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7 – 10 – 4·5 (Braun)

Ω

GRABSTAETTE
DER
FAMILIE BRAUN.

J. Lallinger.

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Karl Otto Braun

* 24.12.1852 (München)
† 8.2.1904 (München)
Genremaler, Landschaftsmaler und Portraitmaler

Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1906)

Braun, Karl Otto, Genre- und Landschaftsmaler, * 24. Dezember 1852 in München, † 8. Febr. 1904 ebendas. – B. erhielt, sobald seine künstlerische Begabung frühzeitig hervortrat, im Hause und unter der Schulung des Vaters, des als Xylograph und Maler so wohlbekannten Kaspar Braun (A. D. B. XXXXVII, 198), des Schöpfers der »Fliegenden Blätter« und Begründers der weltberühmten Firma »Braun und Schneider« den ersten grundlegenden Unterricht nebst einer vortrefflichen, allseitigen Bildung. Weitere Förderung wurde auf der Akademie unter Arthur von Rambergs (A. D. B. XXVII, 203) Leitung, woselbst B. längere Zeit nach dem Vorbild des trefflichen, im koloristischen Sinne mit Karl von Piloty rivalisierenden Meister zum Genrefach sich bekannte, dann aber, seiner inneren Veranlagung folgend, gänzlich zur Landschaft überging, ohne sich einem bestimmten Vorbilde anzuschließen. Auf beiden Gebieten erreichte er gleich ehrenvolle Anerkennung, trotz seines immer bescheidenen Rückhaltens. Er drängte sich nicht in die Ausstellungen, schwur auch zu keiner der Parteien, förderte aber mit aufopfernder Mühewaltung und unermüdlicher Ausdauer alle Interessen der Künstlerschaft, verschönte ihre festlichen Veranstaltungen mit geschickten und humoristischen Inszenierungen.

In seinen landschaftlichen Bildern »zeigte er eine stille, gediegene, freilich auf wenige Töne gestimmte, immer aber liebenswürdige Individualität«; »seine nebelfeuchten Tage und wohligen stillen Nächte erwecken einen stark naturhaftträumerischen Eindruck«. In den weichen, duftigen Stimmungen, in denen er am liebsten die scheidende Stunde des Tages und die Dämmerung mit dem aufsteigenden, durch den jungen Birkenbestand schimmernden Mond schildert, athmet eine leise klingende, sanfte lyrische Schwermut. Es war ein guter Teil Eichendorff in ihnen, freilich wenig von dessen fröhlicher Wanderlust. In rein malerischer Beziehung blendeten die Werke nicht; sie waren weder virtuos gemalt – getreu der Dichterregel, daß »Natur und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vortrage« – noch großartig gezeichnet, sondern bescheidene, anspruchslose symphonische Sätze lieblicher Innigkeit.

Bei seinem Begräbnis ergab sich eine überraschende Teilnahme als sprechender Beweis, daß der zeitlebens immer bescheidene Mann aufrichtige Freunde und Verehrer in den weitesten Kreisen besaß.

Eine Ausstellung seines Nachlasses im Münchener Kunstverein machte den größeren Teil der Beschauer erst mit den hochachtungswerten Bestrebungen und Leistungen dieses Künstlers nachträglich bekannt.

Vgl. Nr. 44 und 71 »Bayer. Kurier« 13. Februar und 11. März 1904. Nr. 59 »Augsburger Postzeitung« 12. März 1904. Nr. 35 »Münchener Zeitung« 12. Febr. 1904. – Brauns Name fehlt bei Singer und Fr. v. Bötticher, auch im Bericht des Münchener Kunstvereins, welcher, gegen seine bisherige Gepflogenheit, keinem seiner im Jahre 1904 verstorbenen Mitglieder einen Nachruf widmete.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1906.

