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Rückseite
HIER RUHT
ELIAS MAUROMICHALIS DER SPARTIATE
RITTER DES K. GR. ERLOESERORDENS
OBRIST UND ADJUTANT
S. M.
DES KOENIGS OTTO VON GRIECHENLAND
IM XXXVI JAHRE
SEINES LEBENS STARB ER AN DER CHOLERA
ZU MUENCHEN DEN 8. NOVEMBER 1836.
DAS DENKMAL ERRICHTETE
LUDWIG
KOENIG VON BAYERN
SPARTAS BERGE VERLASSEND BESCHIRMT ICH DES INNIGGELIEBTEN
HERRSCHERS LEBEN UND RUHM SORGEND MIT TREUEM BEMUEHN.
HELDENMUETHIGER MAENNER GESCHLECHT DIE ICH OFT ZU DER WAFFEN
THATEN GEFUEHRT IN DES KRIEGS LEUCHTENDEN WERKEN GEUEBT.
DOCH MICH SCHUETZTE DER MANNLICHE MUT UND UNENDLICHE KRAFT NICHT
ALS VON DEN MEINIGEN FERN SCHRECKLICHE SEUCHE MICH SCHLUG.
O HEIMAT O KOENIG O HAUS UND UNMUENDIGE KINDER
LEBT WOHL! KLAGE JEDOCH ZIEMET NICHT MEINEM GESCHLECHT.
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* 1800 (Sparta/Griechenland)
† 8.11.1836 (München)
Offizier
München, 9. Nov. Mauromichalis, der gestern zur Erde bestattet wurde, hatte zwei Tage vor seinem Tode, als man ihn warnte, sich vor der Brechruhr in Acht zu nehmen, geantwortet: »Ein Weib bezwingt mich nicht.« Aber sie hat ihn bezwungen, den jungen Mainottenhäuptling, der einst mit dem Yataghan und einem hölzernen Pflok dreihundert Türken erschlagen. Noch vor wenigen Tagen sah ich ihn in einem der herrlichen Conzerte, die jetzt unter Lachners Leitung im Odeon gegeben werden. Es war die prachtvollste Gestalt, in reichem griechischem Kostüm herausragend und der ganzen modernen Umgebung. Die Aerzte, die ihn (leider zu spät, da er durchaus nicht krank seyn wollte) behandelten – Breslau, Wenzel und Wibmer – staunten über die Eisen-Muskulatur, die noch der Todte besaß, und die nur in einem solchen Leben, das sich stets in Feld und Gebirg, in Sonnenschein und Sturm, bald im Kampf, bald im behaglichen Müssiggange herumtrieb, erlangt werden konnte. Die Augenblicke des Todes waren furchtbar tragisch. In den lezten Stunden hatten sich die heftigsten Krämpfe eingestellt, mit denen ringend er brüllte wie ein vom Pfeil getroffener Löwe. König Otto verlor an ihm einen seiner tapfersten und treuesten Anhänger; aber die ganze, mächtige Familie Mauromichalis theilt diese Gesinnung, und wie sie entschieden ist in Liebe und Haß, zeigt unter Anderm das kleine Messer mit schwarzem Heft, mit dem von einem Mauroraichalis Graf Capodistrias ermordet wurde, und das jetzt als ein denkwürdiges Erbstück stets von dem Erstgebornen der Familie getragen wird. Die Bewohner der deutschen Städte, welche den König Otto auf seinen lezten Reisen in Deutschland überall so freudig begrüßten, werden sich noch wohl der imponirenden Heldengestalt Maupomichalis erinnern, der die nahe Vermählung seines königlichen Herrn nicht mehr schauen sollte. Um so inniger schließen sich die Wünsche für eine freundliche Zukunft an Kduig Otto an.
Die Bayer'sche Landbötin Nro. 136. München; Samstag, den 12. November 1836.
Nachrichten vom November.
Bildnerei.
München, 9. November. Die Grabdenkmäler des Mauromichalis und Leonidas (des jungen Sohnes des Feldherrn Odysseus), die S. Maj. diesen hier verstorbenen Griechen nach Klenze's Erfindung hat aufführen lassen, sind Cippen in reingriechischem Style mit bunten Farben in den architektonischen Gliedern; das des Knaben einfacher, das des reifen Helden größer und geschmückter, mit himmelblauem Felde und einem sterbenden Löwen. Die Inschriften in deutschen und griechischen elegischen Versen rühren von Thiersch her.
