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7 – 10 – 15 (Leeb)

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JOHANN LEEB
BILDHAUER
1790 – 1863

Ω

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Johann Leeb

* 1.9.1790 (Memmingen/Schwaben)
† 5.7.1863 (München)
Bildhauer

Der Bayerische Landbote (27.7.1831)

Auswärtig gestorben.

Zu Kempten starb am 17. Juli Frau Maria Regina Leeb, geb. Zorn, Strumpffabrikantens Wittib von Memmingen, (gebürtig von Kempten) an ihrem Geburtstage im vollendeten 77sten Jahre, an Altersschwäche.

Die Vollendete hatte beim Eintritt des Greisenalters ihre Kinder in 3 Welttheilen zerstreut, und sämmtlich ehrenvoll und gut versorgt. Der älteste Sohn: Johann Ludwig Leeb, lebte in Süd-Afrika in der Colonie Graaf-Reinette, als engl. Gouvernements-Feldmesser. Ein zweiter Sohn, Johann Leonhard Leeb, lebte in Amerika in Rio-Janeiro, Hauptstadt des brasilianischen Kaiserthums, als kaiserl. Ober-Lieutenant, wo er Anno 1826 starb. Anno 1821 ging er, als kgl. bayr. Ober-Lieutenant und Adjutant, mit einem 2jährigem Urlaub versehen, von Europa zu seinem Bruder nach Afrika, verweilte allda 3 Jahre und suchte endlich sein Grab in Amerika. Zwei Söhne: Johannes Leeb, Bildhauer in München, und Johann Georg Leeb, Zeugfabrikant und Armenpflegschaftsrath in Memmingen; dann eine Tochter, Maria, Gattin des bgl. Magistrats-Raths Röblin in Kempten, lebten in Europa.

Ihr Bruder Zorn, starb vor wenigen Jahren als engl. Landdrost in der Colonie Cap auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung.

Sie lebte beinahe ein viertel Jahrhundert im Wittwenstand; war eine christliche und rechtschaffene Frau.

Der Bayerische Landbote Nro. 199. München; Mittwoch, den 27. Juli 1831.

Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

Leeb, Johannes, geb. in Memmingen 1790. Dessen Vater ein Strumpffabrikant, Namens Johann Georg Leeb, besuchte die Frühlings- und Herbst-Märkte in Lindau, wo er denn gewöhnlich den Sohn mitnahm.

1804 wurde eben dort die Kaserne für die österreichische Garnison gebaut, und er bekam Lust, Steinmetz zu werden. Dieß theilte er seinem Vater mit, welcher bald Anstalt machte, den Sohn bei dem Steinmetzmeister Naumann in die Lehre zu bringen, wo er 1805 auch eintrat.

1807 ward aus Immenstadt ein bejahrter Bildhauer berufen, die Trophäen vor dem Eingange der Kaserne aus Sandstein zu fertigen; diesem wurde er beigesellt, und so erlangte Leeb die ersten Begriffe in dem Dekorationfache.

Im Jahre 1809 verließ er Lindau, und wanderte als Steinmetz in die Schweiz. In Winterthur, Lausanne und Genf war er bis 1811 in dieser Eigenschaft abwechselnd beschäftiget, aber von Genf aus begann Leeb eine neue Laufbahn. Dort errichtete auf der Kolonie, eine Stunde von Genf, der reiche Tronctain auf dessen Gut einen Pavillon in korinthischer Ordnung, gegenüber dem Montblanc, wozu eine große Parthie der Verzierungen des Hauptgesimses und der Kapitäler Leeb zur Fertigung übernahm, und dadurch eine größere Fertigkeit in solchen Arbeiten erlangte. Nach Vollendung derselben reiste er nach Paris, um bei der bel’ Escalier im Louvre beschäftigt zu werden, was ihm auch gelang, worauf er 1812 und 1813 abwechselnd im Louvre und Pantheon thätig mitwirkte.

Im Jahre 1814 wurden die öffentlichen Bauten eingestellt, und er benutzte diesen Stillstand dazu, seine Studien in der höhern Plastik zu erweitern, besuchte deshalb Privat-Akademieen, und später l’academie des quatres nations.

Im Jahre 1815, als er von keiner Seite mehr Unterstützung zu hoffen hatte, machte Leeben das Handlungshaus Gorgerat in Paris das Anerbieten, ihm Waaren in Kommission zum Verschleisse zu überlassen, welches Geschäft er kurze Zeit betrieb, bis die Alliirten nach Paris zurückkehrten, worauf er durch den königl. Oberst-Kämmerer, Herrn Grafen Karl von Rechberg, Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayern empfohlen, und mit der angekauften Albanischen Kunstsammlung nach München gesendet wurde, woselbst er dann zwei Jahre hindurch nach den Entwürfen des Hrn. v. Klenze für die königl. Glyptothek Verzierungen und Gyps-Modelle ausführte.

Ein unbesiegbarer Hang zur höhern Plastik führte Leeben inzwischen immer auf neue Versuche. Nachdem er eine Leda lebensgroß gefertigt hatte, erhielt er auf zwei Jahre ein Reisestipendium, um sich in Italien in der Kunst zu vervollkommnen.

Im Jahre 1817 reiste er mit dem Architekten, Hrn. Thürmer, durch die Schweiz über den Simplon nach Rom, studirte fleißig nach Antiken, und stellte 1819 bei der Kunst-Ausstellung, welche zu Ehren Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich auf dem Kapitol veranstaltet wordrn war, eine Bachantin so wie auch ein Basrelief mit den drei Horen, welche den Pegasus pflegen, dort auf.

Im Jahre 1820 reiste er nach Neapel, wo er durch den trefflichen Beschützer der Künste, den Marquis de Poublon, bei dem Herzog d’Alba eingeführt wurde, der eine Bestellung nach seinem Sinne machte. Leeb entwarf dessen zufolge eine Gruppe des Hülas mit der Nymphe Efidazia, und dieselbe wurde in Lebensgröße in Marmor ausgearbeitet.

