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17 – 12 – 50 (Hauschild · Holzmaier)

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Die Grabinschrift ist nicht erhalten

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Wilhelm Ernst Ferdinand Franz Hauschild

* 16.11.1827 (Schlegel, Grafschaft Glatz)
† 14.5.1887 (München)
Historienmaler

Allgemeine Zeitung (17.6.1887)

Nekrologe Münchener Künstler.
(S. »Allg. Ztg.« Nr. 324, 325 B. 1886.)

XLIX.

Wilhelm Hauschild.

Wilhelm Hauschild wurde am 16. November 1827 zu Schlegel in preußisch Schlesien in einer Weberfamilie geboren. Schlesische Weber! Wer denkt da nicht unwillkürlich an die lange Kette von socialem Leid und an das schandbare Drucksystem der Fabricanten, das Karl Hübner in seinem gleichnamigen Bilde zum himmelschreienden Ausdruck brachte. Der talentreiche Knabe wurde frühzeitig im Handwerk des Vaters verwendet, fand aber nur zu bald, daß dieses eine zu bittere Wurzel habe und dachte daran, der Lage der Seinen möglichst aufzuhelfen. Ueber dem Fadenschlage der Dessins flimmerten ihm neue, andere Muster vor den Augen; sein Dichten und Trachten ging vom ewigen Weißzeug zu farbigen Ornamenten über. Eines Tages endete er den schweren inneren Kampf und verließ, kaum der Schule entwachsen, Fadenstuhl und Webeschiff und lief nach Frankenstein zum Dccorationsmaler Krachwitz.