Kunst-Blatt No.2. Donnerstag, den 4. Januar 1838.
Nekrolog.
Elias Mauromichalis,
(genannt Kazakos.)
Schon eine lange Reihe von Menschenaltern waren die Mauromichalis unter den Kapitanis der Maina, und ihr Geschlecht wird wegen seines hohen Alterthums nach einer heidnischen Volkssage von den Nereiden abgeleitet. Daher gehört es zu einem der durch Ansehen und Thaten glänzendsten in ganz Griechenland. Die Altvordern, an der Spize der mainotischen Heerhaufen, kämpften während des rußischen Krieges unter der Kaiserin Katharina mit Heldenmuth, und befreiten das Land von den türkischen Besazungen. Nach dem Frieden fand die Pforte sich veranlaßt, den Kapitän Peter Mauromichalis als Bey oder Fürst der Maina gegen einen Tribut anzuerkennen, der aber nie bezahlt wurde. Bei seinem Tode gieng die fürstl. Würde an den ältesten Sohn Petras über, der unter dem Namen Petrobey sich während des ganzen Verlaufes der griechischen Revolution durch Tapferkeit und Edelmuth hervorgethan, hierauf Verfolgung und Gefängniß unter Capodistrias erduldet hat, und gegenwärtig als Vicepräsident des Staatsraths in Athen lebt. Einer von seinen 7 tapfern Söhnen, Georgios, rächte nebst seinem Oheim Constantinos die Verfolgungen des Johann Capodistrias durch dessen Ermordung, ein anderer, Demetrios, der sich im Kampfe gegen die Insurgenten in Böotien ausgezeichnet, ist Ordonnanz Offizier des Königs. Des Petrobey nächster Bruder, Johannes, bekam in seiner Jugend von seiner Gelenkigkeit und Leichtigkeit, mit der er Felsen und Abgründe erklimmte, den Namen Kazis (Ziege), und hatte 3 Söhne, wovon der eine, Elias, dessen Tod wir beklagen, nach seinem Vater Kazakos (Zieglein) hieß.
Elias Mauromichalis gehörte zu den schönsten und tapfersten Jünglingen seines Volkes. Unerschrocken, und den Feinden furchtbar im Kriege, nahm er an allen Gefahren zum Schirme der Heimat während der lezten 13 Jahre, und an vielen Feldzügen in die fernern Provinzen Theil; sein Muth gränzte an Verwegenheit; er allein soll mit einem langen krummen Messer, (Yataghan) und einer Holzkeule mit Eisenspizen 300 Türken umgebracht haben. Unter der gewaltigen Herrschaft des Capodistrias war er einer der ersten, welcher die anfangs geheimen Verfolgungen des Präsidenten gegen seine Familie durchschaute. An ihn hatte der schlaue Diplomat sich zunächst mit den Künsten der Verführung gemacht; hierauf, dem Gewaltherrscher verdächtig geworden, entfloh er der Polizei-Aufsicht, in welcher die Corsioten ihn in Nauplia hielten, und brachte sein Volk gegen sie unter die Waffen, während der Präsident sich seines Vaters, und des Chefs der Familie Petrobey bemächtigt und sie in's Gefängniß gelegt hatte. Nach dem Sturze der corsiotisch-russischen Parthei schloß er sich mit Enthusiasmus, sowie seine ganze Familie, der Sache des Königs an, und hatte deshalb in Messenien gegen die wiedererwachende feindselige Macht der Andern einen Kampf zu bestehen, der ihn gegen Nikitas dem Untergange nahe brachte. Dieser führte unter der Farbe der Corsioten und Colocotronisten die ganze Bauernschaft von Messenien gegen ihn zu Felde, und hielt ihn im Dorfe Mikromain drei Tage belagert. In der vierten Nacht rettete sein junger, kaum 18 jähriger Bruder Antonios, der sich den Namen Germanos (der Teutsche) beigelegt, ihn durch plözlichen Ueberfall des Feindes mit einer neu zusammen gerafften Schaar der Mainoten. Bei Ankunft der Regentschaft ward Elias nach der angenommenen Reduction der Militär-Grade vom General auf den Hauptmann zurückgesezt. Dieß hinderte ihn nicht, mit aller Kraft, zur Unterdrückung des Aufstandes von Messenien gegen die Regentschaft zu wirken. Er wurde, infolge dieses neuen Beweises von Ergebenheit, zum Obristlieutenant, zugleich Adjutanten des Königs Otto ernannt, und erhielt zu dem Kreuze für die Sieger im Freiheits-Kampfe den neugestifteten Erlöser-Orden. In obiger Eigenschaft und mit Beibehaltung seines reichen National-Costüms, begleitete derselbe seinen jungen Monarchen nach Teutschland, und bereiste mit ihm den ganzen Süden, dann die Rheingegenden, Sachsen und Brandenburg, dann die böhmischen Bäder. Ueberall zog zuerst die große, herrliche Gestalt des 36jährigen Mannes mit gebräuntem Gesichte, funkelnden Augen, dunklen Haaren und Schnurrbart, der stolze Gang und die edle Haltung an. Seine Umgebung erfreute die freundlich offene, aller Täuschung fremde Gesinnung und Rede.