Als im Jahre 1821 der Herzog Neapel verließ, kam diese Gruppe in den Besitz Sr. Exzellenz des Herrn Generallieutenants Baron v. Koller, welcher sie nebst andern Kunstgegenständen auf sein Gut an der Elbe bei Prag einschiffen ließ; aber das Schiff strandete in der Meerenge von Gibraltar, jedoch soll die erwähnte Gruppe vom Strandrechte wieder vorgefunden, und in Spanien verkauft worden seyn; nähere Notizen hierüber fehlen.

Auch eine Psyche in Marmor, und das Portrait des berühmten Paganini, verfertigte L. in Neapel.

Im Jahre 1823 kehrte er wieder zurück nach Rom, und arbeitete in dem Atelier des Ritters Albert v. Thorwaldsen, als er von Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayem den ehrenvollen Auftrag erhielt, für die Walhalla mehrere Brustbilder in Marmor zu fertigen. Im Oktober desselben Jahres wurde von dem königl. würtembergischen geheimen Legationsrath von Kölle für Se. Maj. den König von Würtemberg einer der vier Evangelisten – Mathäus nämlich – nach der Skizze und Leitung des Ritters von Thorwaldsen, für die Grab-Kapelle auf den Rothenberg bei Stuttgart in Marmor bestellt. Zur nämlichen Zeit erhielt er von Sr. Erlaucht dem Grafen von Schönborn in Rom den Auftrag, nach seiner Skizze einen schlafenden Amor in Marmor zu machen, mit welchem er sehr viel Beifall ärndtete, und welcher gegenwärtig in Reichertshausen aufgestellt ist.

Im Jahre 1824 verfertigte er ein nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung bestimmtes Brustbild in Marmor.

Ein junges Mädchen, die Unschuld bezeichnend, mit Amoretten, führte er ferner in Marmor aus.

Im Jahre 1826 verließ er Rom und ging nach München, woselbst er den Auftrag erhielt, für den großen Odeons-Saal die Büsten zehn der berühmtesten Kompositeurs, als: Mozart, Beethoven, Haydn, Händel, Gluck, Mehul, Weber, Winter, Cimarosa und Vogler anzufertigen.

Im Jahre 1827 modellirte er nach Irlbach für S. Exz. den Herrn Grafen de Bray, aus dem Leben Odysseus, 35 Fuß lange Basreliefs, woselbst auch das Basrelief in Marmor, die drei Horen mit dem Pegasus vorstellend, aufgestellt ist; führte für die königl. Glyptothek in das Giebelfeld zwei Statuen in Marmor aus, und in der neuen königl. Residenz dekorirte er einen – in der Pinakothek aber zwei Säle nach den Entwürfen des Herrn geheimen Rathes von Klenze.

In die Kirche nach Niederaschau verfertigte er aus ganz weißem Marmor, das 15 Fuß hohe Denkmal des 92jährigen Greisen, Sr. Exzellenz Hrn. Grafen Max v. Preysing.

Im Jahre 1828 fertigte er ein Denkmal von schwarzem Marmor in die Kirche nach Donzdorf, für die Frau Ministerin, Gräfin von Rechberg, dann das Denkmal des bayerischen Geschichtschreibers, Lorenz von Westenrieder, für den Münchner Kirchhof; ferner unter dem Vestibul des allgemeinen Krankenhauses zwei Denksteine für die verdienstvollen Männer, Simon und Xaver v. Häberl.

Im Jahre 1832 modellirte er nach dem Leben die Brustbilder der drei griechischen Deputirten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos, auch eine kleine Statue des Admirals Miaulis in Bronce, auf den Anker sich stützend, und in der Rechten das Fernrohr haltend; so wie das Brustbild Seiner Erlaucht des Herrn Grafen von Bassenheim in Marmor.

Im Jahre 1833 gab er Abbildungen eines Theils seiner plastischen Werke heraus, worunter fünf Blätter, von Mertz in Kupfer gestochen, Figuren und fünf Blätter lithographirte Denkmäler enthalten.

Ferner sind von ihm mehrere Entwürfe in Gyps-Modellen zu öffentlichen Brunnen, als:
1) Eine Scylla.
2) Zwei übereinander stehende Wasserschalen, in deren oberer sich ein Amor badet.
3) Der Bavaria-Brunnen; die Bavaria in der Mitte auf einer Säule stehend, und umher acht bayerische Hauptflüsse; zu den Füßen derselben liegen die Hauptprodukte eines jeden der acht Kreise.
4) Die Quelle Hypokrene mit dem Pegasus und Bellerophon, unten die bayerischen Minnesänger, als: Wolfram von Eschenbach von der Pfalz, Konrad Graf von Killkberg, ein Schwabe, Konrad von Würzburg aus Franken, und Heinrich von München, ein Altbayer.
5) Der Brunnen der Venus victrix mit mythologischen Sinnbildern umgeben.

Im Jahre 1834 verfertigte er ein Basrelief in kararischem Marmor, die Verbindung des Rheins mit der Donau vorstellend; der Rhein und die Donau in der Mitte, dann Se. Majestät König Ludwig I. mit Germania zur Rechten, und die Bavaria mit den Annalen der Geschichte zur Linken; ein Genius schwebt oben in der Mitte mit dem Caduceusstab.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Mechaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (29.12.1838)

Gallerie einiger in München lebender Künstler.
(Schluß.)

Leeb, Johannes.