Anfänglich war freilich noch nichts gewonnen, aber er konnte nun doch mit Weißquast und Pinsel hantiren, Farbenreiben, Marmoriren, Stuccaturen machen und echtes Gold auflegen. In den benachbarten Kirchen und auf den Schlössern des Adels gab es vollauf zu thun, nebenbei wurden auch Bilder gefirnißt und mit dem Muthe der Jugend lustig restaurirt. Darüber schwoll natürlich der Wunsch, ganz der Kunst und Malerei sich zuzuwenden. Losgesprochen als freier Geselle, gings in die weite Welt auf die Wanderschaft, welche ihn im Zickzack auch nach Salzburg brachte. Sein Sinn aber war immerdar schon nach der bayerischen Hauptstadt gerichtet. Ein Freund empfahl ihn endlich an den gerade im Chiemgau schaffenden wackeren Historienmaler Joseph Holzmaier (Joseph Holzmaier, geb. 1809 zu Frauenchiemsee, gest. 19. December 1859 zu München, ein tüchtiger, technisch gewandter Componist und Historienmaler aus der Schlotthauer-Schule.) welcher den strebsamen Feuergeist nach München adressirte an den allen jungen Talenten mit wirklich väterlicher Liebe entgegenkommenden Schlotthauer. Dieser erkannte die hohe Begabung seines Clienten, lehrte ihm, was er brauchte und brachte ihn dann zu Professor Philipp Foltz, wodurch Hauschild in das richtige Fahrwasser gerieth und in einen Kreis gleichgearteter Genossen, die, insgesammt mit schönen Kräften ausgerüstet, nach dem höchsten Ziele trachteten. Da waren der geniale Eduard Schwoiser, welcher sich gleichfalls erst kurz vorher in ähnlicher Weise aus dem Handwerk losgerungen hatte, dann der liebenswürdige W. Roegge, der ganz historisch angelegte Schwörer und der vielseitige Sporrer, der edle, feinfühlige Munsch, der unermüdliche Pixis, dann Max Adamo, der damals noch der Benjamin unter Allen, doch schon im Wetteifer mit Karl Baumeister mit den ernstesten historischen Stoffen sich trug, ferner der Architekturmaler Christian Jank, der leider schon in der Blüthe feines Schaffens gestorbene Heinrich Spieß und dessen noch mehr begabter Bruder August Spieß, welch Letzterer, unmittelbar mit Schwoiser und Hauschild, so ziemlich dieselben Wege wandelte, alsbald dieselben Aufträge theilte und zu denjenigen Auserwählten zählte, welche die großartigen Pläne König Maximilians II. und König Ludwigs II. mit ihren werthvollen Schöpfungen am würdigsten illustrirten. Noch jetzt erinnere ich mich mit Freuden, wie uns der alte Foltz, beiläufig in der Mitte der fünfziger Jahre, als mich der greise August Lewald in dessen Atelier einführte, von dem ehrenwerthen, vielverheißenden Streben und Ringen seiner Schüler erzählte und insbesondere bei Schwoiser und Hauschild hervorhob, daß Beide, trotzdem daß sie schon untrügliche Proben ihres Könnens abgelegt hatten, doch noch vor keiner, wenn auch demüthigenden Arbeit, zurückschreckend, einen ganzen Sommer über in Salzburg »Stuck und Marmor machten,« um dadurch die Mittel zur Fortsetzung ihrer Studien an der Akademie zu gewinnen! Und der von edelster Energie geleitete Wille fand seinen Lohn. Eine figurenreiche Composition Hauschilds, wie Moses die eherne Schlange aufrichtet, wurde durch W. v. Kaulbachs persönliche Vermittelung dem König Friedrich Wilhelm IV. unterbreitet, welcher alsbald mit der Ausführung dieses Stoffes als Oelbild den jungen Künstler beglückte, der damit ein auch coloristisch tief durchgebildetes Werk lieferte (1857). Die Folge davon war, daß Hauschild zuerst zwei und dann noch weitere fünf Bilder für die historische Gallerie des bayerischen Nationalmuseums erhielt. Mit der größten Begeisterung ergriff Hauschild seine hohen Aufgaben. Er schildert den Bau der Regensburger Brücke unter Heinrich dem Stolzen (1135–1146); die Eroberung Belgrads durch Max Emmanuel (1688) und die Gründung des Waisenhauses zu München durch Joh. Poppel (1742). Mit drei anderen Bildern, Ereignisse aus dem Leben Karls XII. darstellend, ging Hauschild auf das Gebiet der Schlachtenmalerei über. Sie zeigen den berühmten Wittelsbacher, welcher als König von Schweden eine so große Rolle in der Weltgeschichte abspielte, als Sieger von Narva, in der Schlacht von Pultawa (mit zerschmettertem Bein auf einer offenen Sänfte getragen und von da herab seine Truppen commandirend und in der berühmten »Löwenjagd« von Varnitza (1713). Dabei befleißigt sich der Künstler natürlich der größtmöglichen Treue mit Portraits, Uniformen Waffen, Fahnen und Landschaft, und gab zugleich eine Probe, wie weit ein fleißiger Frescotier, ohne die Schönheit der Composition zu schädigen, selbst in der Darstellung des kleinsten Beiwerks zu gehen vermag. Mit »Martin Behaims Meerfahrt« (1484) lieferte er ein treffliches, ganz von tropischer Wärme durchglühtes Bild.

Während Hauschild mit seinen eigenen Schöpfungen vollauf beschäftigt war, fand er doch noch Zeit, einen schönen Act collegialer Freundschaft auszuüben. Da der vielversprechende Alois Vögele über dem Zeichnen eines Cartons (Scene aus dem Leben des Kurfürsten Max Joseph III.) gestorben war, übernahm Hauschild – der nebenbei längst schon der stille Tröster seiner Angehörigen in der schlesischen Heimath war – die Ausführung der ganzen Freske und überließ den vollen Erlös der Wittwe und dem Kinde seines Freundes. Gleiches hatte der edelmüthige Munsch an den Relicten des Historienmalers Adam Huber gethan – eine Handlungsweise, welche das Herz des königlichen Auftraggebers mit wahrer Freude erfüllte (Vgl. Karl v. Spruner: Die Wandbilder des Bayerischen Nationalmuseums. München, 1868. S. 27, 157, 206, 219, 389 ff. und 459.).

