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Grabstätte Parrot
Hermann Parrot
geb. 11.6.1839 † 8.7.1896
Dr. Jean Parrot
geb. 28.6.1813 † 7.2.1901
Sofie Parrot
geb. 7.11.1831 † 16.7.1901
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Baumgartner, Anton; 4.9.1761 (München) – 30.3.1831 (München); Baurat, Münchner Polizeidirektor und Schriftsteller
Parrot, Hermann; 11.6.1839 – 8.7.1896 (München); Kaufmann aus London
Parrot, Jean, Dr. med.; 28.6.1813 (Frankfurt a. M.) – 7.2.1901 (München); praktischer Arzt und gräflich Castell’scher Hofrat
Parrot, Sofie; 7.11.1831 – 16.7.1901
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* 4.9.1761 (München)
† 30.3.1831 (München)
Baurat, Münchner Polizeidirektor und Schriftsteller
BAUMGARTNER (Anton), Policeydirektor in München, geboren daselbst am 4. Sept. 1761. Sein Vater Franz Joseph Baumgartner, eines Rechtsgelehrten Sohn aus München, war daselbst 1728 geboren, wurde königl. preussischer Soldat, machte einige Feldzüge des siebenjährigen Kriegs mit, verheurathete sich in Schlesien, gieng wieder nach Baiern zurück, kam unter die kurf. Leibgarde der Hatschier zu München, und starb daselbst am 8ten Nov. 1797 als Major der Kavallerie mit Hinterlassung von 6 Kindern, wovon Anton Baumgartner der älteste Sohn ist.
Dieser studirte die ersten Klassen und die Philosophie am kurfürstl. Schulhause zu München, und gieng mit Ende Oktober 1780 nach Ingolstadt, wo er an der dasigen hohen Schule die Instituten und Reichsgeschichte unter Kandler, das Recht der Natur und das kanonische Recht unter Weishaupt, die Pandekten, den Reichsprocess, und das allgemeine Kriminalrecht nach Siardi, die Statistik nach Krenner, den bair. Kodex nebst dem bair. Staatsrecht nach Prugger, das teutsche öffentl. und Privatrecht nach Spengel, das Lehenrecht unter Senner, das Wechselrecht, die Policey- und Staatswirthschaft nach Moshammer, die Chemie unter Rousseau, gerichtliche Medicin unter Stöberl, Landwirthschaft unter Gabler, und die Baierische Geschichte unter Mederer hörte, in den Herbstferien beym Pfleggerichtsverweser Nissl zu Neustaft an der Donau, die Gerichtspraxis nahm, und im August 1783 den gradum licentiatus aus den Rechten erhielt.
Er nahm darauf in München die Praxis der Militärrechtsgelehrsamkeit beym kurf. Leibregiment, und wurde 1784 desselben Regiments wirkl. Auditor, im Jahr 1785 Rathsaccessist im kurf. Hofrathskollegium, 1789 Assessor cum voto decisivo, und am 1sten Febr. 1790 wirklicher Hofkriegs- und Justizrath. Im April 1791 wurde er zu dem im Jahre 1790 errichteten Münchner Armeninstitut als Rath gezogen, und setzte die damit verbundenen Geschäfte und Rechnungen bis Ende Sept. 1799 fort. Am 31. Jänner 1798 wurde er vom Kurfürsten dem Grafen von Rumford, bey der durch denselben neu errichteten Pilicey in München, nebst dem geheimen Sekretär Babo und dem Oberlandesregierungsrath (nachmaligen geheimen Referendär) von Stichaner, als Policeyoberkommissär beygegeben, und arbeitete als solcher mit dem noch bey Rumford angestellten Lypowsky (nachmals Generallandesdirektionsrath) und nach Rumfords Abreise unter dem Vicepräsidenten Freyherrn von Weichs bis Ende April 1799 fort. Unterm 1sten Mai des nämlichen J. bey Errichtung der Generallandesdirektion wurde er von seiner kurfürstl. Durchlaucht Maximilian IV. zum Policeydirektor der Stadt München ernannt, worauf er seine Rathsstelle im Hofkriegsrathe niederlegte, und seitem seinem mühseligen Amte mit ausserordentlicher Thätigkeit, und zur allgemeinen Zufriedenheit des Publikums vorsteht. Während seiner vorigen Dienstlaufbahn 1784–1799 wurden ihm viele wichtige Kommissionsgeschäfte, Abordnungen und Reisen, Truppenmärsche und Bauanlagen anvertraut.
