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Das Grab ist nicht erhalten
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Klein, Amalie; – 14.12.1831 (München), 33 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Kammerdieners-Tochter
Klein, Elise; – 14.12.1831 (München), 34 Jahre alt, Tod durch Selbstmord; Kammerdieners-Tochter
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† 14.12.1831 (München), 33 Jahre alt, Tod durch Selbstmord
Kammerdieners-Tochter
† 14.12.1831 (München), 34 Jahre alt, Tod durch Selbstmord
Kammerdieners-Tochter
Endlich hat man auch den zweiten Leichnam der vermißten zwei ledigen, herzogl. zweibrückischen Kammerdieners-Töchter, Elise und Amalie Klein, beide in den dreißiger Jahren, aus einem Isar-Kanal gezogen, deren Hüte, Regendach und Hausschlüssel vorher gefunden wurden. Schauerliche Entschlossenheit zweier sich bis in den Tod liebender, arbeitsamer, aber dürftiger Schwestern!
Vor kurzem der alten Mutter und mit ihr einer kleinen Pension beraubt, konnten sie sich fast nichts mehr mit Handarbeit verdienen, und mußten daher anfangen, ihre reinliche Habe zu veräußern. Jemand bemerkte die Unglücklichen inbrünstig zu Gott flehend, in der schmerzhaften Kapelle; die jüngere weinte hierauf heftig, während die andere gefaßter schien. Im Weggehen legten beide ihre (letzte) Gabe in den Opferstock und nahmen ihren Weg Isar aufwärts.
Es ist ihrer Zurückgezogenheit zuzuschreiben, daß weder die erst noch die zweit Gefundene nach mehrtägigen Zwischenräumen erkannt wurde, selbst von der Polizei nicht, während der Hausherr in der Landwehrstraße auch unterließ, ihren Abgang anzuzeigen.
Münchener Conversations-Blatt Nro. 355. München; Mittwoch, den 21. Dezember 1831.
Nachrichten aus Bayern.
München. Die beiden im Isarkanale am 14. und 18. d. todtgefundenen Mädchen sind Kammerdienerstöchter von Neuburg an der Donau. Ihr Vater war in Diensten der Frau Herzogin von Zweibrücken, und verlor wahrscheinlich durch deren Tod, Dienst und Gehalt. Sie lebten mit ihrer Mutter dahier, welche sie im Monat Oktober d. Js. ebenfalls durch den Tod verloren, und nun von aller Hilfe verlassen, in die bitterste Armuth versetzt wurden. Diese Mädchen haben stets einen rechtschaffenen Lebenswandel gepflogen, und nur Mangel an Verdienst, und daher das äußerste Elend haben sie veranlaßt, den gemeinschaftlichen Tod zu wählen. An ihrem Todestage wurden sie in der schmerzhaften Kapelle in größter Andacht betend und heftig weinend gesehen, und ihren letzten Pfenning legten sie dortselbst noch in den Opferstock. Elisabethe und Amalie Klein sind die Namen dieser Unglücklichen, welche vergebens Hilfe bei den Reichen und Großen gesucht, und im 19. und 20. Lebenjahre so unglücklich geendet haben. Viele Diener der verstorbenen Frau Herzogin wurden durch deren Tod brodlos, und nur der väterlichen Fürsorge Sr. Majestät des Königs haben es dieselben zu verdanken daß ein Gesetzentwurf an die Kammern gebracht wurde, wornach diesen Unglücklichen Unterstützung werden soll, welches zwar angenommen, jedoch auch hartnäckig bekämpft wurde.
Bayerischer Volksfreund Nro. 99. München; Mittwoch, den 21. Dezember 1831.
Romanze.
Elise:
Geiz hat kein Gefühl für Tugend,
Und das Laster reizt mich nicht:
Drum verwelke Rosenjugend,
Ich verlasse nicht die Pflicht!
Amalie:
Wahrlich, Schwester, Felsenherzen
Sind mit Reichthum nur begabt:
Unsrer Armuth herber Schmerzen
Nur des Reichen Wollust labt!
Elise:
Wo ich immer suchte Hilfe,
Fand ich Rohheit nur und Spott;
Sah als Stab nur schwache Schilfe
Fand mein Hell allein in Gott!
Amalie:
Lasset uns zur Kirche gehen,
Gott vertrauen unser Loos:
Nur sein Wille soll geschehen,
Seine Huld ist reich und groß!
Und sie eilen zur Kapelle,
Flehen weinend zu dem Herrn:
Nun, zum Trost euch, in der Quelle
Zeiget sich der Abendstern.
Elise:
Flieh die Welt, die gift'ge Natter,
Unser Herz macht sie nicht warm!
Schwester, Gott ist unser Vater,
Er nimmt uns in seinen Arm!
Amalie:
Gottes Hand wird uns erretten
Ihm vertrauen, Schwester, wir!
Brechet Fesseln, die uns ketten!
Liebe Schwester, folge mir!
Auf den Geist zum Heimatlande
Heben sie, den Blick zum Grab',
Ach, und sinken von dem Strande
In der Isar Strom hinab.
Beide Leichen nach acht Tagen
Unschuld aus den Augen spricht!
Werden in das Grab getragen,
Und die Welt hält ihr Gericht.
Auf dem Busen blühen Rosen,
Mit des Schnee's blendend Weiß;
Und im Puls der Hoffnungslosen
Wird das kalte Leben heiß.
Alle Mädchen weinen Thränen
Ueber dieses Schwesternpaar:
Ihnen gern den Himmel gönnen,
Weil die Welt ihr Strafort war.
Reiche schauen ihre Leichen,
Fühlend, was ihr Stumpfsinn that:
Geben des Gefühles Zeichen,
Weil ihr Geiz gemordet hat!
Saget an, ihr Wucherseelen,
Wie euch diese That erscheint?
Endet Alle ihr in Wellen,
Ueber euch wird – nicht geweint!
Sonntags-Blatt Nro. 26. Eine Erheiterung für das Gemüth. München; Samstag, den 25. Dezember 1831.
Versteigerung.
In der Verlassenschaft der Kammerdienerstöchter, Elise und Amalie Klein wird der Rüklaß derselben am Donnerstag, den 1. künftigen Monats Merz, Vormittags 9 Uhr gegen gleich baare Zahlung versteigert.
Die Verkaufsobjekte bestehen in verschiedenen Effekten von Kirschbaumholze, Betten, Kleidern und Wäsche und so andere.
Käufer wollen sich deßwegen in der Landwehrstraße vor dem Josephsthore Nro. 367 zu ebener Erde einfinden.
Den 21. Febr. 1832.
Königl. Kreis- und Stadtgericht München.
Allweyer, Direktor.
Bayerischer Volksfreund Nro. 32. München; Samstag, den 25. Februar 1832.