Man hat die Bilderreihe im Nationalmuseum verschieden beurtheilt und bisweilen, einzelner, jedenfalls weniger glücklicher Leistungen wegen, ein vorschnelles Urtheil gefällt. Hätte das gewiß echt königlich gedachte Unternehmen auch gar kein anderes Ergebniß gehabt, als die Kräfte einiger vordem kaum bekannten Kunstjünger zu reifen, wären daraus, um nur Einige hervorzuheben, gar keine anderen Namen hervorgegangen, als Schwoiser, Hauschild und Ferdinand Piloty, so müßte dieses Resultat schon als ein höchst günstiges und überraschend lohnendes bezeichnet werden.

Hauschild hatte sich glänzend bewährt und mit jeder weiteren Leistung seinem achtbaren Namen neue Anerkennung errungen. Als erfreuliches Zeichen seiner allerhöchsten Zufriedenheit übertrug König Max II. dem glühenden Kunstjünger die Darstellung der »Kreuzigung Christi« für den im Athenäum begonnenen Cyklus aus der Weltgeschichte. Und auch hiebei erwies sich die Originalität und Großartigkeit seiner Begabung, welche bei der unverkennbaren Gemüthstiefe des Malers gerade für das Fach der religiösen Historie besonders erlesen schien. Auf demselben Gebiete bewegte er sich mit einer neuen Bilderreihe für die von dem Fürsten Stourdza zu Baden-Baden erbaute griechische Capelle, deren Wände mit streng stilisirten Fresken geziert wurden; die photographische Reproduktion (durch Böttger) in 11 Blättern kam 1868 im Münchener Künstverein zur Ausstellung.

Nachdem Hauschild auch einige Fresken für die Kirche zu Lichtenthal (bei Baden-Baden) vollendet hatte, ging er an eine längst gepflegte Lieblingsidee »Christus mit Barrabas vor Pilatus« in einem figurenreichen Bilde, für dessen Ausführung er große Verhältnisse plante, darzustellen. Die höchst dramatische, mit hinreißendem Affect durchdachte Scene, die leidenschaftlich tobenden Volkshetzer, die wuthentbrannte, urtheilslose Menge, der vom Sturm zur Nachgiebigkeit verleitete rathlose Landpfleger und die im Dulden so großartige Leidensgestalt des Heilands, alles dazu unter freiem Himmel, mit dem Hintergrunde einer großen Architektur abstimmend – es wäre eine Meisterleistung ersten Ranges geworden (Lützow, Zeitschrift für bildende Kunst, 1872. VII. B. S. 9.). Da darauf keine Bestellung zur Ausführung in weiteren Dimensionen erfolgte, blieb das Ganze, zum stillen Schmerze des Künstlers, leider nur ein schönes Project und eine, freilich sehr durchgebildete, von originellster Kraft und lebendigster Phantasie sprudelnde Farbenskizze. Andere Arbeiten drängten sich inzwischen, insbesondere die gloriosen Aufträge, womit Se. Maj. König Ludwig II. den Maler bleibend in Thätigkeit nahm.