Die von ihm erschienen Drukschriften sind:
Beschreibung der Stadt und des Gerichts zu Neustadt an der Donau, 8. München bey Strobl 1783.S. ADB. 63 B. II. 500.
Fanny, die den 14ten Jänner 1785 in München vom Frauenthurme stürzte. Ein Traumgesicht, 8. München bey Strobl, 2 Auflagen 1785.S. 1en. ALZ. 1785, V. S. 72. ADB. 71 B. II. S. 603. Münchner gel. Z. 1785. S. 47.
Kurzer, deutlicher und vollständiger Auszug aus der (Westenriederschen) Geschichte von Baiern zum Unterrichte für die Kinder, 8. München bey Strobl 1786.
An meine lieben Mitbürger, als das hohe Wittelsbachische Haus im Monat August 1786 in der zweybrückischen und Birkenfeldischen Linie mit 2 Prinzen erfreut wurde. Abgelesen in einem Zirkel guter Freunde. 8. Mit 1 Vign. München bey Strobl 1786, 31 S.
Ausserdem erschienen von ihm einige Gedichte und Aufsätze in periodischen Schriften. Zum Drucke liegen fertig: Vollständige Beschreibung und Geschichte des Armeninstituts zu München von seiner Entstehung bis Ende September 1799; und Darstellung der beym Einzuge seiner jetzt gloreichst regierenden kurf. Durchlaucht Maximilian Josephs in München veranstalteten Feyerlichektien.
S. Eigene Sammlungen. Privat-Nachrichten. Meusels gel. Teutschl. 5te A. B. I. S. 171.
Klement Alois Baader: Das gelehrte Baiern oder Lexikon aller Schriftsteller, welche im achtzehnten Jahrhunderte erzeugte oder ernährte. Nürnberg und Sulzbach, 1804.
Der bis an sein Ende um das allgemeine Beste hochverdiente k. Baurath Herr Baumgartner, dessen leidenvolles Hinscheiden wir vorgestern zuerst angezeigt haben, lieferte in früherer Zeit manchen gemeinnützigen vaterländischen Beitrag in hiesige Volksblätter, in letzterer Zeit und noch im Voraus den historischen Tagskalender in dem »Tagsblatte,« wodurch manche schöne Erinnerung unter uns erhalten wurde, für die wir ihm dankbar sind.
Oftmals ärgerte er sich während seines Krankenlagers über die Redaktion dieses Blattes; aber was würde der Verlebte zu seiner um sechs Stunden zu früh gemachten Todesanzeige sagen, formalia: »Der um die Staat (Stadt) München so hochverdiente k. Baurath Anton Baumgartner ist gestern Morgens 4 Uhr (10 Uhr) gestorben etc.,« oder endlich zu der Drohung, daß sogar seine Biographie dort erscheinen soll?
Nothwendiger Weise dringt sich hier der in diesen Blättern bei mehreren Todesfällen bereits niedergelegte Wunsch wiederholt auf, es möchte auch dieser, um den Staat, besonders in der früheren Stellung, in allgemeinen und besonderen gefahrvollen Epochen sehr verdiente Beamte wenigstens nach seinem Tode eine Auszeichnung genießen, daß nämlich dessen Nekrolog, durch eine würdige Feder aus seinen reichhaltigen Papieren gezogen, in dem k. Regierungs-Blatte einen ehrenvollen Platz finde.
Uebrigens besaß dieser wackere Patriot und eifrige Staatsdiener ein ausgebreitetes Wissen, besonders im geschichtlichen Forschungsfache, und schätzbare Sammlungen an Manuskripten und gedruckten Werken; er war, so zu sagen, ein lebendiges Repertorium, ein Biograph ohne gleichen. Seine unersetzlichen Eigenschaften hei gefahrvollen Gelegenheiten und außerordentlichen Vorfällen sind Münchens Bewohnern ohnehin bekannt. Friede seiner Asche!
Münchener Conversations-Blatt Nro. 92. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter. München; Samstag, den 2. April 1831.