Wir rühmen uns in München einen der größten Bildhauer unserer Zeit an Schwanthaler zu besitzen und stellen ihn ohne Bedenken einem Thorwaldsen an die Seite. Schwanthaler ist ein großes Talent und die Schöpfungen, die sein Meißel lieferte, rechtfertigen diese Behauptung. Allein, da selten eine Größe ganz allein steht, und sich nur im Vergleiche mit anderen eine Bedeutung verschafft, so wählen wir unter den übrigen, vorzüglichen Bildnertalenten, die neben dem so gefeyerten jungen Meister aufragen, für diese Gallerie den Johann Leeb, geboren zu Memmingen im Jahre 1790. Der Sohn eines Strumpffabrikanten barg einen Apollodorus in sich, den später der Steinmetzmeister Naumann zur Behandlung des Marmors und ein alter Bildhauer, der Trophäen vor dem Eingang einer Caserne meißelte, zum Plastiker umschuf. Der alte Bildnermeister, welcher aus Sandsteinmassen Sculpturverzierungen am Kriegergebäude weckte, veranlaßte im gelehrigen Zögling die ersten Begriffe des Decorationsfaches. Wenn der Sohn eines Löffelmachers im alten Athen ein großer Staatsmann und Feldherr werden konnte, so darf der Abkömmling eines Strumpffabrikanten sich zum ausgezeichneten Bildhauer erheben. Das Genie ist zum Gluck keine exclusive Prärogative der hohen Geburt; im Gegentheil, es ist in der bürgerlichen Stube heimischer als in den Salons. Das Genie ist von Hause aus einfach und verschmäht die Unnatur und den Flitter. Leeb entschied sich für die Sculptur nach mehreren Wanderungen im Jahre 1811 zu Genf, wo eine Stunde davon der reiche Tronktain auf seinem Gute einen Pavillon in korinthischer Ordnung, dem Montblanc gegenüber, errichtete, wozu eine große Parthie der Verzierungen des Hauptgesimses und der Capitäler dem Johann Leeb übertragen wurde, und ihm eine größere Fertigkeit in solchen Arbeiten verschaffte. Der angehende Meister fand später in Paris bey dem Bel Escalier im Louvre und darauf in diesem und im Pantheon abwechselnd Beschäftigung. Im Jahre 1814 pausirten in Paris die öffentlichen Bauten. Leeb besuchte fleißig die Académie des quatre Nations. Im Jahre 1815 ganz ohne Unterstützung mußte der deutsche Statuar seine Zuflucht beim Kaufmannsstande in Paris suchen. Das Handlungshaus Gorgerat überließ ihm Waaren in Commission. Der Meißel wurde bey Seite gelegt, und Wage und Elle traten an seine Stelle, bis die Alliirten nach Paris zurückkehrten und Leeb durch den königl. bayerischen Oberstkämmerer, den Grafen Carl von Rechberg, Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen Ludwig empfohlen wurde, und mit der angekauften albanischen Kunstsammlung nach München gesendet wurde, wo er dann zwey Jahre hindurch nach den Entwürfen des Hofarchitekten Klenze für die Glyptothek Verzierungen und Gypsmodelle ausführte. Ein unbesiegbarer Hang zur höheren Plastik drängte ihn immer zu neuen Versuchen. Eine lebensgroße Leda, die für sein höheres Talent sprach, erwirkte ihm auf zwey Jahre ein Reisestipendium, um in Italien sich auszubilden. Im Jahre 1819 stellte Leeb zu Rom bey der Kunstausstellung zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers Franz auf dem Capitol eine Bacchantinn so wie auch ein Basrelief mit den drey Horen, welche den Pegasus pflegen, auf. Im Jahre 1820 reiste er nach Neapel, wo er durch den Marquis de Poublon bey dem Herzog von Alba eingeführt wurde, der eine Bestellung nach seinem Sinne machte. Leeb entwarf diesem Auftrag zufolge eine Gruppe des Hylas mit der Nymphe, und dieselbe wurde in Lebensgröße in Marmor ausgearbeitet. Diese Gruppe ging in der Meerenge von Gibraltar zu Grunde.

In Neapel verfertigte der fruchtbare Künstler eine Psyche in Marmor und das Porträt des berühmten Paganini. Im Jahre 1823 kehrte er wieder nach Rom zurück, und arbeitete in dem Atelier des Ritters von Thorwaldsen, als er von Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen von Bayern den ehrenvollen Auftrag erhielt, für die Walhalla mehrere Brustbilder in Marmor zu fertigen. Nach einer Reihe von plastischen Arbeiten kam Leeb nach München zurück im Jahre 1826, wo er für den großen Odeonssaal die Büsten zehn der berühmtesten Tonsetzer, als: Mozart, Beethoven, Haydn, Händel, Gluck, Mehul, Weber, Cimarosa und Vogler fertigte. Im Jahre 1827 modellirte er für den Grafen de Bray aus der Odyssee 35 Fuß lange Basreliefs; führte für die Glyptothek in dem Giebelfeld zwey Statuen in Marmor aus und decoricte in der neuen königl. Residenz einen, in der Pinakothek zwey Säle nach den Entwürfen des Hofarchitekten Klenze. Leeb modellirte im Jahre 1832 nach dem Leben die Brustbilder der drey griechischen Deputaten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos.

Leeb wetteifert an Fruchtbarkeit mit dem in München gefeyerten Schwanthaler. Sein Atelier regt sich von plastischen Gestalten, es leert und füllt sich immer wieder. Die Natur verlieh ihm aber zur Fülle der Productivität großen poetischen Sinn und seine Studien in Rom trugen nicht wenig bey, im Geiste der Alten den Formen das Edle und Schöne im Bunde mit künstlerischer Wärme einzuhauchen.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 156. Samstag, den 29. Dezember 1838.

Universal-Handbuch von München (1845)

