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6 – 1 – 52·53 (Höllriegel)

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Familien-Begräbniß.

Hier ruhen
Josepha Höllriegel
Steinmetzmeisters Gattin
¿
gest. den 7ten Mai 1831.
Franz Ser. Höllriegel
Privatier vormals Steinmetzmeister
geb. den 24ten Oktober 1794,
gest. den 9ten Mai 1858.
Franz Xaver Höllriegel
¿

Rechte Seite
Die Inschrift ist nicht erhalten

Liegestein

Gedenkstätte
Ortsgründer von
Höllriegelskreuth

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Franz Seraph Höllriegel

* 24.10.1794 (Donzdorf)
† 9.5.1858 (München)
Steinmetzmeister

Schematismus der Erzdiözese München und Freising (1853)

Chronik des Jahres 1852.
22.
Einzelne bemerkenswerthe Ereignisse.
[…]

4. Franz Seraph Höllriegel, Bürger und Steinmetzmeister zu München errichtete auf seiner neucultivirten mit den ergiebigsten Nageltuffbrüchen versehenen Besitzung »Höllriegelgereuth« im Isarthale, ober Pullach, der Pfarrei Sendling, eine Kapelle, welche am 14. September 1852 durch Herrn Domcapitular und Generalvicar Dr. Friedrich Windischmann unter angemessener Feierlichkeit die kirchliche Benediction erhielt.

Diese Kapelle, 23 Fuß lang, 15½ Fuß breit und sammt dem mit einem Glöcklein versehenen Thürmchen 29½ Fuß hoch, ragt im edlen Spitzbogenstyle erbaut zwischen einer geschmackvollen Anlage auf einem 30 Fuß hohen, und im erweiterten Halbbogen von der Isar umflutheten Felsenvorsprunge empor, und bietet so nicht nur dem Freunde der schönen Kunst und Natur einen genußreichen Anblick, sondern gewährt auch, wie es der Zweck derselben wohl hauptsächlich mit sich bringt, dem religiösen Gemüthe einen reichlichen Stoff zur frommen Erbauung. Während nämlich schon die äussere Struktur der Kapelle mit ihrem massiv aus Nageltuffquader gehauenen Sockel, sowie dem aus gelben Rothenbuchner-Marmor gefertigten Gesimse und dem schönen Portale mit seinem antiken Giebelfelde unschwer den kunstgeübten Meissel des Erbauers erkennen läßt, findet sich innerhalb der Kapelle nebst der einfach schönen gothischen Architektonik auch die Plastik und Malerei vertreten, um diese Kapelle zu einem christlichen Bethause würdig auszuschmücken. Mehrere Reliefs, von welchen bereits eines am Aufgange zur Kapelle, ein anderes, »Ecce homo« vorstellend und vom Bildhauer Eichinger gefertiget, im Giebelfelde ober dem Portale in einer altdeutschen Marmor-Rahme zu sehen ist, tragen entschiedenen Kunstwerth an sich. Namentlich ist es aber die Statue der Madonna mit dem göttlichen Kinde, welche die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde, sowie der Andächtigen auf sich zieht. Diese Statue aus weissem Schlanderser-Marmor, von dem noch lebenden Bildhauer Carl Lossow im Atelier und unter der Leitung des verlebten Meisters Ludwig von Schwanthaler gefertiget, bildet, auf einem vom Meister Höllriegel kunstreich aus rothem Hohenschwangauer-Marmor gehauenen Altare zwischen gothischen Leuchtern und Arabesken und unter einem Baldachin aus weissem Kalksteine stehend, gleichsam das Altarbild. Zu beiden Seiten des Altares, und zu diesem gleichsam die Flügel bildend, sind — ein Meisterwerk des rühmlich bekannten Fresco- und Historienmalers Franz Fortner aus Prag — zwei auf Marmor aufgetragene Bilder, nämlich jenes des hl. Franciscus Seraphicus und dieses von der hl. Jungfrau und Martyrin Barbara, welche als die Namenspatronen der Höllriegel'schen Eheleute für letztere gleichfalls den Tribut der dankbaren Verehrung darzubringen scheinen. Ein magisches Helldunkel, durch die künstlichen Ornamentikfenster effectuirt, ergießt über das Ganze einen gewissen feierlichen Ernst, welcher es unwillkürlich fühlen läßt, daß auch dieses ein heiliger Ort, und daß diese vor Kurzem noch öde Stätte von christlichen Händen gelichtet, keineswegs im Dienste des Mammons, sondern zur Ehre Gottes und seiner lieben Heiligen dienstbar gemacht worden sei.