Gestern Abend fand die Beerdigung des dahingeschiedenen, allgemein bedauerten Baurathes Herrn Anton Baumgartner statt. Was dieser edle Mann als Staatsdiener, vorzüglich in der Eigenschaft als Polizei-Direktor der Haupt- und Residenzstadt, (welche Stelle er längere Zeit begleitete, und in Beziehung auf Thätigkeit, umfassende Kenntnisse, genauester Bekanntschaft mit den hiesigen Lokalverhältnissen, dann wichtiger Ansicht seines wichtigen Standpunktes, noch beiweiten von keinem seiner Herren Nachfolger erreicht worden ist,) was er später als Baurath bei unzähligen Gelegenheiten, namentlich bei dem gefahrvollen Brande im großen Hof- und Nationaltheater den 14. Jänner 1823, mit gänzlicher Hingebung seiner selbst geleistet hat, wie er im stillen gutes wirkte, und seinen letzten Groschen mit dem bedrängten Nebenmenschen theilte, ist zu allgemein bekannt, als daß nicht viele Thränen am Grabe dieses Biedern geflossen wären. Unter dem sehr zahlreichen Leichenzuge, bemerkte man viele hohe Civil- und Militärbeamte, dann eine Deputation des Magistrates, an deren Spitze sich der Herr Bürgermeister Klar befand. Ein Bruder des verewigten Herrn Rathes Baumgartner, diente mit vieler Auszeichnung in der vaterländischen Armee, und starb als Rittmeister an den Folgen einer den 20. April 1809 erhaltenen schweren Wunde bei Abensberg, am 6. Mai desselben Jahres zu Ingolstadt.
Augsburger Tagblatt Nro. 95. Donnerstag, den 7. April 1831.
Ein Blümchen
auf
das Grab des seligen
Anton Baumgartner.
Anton Baumgartner – ehemals königl. Polizey-Direktor und zuletzt – königl. Baurath in München, war auch Einer aus jenen Tausenden, welche auf Erden am meisten wirkten, und am Meisten verkannt wurden.
Seine Ehrlichkeit, seine Uneigennützigkeit und sein Eifer für seinen Fürsten, für sein Vaterland und für das gemeine Beste überhaupt, brachte ihn häufig um die gerechte Anerkennung, und sehr oft um seinen Namen.
Manche tragen auf ihrer Brust ein Kreuz für ihre Sorgenlosigkeit, Hrn. Baumgartner ward es versagt, weshalb er es nur mit desto größerem Muthe und Beharrlichkeit selbst, jedoch in einer andern Form, auf den Rücken nahm, und bis zu seinem Tode nachschleppte.
Wir können in Wahrheit hierüber sprechen; denn nicht selten waren wir mit einander in persönlichem und literarischem Verkehre.
Baumgartner hatte größere Wissenschaften, als man ihm zuzutrauen pflegte, und er verband damit ein so seltenes Gedächtniß für Kleinigkeiten, daß er als eine ambulante Lokal-Chronik, als ein lebendiges Archiv betrachtet werden konnte.
Er kannte jeden Stein, jeden alten Dachziegel in der Hauptstadt, von welchem er zu erzählen wußte, wo diese und zu welcher Bestimmung sie dort gewesen seyen; Wer, wohin und warum dieselben versetzt worden seyen u. dgl.
Der Bauplan jedes einzelnen Hauses lag ihm vor Augen, was ihm eben jene Vorzüge gab, die er bey allen Feuersgefahren entwickelte.
Man legte ihm, ihn sehr kränkende, Schwächen zur Last; allein wir konnten an ihm nie eine andere entdecken, als solche, welche wir an Andern finden, vielleicht verschieden an der Form, die aber doch in Bezug auf die Sache selbst durchaus nichts ändert; wobey zu seinem Vortheile und zu seinem Lobe noch besonders bemerkt werden muß, daß Baumgartner, hätte er die Zeit, und seine Stellungen widerrechtlich benützt, wie tausend Andere sie, bisweilen sogar auf die grausamste Art, benützt haben, eben so viele Klugheit besessen hätte, jene Schwächen mit Gold oder Silber, oder gar mit dem »Excellenz«-Titel vor den Augen der Welt zuzudecken.
Das Zusammentreffen verschiedener politischer und organischer Verhältnisse bewirkten eine so große Mißkennung dieses Mannes. Wir wollen hier nur der Vorzüglichsten erwähnen.
Wer es weiß, und zu würdigen versteht, was eine Zeit heiße, in welcher das Licht – von der Finsterniß gewaltsam ausgeschieden werden soll – der wird es auch begreifen und würdigen, welche Last Herrn Baumgartner, der gerade damals die Polizey-Direktion übernahm, aufgeladen wurde.
Baumgartner ward durch diese Stellung verurtheilt, mit der Regierung gleichen Schritt halten zu müssen, ja! noch mehr, er mußte die Aufklärungs-Theorien praktisch in das Leben einführen, in einer Zeit – wir wiederholen es – in welcher der Bruch eines Fasttages, wenn nicht mehr, doch eben so viel, als Hochverrath und Meineid galt.