Leeb, Johann,

geboren 1790 zu Memmingen, erhielt seinen ersten Unterricht bei einem Steinmetzmeister in Lindau. 1809 verließ er diese Stadt und begab sich als Steinmetzgeselle nach Winterthur, Lausanne und Genf. Im Jahre 1811 bot sich ihm Gelegenheit in der Ausführung kunstreicher Verzierungen und Kapitäler in korinthischer Ordnung sich zu üben. Bald darauf kam er nach Paris und er fand Beschäftigung in seinem Fache. Später widmete er sich den Studien in der Bildnerei und besuchte Privat- und öffentliche Akademien. Als Kronprinz Ludwig im Jahre 1816 in Paris war, wurde er durch den Grafen Rechberg demselben empfohlen und sodann mit der albanischen Kunstsammlung, welche der Kronprinz angekauft hatte, nach München geschickt. Hier fand er nun ein weites Feld zu seiner Ausbildung; er arbeitete 2 Jahre lang, nach Klenze’s Entwürfen, Verzierungen und Modelle für die Glyptothek und übte sich mit großem Eifer an plastischen Entwürfen und Darstellungen. Die gelungene Ausführung eines lebensgroßen Modelles einer Leda verschaffte ihm ein Reisestipendium auf 2 Jahre, um sich in Italien ganz der Bildhauerkunst zu widmen Er ging nach Rom, und im Jahre 1819 gab er eine Bacchantin und ein Relief, darstellend die 3 Horen, welche den Pegasus pflegen, zur Kunstausstellung auf das Capitol. 1820 ging er nach Neapel und entwarf für den Herzog von Alba die Gruppe des Hias mit einer Nymphe; dort fertigte er auch eine Psyche in Marmor und das Brustbild Paganinis. Er kehrte wieder nach Rom zurück, und fand im Atelier Thorwaldsens Beschäftigung; er erhielt sodann den ehrenvollen Auftrag vom Kronprinzen Ludwig von Bayern, mehrere Brustbilder in Marmor für die Walhalla auszuführen. Außer vielen schönen Werken wollen wir nur noch einige anführen, worin er sich besonders auszeichnete: Die Statue des Mathäus für die Grabkapelle der Höchstsel. Königin von Württemberg auf dem Rothenberg; einen schlafenden Amor für den Grafen Schönborn; dann die allegorische Darstellung der Unschuld in carrarischem Marmor, in der Gestalt eines lieblichen Mädchens mit Amoretten in einem Neste, die eben flügge werden. Im Jahre 1826 führte er die Brustbilder der berühmtesten Tonkünstler für den großen Saal des Odeons aus, schmückte in der Pinakothek 2 Säle mit Reliefs nach Klenze, und vollendete 2 Statuen für das Giebelfeld der Glyptothek. Für den Grafen Bray nach Irlbach lieferte er ein 35 Fuß langes Relief in Gyps: Darstellungen aus dem Leben des Odysseus. Längere Zeit beschäftigte er sich mit der Ausführung von Denkmälern für berühmte und hochgestellte Männer: für den Grafen Preying in der Kirche zu Niederaschau, für die Gräfin Rechberg in der Kirche zu Donsdorf, für Westenrieder in den Arkaden des Münchner Kirchhofes, 2 Denksteine für die berühmten Aerzte Simon und Franz Xav. Häberl, in der Vorhalle des allgemeinen Krankenhauses zu München aufgestellt. Eine kleine Statue des Admirals Miaulis, wie er sich auf den Anker stützt, in der Rechten das Fernrohr haltend, ist ebenfalls von ihm und wurde von Stiglmaier in Erz gegossen. Seine Modelle zu öffentlichen Brunnen verdienen ebenfalls rühmliche Erwähnung. Wunderschön ist die Statue eines Sohnes der Niobe, der auf dem bäumenden trefflichen Pferde sich rückwärts beugend mit der einen Hand den Todespfeil abzuwehren sucht. Zu seinen neueren Werken gehört ein Eros in carrarischem Marmor. Er ist stets mit der Ausführung von Aufträgen zu Brustbildern und Denkmälern beschäftigt.

Universal-Handbuch von München. München, 1845.

Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung (13.7.1863)

Johannes Leeb, Bildhauer.

(Nekrolog.)

Am 5. Juli lauf. Js. ging in München der Bildhauer Johann Leeb im 73. Lebensjahre mit Tod ab, dessen Ruf als bedeutender Künstler weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausreicht.

Derselbe ist am 1. September 1790 in der damaligen Reichsstadt Memmingen geboren, woselbst sein Vater als Strumpfwirkermeister ansässig und wohnhaft war.

Seine Knabenzeit fällt zwar in jene Periode großer politischer Ereignisse, dieselben gingen jedoch an der in aller Stille lebenden Bürgerfamilie so ziemlich spurlos vorüber, und auch in des Knaben Entwickelungsgange trug sich Bemerkenswerthes nicht zu.

Von seinem Vater dazu bestimmt, dereinst das väterliche Geschäft zu betreiben, begleitete er ihn häufig, wenn derselbe mit den Erzeugnissen seines Handwerks nahe und ferne Jahrmärkte besuchte. So kam er auch im Jahre 1804 nach Lindau, woselbst man eben mit dem Bau einer Kaserne begonnen hatte.

Der Anblick der Steinmetzarbeiten für diesen Bau war es, der zuerst seinen Sinn für technische Thätigkeit anregte und er sprach sich mit solcher Vorliebe für dieses Geschäft aus, daß der Vater keinen Anstand nahm, den Sohn diesen Weg gehen zu lassen.

So kam der vierzehnjährige Knabe noch im nämlichen Jahre als Lehrling zu dem Steinmetzmeister Naumann in Lindau, der die Arbeiten für den Kasernenbau zu liefern hatte und war in seinem Herzen glücklich bel der Herstellung derselben Trophäen beihelfen zu dürfen, die ihn kurz vorher so unwiderstehlich angezogen hatten.

Nachdem er seine Lehrzeit vollendet hatte und förmlich als Geselle freigesprochen worden, wanderte er im Jahre 1809 in die benachbarte Schweiz, woselbst er nacheinander in Winterthur, Lausanne und Genf auf seinem Handwerk arbeitete.

Während dieser Zeit schritt seine Ausbildung so weit vor, daß er schon im Jahre 1810 in der Lage war, – er hielt sich damals in Genf auf – die Ausführung reicher Sandstein-Verzierungen selbständig zu übernehmen, welche einen von Herrn von Troneheim auf seinem Landhause zu Coligny, dem Montblanc gegenüber erbauten, im corynthischen Styl gehaltenen, Tempel schmücken.

Damit hatte er bereits die Grenzen des Handwerks entschieden hinter sich gelassen. Genf war nicht länger ein Aufenthalt für das strebsame Talent Leeb’s.

Paris erschien zu jener Zeit als der Mittelpunkt nicht blos des politischen, sondern auch des Kunstlebens. Die ersten Sammlungen der Welt waren ihrer Perlen beraubt worden, um die Eitelkeit der Franzosen zu kitzeln. Es zog Leeb, der bedeutendes nicht blos sehen, sondern auch schaffen wollte, nach Paris und er machte sich bereits im nächsten Jahre 1811 dahin auf den Weg.

Napoleon fand in den kurzen Pausen seiner Kriege noch Zeit übrig, die Kunst zu beschützen und die öffentlichen Bauten, wie jene des Louvre, des Pantheon und andre boten willkommene Gelegenheit für junge Talente, sich in ihrer Kunst zu vervollkommnen. So fand auch Leeb am Louvre und am Pantheon, später am kaiserlichen Lustschlosse zu Fontainebleau eine seinen Kräften angemessene Beschäftigung.

