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14 – 7 – 56* (Lefeldt)

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Das Grab ist nicht erhalten

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Auguste Lehfeld (vh)

Stöger (gb/ps)
Althaller (gb)
† 8.11.1868 (München)
Sängers- und Theaterdirektors-Tochter / Sängerin

Monatsschrift für Theater und Musik (1856)

Frl. Stöger, die Tochter des Theaterdirectors Stöger, scheint Anspruch zu haben, unter die festen Kräfte unserer Oper mit einbezogen zu werden, obwohl der bei uns nur zu oft schalkhafte Theaterzettel dieselbe immer noch als Mitglied des Weimarertheaters kennzeichnet. Frl. Auguste Stöger trat bereits vor ungefähr zwei Jahren als Schauspielerin bei uns auf und verwendete sich längere Zeit in kleineren Partieen, wobei sie ein sehr wohlklingendes, sympathisch ansprechendes Organ entwickelte. Schon damals betrieb das Fräulein, wie sich die Theaterhabitués zuflüsterten, Gesangsstudien, mit denen es auf nichts Geringes abgesehen war. Der zu einem Gastspiele in Prag anwesende Marr geleitete das Fräulein nach Weimar, wo sie als Mitglied der Bühne fungirte und unter Lißt's Augen ihre musikalischen Studien weiter betrieb. Plötzlich annoncirte sie bei uns der Theaterzettel als Elsbeth im »Tannhäuser.« Die Leistung war eine für eine Anfängerin recht anständige, ohne Anspruch auf jene Verhimmelung zu haben, die sie in der Localpresse erfuhr. Das Publicum nahm die jugendliche Sängerin recht warm auf, von welcher sich, eben sagen laßt, sie fülle ihre Stelle angemessen aus, habe eine frische, versprechende Stimme und werde auch durch ein entsprechendes Spiel ihrem Parte nach der schauspielerischen Richtung hin gerecht. Außer im »Tannhäuser« trat Frl. Stöger bisher als Agathe im »Freischütz« auf, in welcher Partie see uns aber fast daran zweifeln ließ, ob wirklich ein Fond sinnigen poetischen Wesens in ihrem Inneren ruhe. Bei der Agathe ist es eben nicht Alles, der Note gerecht zu werden. Es gibt keine zweite Partie in der deutschen Oper, die in solchem Grade ein Prüfstein der Innerlichkeit wäre wie die Agathe. Frl. Stöger ist dem Vernehmen nach bestimmt in der Wagner'schen Oper »Lohengrin« aufzutreten.

Monatsschrift für Theater und Musik. Wien, 1856.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (7.7.1859)

München, 5. Juli. (Königl. Hof- und Nationaltheater.) Bei 28 Grade Tageshitze Abends ein volles Haus zu treffen, setzt selbstredend großes Interesse für die Vorstellung wie für die darstellenden Künstler voraus. Dies rechtfertigte sich Sonntags bei der Aufführung von R. Wagners »Tanhäuser,« welche Oper in Folge der neuen Besetzung der Elisabeth durch Frl. A. Stöger, v. k. Hoftheater zu Hannover, einen neuen Reiz bot. Die jugendliche Gastin, welche das letzte Jahr in Paris verweilte, um bei den ersteren dortigen Gesangsmeistern noch die letzte Kunstweihe zu empfangen, bethätigte sich als kunstverständige Sängerin und sinnige Darstellerin. Ihre umfangreiche, durch alle Register rein und vollkräftige Stimme, wirkte überraschend befriedigend auf das freudig lauschende Auditorium, das den ausgezeichneten Leistungen der Künstlerin durch oftmalig rauschende Beifalls- und wiederholte Hervorrufe in offener Scene und nach Schlußakten ungeteilte Anerkennung zollte. Dem weiteren Auftreten dieser mit ungewöhnlichen Kunstmitteln reichlich ausgestatteten und von Mutter Natur höchlich begünstigten Künstlerin sieht man um so mehr mit Spannung entgegen, als man damit den Wunsch verbindet, es möge gelingen, die verwaiste Stelle einer dramatischen Sängerin recht bald durch Frl. A. Stöger besetzt zu erhalten.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 188. Donnerstag, den 7. Juli 1859.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (17.7.1859)