(Schluß folgt.)
Bayerische National-Zeitung Nro. 184. Dienstag, den 22. November 1836.
Nekrolog.
Elias Mauromichalis,
(genannt Kazakos.)
(Schluß.)
Abgehärtet von Jugend auf in freiem Felde wie in steilem Gebirge, bei Sonnenhize und Sturm, bald in wüthendem Kampfe, bald in behaglicher Ruhe, Entbehrung oder Ueberfluß menschlicher Bedürfnisse, besaß Elias erstaunliche Körper-Muskulatur, Stärke und Gesundheit. Daher er, am 3. November, unser tückisches Klima und die rauhe Jahreszeit nicht achtend, in zu leichter Kleidung einer kgl. Jagd beiwohnend und hierauf Anzeichen der eben in München grassirenden Brechruhr verspürend, es verschmähte, als ein Weichling sogleich sich zu Bette zu legen und sich der Pflege des Arztes zu unterziehen. Er suchte daher sein Uebelbefinden zu verhehlen, und schalt die Freunde, welche ihm Rath boten oder Warnung. Andere wies derselbe mit Scherz zurück, wenn sie ihm von der Brechruhr sprachen: »Diese sei ein Weib und er fürchte keine Weiber.« So entwickelte sich das Uebel ungehemmt in dieser starken Constitution und kam am 6. Nov. früh zu einem Ausbruche, dessen Heftigkeit ihn troz der Anstrengung der Hrn. Leibärzte Wenzl, Breslau, Wibmer, dann der Stärke seiner Natur, unter fürchterlichen Schmerzen von Krämpfen nach 16 Stunden dem Tode entgegenführte. Er sah diesen mit der Gelassenheit eines Helden kommen, empfieng von dem griechischen Poppen in Fassung und Erbauung die Sterbsakramente, und noch 2 Stunden vor seinem Tode, als er diesen in seinem Zimmer mit dem Gebetbuche beschäftigt sah, sprach er fast heiter: »Bete für mich, für mich ist keine Hoffnung des Lebens mehr, und öffne mir die Pforten der göttlichen Barmherzigkeit« Gegen 10 Uhr hatte der heftige Kampf seiner widerstehenden Natur geendet, und er entschlief eine halbe Stunde darauf sanft, umgeben von wehklagenden Landsleuten und teutschen Freunden. Sein Tod, so plözlich, mitten in der königl. Residenz, fast unter den Augen der beiden Monarchen, und einige Wochen vor der bevorstehenden Vermählung seines Königs, der ihm mit voller Huld zugethan war, hat überall großen und schmerzlichen Eindruck gemacht. Am 8. Nov., Nachmittags 3 Uhr, nach Aussezung der Leiche in gewöhnlicher Nationaltracht in dem 1. Leichensaale auf dem allgemeinen Gottesacker, ward dieselbe mir dem gradmäßigen militärischen Condukte, einem Bataillon Infanterie, welches die 3 Grabsalven gab, dem dießseitigen Hoffourier, bayer. u. griech. Hofliaquaien, dann Bedienten des griechischen Gesandten und Consuls mit Flambeaux, und übriger zahlreicher Ehrenbegleitung zu Grabe getragen, und nach dem Gebrauche der griechischen Kirche zur Erde bestattet. Elias Mauromichalis starb als Wittwer und hinterließ 2 Söhne in zartem Alter, die in Kalamata bei Verwandten erzogen werden. Zu bemerken ist, daß Lykobunon, das Vorband der Spartaner, von einem Mauromichalis mit dem Leben von den Türken erkämpft, durch die Gnade des Königs ihr Eigenthum geworden ist. Wie entschieden übrigens diese vielverzweigte Heldenfamilie in Liebe und Haß sich bezeigte, bewies in lezterer Beziehung das furchtbare kleine Messer mit schwarzem Hefte, mit welchem Capoditstrias ermordet worden, und das als ewig denkwürdiges Erbstück stets von dem Erstgebornen in der Familie im Gürtel getragen zu werden pflegt. Ein Gesandschafts-Courier gieng mit der Todes-Nachricht, und bald darauf der Diener des Entseelten mit seinem lezten Willen und obigem Kleinode von München nach Athen ab.
