künstlerischen Wirkens, wie des Alters ergriff ihn ein unheilbares Körperleiden und entriß ihn, nach einer vergeblichen Badecur, am 18. July 1837 in einem Alter von 34 Jahren der Kunst, seinen vielen Freunden und uns allen.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1837. München, 1838.

Die bildende Kunst in München (1842)

Gottlieb Bodmer, der Sohn eines Schullehrers im Landgerichte München, geboren 1804, besuchte die Akademie in München, widmete sich der Malerei, und zwar, nach dem Tode seines Vaters, lange Zeit ausschließlich dem Porträtfach, um seinen Unterhalt desto leichter zu gewinnen, und verdankte seine glücklichen Fortschritte in dieser Kunst zunächst dem Hofmaler Stieler. Seine Bildnisse wurden als treue, wohl ausgeführte Ebenbilder geschätzt; bekannt ist vor allen geworden das schöne Bild eines Landmädchens aus dem Achenthale, welches sinnend in dem mit Weinlaub umrankten Fenster in halber Figur aus dem Bilde herausblickt, das er später selbst in Steindruck wiedergab. Er hatte sich in dieser Kunst noch nicht versucht, als ihn der Buchhändler Franckh aus Stuttgart, der ihn als trefflichen Zeichner kannte, veranlaßte, die berühmte Madonna di S. Sisto in einer Zeichnung auf Stein auszuführen, 1829. Bodmer übernahm die Aufgabe frischen Muthes nach dem herrlichen Kupferstiche Müllers, überwand unter der Leitung seines Freundes Winterhalder alle Schwierigkeiten, und wußte den Ausdruck der Köpfe, die zarten Umrisse und die warmen Töne des Fleisches, Gewänder und die Harmonie des ganzen Bildes so meisterhaft auszudrücken, daß die Ausführung einen äußerst angenehmen Eindruck macht. Da sich Franckhs Verhältnisse indessen geändert hatten, und Niemand den Stein um die früher ihm bestimmte Summe erwerben mochte, besorgte er selbst den Verkauf der Abdrücke, wodurch er mehr gewann, als er je gehofft. Dies veranlaßte ihn, zwei Bilder von Heinrich Heß auf Stein auszuführen, die allgemeinen Beifall fanden, worauf er eine Reise nach Paris machte, wo er zur Förderung des technischen Theiles seiner Kunst ein Jahr lang weilte. Und nun widmete er sich ganz der Lithographie, machte sich die zarte anmuthige Weise eigen, wie sie in Paris sich am glänzendsten damals ausgebildet hatte, führte dort mehrere wohlgelungene Blätter aus, von welchen Amor und Psyche nach Gerard am bekanntesten ist, und übernahm nach seiner Rückkehr in München sogleich größere Arbeiten, denen er Anfangs die höchste Sorgfalt widmete. Der Abschied des Königs Otto, der Ritter und seine Geliebte, nach Foltz, und der Schweizer-Grenadier nach Kirner sind glänzende Zeugnisse seiner damaligen trefflichen Behandlungsweise. Allmählich aber fing er an, statt der eigentlichen Kunst zu leben, dem wandelbaren Geschmacke und den Anforderungen der Eitelkeit zu huldigen; die Kraft und Würde schwand immer mehr in seinen letzten Darstellungen, und statt der lieblichen einfachen, dabei kräftigen Ausführungsweise haschte er nach blendender Wirkung und verlor sich ins Flache und Matte. Sein schöner Plan, die Malereien im Königsbau durch Nachbildungen bekannt zu machen, ward nicht ausgeführt. Er starb am 18. Juli 1837.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Bodmer, Gottlieb, Zeichner und Lithograph, geb. 1804 in München, † 1837, widmete sich anfangs unter Joseph Stieler der Portraitmalerei, wandte sich dann zur Steinzeichnung und lithographirte 1829 die Madonna di Sisto nach dem Stiche von Fr. Müller, sowie 2 kleine Bilder nach Heinr. Hess. Nach einem Aufenthalt in Paris, wo er sich technisch vervollkommnete, lithographirte er in München die bedeutendsten Blätter: Abschied des Königs Otto, König Ludwig I. im Familienkreis und Bilder nach Foltz und Kirner, die grossen Beifall fanden.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Bodmer Gottlieb, 1804 (Hombrechtikon, Kt. Zürich/Schweiz) – 1837, Porträtmaler und Lithograph; er stand als Porträtmaler ursprünglich sehr unter dem Einfluß J. von Stielers und wurde später Lithograph; durch seine allzustrengen technischen Handhabungen ruinierte er anfangs jedoch den Steindruck, den er vor allem zur Kopierung von Gemälden aus der Münchner Schule seiner Zeit benützte; bei einem Aufenthalt in Paris (1831) bildete sich B. noch weiter aus, so daß sein System mit unbestreitbar bestechlichem Geschick und nicht ohne malerischen Sinn ein direkter Rivale des Kupferstichs wurde; heute gilt B. als der Begründer »einer eigenen, dem Kupferstich ähnlichen Technik«.

Hauptwerke: Abschied König Ottos (nach F. Foltz), König Ludwig I. im Kreise seiner Familie (nach D. Monten) und viele Blätter nach F. Foltz, Dietz, Lindenschmit u. a.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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