Der Einzug der Verbündeten zu Paris im Monate März 1814 machte allen öffentlichen Bauten urplötzlich ein Ende. Leeb ward hievon schwer genug getroffen. An die Stelle eines für die Bedürfnisse des jungen Mannes mehr als zureichenden Entkommens trat mit Einemmale Mangel. Aber schmerzlicher als dieß war es für Leeb, daß er nun keine Mittel mehr besaß, den bei dem Bildhauer Querfaut im Zeichnen und Modelliren genommenen Privatunterricht fortzusetzen. Er mußte sich in Folge dessen darauf beschränken, seiner weitern Ausbildung durch den fortdauernden Besuch der Academie des quatre nations nachzugehen.

Als endlich alle bisherigen Hilfsquellen versiegt waren, griff Leeb, um nur sein Leben zu fristen, zu kaufmännischen Commissionsgeschäften, welche ihm denn auch bis nach dem zweiten Einzuge der Verbündeten in Paris seinen Unterhalt verschafften.

In jenen Tagen hatte er das Glück, dem kunstliebenden Kronprinzen Ludwig von Bayern in Paris vorgestellt zu werden. Der Prinz benützte seinen Aufenthalt zu bedeutenden Ankäufen von Werten antiker Plastik und versetzte Leeb wieder in Thätigkeit, indem er ihm den Auftrag ertheilte, das Gesammelte nach München zu bringen und weiter für die im darauffolgenden Jahre in Angriff genommene Glyptothek dekorative Modelle zu liefern.

Indessen stand des Künstlers Sinn nach Italien gerichtet, woselbst er sich für das figürliche Fach auszubilden gedachte.

Eine lebensgroße Figur der Leda, welche den Beifall des Königs Max Joseph fand, verschaffte ihm die Mittel, diesen seinen Lieblingsgedanken in’s Werk zu setzem, da sie ihm ein Reisestipendium eintrug.

Er machte sich sofort (1817) auf den Weg über die Alpen und lag zwei Jahre lang in Rom mit dem größten Eifer seinen Studien ob.

Als nach Ablauf dieser Zeit das Stipendium, erlosch, wanderte Leeb nach Neapel, wo er hoffte, für die Kirche St. Vincenz und Paul Aufträge zu erhalten. Zwar gelang ihm dieß nicht; das Schicksal entschädigte ihn jedoch dadurch, daß er dem Herzoge von Alba empfohlen wurde, der ihm den ehrenden Auftrag ertheilte, den Hylas mit der Nymphe in Marmor auszuführen, eine Aufgabe, deren glückliche Lösung ihn drei Jahre im schönen Neapel festhielt.

Hatte den Künstler in Paris die Wiedereinführung der legitimen Herrscherfamilie um seine Existenz zu bringen gedroht, so brachte ihm dagegen in Neapel der von den Carbonari’s gegen das Princip der Legitimität geführte Kampf großen Nachtheil. Der Carbonarismus verscheuchte nemlich den Herzog von Alba aus Neapel. Indeß war die Gefahr nur eine vorübergehende und die für den Herzog begonnene Gruppe ging in den Besitz des mit den Occupationstruppen nach Neapel gekommenen österreichischen General-Lieutenants Freiherrn v. Keller über.

Aus jener Zeit stammt auch eine in Marmor ausgeführte Psyche und ein Porträt Paganini’s, welches dem Künstler durch die frappante Aehnlichkeit und geistreiche Auffassung viele Freunde erwarb, und zugleich eine ansehnliche Anzahl von Bestellungen von Gypsabgüssen für Neapel, Palermo und Genua verschaffte.

(Schluß folgt.)

Regnet: Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung Nr. 189. Montag, den 13. Juli 1863.

Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung (14.7.1863)

Johannes Leeb, Bildhauer.

(Nekrolog.)

(Schluß.)

Im Jahre 1822 kehrte Leeb wieder nach Rom zurück und arbeitete einige Zeit lang in Thorwaldsen’s Atelier, woselbst er mehrere Entwürfe des unsterblichen Künstlers unter dessen Augen in Marmor ausführte.

Thorwaldsen, welcher unsern Künstler lieb gewonnen, empfahl ihn dem Könige von Württemberg, der ihm den Auftrag ertheilte, für die auf dem Rothenberge bei Stuttgart erbaute griechische Capelle den Evangelisten Matthäus in mehr als Lebensgröße aus cararischem Marmor herzustellen.

Diesem Auftrage folgte schon im nächsten Jahre (1823) ein weiterer des Grafen Schönborn, der damals eben Rom besuchte und einen schlafenden Amor bestellte, der im Schlosse zu Reinhardshausen am Rhein aufgestellt wurde. Daran reihten sich 1824 die Büsten Stein’s und Boerhave’s für die Walhalla und 1826 der Auftrag, die zehn weiteren Büsten Mozart’s, Händel’s, Gluck’s, Mehul’s, Haydn’s, Vogler’s, Beethoven’s, Winter’s und C. M. v. Weber’s gleichfalls für die Walhalla auszuführen.

S. Maj. König Ludwig hatte den Künstler schätzen gelernt und zog ihn auch herbei, als es galt, das Giebelfeld seiner Glyptothek mit Statuen zu schmücken. Leeb arbeitete für dasselbe die Statue der Minerva und für zwei untere Nischen den Hadrian und Perikles.

Als im Jahre 1832 die Abgesandten Miaulis, Bozzaris und Plaputas in München erschienen, um dem zweitgeborenen Sohne des Königs Ludwig die Krone des jugendlichen Königreiches Hellas zu Füßen zu legen, modellirte Leeb dieselben nach dem Leben und den Seehelden Miaulis insbesondere als Statuette auf den Anker sich stützend, und fand dafür zahlreiche Abnehmer.

Die Grafen von Preising-Hohenaschau und Preisiag-Moos, die Grafen von Rechberg und Bray übertrugen Leeb die Herstellung zum Theil sehr umfangreicher Familiendenkmäler.