Einen faktischen Beleg hiezu gibt jene Prozession, welcher der Polizey-Direktor, den allerhöchsten Absichten gemäß, den Einzug durch das Sendlinger-Thor verwehren wollte.
Baumgartner wurde von dem frommen (!) Volke mit Füßen getreten, und auf alle Art und Weise thätlich mißhandelt.
Weiß man nun, wie bey vielen Menschen es heute noch ein entsetzliches Verbrechen ist, Ketzer, das ist: nicht Katholik – zu seyn, so fällt es nur um so mehr in die Augen, welche Gottlosigkeit Baumgartner damals begangen habe, einem so frommen Zwecke – einer Prozession – hinderlich in den Weg treten zu wollen, zumal Baumgartner selbst Katholik war.
Er also war es, der, nach dem Volksausspruche, als Vorläufer des Antichrists bestimmt und berufen war; und wessen also bedürfte es noch, um ihn, den gewiß edlen Mann, allgemein verhaßt zu machen?
Was diesen Haß und diese Verachtung noch mehr vergrößerte, war der besondere Umstand, daß der König Maximilian, in seiner unermeßlichen Güte, dem Polizey-Direktor schriftliche und mündliche Aufträge ertheilte, bald an Diesen, bald an Jenen – sechs bis zwölf und auch zwanzig Louisd’or auszubezahlen.
Der ganze Amts-Etat betrug, mit Ausschluß der Besoldung des Direktors, damals 12.000 fl. jährlich – ohne allen Reserve-Fond.
Solche Anweisungen brachten den Direktor fast täglich in die peinlichsten Lagen, ohne sich Jemand in Wahrheit offenbaren zu dürfen.
Die Begnadigten waren der Meynung, das Geld sey den Anweisungen beygelegen, und jede Zahlungs-Verzögerung sahen sie also wenigstens als einen Vorenthalt, wenn nicht gar – als eine Veruntreuung von Seite des Direktors an, und somit war dieser nothgedrungen, jedes Opfer solchen Aufträgen im Stillen zu bringen. Aber auch mit diesem noch nicht genug! sondern selbst die Darleiher glaubten nicht anders, als Baumgartner brauche diese Gelder alle für sich.
So ward Baumgartner Ketzer, so gerieth er in Schulden, und was wäre also noch erfoderlich, vom großen Haufen, und selbst von vielen Bessern, der Verachtung und der Schmähung Preis gegeben zu werden.
Gleichwie der Reiche – Ehre und Achtung genießt, ohne daß Jemand Rücksicht darauf nähme, wie? er reich geworden sey, eben so wird dem Armen – Schmähung, Verläumdung und Geringschätzung zu Theil, ohne daß Jemand fragen möchte, wie? ist er arm geworden, ob aus Unglück, ob aus Ehrlichkeit, alterirt gar nichts, und dieß war zum Theile das Loos des so edlen, so thätigen, so uneigennützigen und rastlosen Baumgartner.
Von diesem Allem aber wollen wir nun einen Augenblick hinweg, und auf die Feuers-Gefahren hinsehen, wo wir den Baumgartner jedesmal, ohne Ausnahme, zuerst und an der Spitze der Hilfeleistenden ordnend und leitend sahen.
Seine Lokalitäten-Kenntnisse, sein Eifer, seine Ausdauer, mit Verachtung jeder Gefahr, wendete, durch eine Reihe von Jahren, namenlose Unglücke ab, und seine bittersten Feinde machten ihm nicht streitig, daß er der Stadt Hunderttausende direkte und Millionen indirekte an Beschädigungen bey diesen Funktionen verhütet habe, und doch vermochte dieses Alles nicht, den Mann zu allgemeinen Ehren und Hoachtung ju bringen!!!
Kurz vor seinem Tode, nach seiner letzten scheinbaren Rekonvaleszenz, sagte er zu uns, an der Ecke des Lentner’schen Hauses nach der Fürstenfeldergasse, ausruhend:
»Mein Blasbalg läßt die Luft, es wird wohl bald ausgeblasen seyn, ich tröste mich aber, trotz aller meiner Mißkennungen, mit meinem guten Gewissen.«
Ja wohl! Baumgartner! dieß hattest du gewiß, und gewiß trägt es dir dort die Zinse, wofür dir hier das Kapital verweigert wurde; allein ich bemerkte ihm doch zu jenen Worten:
»Was hilft’s, wenn Jemand meiner wegen in der Hölle sitzt, und hat meine Kleider an.«
Er nickte mit dem Kopfe, herzlich lachend, und setzte bey:
»Es ist einmal so, und wird vermuthlich noch lange so bleiben.«
Dies war das Letztemal, als wir uns sahen.
