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FELIX v. LIPOWSKY
* 1764 † 1842
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Lipowsky, Franziska Romana (vh) / Crüx (gb); 25.6.1769 – 13.3.1839 (München), 69 Jahre alt; Zentralrats-Gattin
Lipowsky, Felix Josef von, Lic. jur.; 25.1.1764 (Wiesensteig/Wttbg.) – 21.3.1842 (München); Historiker, Komponist, Schriftsteller und Stadtkommandant
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* 25.1.1764 (Wiesensteig/Wttbg.)
† 21.3.1842 (München)
Historiker, Komponist, Schriftsteller und Stadtkommandant
Lipowsky: Felix Josef L., Neffe des vorgenannten Anton Johann L., Sohn des kurbaierischen Kameralbeamten Thaddäus L., geb. zu Wiesensteig am 25. Januar 1764, † zu München am 21. März 1844. Nach Vollendung seiner Studien legte L. 1787 vor dem Hofrath in München eine Prüfung in rechtswissenschaftlichen Fächern ab und bearbeitete eine Proberelation, auf Grund deren er schon 1788 zum Auditeur und zugleich zum Lehrer für deutsche Geschichte, Kriegskunde und Militärreglement an der neuerrichteten Kriegsakademie ernannt wurde. 1791 wurde er als Assessor in den Hofkriegsrath berufen und gewann die Gunst und das Vertrauen des damals so überaus einflußreichen Chefs des geheimen Kriegsbureau, des zum Grafen von Rumford erhobenen Amerikaners Benjamin Thompson. Wiederholt wurde er während des ersten Coalitionskriegs mit diplomatischen Missionen betraut, u. A. 1792 an den französischen Commandanten von Landau, Kellermann, vertraulich abgeordnet, um diesem die Erklärung zu überbringen, daß Kurfürst Karl Theodor als Reichsvicar »freundnachbarliches« Einverständniß mit der Republik Frankreich zu beobachten gedenke. Als 1796 die Truppen Condé's vor München standen, fand L. Gelegenheit, als Parlamentär der bedrängten Stadt gute Dienste zu leisten. 1796 wurde er zum Hofkriegsrath befördert und zugleich als Polizeiobercommissär verwendet. Während nach dem Regierungsantritt Max Josephs IV. 1799 die meisten Beamten, welche seither einflußreiche Stellungen innegehabt hatten, entfernt wurden, behauptete sich L. auch in der Gunst des Ministers Montgelas und wurde zum Landesdirectionsrath befördert. Während der napoleonischen Feldzüge bekleidete er das Amt eines Stadtcommandanten von München; der Gunst, die ihm General Richepanse zuwandte, war es zu danken, daß die im bürgerlichen Zeughaus verwahrten Waffen nicht von den Franzosen mitgeschleppt wurden. 1806 organisirte L. das »Bürgermilitär«, dem in Abwesenheit der Linientruppen die Aufrechthaltung der Sicherheit im Lande übertragen war. Nach Aufhebung der baierischen Klöster 1803 war er als Mitglied der Säcularisationscommission eifrig bemüht, dem herrschenden Vandalismus zu steuern, und es gelang ihm wenigstens, die Kunstschätze und die Handschriften einiger Klöster in erwünschter Vollständigkeit für den Staat zu retten. 1808 wurde er als Kreisrath beim Generalcommissariat angestellt, blieb aber bei Bildung der neuen Ministerien nach Montgelas' Sturz unberücksichtigt, sodaß er in einer Eingabe an den König an den Gellert'schen Vers erinnerte: »Philax, der so manche Nacht Haus und Hof getreu bewacht, Philax wurde endlich alt« etc. 1819 übertrugen ihm die Landstände, um ihm Muße zu litterarischen Arbeiten zu schaffen, den Posten eines ständischen Archivars. Er entfaltete denn nun auch eine staunenswerthe Thätigkeit auf allen Gebieten vaterländischer Geschichte; seine Schriften, die aber freilich nicht selten das Gepräge der Flüchtigkeit an sich tragen, bilden eine stattliche Bibliothek. Hier sei nur erinnert an das »Baierische Künstlerlexikon« (1810), »Baierische Musiklexikon« (1811), »Urgeschichte der Stadt München« (1814), »Geschichte der Jesuiten in Baiern« (1816), in Schwaben (1820), in Tirol (1822), an die Monographien über die baierischen und pfälzischen Fürsten Christoph (1818), Max Emanuel (1820), Friedrich V. (1824), Karl Ludwig (1824), Karl Theodor (1828), Karl VII. (1830), Ferdinand Maria (1831), Max Joseph III. (1833) u. a.