Dieses freudige Gefühl steigerte sich aber zur festen Ueberzeugung, als Herr Generalvicar Dr. Windischmann nach vollzogener Benediction in der Kapelle das erste hl. Opfer darbrachte, und unter demselben den sichtlich gerührten Höllriegel'schen Eheleuten sammt ihren Angehörigen die hl. Communion spendete. – Damit aber diese feierliche Handlung, wozu Se. Excellenz der Hochwürdigste Herr Erzbischof Karl August am 28. August 1852 die gnädigste Genehmigung ertheilt haben, nicht bloß zu den Lebzeiten der Höllriegel'schen Eheleute vollzogen werden, sondern auch den künftigen Generationen zum Troste und zur Erbauung dienen könne, hat Meister Höllriegel durch Anweisung eines hinlänglichen, außerdem ganz unbelasteten Kapitales für die würdige Aufrechthaltung der Kapelle Sorge getragen, und auf diese Weise sich ein Denkmal gesetzt, das noch in den spätesten Zeiten von diesem christlichen Biedermanne ein ehrendes Zeugniß geben wird.

Schematismus der Geistlichkeit des Erzbisthums München und Freysing für das Jahr 1853. München, 1853.

Der Bayerische Landbote (11.5.1858)

Todes-†Anzeige.

Dem Rathschlusse des allmächtigen Gottes hat es gefallen, unsern innigstgeliebten Gatten, Vater, Schwiegervater und Großvater, Herrn

Franz Höllriegel,
Privatier und Gutsbesitzer und vormal. Steinmetzmeister,

heute Morgens 5 Uhr nach langen schmerzlichen Leiden, versehen mit allen heil. Sterbsakramenten, im 64. Lebensjahre, ruhig und sanft in Gott ergeben, in ein besseres Jenseits abzurufen.

Indem wir diesen für uns so schweren und schmerzlichen Verlust zur Kenntniß bringen, empfehlen wir uns dem theilnehmenden Wohlwollen und den theuren Verblichenen dem frommen Gebete.

München, den 9. Mai 1858.

Barbara Höllriegel, als Gattin.
Nikolaus Höllriegel, Steinmetzmeister,
Franz Höllriegel, Privatier,
Albert Höllriegel, Eleve als Söhne.
Creszenz Stangassinger,
Babette Höllriegel, Töchter.
Johann Höllriegel, Steinmetzpolier, als Bruder.
Anton Stangassinger, Kaufmann in Starnberg, Schwiegersohn.
Anna Höllriegel, geb. Herndl,
Julie Höllriegel, geb. Irresberger, Schwiegertöchter.
Conrad Schlenk, Schuhmachermeister, Schwager.
Constantia Schlenk, Schuhmachermeistersgattin, Schwägerin.
Und die sämmtliche Verwandschaft.

Die Beerdigung findet Dienstag den 11. Mai Nachmittags 4 Uhr vom Leichenhause aus, die Gottesdienste Monatg den 17. Mai Vormittags 10 Uhr in der St. Peterspfarrkirche und Dienstag den 18. d. Vormittags 8 Uhr bei St. Elisabeth statt.

Der Bayerische Landbote No. 131. München; Dienstag, den 11. Mai 1858.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (18.5.1858)

Danksagung.

Für die so zahlreiche und ehrenvolle Begleitung des Leichenbegängnisses u. Beiwohnung des Trauergottesdienstes unseres innigstgeliebten und unvergeßlichen Gatten, Vaters, Groß- und Schwiegervaters, Bruders, Schwagers und Onkels, des

Herrn
Franz Ser. Höllriegel,
Privatier,

erstatten wir allen unsern schätzbaren Verwandten, Bekannten und hochgeehrten Gönnern unsern innigsten Dank und empfehlen den Verblichenen dem frommen Andenken und uns dem ferneren, gütigen Wohlwollen.

München, den 18. Mai 1858.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 138. Dienstag, den 18. Mai 1858.



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