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Kaspar Braun

* 13.8.1807 (Aschaffenburg)
† 29.10.1877 (München)
Historienmaler und Xylograph

Die Bildende Kunst in München (1842)

Bei dem glänzenden Erwachen des vielseitigsten Kunststrebens in München richtete man das Augenmerk auch wieder auf die so lange verwahrlosete, wenn auch durch Einzelne noch fortgeübte, Kunst des Holzschnittes, und

Kaspar Braun

unternahm es, dieselbe in Bayern wieder herzustellen, und sie im Geiste der alten deutschen Künstler mit der Anwendung der neuen Hülfsmittel zu behandeln und zu fördern.

Er ist geboren im Jahre 1807 zu Aschaffenburg, besuchte die gelehrten Schulen seiner Vaterstadt, wendete sich dann der Malerei zu, und begab sich deswegen im Jahre 1826 zur weiteren Ausbildung nach München, wo er die Akademie besuchte und einige sehr gelungene, kräftig und lebendig behandelte, Schlachtenbilder und romantische Darstellungen zur öffentlichen Ausstellung brachte, die durch ihre richtige Zeichnung und angenehme Färbung gefielen. Sein Streben aber sich in irgend einer Kunst ganz auszuzeichnen, bestimmte ihn, die Malerei zu verlassen, da er die vielen großen in München versammelten Meister nicht zu erreichen hoffen durfte, und so wendete er sich, ermuntert und unterstützt von dem k. Hofrathe Dessauer, plötzlich mit Entschiedenheit der Holzschneidekunst zu, und übte sich im Verein mit seinem Schüler und Freunde, Johann Rehle, geboren 1814 zu Neuburg an der Donau, im Holzschneiden. Allein die Schwierigkeiten, die ihnen überall begegneten, da sie aller Anleitung entbehrten, bestimmten sie, in Frankreich die Hülfe eines erfahrenen tüchtigen Meisters aufzusuchen. Sie begaben sich daher im Frühjahre 1838 nach Paris, wo sie ihre Arbeiten und Studien unter der Leitung des Heinrich Brevière aus Rouen, des geistvollsten Künstlers der neuesten Zeit in dieser Art, mit rastlosem Eifer fortsetzten.

Bei ihrer tüchtigen Kunstbildung gelang es ihnen, nicht bloß die Schwierigkeiten zu besiegen, sondern auch bereits, wie ihre ersten Blätter aus Paris vom Jahre 1839 zeigten, ganz in den Geist dieser Kunst einzudringen, und sowohl die Umrisse der Gestalten, als auch Bewegung und Ausdruck in allen Abstufungen einfach plastisch auszudrücken, und Licht und Schatten auf das Wirksamste anzuwenden. Einen überzeugenden Beweis davon werden nächstens die Darstellungen zum Nibelungenliede und zur Braut von Messina geben, und es ist nur zu wünschen, daß diese Kunst durch Ermunterung und Aufträge sich in der gewählten Bahn fortbewegen könne.

Bereits haben die Künstler eine eigene Anstalt für den Holzschnitt in München gegründet, welche durch ein reges gemeinschaftliches Zusammenwirken mit vereinigten Kräften diese Kunst mächtig zu fördern verspricht. Unter den, um sie versammelten Künstlern und Schülern zeichnen sich aus: Friedrich von Exter, aus Ungarn, und Franz Dettendorfer aus Wasserburg in Oberbayern, welche die Holzschneide-Kunst in Wien unter der Anleitung des Professor Höfel erlernten, Franz Kreuzer und Johann Herburger.

Eine ähnliche Anstalt leitet Neuer.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.

Universal-Handbuch von München (1845)

Braun, Caspar,

geboren 1807 in Aschaffenburg, begann seine Kunststudien in München im J. 1826, malte dann im Historienfache bis zum Jahre 1837, widmete sich aber in der Folge dem Fache der Xylographie (Holzschneidekunst). Um sich hierin möglichst auszubilden, reiste er nach Paris und gründete bei seiner Rückkunft nach München im Jahre 1839 ein Atelier für diese seit vielen Jahren ruhende und fast in Vergessenheit gerathene Kunst.

Diese xylographische Kunstanstalt ist gegenwärtig im kräftigen Erblühen und beschäftigt 16 Künstler. Seit einem Jahre hat sich Braun mit einem Hrn. Friedr. Schneider associrt und durch die besondere Thätigkeit dieses Letzteren hat diese Anstalt sehr gewonnen.