Zuerst lieferte Hauschild eine ganze Reihe von fast miniaturmäßig durchgebildeten Aquarellen, die als Vorlagen für die danach in Jörres‘ Atelier ausgeführten Stickereien, richtiger Nadelmalereien, dienten; meist nur einzelne Figürchen oder spielende Amoretten und Kindergruppen, in welchen Hauschild ebenso viel Schönheit und Anmuth, wie Grazie und Leichtigkeit bewährte. Dann folgten Altarbilder für die Schloßcapelle zu Berg und bald darauf große Plafondgemälde für den Linderhof und die Spiegelgallerie zu Herrenchiemsee. Noch größere Thätigkeit entfaltete Hauschild in dem schönen Schloß Neuschwanstein. Erst malte er mit Schwoiser im Thorbau die fröhlichen »Episoden aus dem Leben eines mittelalterlichen Reisigen,« dann an der östlichen Giebelfront die Bilder der Patrona Bacariae und des hl. Georg; die Scenen aus dem Kreuzzug König Ludwigs IX. im dortigen Oratorium, ferner den ganzen Cyklus zu dem mittelalterlichen Epos des »Lohengrin« und im Vorplatz des dritten und vierten Stockwerkes die trefflichen Bilderreihen aus der Sigurd- und Gudrun-Saga (Edda). Besonderes Lob verdient dabei auch die geschickte Fügsamkeit, wie der Maler sich den Forderungen des Architekten unterzuordnen wußte und in der Wahl seines Stoffes, den gebotenen Raumverhältnissen entsprechend, ohne Schädigung des Details, die Hauptmomente der Dichtung unterzubringen und zu gruppiren verstand.

Womöglich noch glücklicher und mit einem dem Eintretenden geradezu überwältigenden Ernst und majestätisch wirkenden Ruhe gelang ihm die Ausschmückung des Thronsaales. Wenn das ganze Schloß in seiner Grundidee der Verherrlichung der mittelhochdeutschen Dichtung, insbesondere der durch August Spieß überaus glücklich gestalteten Gral-Sage gewidmet ist, so überraschen uns hier in einem Gipfel- und Brennpunkte das ganze Heiligthum die es neuen Munsalvaesche, wie selbes in voller Traumherrlichkcit nur ein echter, königlicher Dichter zu ersinnen vermag. Eine eingehende Schilderung dieser Bilder ist, wenigstens hier, vorerst noch unnöthig, da das Ganze durch Alberts Photographien wohl schon in nächster Zeit der weitesten Oeffentlichkeit in einem wahren Prachtwerk erschlossen wird.

Da der königliche Bauherr, um seine Ideale baldmöglichst der Vollendung entgegenreisen, zu lassen, nicht allein die Architekten, sondern auch die Maler zu beflügelter Eile trieb, so mußte Hauschild, nachdem er für die Einheit der Composition durch eigenhändige Skizzen – sie gehen übrigens bei der sorgsamsten Ausführung alle weit über die mit diesem technischen Wortgebrauche sonst üblich verbundene Vorstellung – gesorgt hatte, an helfende Hände die Ausführung der Arbeiten vertheilen. Während er selbst die großartigen Gestalten des über der Apsis thronenden Weltrichters mit den heiligen Königen seinem Pinsel vorbehielt, übernahmen bewährte Kräfte, wie Julius Frank u. A., die tiefsinnig angeordnete Bilderfolge der Seitenwände; es gelang im edelsten Wetteifer eine einheitliche Stimmung und Abrundung der imposanten und in ihrer Eigenart ganz unvergleichbaren Schöpfung.

Während der Arbeit am letzten Bilde der Sigurd-Saga hatte Hauschild, der von frühester Jugend an geübt war, sicheren Trittes auf allen Gerüsten herumzuklettern, das Unglück, von einem solchen zu stürzen und außer einem gebrochenen Schulterblatt eine furchtbare Erschütterung zu erleiden. Während er sich äußerlich erholte, so zwar, daß auch die vorerwähnten Arbeiten des Thronsaales seiner Hand anvertraut werden konnten, faßte doch ein inneres Leiden Wurzel, das in eine heimtückisch schleichende Krankheit überging, welches Hauschild mit größter Geduld und Ergebenheit ertrug, bis er am 14. Mai ruhig und sanft entschlief. Auf seinem Sarge ließ Se. k. Hoh. der Prinz-Regent Luitpold einen prachtvollen Kranz niederlegen. Se. Majestät König Ludwig II. hatte den Künstler vielfach ausgezeichnet und ihm unter den Ersten gleich nach ihrer Stiftung die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und 1879 den Titel eines k. Akademie-Professors verliehen.