München, 16. Juli. (Königl. Hof- und Nationaltheater.) Unser gefeierter Operngast Frln. Auguste Stöger trat diese Woche zweimal – als Recha in Halevy's »Jüdin« und als »Lucrezia Borgia«, beide Male mit entschiedenem, die jugendliche Künstlerin höchst ehrendem Erfolge auf. Frl. Stöger bewährte sich in beiden Parthieen als kunstvollendete dramatische Sängerin und verständige, noble Darstellerin. Ihre umfangreiche, klangvolle und trefflichst gebildete Stimme, ihr brillanter geschmackvoller Vortrag wirkte elektrisch auf das entzückte, sich jedesmal trotz fortdauernder tropischer Hitze sehr zahlreich eingefundene Auditorium. Oftmalig stürmische Beifalls- und Hervorrufe ehrten die liebliche Gastin an beiden Abenden sowohl nach ihren Soloparthieen als mit Hrn. Grill – Gleasar u. Gennaro, und Hrn. Kindermann – Herzog von Ferrara. – Morgen Sonntag wird Frl. Stöger als Agathe in Weber'a »Freischütz« ihr so reichlich gekröntes Gastspiel beschließen. Möge es den inzwischen eingeleiteten dankenswerthen Bemühungen unserer k. Intendanz gelingen, diese hochbegabte, vielseitig gebildete, jugendliche Künstlerin für die verwaiste Stelle einer Prima Donna zu gewinnen und damit dem ungetheilten Wunsch aller Opernfreunde gerecht werden.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 198. Sonntag, den 17. Juli 1859.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (21.7.1859)

S. M. der König haben das von der k. Hoftheater-Intendanz abgeschlossene Engagement mit unserem gefeierten Operngaste, Fräul. Auguste Stöger, als k. Hofopernsängerin, genehmigt. Den Opernfreunden stehen daher für die nächste Saison ausgezeichnete Kunstgenüsse, sowie ein reichhaltiges Opern-Repertoir in Aussicht.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 202. Donnerstag, den 21. Juli 1859.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (14.8.1859)

München, 13. Aug. (Königl. Hof- und Nationaltheater.) Die morgige Aufführung der Oper: »die Hugenotten«, bietet den Kunstfreunden durch die veränderte Besetzung, der Valentine - Frl. Auguste Stöger als Antrittsrolle (Raoul - Hr. Grill), dann des Marcell - Hr. delle Aste als Gast, neuen Reiz. Die ausgezeichneten Kunstleistungen der Fräul. A. Stöger, welche während deren jüngsten Gastdarstellungen als Elisabeth, Lucrezia, Recha und Annchen entschieden beifällige Anerkennung gefunden haben, stehen bei Kunstkennern und Kunstfreunden in so lebhaft ehrendem Andenken, daß es einer besondern Einführung derselben als unsere neuengagirte erste dramatische Sängerin, wahrlich nicht bedarf.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 226. Sonntag, den 14. August 1859.

Neue Berliner Musikzeitung (21.5.1862)