Wir werden später noch bey verschiedenen Gelegenheiten auf diesen seltenen Mann zurückkommen, für jetzt sey uns nur noch gestattet, zu sagen: daß wir die innigste Indignation empfanden, als wir auf dem sogenannten Leichenzettel den Namen des so nahen Anverwandten, des Privatier’s Hrn. Sutner, nicht gelesen haben.
Wahrlich! der Ehrenmann Sutner hätte sich nicht schämen sollen, dem Ehrenmanne Baumgartner diese Ehre zu erweisen, und wir nehmen keinen Anstand, laut zu erklären, daß das Publikum, welches nach dem Tode eines Mißkennten immer schonender zu urtheilen Pflegt, diese Unterlassung und Geringschätzung gar nicht gut aufgenommen habe.
Doch vielleicht hat Herr Sutner, da er doch – wenn wir nicht irren – durch jenen Tod Kapitals-Vortheile bezieht, die ehrenvolle Absicht, jenes gewiß indignirende Uebersehen durch die Stiftung eines bleibenden Grab-Monumentes – allerwenigstens – auszugleichen.
Unserer Seits müssen wir uns begnügen, dem edlen Baumgartner das Letzte
»Friede seiner Asche«
zurufen zu können.
Der furchtlose Bayer Nro VI. Ein satyrisches, nicht periodisches, Unterhaltungs-Blatt. München, den 7. April 1831.
Man liest wohl von einer Staatsrath v. Ringl’schen Mobilien-Auktion, nichts aber von einem Nekrolog des Verblichenen, wie wir in diesen Unterhaltungsblättern bereits früher zu hoffen uns erlaubt haben. Wären nicht auf Privatkosten herausgegebene öffentliche Blätter hie und da so gefällig und uneigennützig, das Andenken verdienter Staatsbeamter durch Aufnahme ihrer Nekrologe zu ehren, so würde dieses, wie schon bei mehreren Gelegenheiten bezüglich auf das Regierungsblatt (s. Nr. 89 d. B.) in wiederholte Anregung gebracht worden ist, seit einiger Zeit gänzlich unterblieben seyn. Das neueste Beispiel haben wir wieder von dem verlebten königl. Herrn Obermedicinalrathe von Haberl dahier erfahren, dessen Nekrolog die »Flora« lieferte, wo man ihn nach Umfluß von Jahren freilich nicht suchen wird, so wie jenen des k. Staatsraths etc. v. Widder in einem »Landboten-Blatt.« Sogar der »reisende Teufel« modo »furchtlose Bayer« sah sich genöthigt, nach unserm Blatte Nr. 92 ein Blümchen auf das Grab des seeligen Anton Baumgartner zu legen. Vor Zeiten rechnete sich’s auch die Akademie der Wissenschaften zum Verdienste, selbst von Nichtmitgliedern, aus verschiedenen Ständen nach ihrem Tode biographische Notizen in Druck zu geben. Dieses wäre bei Baumgartner um so gewisser nicht mehr als billig, als derselbe durch seine angestrengteste Sorgfalt und Wachsamkeit sich um dieselbe und ihre kostbaren Attribute (Bibliothek) hohe Verdienste erworben hat, weil ihm speziell die Leitung und Aufsicht des Dienstpersonals für die Feuerlösch-Requisiten, Wasserleitungen und Hauskamine übertragen ward, mit welchem er täglich ein Protokol abhielt.
Münchener Conversations-Blatt Nro. 109. Mitgabe zum Bayer’schen Beobachter. München; Dienstag, den 19. April 1831.
Eine Blume auf das Grab
Anton Baumgartners,
(gestorben den 30, März 1831.)
Wenn wir so über dem heiligen Dunkel des Grabes stehen, wenn wir hinnüber blicken in Gedanken der Rührung und Tröstung versunken in das Jenseits, das uns so wonnig anstrahlet aus dem Geisterreiche der Aeonen, wenn wir in patriotischem Gefühle derjenigen gedenken, welche für das Wohl eines Landes, einer Stadt so viel geleistet haben, wenn wir dessen Werth auch nur gering bemessen, so bleibt uns die Erinnerung an Anton Baumgartner die theuerste nach der der abgeschiedenen, deren Gebeine auch nun schon längst im Grabe ruhen, eines Eckartshausen, Flurl, Weiler, Westenrieder, Mutschelle, Babo u. s. w.; sie waren es, welche zuvörderst Licht über das Nebelmeer des ehemaligen Bayerlandes brachten, sie waren es, welche in friedlicher Abgeschlossenheit und stoischer Entsagung vieles Irdischen ihr ganzes Leben nur dem Wohle der Enkel und Zeitgenossen eines Landes aufopferten, das ihnen schon durch die Geburt und die vielen, schönen Erinnerungen, die ja doch jedes menschliche Herz in schwachen oder mächtigen Anklängen fühlt, theuer, ja unverletzlich geworden.