Das sind beiläufig die Grundzüge von Hauschilds künstlerischer Thätigkeit. Was er inzwischen und nebenbei schuf, ist immerhin noch eine nicht unerhebliche Anzahl von Bildern. Sein erstes Oelbild, welches 1854 im Kunstverein ausgestellt und angekauft wurde, behandelte einen Stoff aus der schlesischen Legende: »Die hl. Hedwig (Herzogin von Schlesien und Polen) arme Waisenmädchcn unterrichtend« (gestochen von Barfus). Einen von ihm gemalten Kreuzweg stiftete Hauschild als Geschenk in die Kirche seiner Heimath. Altarbilder lieferte Hauschild nach Erlstädt (bei Traunstein), nach Au (am Fuße des Ettaler Berges) und Lauban in Schlesien. Angeregt durch einen Vortrag des Hrn. Professors Dr. Sepp über den Dionysos-Cult, schuf unser Maler eine von der Kritik seltsamerweise sehr verschieden beurtheilte »Bacchantin;« während die Einen das in schuldloser Lust hintanzende Mägdlein für eine zu harmlose Idylle erklärten, sahen die Anderen in ihr eine Demimonde-Französin, wogegen sie der Recensent in Lützows Zeitschrift (1872, VII. B., S. 368) als eine »üppige, farbenprächtige Gestalt, voll übersprudelnder Lebenslust« vertheidigte, wobei »die Gewandung und die Früchte, welche sie in der Linken trägt, mit glühendem Colorit sich wirksam vom blauen Hintergründe abheben.« Für das Münchener Hoftheater malte Hauschild die »Poesie« nach Raphael auf den in den Zwischenacten gebrauchten Vorhang (Als der schöne Vorhang zum ersten Male niederging, brach ein Dämchen auf die Bemerkung ihres Nachbars, daß dieses Bild die »Poesie« von Rafael sei, mit großer Verwunderung in die theilnehmenden Worte aus: »Ja! Ist denn der gute Rafael so verarmt und heruntergekommen, daß er für das Theater malen muß?«). Auch in der Landschaft und im Genre versuchte er sich mit einem kleinen »Apfeldieb« (oder: »Schlechte Gesellschaften verderben gute Sitten«) und einer »Kleinen Sittenrichterin,« worin ein Mädchen ihr etwas derangirtes Brüderchen auf den im Kinderbilderbuch vorgewiesenen Struwwelpeter mit den Worten »So siehst Du aus« aufmerksam macht. Beide erschienen, nebst einer »Mühle bei Prien,« auf der Kunstausstellung des Jahres 1872.

Hauschild war überhaupt eine universal angelegte Natur, welche ebenso leicht als Schnitzer und Bildhauer, wie als Ingenieur und Baumeister excellirt hätte. In ihm steckte ein heimlicher Architekt, welcher zeitweise der eigenen Baulust die Zügel schießen ließ. So verwendete er den Ertrag seiner Museumbilder, um gemeinsam mit seinem Freunde Joh. Marggraff ein eigenes Heim zu gründen, dessen Anrechte er jedoch wieder veräußerte, um eine Villa mit Gartenanlagen bei Prien zu bauen; zuletzt noch erwarb er in München ein eigenes schönes Haus, woselbst er wenigstens zu neuen Ateliers bauliche Aenderungen betrieb. In seiner Werkstätte stand immer eine Hobelbank und Drehscheibe nach eigener Construction, an welchen er mit allerlei Subtilitäten hantirte, drechselte und bosselte; da entstanden, seitdem er mit einer Tochter des Historienmalers Holzmaier 1862 eine glückliche Ehe geschlossen hatte, nicht allein allerlei Kinderspielzeug für seine heitere Jugend, wie Trillhäuschen und Vogelkäfige, Wasserräder, Stampfmühlen u. dgl., sondern auch insbesondere Räderuhren mit Schlag- und Spielwerken. Er barg in seinem Haupte eine staunenswerthe Fülle von Ingenium, welches jeden anderen vielleicht zu heilloser Verzettelung verleitet hätte. Bei Hauschild aber behielt der Künstler immer die Oberhand. Mit der wachsenden Menge der Arbeit schwoll seine Leistungsfähigkeit. Nie befand er sich wohler, als wenn die Bestellungen drängend über ihm zusammenschlugcn, wobei der Künstler dann nicht allein die größte Gewissenhaftigkeit in Durchbildung und Ausführung bewahrte, sondern gleichsam zur geistigen Erfrischung noch andere Projekte und Compositionen erfand, welche seine unablässig sprudelnde Phantasie eingab.

