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8 – 9 – 52 (Lamezan · Stromer-Reichenbach)

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Freifrau v. Stromer-Reichenbach
geb. den 20. April 1793, gest. den 24. Sept. 1835.
Gustav Freiherr von Lamezan
geb. den 9. März 1815, gest. den 11. Nov. 1880.
Sophie Freifrau von Lamezan
geb. den 23. Sept. 1816, gest. den 8. Okt. 1896.
Ferdinand Freiherr von Lamezan
geb. den 10. April 1843, gest. den 18. Sept. 1896.
Magdalena Freifrau von Lamezan
geb. Hauff,
geb. den 25. Juni 1853, gest. den 21. Mai 1923.

12.9.52. Babenstuber.

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Ferdinand Freiherr von Lamezan

* 10.4.1843 (Landau/Rheinland-Pfalz)
† 18.9.1896 (München)
Offizier und Deutscher Generalkonsul

Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897)

Lamezan, Ferdinand Freiherr von, deutscher Generalkonsul in Antwerpen. Am 10. April 1843 zu Landau in der Pfalz geboren, trat er im Mai 1859 als Junker in das I. bayerische Artillerie-Regiment Prinz Luitpold, ward nach etwa Monatsfrist Unterlieutenant und machte 1870 als Oberlieutenant im 3. bayerischen Artillerie-Regiment den Krieg gegen Frankreich mit, in dem er sich namentlich in der Schlacht bei Beaugency-Cravant am 8. Dezember 1870 auszeichnete; denn, obwohl ihm ein Granatsplitter den rechten Fuss zerschmettert hatte, führte er, der schweren Verwundung nicht achtend, am Boden liegend, das Kommando über die beiden ihm anvertrauten Geschütze fort und leitete mit grösster Kaltblütigkeit das Feuer auf die nur noch etwa 500 Schritt entfernten feindlichen Schützen. Das eiserne Kreuz II. Klasse und das Ritterkreuz 2. Klasse des bayerischen Militär-Verdienstordens waren sein Lohn dafür. Infolge seiner Verwundung sah sich Frhr. v. L. genöthigt aus dem aktiven Militärdienste auszuscheiden. Er widmete sich hierauf in München dem Studium der Rechte und Staatswissenschaften und trat im Jahre 1874 in das Auswärtige Amt ein. Zwei Jahre spater wurde er zunächst als Vicekonsul an das Kaiserliche Generalkonsulat in Odessa entsandt und bekleidete dann bis zu seiner im März 1892 erfolgten Ernennung zum Generalkonsul in Antwerpen nach einander die Konsularposten in Helsingfors (April 1878), in Tiflis (November 1884) und in St. Petersburg (Juni 1887). Frhr. v. L. war ein ausgezeichneter Beamter von reicher Begabung und umfassenden Kenntnissen, der sich in allen ihm übertragenen Stellungen bewährte. Seine während einer langjährigen Thätigkeit in Russland erworbene Vertrautheit mit den dortigen wirthschaftlichen Verhältnissen erwies sich als besonders werthvoll bei den deutsch-russischen Handelsvertragsverhandlungen im Jahre 1893/94, zu denen er als Kommissar zugezogen worden war. Im Jahre 1882 veröffentlichte er einen Aufsatz über »Die Entwickelung der deutschen Kolonie in Finland« im Korrespondenzblatt des deutschen Schulvereins in Berlin, 1884 einen eingehenden Bericht Über »Die Wälder und die Waldnutzungen in Finland vom wirthschaftlichen Standpunkte«, mit zwei Tafeln graphischer und kartographischer Darstellungen im XXIV. Jahrgange der Zeitschrift des Königl. Preußischen Statistischen Bureaus. Die Verdienste des Verstorbenen in Krieg und Frieden wurden neuerdings aus Anlass der 25-jährigen Wiederkehr des Tages von Beaugency-Cravant noch besonders durch die Verleihung des Königlichen Kronenordens II. Klasse anerkannt. Er starb ganz plötzlich in München am 18. September 1896.

Zeitschrift des Königl. Preuss. Statist. Bureaus.

Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Lamezan Ferdinand, von Freiherr, 1843 (Landau/Rheinland-Pfalz) – 1896, Deutscher Generalkonsul und Nationalökonom; L. zeichnete sich als Offizier im Krieg von 1870/71, in dem er bei Beaugency-Cravant schwer verwundet wurde, aus; nach Ausscheiden aus der Armee studierte er Rechte und Staatswissenschaften und trat 1874 in das Auswärtige Amt in Berlin ein; 1876 wurde L. Vizekonsul in Odessa, 1878 Konsul in Helsingfors, 1884 in Tiflis, 1887 in St. Petersburg (= Leningrad) und 1892 Generalkonsul in Antwerpen; er hat bei den deutsch-russischen Handelsvertragsverhandlungen als Kommissar teilgenommen; auch als Nationalökonom trat L. hervor.

Hauptwerke: Die Entwicklung der deutschen Kolonie in Finnland, Die Wälder und Waldnutzungen in Finnland vom Wirtschaftsstandpunkt aus; er war ein ausgezeichneter Diplomat von reicher Begabung und umfassenden Kenntnissen, der sich in allen Stellungen bewährte.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



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