Alle jenen Reize, die den schlichten Bürger auf den großen Trödelmarkt des Lebens ziehen, ihn da mit so mächtigem Zauber an Alles fesseln, was nah und fern Freund und lieb sich nennt, Alles boten sie in hoher Begeisterung auf, für Menschenwohl und Menschenglück ewlg da zu stehen, in That und Wort. Das ist die wahre Vaterlandsliebe, das ist jener verkannte Patriotismus, denn er steht für Menschenrecht und Menschenglück im Staate als das heilige Palladium einer unzubesiegbaren Freiheit, er glänzet noch, wenn der ganze deutsche Gau mit seinen herrlichen Räumen sich unter der Despotie eines benachbarten Volkes beugen soll, und hebet das Herz der hochgestellten Menschen unerschütterlich für Tod und Freiheit, und in ruhmbekränztern Frieden lächeln dann die Alpen, die Triften und Fluren des deutschen Reiches in dem Auge des freudeentzückten Deutschen, der es empfand, was Mensch und Menschlichkeit zu thun vermag.
So will ich denn auch zu dir, du abgeschiedener Geist Anton Baumgartners rufen in das Reich der erfüllten Klarheit, so will ich denn auf deinem Grabe die Denkart theilen, welche frommer Glaube und Lieb in uns so liebend eingelegt, die Wissenschaft uns fester hielt, und ein Gott uns Allen gab, will dir in dem Namen der stolzen Monachia den Ehrenkranz auf’s kühle Haupt drücken, mit dem webmüthigen Rufe: Lebe wohl! – da du noch in unserer Mitte warst, guter Greis, als du noch so emsig wandeltest innerhalb der Mauern der Stadt, die du so reichlich beschenkt mit den himmlisch-göttlichen Gaben der Unendlichkeit in Wissenschaft und Liebe, als Mensch, als Freund und Bruder – da dachten wir in thränenstiller Wehmuth versunken: wer wohl dir ein Denkmal setzen würde, für späteste Zeit ein Denkmal, das du dem bescheidenen Verdiente so gerne zukommen ließest, und das deiner würdig wäre – da hob sich von den Stufen der Bavaria der erhabene Genius – also sprechend: »Eigenen Verdienstes, eigene Kronen allein sind unverwelklich für ewige Zeiten, sie hat Er sich erworben, Er trage sie – bis sie vor den Stufen Jehovas, an jenem seligen Tage der Tage abgeblüht, wo Ihm der Mcnschlichkelt Lohn in Seinem ruhigen Erdenwallen schon zugedacht war.
Da dacht ich in stummer Rührung dem Gebilde nach – und der Traum – er war vorüber – und tief faßte mich des Mitgefühls hohe Wonne, indem ich ausrief: Ja, dem Verdienste seine Kronen, Kronen einer bessern Welt, sie allein bleiben ewig grün – dein sind sie auch, abgeschiedener Geist Baumgartners – du in Jenes Vaters Wohnungen oben – sie winkten schon lange dir in duftendem Grün, in lieblicher Blüthe – du harrest in den Reichen der Unersetzbaren – den stets betrauerten: Westenrieder, Weiler, Flurl, Mutschelle, Babo, Spix und aller derer – die auch du kanntest, als du noch im Leben wirktest. Doch nur da hingestreckt der Liebe Blüthen, da dich der Tod verschloß in seinen Pforten – umpfängt die Treue dich überall – in dankeswerthem Andenken deiner Opfer, und ein Verehrer deines stillen Wirkens steht nun auf deinem Grabe, streuet Blumen und Garben, streuet Rosen dir in’s Grab – wohlfühlend des Zeitlichen Ungemach, wo nur das Schnöde schön sich regt – wo das bescheidene Verdienst still und unbemerkt zu Grabe geht.