Zu des Künstlers größeren Arbeiten gehört namentlich eine originell erfundene Niobiden-Gruppe zu Pferd in ganzer Lebensgröße. Durch bestehende Anmuth zeichnet sich die in cararischem Marmor ausgeführte Figur der Unschuld aus, welche mit einem Amoretten-Neste spielt. Besonderer Erwähnung würdig erscheint auch ein gleichfalls aus Marmor gemeißelter Amor, den Pfeil schleifend, der auf der Londoner Ausstellung des Jahres 1851 durch die Jury ausgezeichnet wurde.

Fünf Jahre früher ward ihm durch die Empfehlung des Erzherzogs Stephan Gelegenheit geboten, durch mehrere Arbeiten zur Ausschmückung der neuerbauten Kirche zu Marienbad in Böhmen beizutragen.

Leeb hat auch das Verdienst, die terra cotta wieder zur practischen Anwendung gebracht zu haben. Seine in dieser Technik behandelten vier Jahreszeiten fanden nicht blos in Deutschland und der Schweiz, sondern auch in England freundliche Aufnahme.

Während der großen Kunst- und Industrie-Ausstellung zu München im Jahre 1854 schmückte ein Gypsmodell des grandiosen Danaiden-Brunnens von Leeb, den zwanzig Wasserstrahlen belebten, das Querschiff des Ausstellungsgebäudes und es erinnert sich wohl jeder Besucher derselben dieses Kunstwerks.

Zwei Jahre später erhielt Leeb von der Stadt Genf den ehrenvollen Auftrag, für einen der dortigen öffentlichen Plätze einen monumentalen Brunnen zu entwerfen, und dabei das historische Ereigniß der Abwehr des Einfalls des Herzogs Carl Emanuel von Savoyen durch die Bürger von Genf (die Escalade von 1602) zur Anschauung zu bringen. Leeb’s geistvolle Arbeit fand in Genf ungetheilten Beifall und übersandte ihm die Stadt dafür die große goldne Medaille sammt einem sehr anerkennenden Schreiben.

Unmittelbar darauf stellte Genf unserm Künstler die Aufgabe, für einen dortigen Platz ein Denkmal zum Gedächtniß des am 15. Angust 1815 erfolgten Anschlusses des Cantons Genf an die Eidgenossenschaft zu erfinden, welche Aufgabe unser Künstler mit demselben großem Geschick löste.

Im Jahre 1857 wandte sich seine Vaterstadt Memmingen an ihn, nachdem sie beschlossen hatte, vor dem neuerbauten Bezirksgerichtsgebäude eine Colossalbüste Sr. Majestät des Königs Maximilian II. aufzustellen.

Das Jahr 1859 fand Leeb mit der Ausführung des Gypsmodells der Hauptgruppe für das zweite der Genfer Monumente beschäftigt: sie zeigt die Helvetia im Vereine mit der Republik Genf, beide als Frauengestalten aufgefaßt, ernst und edel im Ausdruck.

Im selben Jahre arbeitete Leeb im Aufträge der Stadt Winterthur zwei allegorische Figuren über Lebensgröße für das neuerbaute großartige Schulhaus in Stein. Er wählte hiefür die Perseverantia und Diligentia als die Symbole, ohne welche die Wirkungen des Unterrichts und der Bildung nicht denkbar sind.

Als letzte bedeutende Schöpfung Leeb’s erscheint die Statue seines Landsmannes Burghard Zingg, der als Geschichtsschreiber und Staatsmann unter seinen Zeitgenossen gleich hervorragte und in hohen Würden stand, so daß er selbst einige Zeit als Gesandter in Konstantinopel fungirte. Sein Denkmal schmückt seit wenigen Monaten einen der Plätze Memmingens.

Leeb hinterließ eine höchst werthvolle Sammlung von Handzeichnungen, meist Entwürfe des verschiedensten Inhalts, Darunter befinden sich namentlich eine Sammlung von Brunnen-Entwürfen in 3 Abtheilungen von je 15 Blättern, geschieden je nachdem sie für öffentliche Plätze, Gärten, oder Parke bestimmt sind, nicht alle bedeutend durch Großartigkeit oder Anmuth der Form, aber alle originell. Mögen sie nicht für immer in den Mappen verschlossen bleiben, sondern auf irgend eine Weise vervielfältigt und so für das Gemeinwesen benützbar werden!

Regnet.

Regnet: Morgenblatt zur Bayrischen Zeitung Nr. 191. Dienstag, den 14. Juli 1863.

Allgemeine Deutsche Biographie (1883)

Leeb: Johannes L., Bildhauer, geboren 1790 zu Memmingen, † am 5. Juli 1863 zu München. Erst zum Geschäft seines Vaters (Strumpfwirker) bestimmt, dann Steinmetzlehrling bei Naumann in Lindau 1805–9, durchwanderte er die Schweiz, arbeitete in Winterthur und Lausanne und Genf (1811 bei Decorirung der Villa Tronctain); ging nach Paris, um bei der bell’ Escalier im Louvre beschäftigt zu werden, wo er 1812 und 1813 abwechselnd im Louvre und Pantheon mitwirkte und 1814 die Académie des quatres nations besuchte, um sich für die plastische Kunst die nöthigen Vorkenntnisse zu erwerben. In dieser Zeit hatte er das Glück, durch den baierischen Oberstkämmerer Karl Grafen von Rechberg an den Kronprinzen Ludwig empfohlen zu werden, welcher ihn mit der von demselben angekauften Albani’schen Sammlung nach München sendete, woselbst L. zwei Jahre lang nach den Entwürfen von Klenze’s für die neue Glyptothek zahlreiche Verzierungen und Gypsmodelle ausführte; diese Beschäftigung hinderte ihn jedoch nicht, sein Studium im Figürlichen eifrig fortzusetzen.

Eine lebensgroße Statue der »Leda« wurde mit Beifall aufgenommen und verschaffte ihm 1817 ein Stipendium zu einer zweijährigen Studienreise nach Italien, wo er zu Rom fleißig die Antike studirte und bei der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich auf dem Capitol veranstalteten Ausstellung mit eigenen Werken erschien: einer Bacchantin und einem Basrelief, darstellend die den Pegasus pflegenden Horen (nachmals in Marmor für den Grafen Bray). In Neapel meißelte L. für den Herzog von Alba eine Gruppe des »Hylas mit einer Nymphe«, eine »Psyche« und eine Büste von Paganini (1820–22).

