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FAMILIE
HOFMANN-ZELLNER
HIER RUHEN IN GOTT:
DIE GUTEN UNVERGESSLICHEN ELTERN
HERR GEORG HOFMANN
METZGERMEISTER
† 14. FEBR. 1867
FRAU ANNA HOFMANN
† 15. SEPT. 1895.
DEREN SOHN
UNSER LIEBER BRUDER U. SCHWAGER
HERR GEORG HOFMANN
† 4. SEPT. 1904
IHNEN FOLGTE UNSER
INNIGSTGELIEBTER GATTE U. VATER
HERR FRANZ ZELLNER
† 26. MAI 1917.
UNSERE INNIGSTGELIEBTE MUTTER
FRAU ANNA ZELLNER
† 21. OKT. 1920.
IHNEN FOLGTE DEREN SOHN UNSER
INNIGSTGELIEBTER UNVERGESSLICHER
GATTE UND VATER
HERR FRANZ ZELLNER
KLEINVIEHKOMMISSIONÄR
† 24. JULI 1923.
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Hofmann, Anna (vh); – 15.9.1895
Hofmann, Georg; – 14.2.1867; Metzgermeister
Hofmann, Georg; – 4.9.1904
Zellner, Anna (vh); – 21.10.1920
Zellner, Franz; – 24.7.1923; Kleinviehkommissionär
Zellner, Franz; – 26.5.1917
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* 1756 (Straßburg)
† 13.9.1821 (München)
Tierarzt
Nekrolog.
Anton Will, k. Medizinalrath, und erster dirigirender Professor der k. Zentral-Veterinär-Schule zu München, starb, 69 Jahre alt, am 13. Sept. Nachts 12 Uhr an der Wassersucht, unvermuthet vom Schlage getödtet.
Er ist zu Straßburg geboren, wo sein Vater Regiments-Chyrurg unter royale Baviere war; seine Mutter zu Gegenbach, unweit Amberg geboren, war die Schwester des zu Amberg bereits gestorbenen Medizinal-Rathes und Oberstaabsarztes Egid Ströhl. Da sein Vater frühe mit Tod abgieng, so nahm der Onkel sich seiner und der Schwester Magdalena an, und erzog beyde Kinder, da er kinderlos war. Will studirte am Gymnasium und Lyzeum zu Amberg, dann auf der hohen Schule zu Ingolstadt die Medizin, wornach er daselbst Professor geworden, und ein neues Nervenpaar im menschlichen Körper entdecket hat.
Er war einer der ersten Professoren, und vorzüglich geschickt in anatomischen Präparaten, deren mehrere zu Paris und in London sich befinden, und eben so zu Ingolstadt, nunmehr Landhut, wo sie jeder Kenner, der dahin kommt, vorzüglich bewundert.
Hierauf reiste Will auf Kosten des obengenannten Onkels nach Straßburg und Paris, wo er medizinisch und chyrurgische Kollegien theorethisch und praktisch gehört, und begab sich endlich nach Charenton, wo er die Vieh-Arzneykunde theor. und prakt. zwey Jahre lang erlernte, dann aber nach Baiern zurück wo er 1804 Professor der Vieharzneykunst an der hohen Schule zu Ingolstadt geworden, welche damals auch die Juristen nebst den Medizinern studiren mußten. Aber hier war nicht der Wirkungskreis für Will, und die Sache selbst die nicht, welche sie hätte seyn sollen. Churfürst Karl Theodor errichtete, auf Antrag des Genal. Lieut. Grafen von Rumford eine Veterinär-Schule zu München im englischen Garten 1790, und stellte sie der Oberaufsicht des Hofkriegsrathes unter, der hiezu zwey Kommissarien, den damaligen Oberst des 2ten Chevauxlegers Regiments und nunmehrigen Chef des Gen. Audit. Alois Grafen von Taufkirch, und den Hofkriegsrath-Assessor von Lipowsky ernannte, und die Gebäude des ehemaligen Jesuiten-Waschhauses nebst Garten zur Unterbringung dieser Schule kaufen ließ. Der Lehrkurs für die Zöglinge aus dem Civil- und Militär-Stande war auf drey Jahre festgesetzt, auch wurde den Schmieden praktischer Unterricht in der Pferdebeschlagkunde ertheilt.