Schaden, Gelehrtes München im Jahr 1834, S. 51. – Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 1842. S. 1068. – Handschriftliche Autobiographie im Besitz des Histor. Vereins von Oberbaiern (Auszüge im Oberbaier. Archiv, 12. Bd., S. 84). – Personalacten im Kreisarchiv zu München.
Heigel.
Karl Theodor von Heigel: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1883.
Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München.
Von C. Reber.
10. Joseph Felix v. Lipowsky, kgl. Centralrat und Ständearchivar, geboren zu Wiesensteig in Württemberg am 25. Januar 1764 als der Sohn des kurbayerischen Kameralbeamten Thaddäus Lipowsky. Erst 5 Jahre alt, verlor er seinen Vater, und seine Mutter, gezwungen, sich wieder zu verehelichen, nahm den Steuersekretär Xaver Loritz zu ihrem zweiten Gatten. Mit seinem Stiefvater kam er im Jahre 1769 nach Amberg. Er besuchte dort Gymnasium und Lyceum. Als die Berufswahl kam, schwankte er zwischen der theologischen und juristischen Laufbahn. Er war bereits an der Reihe, in das Stift seines Geburtsortes als Stiftsherr einzutreten und hatte bereits die ersten Weihen erhalten, als er sich im letzten Augenblicke noch entschied, Jurist zu werden.
Im Jahre 1785 besuchte er die Universität Ingolstadt und empfing 1787 nach bestandener Prüfung das Diplom als Licentiat beider Rechte. In demselben Jahre kam er für immer nach München, wo er durch Verwendung des Grafen Rumford, an dem er einen hohen Gönner fand, im nächsten Jahre schon eine Lehrstelle an der Militärakademie erhielt. In kurzer Zeit wurde er durch Ernennung zum Unterlieutenant und Auditor beim Dragonerregiment Graf Larosé erfreut, ohne seinen Lehrstuhl der Geschichte an der Akademie verlassen zu müssen. Das Vertrauen seiner Vorgesetzten brachte ihm die Ernennung zum Hofgerichtsrats-Assessor mit Sitz und Stimme. Kurz vor Ausbruch des vom Reichstage zu Regensburg 1793 beschlossenen Reichskrieges gegen Frankreich wurde er zum Oberlieutenant befördert. Gut der französischen Sprache mächtig, wurden ihm verschiedene Missionen des deutschen Reiches, da eben Kurfürst Karl Theodor Reichsverweser war, zu teil. Die zufriedenstellende Besorgung trug ihm eine goldene Medaille mit der Inschrift: »bene merentibus« ein.
Als im Jahre 1796 die Österreicher und Condéer auf dem rechten Ufer der Isar, die französischen republikanischen Brigaden aber auf dem linken Ufer, München als neutrale Stadt dazwischen, sich feindlich gegenüberstanden, hatte Lipowsky als Adjutant des Grafen Rumford, mit den fremden Truppenführern Unterhandlungen zu pflegen, welche für sein Leben gefahrdrohend waren. Während der napoleonischen Feldzüge bekleidete er das Amt eines Stadtkommandanten von München. Eines Tages, am 5. Juli 1800, wurde in der kurfürstlichen Residenz ein Konzert abgehalten. Der französische Obergeneral Moreau ging in Begleitung Lipowskys dahin, später kam auch General Richepanse in Zivil nach. Alle Stühle waren besetzt. Als Richepanse über Müdigkeit klagte und sich einen Stuhl wünschte, überließ ihm Lipowsky den seinigen. Diese Artigkeit trug dem Stadtkommandanten die Gewährung einer Bitte ein. Nach einigen Tagen wurde von der französischen Besatzung die Auslieferung der Waffen des bürgerlichen Zeughauses verlangt. Lipowsky begab sich zu Richepanse, um Gegenordre zu erwirken. Jener wurde von diesem sogleich erkannt, und nachdem Lipowsky sein Anliegen vorgetragen hatte, fiel ihm der französische General in die Rede: »Dies machen wir kurz! Sie gaben mir, da ich müde war, Ihren Stuhl; dafür belasse ich Ihnen Ihre Waffen.«
Als Graf Rumford die Polizei einer unabhängigen Direktion übertrug, wurde Lipowsky zu einem der drei Oberpolizeikommissäre ernannt.
