Ω
Das Grab ist nicht erhalten
Ω
Müller, Karl Friedrich August, Dr.; – 26.7.1837 (München), 60 Jahre alt; Gründer und Redakteur der Bayer’schen Landbötin
|||
† 26.7.1837 (München), 60 Jahre alt
Gründer und Redakteur der Bayer’schen Landbötin
Heute früh um halb 6 Uhr entschlief sanft, an der Lungenlähmung, nach erhaltenen Tröstungen der Religion mit im Herrn ergebener Duldung nach mehreren schweren Leiden, mein unvergeßlicher Gatte, der Redakteur und Gründer der Bayer'schen Landbötin,
Dr. Karl Friedrich August Müller,
in einem Alter von 60 Jahren 6 Monaten, und beschloß hiemit das durch sein ganzes Leben für die leidende Menschheit bezeigte wohltätige und gesegnete Wirken.
Den hochverehrten Abonnenten der Bayer'schen Landbötin ertheilt die tiefgebeugte unterzeichnete Wittwe die Versicherung, daß für eine gediegene Redaktion dieses, in allen Theilen des Königreiches verbreiteten und beliebten, Volksblattes gesorgt wird, und verbindet damit die Bitte, daß dieselben die Wittwe des verblichenen Ehrenmannes durch zahlreiche Theilnahme an diesem Volksblatte ferner unterstützen, und Alle, die ihn kannten, ehrten und schätzten, ihn im steten freundlichen Andenken erhalten möchten.
München, den 26. July 1837.
Agnes Müller, Wittwe.
Due Beerdigung findet Morgen Freitag Nachmittags 3 Uhr vom Leichenhause aus Statt.
Die Bayer'sche Landbötin Nro. 89. München; Donnerstag, den 27. Juli 1837.
Miszellen.
München, 27. Juli. Heute Morgen verschied Fr. Aug. Müller, Herausgeber der bayerischen Landbötin. Dieses Blatt erreichte in Altbayern eine eigene Art Celebrität und hat in letzter Zeit gegen fünftausend Abonnenten gefunden, und zwar nicht nur unter der niederen und Mittel-, sondern selbst unter der höchsten Klasse. Ueber die Tendenz und den Werth dieses Blattes zu sprechen, kann von einem höheren Standpunkte aus, wohl nicht der Mühe lohnen, da eine solche Zeitschrift gewiß außer dem Bereiche der Literatur liegt. Was aber den Herausgeber anbetrifft, so muß jetzt jede feindliche Leidenschaft weichen, und wer ihn näher kannte, muß gestehen, daß Müller sowohl ein durch große Reisen an Erfahrung gereifter Mann war, sondern auch Sprachkenntniß, gründliches historisches Wissen und überhaupt literarische Gewandtheit besaß. Die Geschichte seines Vertrages mit dem Buchhändler Frankh in Stuttgart, weßhalb er so hart angefeindet und angeschuldet wurde, kennen wir nicht genau, so viel aber wagen wir über seinen persönlichen Charakter auszusprechen, daß er ein offenes, gutherziges Gemüth hatte, und daß ganz vorzüglich durch seine Tätigkeit und durch seine unaufhörliche Aufforderung des Publikums zur Mildthätigkeit viele Tausende von Gulden nebst Kleidungsstücken und andern Bedürfnissen dem Unglücke und der Armuth zu Theile wurden. Als Müller, der seine wissenschaftliche Bildung zur blühendsten Zeit der Georgia Augusta zu Göttingen und unter den berühmtesten Lehrern vollendet, vor ungefähr zwanzig und einigen Jahren in München eine durch hohen wissenschaftlichen Ernst und innern Werth sich auszeichnende Literaturzeitung herausgab, da wohnte er mit der Gefährtin seines Lebens, in einem armseligen Dachstübchen, fristete unter äußerster Anstrengung seiner geistigen Kräfte nur höchst kümmerlich sein Daseyn und das Unternehmen mußte aufgegeben werden; als er aber seine Landbötin auf der niedersten Stufe der Popularität gründete, eine Kloake der gemeinsten Klatschereien eröffnete, einen »o du Lalli!« als höchsten Punkt seiner Satyre und Polemik betrachtete, und als »Alterl« mit seinem Publikum fraternisirte, da erweiterte sich der Kreis seiner Leser zu einem, bei uns noch nicht gekannten Umfange, und Müller's Lage und Verhältnisse gestalteten sich auf die angenehmste Weise. – Ueber diese unwiderlegbare Thatsache enthalten wir uns jedes Commentars, denn wir wüßten aus der fatalen Klemme wenn man uns mit dem Ausspruche: »Müller hat seine Zeit gut verstanden«, noch einige literarische Impubertäten vorwerfen wollte, keinen ganz verläßigen Ausweg.
Fränkischer Merkur Nro. 211. Bamberg; Sonntag, den 30. Juli 1837.