Hamburg. Selten haben wir über eine so grossartige durch und durch epochemachenden Leistung zu berichten, als jetzt, da wir über die Margarethe des Frl. Auguste Stöger in Gounod's »Faust« schreiben, als welche die durch ihre Valentine und Recha so hoch dastehende Gastkünstlerin vor uns hintrat. Wir bemerken vorweg zweierlei: 1) Dass Frl. Stöger die Parthie hier überhaupt zum ersten Male sang, 2) das eine 36malige Vorführung des Faust in rascher Reihenfolge mit zwei beliebten Darstellerinnen der Margarethe unmittelbar vor ihr lag. Wenn un Frl. Stöger trotzdem einen Erfolg erzielte, wie er nicht glänzender gedacht werden kann, so ist derselbe blos aus der Leistung selbst zu erklären. Was Frl. Stöger in musikalischer Beziehung gibt, ist, wie wir schon aus Valentine und Recha sahen, durchweg fertig, es hat überall den Stempel des Selbständigen, des Edeln und Ernsten an sich. Die Stimme einer der klangvollsten Mezzosoprane, die uns je vorkamen, erscheint in allen Lagen gleichmässig gebildet, die Technik brillant und von zartester Construction. Doch zur Margarethe unseres Gastes. Auch hier haben wir das Selbständige der Anlage und die richtige, consequente Durchführung derselben vor Allem zu rühmen; die Künstlerin hat sich sehr in die Situation hineingedacht und diese so sehr Wirklichkeit werden lassen, dass sie billig in Erstaunen setzte; da war nichts Abgesehenes, Alles original. Diese dramatische Aufgabe, schwierig an und für sich, führte Frl. Stöger unter Anwendung einer Menge sinniger Nuancen auf's herrlichste durch: Höhepunkte waren besonders die Gartenscene, die Scene mit Valentin. Ausserordentlich sinnig und den höchsten Preis erkennen wir der Schlusscene zu, die einen überwältigenden Eindruck hervorbrachte, kurz, da Gesang und Spiel in so wunderbarer Weise harmonirten, Alles so glänzend vermittelt war, erhielten wir eine unnachahmliche Margarethe. Bemerken wir endlich, dass die klare Auseinandersetzung der Stimmung, des Wesens nach jeder Richtung einzig dasteht, sowie dass Manches wie z. B. der Walzer (trotzdem gerade dies vielleicht nicht der Genre des Gastes ist), in eben so brillanter Weise zum Ausdrucke kommt, nehmen wir Alles zusammen, so sind wir zu der Behauptung vollauf berechtigt, dass Frl. Stöger die erste Margarethe ist. So sehr ist die Künstlerin überall trefflich. Dass die Aufnahme der Leistung Seitens des Publikums eine überaus glänzende war, bedarf keiner Bemerkung, er Applaus wollte kein Ende nehmen, die Hervorrufe folgten in rapider Reihe und bei der Schlussscene, die wir nochmals als meisterlich bezeichnen, erhob sich ein so enthuastischer Beifall und Hervorruf, wie seit lange nicht. Frl. Stöger feierte einen der grössesten Triumphe und sie darf stolz auf denselben sein, denn sie hat ihn errungen durch sich selbst, durch ihre vorzügliche, unwiderstehlich zündende Leistung als Margarethe, die niemals aus der Erinnerung Aller, die sie sahen und hörten, verschwinden wird.

Neue Berliner Musikzeitung No. 21. 21. Mai 1862.

Münchener Tages-Anzeiger und Fremden-Blatt (13.10.1866)

Die großherzoglich hessische Hofsängerin Auguste Stöger, welche dereinst unserer Hofbühne angehörte, wird sich mit einem Münchener (Hrn. Lehfeld, Stallmeister Sr. k. Hoh. des Prinzen Carl von Bayern) verehelichen.

Münchener Tages-Anzeiger und Fremden-Blatt No. 286. Samstag, den 13. Oktober 1866.

Bohemia (13.11.1868)

(Sterbefall.) In München ist, wie das »Fremdenblatt« berichtet, am 8. d. die ehemalige baierische Hofopernsängerin Auguste Stöger, Tochter des früheren Prager Theaterdirectors und Gattin des Stallmeisters des Prinzen Karl, Herrn Lehfeld, an einem Halsleiden verschieden. Die verstorbene gehörte zu den beliebtesten Mitgliedern der dortigen Oper, lebte aber schon seit Langem in größter Zurückgezogenheit.

Bohemia Nr. 272. Freitag, den 13. November 1868.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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