Im Jahre 1806, in welchem Bayern zum Königreich erhoben wurde, organisierte Lipowsky das Bürgermilitär, dem die Aufrechthaltung der Ordnung im Innern des Landes oblag. Auf Wunsch der gemäß der Verfassungsurkunde vom 26. Mai 1818 zusammengetretenen beiden Kammern wurde er zum Ständearchivar ernannt, in welcher Stellung er bis zum 12. Dezember 1837 aktiv blieb. In dieser Zeit war er literarisch außerordentlich thätig und machte sich um die bayerische und speziell um die Münchener Stadtgeschichte sehr verdient. Wer kennt nicht seine als Unikum geltenden »Urgeschichten«?
Am 20. März 1842, in einem Alter von 78 Jahren, schloß er die Augen für immer in dem Haus Nr. 4 an der Weinstraße, welches der Magistrat mit einer Gedenktafel von Stein schmücken ließ. Meister Karl Piloty reihte ihn auf seinem Gemälde im Sitzungssaale des neuen Rathauses unter die bedeutsamsten Münchener Persönlichkeiten. Sein wohlerhaltenes Grab befindet sich im südlichen Friedhofe, Sektion 12, Reihe 13, Grabplatz 27. Auf Antrag eines Verwandten ließ der Magistrat 1883 die Büste Lipowskys, gefertigt von Bildhauer Johann Hautmann, in einer Nische aufstellen. Zum immerwährenden Andenken wurde eine Straße nach ihm benannt.
C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. München, 1898.
Lipowsky Felix Josef, Lic. jur., von, 1764 (Wiesensteig/Wttbg.) – 1842, Stadtkommandant, Kreisrat, Komponist, Archivar und Historiker; Neffe des Mitbegründers der BAkdW Anton Johann L., nach Studien zu Ingolstadt und Ablegung der juristischen Prüfung vor dem Hofrat in München (1787) Auditeur und Lehrer an der Münchner Kriegsakademie, 1791 Assessor des Hofkriegsrats, 1796 Hofkriegsrat und 1799 Landesdirektionsrat; wiederholt mit diplomatischen Sendungen betraut, war L. während der Napoleonischen Kriege Stadtkommandant von München, seit 1803 Mitglied der Säkularisationskommission (als solcher steuerte er den Vandalismus und rettete viele Handschriften und Kunstschätze), 1808 Kreisrat beim Generalkommissariat und seit 1819 ständischer Archivar; L., ein Günstling des Grafen Rumford, genoß auch das Vertrauen Montgelas’; er hat sich durch die Organisation des Münchner »Bürgermilitärs« (1806) und durch die vielen historischen Arbeiten einen Namen geschaffen; die Anregung zur Einführung des Oktoberfests geht jedoch nicht, wie vielfach behauptet wird, auf ihn zurück.
Hauptwerke: Baierisches Künstler-Lexikon, Baierisches Musiklexikon, Urgeschichte Münchens, Bildnisse der Regenten Baierns, Geschichte der Jesuiten in Baiern, Baierns Kirchen- und Sittenpolizey, Geschichte der Schulen in Baiern; Geschichte der Landstände von Pfalz-Neuburg, Leben des Maximilian Joseph III.
© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.