Zurückgekehrt nach Rom (1823) arbeitete er in Thorwaldsen’s Atelier die colossale Büste Boerhave’s für den Kronprinzen Ludwig (Walhalla), eine Marmorstatue des Evangelisten Matthäus für den König von Württemberg (in die Grabkapelle auf dem Rothenberg bei Stuttgart); gleichzeitig bildete er die Statue eines »jungen Mädchens mit einem Nest voll Amoretten« und einen »schlafenden Amor« für Graf Schönborn.

Seit 1826 in München, wurde L. vielfach bei den großen Schöpfungen König Ludwigs verwendet, von ihm sind z. B. die 10 Büsten der berühmtesten Tondichter in der Apsis des großen Odeonsaales, zwei Statuen im Giebelfelde der Glyptothek (nach Wagner) und die Statuen des Perikles und Hadrian in den Nischen der Facade; 1832 modellirte L. die Büsten der griechischen Deputirten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos; von Miaulis fertigte er auch eine kleine, von Stiegelmayer gegossene Statue (gestützt auf einen Anker, ein Fernrohr in der Hand); eine colossale Büste König Ludwigs; 1835 ein Marmor-Basrelief: die Verbindung des Rhein mit dem Main und König Ludwig als Vermittler zwischen Germania und Bavaria, auch viele Büsten für die bairische Ruhmeshalle etc.

Außerdem modellirte er 1827 für den Grafen Bray ein 35 Fuß langes Relief mit Darstellungen aus der Odyssee (in Irlbach) und lieferte viele Grabmonumente, z. B. für den Grafen von Preysing (zu Niederaschau) und den Grafen Rechberg (zu Donzdorf) und das Grabdenkmal auf den Geschichtschreiber Lorenz von Westenrieder (unter den Arkaden des alten Münchener Friedhofes), ebenso den Denkstein für Simon und Xaver Häberl im Vestibulum des Allgemeinen Krankenhauses. Großes Aufsehen machte 1838 das Gypsmodell einer Reiterstatue: »Der Niobide Sypilus auf einem bäumenden Araber (!) vom tödtlichen Pfeile getroffen, zurücksinkend«; am Sockel: der Tod der Söhne der Niobe durch Apollo, jener der Töchter durch Diana; an den Schmalseiten die Genien des Lebens und Todes. Ein pfeilschleifender Amor in Marmor wurde 1851 auf der Londoner Exposition durch die Jury ausgezeichnet. Auch modellirte L. die »vier Jahreszeiten«, welche (durch Lithographie und Terracotta) in Deutschland, der Schweiz und England Verbreitung fanden.

Mit besonderer Vorliebe cultivirte L. den Gedanken, die Plastik für Brunnenbauten in Anwendung zu bringen. Zahlreiche Entwürfe zeugen von seiner Phantasie und Originalität, namentlich gelang es ihm öfters, die Eigenthümlichkeiten eines öffentlichen Platzes, seine geschichtliche Bedeutung und den Charakter der Umgegend in einem bedeutungsvollen Brunnenbilde zusammenzufassen. So entstanden ein »Brunnen des Eros« mit zwei übereinander befindlichen Wasserbecken, in deren oberem der Liebesgott badet; der »Bavaria-Brunnen« (achteckig mit zwei Reihen von Wasserbehältern, in der Mitte die Bavaria, umher die acht Hauptflüsse mit den Hauptprodukten der betreffenden Kreise); ein »Brunnen der Venus victrix«, zu ihren Füßen Amor und vier wasserspeiende Thiere; ein »Brunnen der Scylla« mit Hunden und Delphinen; dann mit wunderlicher Mischung: »Die Quelle Hippokrene mit Pegasus und Bellerophon«, unten vier baierische Minnesänger (!).

Das Beste dieser Art war sein »Danaiden-Brunnen« (1854 als Gypsmodell im Münchner Industrie-Ausstellungs-Gebäude) und der Brunnen in Genf (vgl. Nr. 42 Abendblatt der Neuen Münchner Ztg. 1856), wobei nach dem Concurrenzausschreiben die »Escalade von 1602« (die Abwehr des Einfalls des Herzog Karl Emanuel von von Savoyen durch die Bürger von Genf) zum Ausdruck kommen sollte; L. gewann den Preis und die Ausführung. Ebenso zur Zufriedenheit der Besteller löste L. die von derselben Stadt gestellte Aufgabe, ein Denkmal zum Gedächtniß des am 15. August 1815 erfolgten Anschlusses des Kantons Genf an die Eidgenossenschaft zu erfinden (1859). Gleichzeitig lieferte L. die allegorischen Figuren der »Perseverantia und Diligentia« für das Schulhaus in Winterthur. Mit der Statue des Historikers und Staatsmannes Burghard Zingg (für Memmingen) schloß L. seine künstlerische Thätigkeit.

Er war ein guter, übrigens mehr decorativer Techniker im Stein, seinem ganzen Geiste und Schaffen nach ein Epigone von Thorwaldsen und Wagner. In seinem Nachlasse befand sich eine Sammlung aller seiner Brunnenentwürfe, 3 Hefte mit je 15 Blättern in Großfolio, sehr effektvoll in Farbe gesetzt; darunter viel Schönes, Großes und Originelles, aber auch viel Barockes und Geschmackwidriges, wie er denn Zeitlebens einer zopfigen Auffassung der Antike huldigend, trotz allen Ansätzen nicht zu einer nationalen und volksthümlich wahren Behandlung seiner Kunst kam.

Vgl. Stuttgarter Kunstblatt 1835, S. 419. A. v. Schaden, Artist. München 1836, S. 61 ff. Nagler 1839. VII, 390 ff. Raczynski II, 495. Vinc. Müller, Handbuch von München 1845. S. 157. Regnet Nr. 190. Morgenblatt zur Bayer. Ztg. 1863. Kunst-Vereins-Bericht f. 1863. S. 51.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1883.