Was wir an Baumgartner verloren, das kann nur der bemessen, welcher seine Bemühungen, seine übertriebene Thätigkelt seiner Schriften, schon vor vielen Jahren her verfaßt, kannte. Er war ein seelenvoller Freund, ein herrlicher Mann seines Faches, und berühmt in dem Gebiete der Historiegraphie und Poesie. Seinem Entstehen verdanket München Viel, ja großes, er hat seinem München Viel gethan und geleistet für lange Zeiten, tief betrauert ihn die menschliche Schaar, die seinem Sarkophage folgten; tief weinet Monachia in der schmerzlichen Zeit der Erinnerung an die Leiden unsers Erlösers, und wenn je Thränen dankbar fielen, so fallen diese, denn Verdient um Volk und Vaterland schmücke der Bürgerkranz die Stirne des Toten, und ein Denkmal zeige noch lange, daß ein Baumgartner der unserige war, den München stolz den seinigen nennt, denn er war ihres Stolzes in hohem Grade werth, und wird es auch bleiben, bis der irdischen Güter eitles Gut vom Strome der Zeit hinabgezogen, in das stille Heimathland des ewigen Friedens!
J. G.
Die Jahres-Zeiten Nr. 16. Ein Familienblatt aus Bayern zur nützlichen und angenehmen Unterhaltung für die Gebildeten aller Stände. Dienstag, den 7. Februar 1832.
Bekanntmachung.
Alle diejenigen, welche an dem Rücklaß des am 30 März 1831 dahier verstorbenen königl. Oberbaurathes Anton Baumgartner aus was immer für einen Rechtstitel Ansprüche zu machen haben, werden hiemit aufgefordert, dieselben binnen 60 Tagen a dato um so gewisser hierorts geltend zu machen, als außerdem ohne Rüksicht auf sie mit Behandlung der Verlassenschaftssache vorgeschritten werden würde.
Anbei wird noch bemerkt, daß der nicht bedeutende Nachlaß beträchtlich überschuldet ist.
Den 28 Februar 1834.
Königl. Kreis- und Stadtgericht München.
Lerchenfeld, Dir.
G. Rambald.
Allgemeine Zeitung Nr. 68. Beilage zur Allgemeinen Zeitung. Augsburg; Sonntag, den 9. März 1834.
Bekanntmachung.
Alle diejenigen, welche an dem Rücklaß des am 30. März 1831 dahier verstorbenen k. Ober-Bau-Rathes, Anton Baumgartner, aus was immer für einem Rechtstitel Ansprüche zu machen haben, werden hiemit aufgefordert, binnen 60 Tagen a dato dieselben hierorts um so gewisser geltend zu machen, als außerdem ohne Rücksicht auf sie mit Behandlung der Verlassenschaftssache fortgeschritten werden würde.
Anbei wird noch bemerkt, daß der nicht bedeutende Rücklaß beträchtlich überschuldet ist.
Den 28. Febr. 1834.
Königliches Kreis- und Stadtgericht München.
Graf Lerchenfeld, Direktor.
Graf Rambaldi.
Münchener Politische Zeitung Nro. 59. Montag, den 10. März 1834.
4. Anton Baumgartner, vormaliger kurfürstlicher Stadt-Polizeidirektor und kgl. Baurat; geboren am 4. September 1761 zu München als Sohn des Franz Joseph Baumgartner (1728–1797).
Im Jahre 1780 bezog der junge Baumgartner die Universität Ingolstadt, von der er drei Jahre später als Lizentiat der Rechte abging. Ein Jahr darauf schon fand er Anstellung als Auditor beim kurfürstlichen Leibregiment in München.
Als schmucker, junger Mann ward er der Gegenstand glühender Zuneigung eines Fräulein Fanny v. Ickstatt (nach anderen: v. Heppenstein), welche jedoch von Baumgartner in keiner Weise erwidert wurde. Deshalb beschloß die junge Dame, ihrem Leben ein Ende zu machen und führte diesen Vorsatz auch aus, indem sie sich, erst 17 Jahre alt, am 17. Dezember 1784, morgens 9 Uhr, aus einem Fenster der Türmerwohnung des Frauenturmes stürzte. Ein alter Stich, welcher dort oben noch unter Glas und Rahmen aufbewahrt wird, gibt Kunde von der verzweiflungsvollen That.
Der junge Auditor, welcher nebenbei die Arbeiten eines Assessors beim Justizdepartement im Hofkriegsrate besorgte, errang sich bald durch seine Brauchbarkeit die Gunst des Grafen Rumford, der 1790 seine Beförderung zum Hofkriegs-Justizrate erwirkte. Diese Stelle bekleidete er sieben Jahre.
Als der damals noch mächtige Graf Rumford eine unabhängige Polizeidirektion in München errichtete, wurde nebst Babo und Lipowsky auch Baumgartner zum Oberpolizeikommissär ernannt.