Hauschild hinterließ zwei talentvolle Söhne, welche gleichfalls der Kunst sich zugewendet haben und das geistige Erbe ihres Vaters nach dem Gesetze der Geneanomie in ihrer Weise ausbilden werden.

Allgemeine Zeitung Nr. 166. München; Freitag, den 17. Juni 1887.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Hauschild Wilhelm Ernst Ferdinand Franz, 1827 (Schlegel, Grafschaft Glatz) – 1887, Historienmaler und Akademieprofessor; nach Ausübung des väterlichen Weberhandwerks bildete sich H. später in München bei Ph. von Foltz und namentlich bei J. Schlotthauer zum Historienmaler aus; nach kurzem Studienaufenthalt in Paris ließ er sich dauernd in München nieder; Maximilian II. zog ihn zur Ausstattung des alten National-(heute Völkerkundlichen) Museums an der Maximilianstraße heran, für das er acht Fresken schuf; bald darauf erhielt er für die historische Galerie des Maximilianeums das Ölgemälde der Kreuzigung Christi in Auftrag; er betätigte sich sodann auf dem Gebiet der religiösen Kunst mit Altarbildern für bayerische Kirchen, besonders mit den Fresken für die Gruftkirche der rumänischen Fürstenfamilie Stourdza am Michaelisberg bei Baden-Baden und die Schloßkapelle in Berg; später wurde H. unter Ludwig II. mit der Ausstattung der Schlösser Linderhof, Berg, Herrenchiermsee und Neuschwanstein betreut; für seine Heimatkirche Schlegel stiftete der Künstler einen von ihm selbst geschaffenen Kreuzweg.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

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Josef Holzmaier

* 21.11.1809 (Frauenchiemsee)
† 29.12.1859 (München)
Kirchenmaler

Kunstvereins-Bericht für 1859 (1860)

Joseph Holzmaier, Historienmaler,

geboren um das Jahr 1808 zu Frauen-Chiemsee, mußte bereits als Knabe von zwölf Jahren das elterliche Haus verlassen, um zu einem sogenannten Faßmaler und Vergolder in die Lehre zu treten, bei welchem der lernbegierige Knabe sich bald zu einem tüchtigen Gehilfen heranbildete. Seine häufigen Beschäftigungen in Kirchen weckten bald in ihm den Drang, in einer mehr würdigen Weise zur Ausschmückung des Hauses Gottes wirken zu können und führte ihn nach München, wo er unter der Leitung des Professors Schlotthauer seine ersten künstlerischen Studien machte. Ein bedeutendes Talent, verbunden mit tiefreligiösem Sinn und unermüdlichem Eifer erwarben ihm bald einen geachteten Namen auf dem Felde christlicher Kunst. Seine zahlreichen Arbeiten – meist in den Landkirchen Oberbayerns zerstreut – zeichnen sich durch tiefes Gefühl und angenehme harmonische Färbung aus.

Seit seinem 29. Jahre verehelicht und Vater von zwei Töchtern, lebte er in bescheidener Stille und beglückter Häuslichkeit bis ihn ein Schlaganfall am 19. Dezember 1859 seiner Familie und der Kunst plötzlich entriß, während er in Ausführung eines Auftrages für das Bayerische Nationalmuseum begriffen war.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München während des Jahres 1859. München, 1860.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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