Memminger Chronik (1894)

1839 am 27. Juni starb am Schlagfluß Tobias von Wachter, geboren am 29. November 1775. Er war 1818–1836 Bürgermeister der Stadt, 1818–1836 Abgeordneter zur 2. Kammer. Seine Marmorbüste von Bildhauer Johannes Leeb ist im Rathaussaale aufgestellt.

1856 den l. Mai wurde im Rathaussaale die Marmorbüste des verstorbenen Bürgermeisters v. Schelhorn aufgestellt. Bildhauer Johannes Leeb in München, ein geborener Memminger, hat sie gerfertigt, ohne Honorar dafür zu anzunehmen. Die Barauslagen haben die Magistratsräte und die Gemeindebevollmächtigten aus Privatmitteln bezahlt (Im Rathaussaale sind jetzt die Marmorbüsten von drei Bürgermeistern aufgestellt: Tobias v. Wachter, Adolf v. Schelhorn, Juius v. Röck.).

1857 Samstag den 28. November, am Geburtsfeste des Königs, wurde als Schlußstein zum neuen Bezirksgerichts-Gebäude auf dessen Frontispitz die Marmorbüste S. M. des Königs Maximilian II. in feierlicher Weise enthüllt. Nach dem Gottesdienste begaben sich sämtliche königlichen und städtischen Behörden und Bediensteten sowie das Landwehrbataillon auf den Hallplatz. Auf einer eigens hiezu errichteten Tribüne hielt Bürgermeister v. Zoller eine angemessene Rede, womit er die Büste als Geschenk der Stadtgemeinde dem kgl. Bezirksgericht übergab. Bezirksgerichtsdirektor v. Langen acceptierte das Geschenk mit dankenden Worten und schloß mit einem Hoch auf den König. Die Musik spielte auf dem Platze, Böllerschüsse ertönten, die Begeisterung war allgemein. Von Seiten der Kreisregierung war der k. Civilbau-Inspektor v. Stengel anwesend, auch der Verfertiger der Büste, Professor Leeb aus München, ein renommierter Künstler und geborener Memminger, war zugegen. Abends 6 Uhr schloß die Feier mit einem von der Stadtgemeinde gegebenen und in jeder Beziehung gelungenen Festball im bayer. Hof. Die Herstellung der Büste nebst Zugehör wurde aus Mitteln der Stadtkasse im Betrage von 800 fl. bestritten. Der eherne Wappenschild mit den Metallbuchstaben kam noch besonders auf c. 500 fl. zu stehen.

1862 4. September. Johannnes Leeb, Bildhauer zu München, geboren den 6. Sept. 1790 zu Memmingen, hat das Standbild des Burkhart Zingg (1396–1470) auf dem Hallplatz gestiftet. Die Statue ist aus Marmor, der Sockel von Sandstein. Das Denkmal trägt die Inschrift: Aus großer Hochachtung für seinen Landsmann errichtet dieses Standbild Bildhauer Johannes Leeb 1862. Vorderseite: Burkhart Zingg, bayer. Geschichtschreiber, Augsburger Chronist und Gesandter nach Pest, Rom und Rhodus, geb. 1396 in Memmingen, gestorben 1470 in Augsburg. Abends fand ein Ständchen vor der Wohnung Leebs im Gasthof zum bayer. Hof statt, das Monument wurde mit farbigen Flammen beleuchtet und dem Künstler ein Hoch ausgebracht.

1863 Den 5. Juli starb der Bildhauer Johann Leeb in München, ein geborener Memminger. Von seinen Werken sind hier bekannt: Fünf Statuetten und der Engel in der Drauenkirche, das Standbild des Burkhart Zingg, die Marmorbüste S. M. des Königs Max II. auf dem Bezirksgerichtsgebäude, in München an der Außenseite des Siegesthores 8 große Genien mit langen Gewändern. Ein Nekrolog Leebs findet sich in der bayerischen Zeitung 1863 Nr. 190 und 191 vom 13. und 14. Juli. Leeb war mit einer Italienerin verheiratet, blieb aber ohne Kinder.1. November. Der zweite Stock des Rathauses wurde umgebaut und so verschiedene Zimmer gewonnen; der Vorplatz wird mit Gipsstatuen aus der Leeb’schen Sammlung geziert.

1870 den 30. Mai. Der Marktplatz, bisher mit kleinen Steinen gepflastert, wurde einfach chaussiert und mit gepflasterten Trottoirs umgeben. An der Nordseite des Platzes wird ein gußeiserner Springbrunnen mit Marmorschale, einen auf einem Schwan reitenden Jungen darstellend, aus der Leeb’schen Modellsammlung angebracht. – Der Brunnen wurde im April 1872 wieder entfernt (Der auf einem Schwan reitende Junge ist 1893 im Bassin vor der neuen Badeanstalt aufgestellt worden.).

Friedrich Clauß: Memminger Chronik des Friedrich Clauß, umfassend die Jahre 1826–1892, herausgegeben und erläutert von Friedrich Döderlein, kgl. Gymnasiallehrer. Memmingen, 1894.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Leeb Johann, 1790 (Memmingen/Schwaben) – 1863, Bildhauer; er erlernte das Steinmetzhandwerk in Lindau, Winterthur, Lausanne und Genf und studierte dann Bildhauerei auf der Akademie in Paris; Kronprinz Ludwig (König Ludwig I.) wurde 1816 dort auf ihn aufmerksam, so kam er mit der von diesem angekauften Albanischen Kunstsammlung nach München, wo er zwei Jahre lang an Verzierungen und Modellen (nach L. von Klenzes Entwürfen) für die Glyptothek arbeitete; nach einem längeren Studienaufenthalt, namentlich in Neapel und Rom, wo er Thorwaldsens Schüler war, schuf L. in München für Kronprinz Ludwig viele Marmorbüsten für die Walhalla.

Hauptwerke: Matthäus für Grabkapelle der Königin von Württemberg in Rothenberg, Brustbilder der berühmtesten Tonkünstler für das Münchner Odeon, Reliefschmuck von zwei Sälen der Münchner Pinakothek (nach Klenze), zwei Statuen für das Giebelfeld der Münchner Glyptothek, viele Grabdenkmäler im Südlichen Friedhof, Modelle für öffentliche Brunnen in München, Unionsdenkmal und Escaladebrunnen in Genf.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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