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8 – 4 – 55·56 (Trappentreu · Wallpach)

Ω

Hier ruhen im Frieden
Johann Baptist Trappentreu
Bierbrauer zum Sternecker
u. Rittmeister der Landwehr älterer Ordnung,
gest. den 22. August 1883 im 78. Lebensjahre.
Anna Trappentreu
Bierbrauers Gattin,
gest. den 3. Novbr. 1872 im 60. Lebensjahre.

Sockel

Ihnen folgte meine unvergessliche Gattin
Frau Berta von Wallpach
Edle zu Schwanenfeld, verwitw. Trappentreu, Apothekersgattin
geb. ¿ Oktober 1855, gest. 7. September 1927.
Und deren Gatte
Herr Alfred von Wallpach
Edler zu Schwanenfeld, Apothekenbesitzer,
geb. 18. Januar 1859, gest. 1. Oktober 1935.

Ω

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Johann Baptist Trappentreu

* 26.5.1805 (München)
† 22.8.1883 (München)
Bierbrauers-Sohn / Bierbrauer

Geschichte des Spitales, der Kirche und der Pfarrei z. hl. Geist in München (1891)

3. Johann Baptist Trappentreu.
e) Trappentreus Persönlichkeit.

Johann B. Trappentreu war am 26. Mai 1805 in München als der Sohn eines Bierbrauers geboren. Er hat in seiner Jugend nicht in glänzenden Verhältnissen gelebt. Als Knabe hat er beim Baue des Sterneckerkellers den Schubkarren gemeinsam mit den Taglöhnern geschoben. Die einfachen Verhältnisse, in denen er erzogen war, hat er liebgewonnen und hat sie für sein ganzes Leben beibehalten. Die Bierbrauerei hat er gründlich erlernt und ist bis zum Schlusse seines Lebens nicht bloß der Herr, sondern auch der erste Arbeiter seines Geschäftes gewesen. Im Jahre 1833 hat er sich vermählt mit Fräulein Anna Wolf, Bierbrauerstochter von Landshut. In dieser Ehe lebte er glücklich bis zum Jahre 1872, wo ihm am 3. November die Gattin durch den Tod entrissen wurde. Aus dieser Ehe waren vier Kinder entsprossen, die den Eltern längst in die Ewigkeit voraus gegangen waren, die Söhne unvermählt, die Töchter vermählt, jedoch ohne Hinterlassung von Kindern. Im Jahre 1873 vermählte sich Trappentreu zum zweitenmale mit Fräulein Berta Hinterhuber. Auch diese zweite Ehe war trotz großer Verschiedenheit des Alters eine sehr glückliche. Es blieb dieselbe Einfachheit und Herzlichkeit wie in der ersten Ehe, und Trappentreu konnte auch fortan, wenn er etwas Gutes thun wollte, seine gewohnte Frage stellen: »Frau, was meinst Du dazu?«

Trappentreu hatte die Welt gesehen. Er war bei der ersten Weltausstellung in London wie in Paris und erzählte gerne von seinem Aufenthalte in Konstantinopel. Er war auch 38 Jahre lang Rittmeister der Landwehr älterer Ordnung, und er, der schlichte Bürger, ging in seiner Uniform stolz daher. Nächst seinem Geschäfte war es aber seine Lebensaufgabe, mit wahrhaft verschwenderischer Hand Gutes zu thun für die Ehre Gottes wie für das Wohl der Mitmenschen. Die Summen, welche er in dieser Weise gespendet, lassen sich auch nicht einmal annähernd bezeichnen. Er selbst hat kein Verzeichnis darüber geführt. Die St. Peterskirche verdankt ihm ein gleiches Benefizium, wie die von hl. Geist. Zur Benediktuskirche hat er den Grund gegeben und wollte »ihr den Hut aufsetzen«, d. h. er hat den dortigen Turm gebaut. Die sämtlichen Klöster, insbesondere die Niederbronner Schwestern, haben immerwährend von ihm empfangen. Die große Glocke in Andechs ist von ihm; wie viele kleinere Glocken ringsum im Lande von ihm gegeben wurden, kann nicht gesagt werden. Er war als der Glockenmann bekannt. Er hat in Bayern, in Deutschland, in Europa, in Amerika, in Asien und Afrika gegeben. Nach Indien sind in die dortigen Klöster große Summen gewandert, und vom Himalaya hat man ihm zum Ausdrucke des Dankes eine ganze Sammlung der dort vorkommenden Pflanzen verehrt. Auf dem Berge Karmel und in Jerusalem war sein Name bekannt. Der Norden und Süden Afrikas weiß von ihm zu erzählen. Als Schreiber dieser Zeilen vor mehr als 20 Jahren diesen Wohlthäter der Menschheit zum erstenmale sah, um ihm die augenblickliche Not eines Gesellenvereins vorzutragen, sagte er, indem er seine nebenansitzende Frau ansah: »Frau, was meinst Du?« – und diese meinte, er solle die notwendigen 6000 fl. geben. Ein andermal bei einer Begegnung auf der Straße zog er einen Brief aus der Tasche mit den Worten: »Lesen Sie diesen Brief, und sagen Sie mir morgen, was Sie davon halten.« Es war ein Bittgesuch von dem katholischen Krankenhause in Lübeck, dem eine größere Summe fehlte zur Ansstiftung einer Spitalkaplaneistelle, – die Summe wurde gegeben. Darum konnte der Priester an seinem Grabe über den Text sprechen: »Ehre den Herrn mit deinem Vermögen und mit den Erstlingen deiner Früchte, so werden sich füllen deine Scheunen mit Sättigung und von Wein werden überfließen deine Keltern.« Sprichw. 3, 9–10.