Möge die deckende Erde dem jungen, edlen Helden leicht sein, dem, gleich so Vielen unserer wackern Bayern, nicht vergönnt war, in mutvoller Verteidigung seiner Heimat auf ihrem Boden, sondern in der Fremde an einer Seuche zu fallen, aber doch neben seinem Könige, und geehrt durch seine, wie durch Aller, die ihn kannten, herzliche Trauer!
Bayerische National-Zeitung Nro. 185. Donnerstag, den 24. November 1836.
3.
Bei dem Grabe des griechischen Adjutanten Mauromichalis, der an der Kolera starb.
Melod. I.
1. Es ist und bleibt der Menschen Loos,
Daß alle sterben müssen,
Denn alle müssen, klein und groß,
Die Schuld der Sünde büssen,
Die Adam schon im Paradieß
Uns zugezogen; denn er biß
In den verbothnen Apfel.
2. Er war an Leib und Seel verderbt,
Und alle seine Kinder,
Von Gott verstossen und enterbt;
Denn alle sind ja Sünder:
Und ward auch unsre Straf und Schuld
Getilgt durch des Erlösers Huld,
Blieb doch der Tod zurücke.
3. Wir können also über Gott
Uns keineswegs beklagen,
Indem wir in dem Leibestod
Die Straf der Sünde tragen,
Die uns schon angebohren war,
Und die wir leider noch sogar
Aus eigner Schuld begehen.
4. Deswegen kommt der bittre Tod
Uns überall entgegen,
Wir können uns, von ihm bedroht,
Nie sicher niederlegen,
Und wenn ein Mensch ins Leben tritt
So macht er schon der ersten Schritt
Zu seinem Lebensende.
5. Und ach! wie ist so groß die Zahl
Verschiedner Todesarten!
Er trift uns, wo wir seine Qual
Am wenigstens erwarten,
Und biethet allen Mitteln Trutz,
Und ach! es wächst vor ihn zum Schutz
Kein Kräutchen auf der Erde.
6. Besonders aber wüthet er
In unheilbaren Seuchen,
Er spottet aller Gegenwehr,
Und häufet Leich auf Leichen,
Und mähet ohne Unterschied
Die Sterblichen von Glied zu Glied
Mit seiner Sense nieder.
7. Dazu bedient er sich der Pest,
Und jeder Art der Fieber,
Und rufet noch von Ost und West
Die Kolera herüber,
Wo sie auf ihrer weiten Reis
Die Menschen millionenweis
In kurzer Zeit dahinrafft.
8. Sie machte in Italien
Sehr große Niederlagen,
Es war ihr nicht zu widerstehn,
Und ach! in wen’gen Tagen
Erschien sie schon in Mittewald,
Und war mit ihrem Gifte bald
In Bayerns Residenzstadt.
9. Und ach! wie grausam wüthet sie
In ihrer Volkesmenge!
Und trotz der angewandten Müh,
Damit man sie verdränge,
Hat sie schon eine große Zahl
Durch ihre namenlose Qual
Dem Tode überliefert.
10. Dabei befindet sich ein Ries
An Leib- und Seelenkräften,
Der Grieche Mauromichalis,
Den sich zu den Geschäften
Fürs wahre Wohl von Griechenland
Des weisen Königs Otto Hand
Zum Adjutanten wählte.
11. Er schenkte ihm auf jede Weis
Sein gänzliches Vertrauen,
Und nahm ihn auf die weite Reis
Mit sich nach Deutschlands Gauen.
Da lebte er im frohen Muth,
Obwohl die Kolera mit Wuth
In Münchens Mauern herrschte.