Mit dem Regierungsantritte des Kurfürsten Maximilian IV., nachmaligen Königs Max I., 1799, wurde eine Generallandesdirektion organisiert; einer eigenen Deputation derselben unterstanden die Geschäfte der Polizei, und Baumgartner wurde dieser als »Stadtpolizeidirektor« vorgesetzt. In dieser Stellung war er unermüdlich thätig, eine Unzahl Polizeierlasse geben Proben seiner Umsicht. An der Seite des Grafen Rumford wirkte er beständig zum Wohle der Armen Münchens und hatte er, was wohl eine Seltenheit für einen Mann in solcher Stellung genannt werden kann, keine Feinde, denn er war gegen alle, welche mit ihm in Berührung kamen, wohlwollend.
Leider blieb er nicht lange in dieser Stellung; das Jahr 1805 brachte, obwohl er erst 44 Jahre alt war, seine zeitliche Quieszierung.
Seine große Freigebigkeit mochte wohl viel an der Zerrüttung seiner Verhältnisse mit Schuld gewesen sein; über sein Vermögen wurde der Konkurs eröffnet, und dies war der Grund des Vorgehens gegen ihn.
Im Jahre 1809, nachdem die schwierige Angelegenheit endlich erledigt war, wurde Baumgartner als kgl. Baukommissionsrat reaktiviert.
Auch in dieser Stellung that er sich bis an sein Lebensende rühmlich hervor; so beteiligte er sich z. B. am 14. Januar 1823 bei dem Brande, dem das kgl. Hof- und Nationaltheater größtenteils zum Opfer fiel, bei grimmiger Kälte persönlich an den Lösch- und Rettungsarbeiten. Auch bei anderen derartigen traurigen Ereignissen war er einer der Ersten und Thätigsten am Platze, so daß es wohl nur ein Akt der Gerechtigkeit war, als ihn die Stadtgemeinde München in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt im Jahre 1825 durch Verleihung der goldenen Bürgermedaille auszeichnete.
Noch sieben Jahre konnte er diese Ehrung genießen, dann beschloß er, um die Stadt München hochverdient, in dem Hause Nr. 5/II (alte Nr. 1397/II) an der Löwengrube, 69 Jahre alt, sein Leben.
Seine Gattin war ihm bereits im Jahre 1820 am 5. April vorangegangen; beider Gebeine ruhen im südlichen Friedhofe, Sektion 9, Reihe 1, Grabnummer 17, jedoch ist dies durch kein Denkmal mehr kenntlich gemacht.
Zur weiteren Erinnerung an Baumgartner hat die Stadtgemeinde München eine Straße nach ihm benannt und seine Büste in einer Nische der Arkaden des südlichen Friedhofes aufstellen lassen.
C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 27. München, 1898.
Baumgartner Anton, Lic. jur., 1761 (München) – 1831, Münchner Polizeidirektor und Baurat; er studierte auf der Universität in Ingolstadt; 1783 finden wir B. als Auditor beim Kurfürstlichen Leibregiment in München und zugleich als Assessor beim Justizdepartement im Hofkriegsrat; auf Veranlassung seines Gönners, des Grafen von Rumford, wurde B. 1790 Hofkriegsjustizrat und 1797 zusammen mit J. M. von Babo und J. F. von Lipowsky Oberpolizeikommissär; im Zuge der Organisation der Generallandesdirektion unter König Max I. wurde B. als Stadtpolizeidirektor Vorstand der Deputation für die Polizeigeschäfte; durch seine unzähligen Polizeierlasse zur Durchführung der Säkularisation (Klosteraufhebungen, Verbot der mitternächtlichen Weihnachtsmetten, der Feiertage und Wallfahrten) machte er sich bei der Münchner Bevölkerung sehr unbeliebt, obwohl er zusammen mit Graf Rumford viel für die Armen tat; als Polizeidirektor von München hat B. auch ein »kleines Polizei-Versatzamt« errichtet und 1805 eine gedruckte Übersicht über die Münchner Polizei herausgegeben; »Hercules dürfte ein leichteres Geschäft gehabt haben, Augias Stall zu reinigen, als das Geschäft des Titl. Baumgartner ist, eine ganz in Unordnung gerathene und Jahre lang in selber erhaltene Polizey-Registratur wieder in Ordnung zu bringen« (Pro Memoria vom 30. VII. 1805); als Polizeidirektor hat er auch namhafte Amtsverschuldungen hinterlassen; später hat B. als Baukommissionsrat eine statistische Beschreibung von München verfaßt; beim Brand des Münchner Hof- und Nationaltheaters am 14.1.1823 soll er persönlich mitgelöscht haben.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.