Trappentreu war Mitglied der Kirchenverwaltung von hl. Geist. Es war für den gegenwärtigen Pfarrer sehr hart, bei seinem Amtsantritte den Mann missen zu müssen, welcher seit vielen Jahren das erste Pfarrkind der ganzen Pfarrei war. Am Tage der Installation – Sonntag den 29. Juli 1883 – nach dem feierlichen Gottesdienste war der erste Gang des Pfarrers – zu Trappentreu. Dieser lag seit fünf Monaten krank und weinte wie ein Kind, daß er an diesem Festtage nicht dabei sein konnte.

Am 22. August 1883 ist er gestorben. Im Tode wurde er geehrt wie ein König. Als am Sterbetage nachmittags die Leiche beigesetzt wurde, war die halbe Stadt auf den Beinen. Vom Sterbehause im Thal aus entwickelte sich, obwohl sonst nur ein Kondukt von Priestern die Leiche begleitet, ein großartiger Leichenzug. Auf den Straßen standen die Leute rechts und links wie bei der Fronleichnamsprozession; als der Zug in die Nähe der hl. Geistkirche kam, fing zuerst die große Glocke zu läuten an, bis nach und nach alle Glocken einfielen. Als man in die Nähe von St. Peter kam, begrüßten die Glocken die Leiche. In der Sendlingerstraße, am Friedhofe – überall läuteten die Glocken, und es war kein neugieriges Schauspiel, sondern die Leute standen in heiliger Stille fromm betend zu beiden Seiten des Leichenzuges. Man sah, wie die Leute der Leiche Kußhände zuwarfen, oder wie sie das Zeichen des Kreuzes darüber machten. Es war ein ganz einziges Schauspiel!

Am 24. August schien es, als ob ganz München auf dem Kirchhofe sich eingefunden hätte. In würdigster Haltung nahm die Bevölkerung an dem Begräbnisse und am nächsten Tage an dem Seelengottesdienste teil. Das waren Tage tiefster Trauer, aber auch großer Ehre für die Pfarrei zum hl. Geiste.

Adalbert Huhn: Geschichte des Spitales, der Kirche und der Pfarrei z. hl. Geist in München. München, 1891.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Trappentreu Johann Baptist, 1805 (München) – 1883, Bierbrauer zum »Sternecker« und Wohltäter; nächst seinem Beruf war Ts. Lebensaufgabe, verschwenderisch zur Ehre Gottes und für seine Mitmenschen Gutes zu tun; die St.-Peters- und die Hl.-Geist-Pfarrkirchen zu München verdanken ihm Benefizien, zur St.-Benedikt-Kirche hat er den Baugrund gestiftet, er wollte ihr auch mit dem von ihm geschenkten Turm »den Hut aufsetzen«, wegen der vielen Glocken, die er für Kirchen gestiftet – u. a. auch die große Glocke von Andechs –, wurde er als »Glockenmann« bekannt; als großer Wohltäter war sein Name bis auf den Berg Karmel, nach Jerusalem und sogar bis nach Nord- und Südafrika wegen seiner Schenkungen für die Missionen gedrungen; T. zählt zu den populärsten und wohltätigsten Bürgern von München.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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