12. Man warnte ihn: er möchte da
Mit Vorsicht sich bequemen;
Er habe vor der Kolera
Sich wohl in Acht zu nehmen,
Er aber war voll Zuversicht,
Und sprach: ein Weib bezwingt mich nicht,
Und lebte ohne Sorgen.
13. Auf einmal nahm das böse Weib
Ihm alle Lebensfreude,
Durchwühlte schmerzend seinen Leib
Und seine Eingeweide:
Er traute seiner Kraft zu sehr,
Und suchte keine Hülf, da er
Durchaus nicht krank seyn wollte.
14. Die Hülfe kam daher zu spat,
Die Krankheit zu besiegen,
Er mußte bei dem beßten Rath
Der Ärzte unterliegen,
Denn als die nöth’ge Hülf erschien,
So war es nicht mehr möglich, ihn
Dem Tode zu entreissen.
15. Denn schon begann das böse Weib
Sein Leben zu bekämpfen,
Und bald erlag sein Riesenleib
Den Zuckungen und Krämpfen;
Vereitelt war der Ärzte Müh,
Er röchelte, und brüllte, wie
Ein pfeildurchbohrter Löwe.
16. So unterlag dem Todesschmerz
Der griechische Athlete,
Und krachend brach sein Felsenherz
Auf seinem Sterbebette,
Und schon vom Tode hingerafft
Ward seiner Muskeln Eisenkraft
Bewundert von den Ärzten.
17. So muß die größte Körperkraft
Der Kolera erliegen,
Und der von ihr verdorbne Saft
Des Eingeweids versiegen,
Und wer nicht Anfangs widersteht
Der suchet alle Hülf zu spät
Und muß im Tod erblassen.
18. Da liegt er nun, der große Held,
Alt sechs und dreissig Jahre,
Und eine schwere Thräne fällt
Auf seine Todtenbahre
Von König Ottos Aug herab,
Das unterm Thränenflor sich ab
Von seinem Liebling wendet.
19. Denn es beweint sein Thränenblick,
Nebst seiner Kraft und Jugend,
Auch seines Freunds verlohrnes Glück,
Und seine treue Tugend,
Das wahre Wohl für Griechenland,
Das des verblichnen Helden Hand
So mächtig unterstützte.
20. Doch, schon genießt der Tugendheld,
Im ewig wahren Frieden,
Den Tugendlohn in jener Welt,
Den er verdient hienieden;
Denn wer hier treu nach dem Geboth
Dem König dient und seinem Gott,
Wird ewig selig werden.
21. Laßt uns daher die Bahn der Pflicht
Mit fester Treue wandeln,
Und stets vor Gottes Angesicht
Nach seinem Willen handeln,
Dann führt des Todes Freundeshand
Uns ein ins wahre Vaterland,
Ins Reich des ew’gen Friedens.
Michael von Jung: Melpomene oder Grablieder. Ottobeuren, 1839.
Mauromichalis Elias, 1800 (Sparta/Griechenland) – 1836, griechischer Offizier (Oberst), Adjutant des Königs Otto von Griechenland und Rittter des königlich-griechischen Erlöserordens; er war Führer im griechischen Befreiungskampf und ist während eines Aufenthalts in München der Cholera-Epidemie erlegen; sein von König Ludwig I. gestiftetes und von L. von Klenze geschaffenes klassizistisches Grabmal gehört zu den künstlerischen und kulturgeschichtlichen Denkwürdigkeiten des Südlichen Friedhofs, es ist vorne mit griechischen, hinten mit lateinischen Lettern (deutscher Text) versehen; das Epigramm dürfte von Ludwig I. selbst stammen:
»Spartas Berge verlassend beschirmt ich des inniggeliebten = Herrschers Leben und Ruhm sorgend mit treuem Bemühn = heldenmütiger Männer Geschlecht die ich oft zu den Waffen = Stätten geführt in des Kriegs leuchtenden Werken geübt = Doch mich schützte der männliche Mut und unendliche Kraft nicht = als von den Meinigen schreckliche Seuche mich schlug = O Heimat, O König, O Haus und unmündige Kinder = lebt wohl! Klage jedoch ziehmet nicht meinem Geschlecht.«
Epigramm wurde von P. Prosper Wagner O. F. M. Cap., München, St. Anton, entziffert, nach dessen Angaben noch Nachkommen des Mauromichalis in Griechenland leben.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.