Der Nutzen dieser Anstalt ergab sich bald, denn ohngefähr 1½ Jahr nach ihrer Entstehung brach eine Viehseuche im Lande aus, und Will begab sich mit seinen Eleven und dem Lehrpersonale an alle Orte des weiten Umkreises, und steuerte dort dem Übel. Da mit Anfang der dermaligen Regierung der Hofkriegsrath aufgehoben wurde, so wurde die Veterinär-Schule dem Oberststallmeisterstabe untergeordnet.
Alle Jahre wurde in diesem Institute öffentliche Prüfung gehalten, und so dem Volke gezeigt, welche in der Vieharzneykunde verständige, theoretische und praktische geübte junge Männer dem Vaterlande heranreifen. Will gehörte zuverläßig unter die ersten Ärzte der Vieharzneykunde, und zu bedauern ist es, daß er hierüber nichts mehr geschrieben und durch den Druck bekannt gemacht hat.
Viele vorzügliche Kenntniße und von ihm gemachte Erfahrungen, dann hieraus abstrahirte Grundsätze, die vielleicht kein Jahrhundert wieder entdeckt, wurden leider mit ihm zu Grabe getragen; sie leben vielleicht, und das zu unserm Troste gesagt, in Hrn. Professor Mundigl und einigen seiner Zöglinge fort; auch bestehen von Mettenleitner, der sich zum Thierzeichner bildete, einige Zeichnungen seiner thierischen Präparate.
Will’s Schwester hat in Amberg den Hofkammerrath Gundling geheurathet, nach dessen Tode sie sich nach München begeben, und da auch gestorben ist. Sein Bruder gieng in k. Dänische Dienste und starb da als Rittmeister unter der Garde. Will war verheurathet mit Maria Meyer, eines Landesdirek. Sekretärs-Tochter, welche schon vor mehreren Jahren gestorben, er hinterließ aber keine Kinder.
Er war einer jener gemüthlichen, ruhigen Menschen, die den Ernst des Lebens mit einer Art Gleichmuth ertragen, welche nur die heitersten Ansichten nährt. In seinem Umgange wurde es allen leicht; und man darf sagen, er gieng allgemein bedauert aus diesem Leben, das ihm keine Last war.
Kunst- und Literatur-Blatt aus Bayern. Eine Beilage zur Eos Nro. 38. September 1821.
WILL (Anton) ward 1808 königl. Bayer. Medicin Rath und 1810 erster Profess. an der Central-Veterinairschule zu München. §§. Gab mit K. L. Schwab heraus: Taschenbuch der Pferdekunde. München 1817–1821. 5 Jahrg. 6. m. Kpf. (s. übrigens Schwab’s Art. im 20sten Bande).
Das gelehrte Teutschland oder Lexicon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Lemgo, 1827.
Dem Beispiele Frankreichs folgten Sachsen und Oestreich durch Errichtung solcher Anstalten; zu München wurde schon im Jahre 1790 am 1. Mai durch den verdienstvollen Medizinalrath Dr. Anton Will eine Veterinär-Schule eröffnet.
Hätte man damals erst das Volk gefragt, ob man eine Thierarzneischule errichten und mit den erforderlichen Hilfsmitteln versehen dürfe; so würde die Stimmenmehrheit eine verneinende Antwort ertheilt haben, obwohl die Errichtung dieser Anstalt und das Wirken der an ihr angestellten Lehrer und gebildeten Schüler und nachherigen Kurschmiede die segensreichsten Folgen hatten.
Diese verneinde Antwort mit der größten Wahrscheinlichkeit zu vermuthen, dazu gibt mir das nachherige rohe und ungeeignete Benehmen der Landleute gegen Will und seine Schüler Grund genug an die Hand.
Denn noch hielt der größte Theil des Landvolkes die Seuchen für eine Strafruthe Gottes, welche nur durch Wallfahrten und Beten, durch Entrichtung schwerer Opfer an die habgierigen Mönche, u. s. f. abgewendet werden könnte. Und selbst jene Einzelnen, welche der ganz vernünftigen Meinung waren, daß nicht nur Aussöhnung mit Gott durch Buße und Gebet, sondern Anwendung jener Mittel, welche der Schöpfer zur Linderung und Heilung der Krankheiten auf die mannigfaltigste Weise auf der Erde entstehen und wachsen läßt, zur Abwendung dieser Strafen, etc. zur Heilung von Krankheiten nöthig sey; waren von dem Vorurtheile befangen, Schäfer und Schinder, Schmide und Hirten seien im Besitze solcher Kenntnisse, wodurch sie im Stande wären, Seuchen zu heilen. Und Niemand fiel es bei, zu glauben, daß Männer wie der um Bayern hochverdiente Will, dem König Maximilian, der seine Verdienste zu würdigen wußte, ein herrliches Monument auf dem Gottesacker zu München errichten ließ, mit ihren Schülern dem den Wohlstand des Landes so fürchterlich erschütternden und vernichtenden Uebelstande, den herrschenden Seuchen Einhalt zu thun im Stande seyen.