Unter mehreren aus diesem Atelier hervorgegangenen bedeutenden Werken verdienen besondere Beachtung: Die Braut von Messina, das Niebelungen-Lied, Götz von Berlichingen, die Bilder der deutschen Kaiser, welche bei Cotta, so wie die kleinen Soldaten- und Jägerlieder – vom Graf Pocci – die bei Perthes in Gotha erschienen.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

Die Künstler aller Zeiten und Völker (1857)

Braun, Caspar, geb. 1807 zu Aschaffenburg, widmete sich anfänglich der Malerei auf der Akademie zu München, bildete sich aber später bei Brevierès in Paris in der Holzschneidekunst aus und gründete 1839 in München eine xylographische Anstalt, aus welcher seitdem eine Menge trefflicher Werke, wie: die Illustrationen zu Schiller’s Braut von Messina; zum Nibelungenlied, nach Zeichnungen von Schnorr und Neureuther; zu Musaeus Volksmährchen; zum Volkskalender; zum Götz von Berlichingen; zu der grossen Bibel (herausgeg. v. Cotta) u. s. w. hervorgegangen sind. Im Jahr 1844 unternahm er mit seinem Associé Schneider die Herausgabe der Zeitschrift: Fliegende Blätter, ein sowohl seines ausgezeichneten Inhalts, als der Illustrationen wegen sehr geschätztes humoristisches Blatt. In den aus Brauns Institut hervorgegangenen Holzschnitten sieht man mit Vergnügen den Styl des altdeutschen Holzschnitts, verbunden mit der unserer Zeit eigenen Technik, glänzend durchgeführt.

Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart, 1857.

Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Braun, Kaspar, Holzschneider, geb. 1807 in Aschaffenburg, † 29. Oct. 1877 in München, betrieb zunächst auf der dortigen Akademie die Malerei und ging 1837 nach Paris, wo er unter Breviére die Holzschneidekunst erlernte. 1839 kehrte er zurück und gründete mit Hofrath von Dessauer eine xylographische Anstalt, aus der viele illustrirte Werke hervorgingen. Als er sich 1843 mit Friedrich Schneider aus Leipzig associirt hatte, nahm die Anstalt noch grösseren Aufschwung und wurde eine Schule für Holzschneider. Beide gründeten auch ein Verlagsgeschäft, gaben die bekannten humoristischen »Fliegenden Blätter« heraus und zahlreiche mit Holzschnitten versehene Werke, z. B. Das Nibelungenlied nach Schnorr und Neureuther, Volkskalender, Holzschnitte zu der Cotta’schen Bilderbibel und zu den Münchener Bilderbogen.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Braun Kaspar, 1807 (Aschaffenburg) – 1877, Historienmaler und Xylograph; er begann seine Kunststudien 1826 in München und malte im Historienfach bis 1837, dann widmete er sich der Xylographie (= Holzschneidekunst) und gründete nach Studien bei H. Bréviére zu Paris 1839 in München zusammen mit Hofrat von Dessauer eine xylographische Kunstanstalt, in die Bréviére seinen Sohn Emile zur Lehre schickte und bei der u. a. die »Stuttgarter Volksbibel« und die »Nibelungen« erschienen; 1844 begründete B. mit dem Buchhändler Fr. Schneider die später weitbekannte Verlagsanstalt, aus der u. a. die Werke von Wilhelm Busch (vor allem »Max und Moritz«), die »Fliegende Blätter« und der »Münchner Bilderbogen« hervorgingen; er versuchte sich in allen Arten der Technik, in Freskomalerei, Steinzeichnen, Radieren und Holzzeichnen, dabei bevorzugte er romantische (Undine, Ritterturniere, brennende Burgen) und geschichtliche (Pappenheims Heldentod, Gustav Adolf bei Lützen) Stoffe; für sein Werk »Deutsche Burgen und Schlösser« waren weite Donaureisen bis nach Ungarn notwendig.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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