Daher kam es denn auch, daß Will mit seinen Schülern an jenen Orten, an welche er zum Beßren ihrer Bewohner und wie ein wohlthätiger vom gänzlichen Verderben rettenden Engel geeilt war, von eben diesen Bewohnern die schmählichste und roheste Behandlung zu erdulden hatte, daß man vor ihm die Thüren verschloß und ihn zu mißhandeln drohte. So wurde es denn nothwendig, daß man von Seite der Regierung dem thätigen Will zur Ausführung der von ihm entworfenen Rettungsplane Militär zur Verfügung und zum Schutze bestimmte, an dessen Spitze er, den das Volk mit offenen Armen hätte empfangen sollen, nun in die Oerter, in welchen die Seuchen wütheten einmarschieren, den Eingang in die Ställe erzwingen und nun, von den boshaften Landleuten nicht unterstützt, mit seinen Zöglingen Arzt und Wärter des kranken Viehes zugleich seyn mußte.
So abergläubisch, so vorurtheilsvoll, so verblendet war damals das Landvolk und ist es großen Theils noch! Die zweckmäßigsten Anstalten der Regierungen mißkannte und mißkennt es, dem alten Schlendriane huldigend und mit Leib und Seele anhangend, und ist mißtrauisch, ja sogar feindlich gesinnt gegen jene, welche sich ernstlich mit der Beförderung seines Wohles befassen.
Daß es hierin unrecht und sogar strafbar handelt, ist eine ausgemachte Sache.
Johann Martin Kreutzer (Thierarzt und z. Z. Veterinär-Praktikant im kgl. 4ten Chevauxleger-Regimente König): Abhandlung über den Werth, die Selbstständigkeit und den Umfang der Thierheilkunde, die Lage des Veterinär-Wesens, so wie die Nothwendigkeit und Art und Weise der Verbesserung desselben. Augsburg, 1834.
Will Anton, Dr. med., 1756 (Straßburg) – 1821, Medizinalrat, Begründer und erster dirigierender Professor der Tierarzneischule in Bayern; Sohn eines Regimentschirurgen, studierte W. in Amberg und Ingolstadt; schon mit 21 Jahren arbeitete er unter dem Anatomen Dr. Leveling als Prosektor, Präparate von ihm gelangten nach Paris und London; nach dreijährigen Studien in Alfort wurde W. 1784 Professor der Tierarzneikunde in Ingolstadt (dieses Lehrfach hatten auch Mediziner und Juristen zu besuchen!); später auch Rat des Collegium medicum und Oberster Tierarzt von Pfalzbayern, gründete er (Dekret vom 26.III.1790) die Tierarzneischule in Bayern, nach Ws. eigenen Angaben die »vollkommenste von ganz Europa«; seit 1810 war W. erster dirigierender Professor; W. hatte bei den Viehseuchen sehr gegen die Abneigung gegen die Veterinärwissenschaft und den populären Aberglauben zu kämpfen, statt des bisherigen Empirismus führte er die »rationelle Behandlung« ein; er war ein geübter Diagnostiker und Therapeut, kundig in der theoretischen und praktischen Hufbeschlagslehre, in der Zucht, Wart und Pflege der Haustiere und in der Landwirtschaft (Mitstifter des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern); König Max I. von Bayern stiftete das (nicht mehr erhaltene) Denkmal.
Werke: Kurzer Unterricht über Zungenkrebs, Vorbeugungsanstalten usw. gegen die Pferde-, Hornvieh- und Schweinsseuche, Nöthiger Anhang zum Unterricht über den Milzbrand, Unterricht für den bayr. Unterthan, wie selber sein Vieh für Krankheit und Seuche bewahren usw. soll, Bemerkungen der gewöhnlichen Entsteh- und Verbreitungsursachen der Viehseuchen usw., Volksunterricht bei der wahren Hornviehseuche usw.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.