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Hier ruhen
Herr Mich. Halbreiter
gest. 14. März 1845.
Frau Amalie Schäffer
Weinhändlersgattin
gest. 30. Dez. 1870
Frau Therese Halbreiter
gest. 17. April 1873.
Herr Heinr. Theod. Hudemann
Kunstmaler
geb. 2. Aug. 1817, gest. 2. Sept. 1877.
Frau Therese Hudemann
geb. 5. Juni 1824, gest. 23. März 1904.
Sockel
Unser herziges Kind
Franz Triendl
geb. 21. Okt. 1892, gest. 26. Febr. 1894.
Heiligensetzer
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Halbreiter, Michael; – 14.3.1845 (München), 68 Jahre alt; Bierwirt
Halbreiter, Therese (vh); – 17.4.1873 (München), 83 Jahre alt; Gastwirts-Witwe
Hudemann, Therese Walburga (vw) / Halbreiter (gb); 5.6.1824 (München) – 23.3.1904 (München); Wirts-Tochter aus München / Photographens-Gattin
Schäffer, Amalie (vh); – 30.12.1870 (München), 37 Jahre alt; Weinhändlers-Gattin
Triendl, Franz; 21.10.1892 – 26.2.1894
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* 2.8.1817 (Rendsburg)
† 12.9.1877 (München)
Photograph und Kunstmaler
München, 4. Juni. — Hr. Photograph Hudemann hat vom Bogenfenster des großen Rathaussaales aus, in dem Augenblicke, in welchem das Evangelium an der Mariensäule gelesen wurde, eine äußerst gelungene Photographie genommen, welche diesen erhebenden kirchlichen Akt mit größter Reinheit darstellt. Diese Photographie wird für Viele, welche der heutigen Fronleichnamsprozession beiwohnten, gewiß ein schönes Andenken seyn.
Der Bayerische Landbote No. 156. München; Samstag, den 5. Juni 1858.
Die Photographie hat in kürzester Zeit sich hier völlig eingebürgert, die Anzahl von solchen Schauläden und Auslogen ist ein sprechender Beleg dafür. Wir verweilten gerade bei der jüngsten Auslage, die aus dem Atelier des Hrn. Th. Hudemann (Sonnenstraße Nr. 11) hervorgegangen. Alle diese Bilder sind durch seltene Klarheit und Feinheit des Tones ausgezeichnet, wozu sich noch der Vorzug gesellt, daß nirgends eine Retouche wahrzunehmen ist. Von den kleinsten Porträts für die Brosche einer Dame, bis zu den jetzt so beliebten Miniaturporträtbildern in ganzer Figur sind alle gleich scharf und gelungen; ausgezeichnet aber sind die größeren Porträts durch die Weichheit der Mitteltöne, indem die sonst so schreienden Gegensätze von Licht und Schatten in künstlerischen Uebergängen zu einem reinen Bilde verbinden. Aus demselben Atelier scheinen auch die schönen Blätter hervorgegangen, welche Ravizza's Kaufladen zieren, wenigstens finden sich hier mehrere davon, weiters mehrere Ansichten unserer Stadttheile, unter denen das Zeughaus mit seiner Umgebung am Anger als vollendetes, meisterhaftes Blatt genannt werden muß, ja es gehört vielleicht zum Schönsten, was in diesem Bereiche geleistet wurde. Daneben finden wir gleich vortreffliche Aufnahmen nach plastischen Kunstwerken (wie Guggenbergers Altar und Gröbners Vesperbild), darunter ein allerliebstes Weihnachtsbildchen von Franz Pocci. — [Wir erlauben uns daS kunstliebende Publikum auf die genannten Auslagen in der Neuhausergasse (am Laden des Kaufmann Findel) und in der Sonnenstraße Nr. 11, vor dem Atelier des Künstlers selbst, aufmerksam zu machen.]
Bayerischer Kurier Nr. 27. München; Samstag, den 28. Januar 1860.
München, 7. März. Vor den Schranken des Schwurgerichts figurirte heute als Verbrecher zur Abwechslung wieder einmal eine jugendliche Persönlichkeit aus der Bevölkerung unserer Hauptstadt, der Photographengehilfe Karl Schwendtner von hier. Was ein guter Hacken werden will, krümmt sich bei Zeiten, und so fing denn auch unser Jüngling, der jetzt 21 Jahre zählt, bereits im Jahre 1859 an, die Zahl der Gauner zu vermehren, indem er einige Betrügereien verübte, die schließlich die Justiz veranlaßten, ihm auf 5 Jahre die schöne Plassenburg als Wohnsitz anzuweisen. Dort scheint es ihm jedoch nicht sonderlich gefallen haben; denn schon im Juni 1862 wußte er durch scheinbare reuige Besserung zu erwirken, daß ihm der Rest seiner Strafzeit im Wege der Gnade erlassen wurde. Zurückgekehrt in die Welt, fand er nun bald, daß, um das Leben nach Wunsch zu genießen, Morgen- und Mittagskost nebst einem wöchentlichen Lohn von 4 fl., welchen er, von Photograph Hudemann als Gehilfe aufgenommen, von diesem erhielt, nicht genüge, und daß es angenehmer sei, mehr zu verdienen, aber weniger oder vielmehr gar nichts zu arbeiten. Er entfernte sich daher eines Tages unter dem Vorwand eines Geschäftes auf Nimmerwiederkehr aus Hudemanns Wohnung, und 2 Tage darauf erfuhr Letzterer und seine Frau, daß der hoffnungsvolle Junge bei mehreren hiesigen Geschäftsleuten, welche ihn noch in Hudemanns Diensten stehend vermeinten, angeblich in dessen und seiner Frau Auftrag verschiedene Waaren sich verabfolgen ließ, und in zwei weiteren Fällen wenigstens den, jedoch mißlungenen Versuch dazu gemacht habe. Der Gerichtshof verurteilte den K. Schwendtner, nachdem derselbe vollkommen geständig war, zu 4½ jähriger Zuchthausstrafe.
Augsburger Neueste Nachrichten Nr. 68. Montag, den 9. März 1863.
München. I. außerordentl. Schwurgerichtssitzung für Oberbayern. 6. Verhandlung am 7. März gegen Karl Schwendtner, Photographengehilfe von München — wegen Betrugs.
Staatsanwalt: Herz; Vertheidiger: Martini, Concip. Geschworene: Dasinger, Koppold, Guggemos, Lochner, Kopp, v. Dallarmi, Kraisy, Hegele, Nutzinger, bauer, Fischer, Seidl.
Am 20. Okt. v. J. entfernte sich der Photographengehilfe Schwendtaer aus der Wohnung seines Dienstherrn, des Photographen Hudemann dahier, ohne wieder zurückzukehren. Ganz kurze Zeit darauf stellte sich heraus, daß derselbe nach seiner Entfernung unter Mißbrauch des Namens seines Dienstherrn eine Reihe Betrügereien verübt hatte. Dem Hofkürschner Jahn schwindelte er zwei Muffe im Werthe von 26 fl. ab, dem Papparbeiter Aschenbrenner 10 Stück Photographie-Rahmen, 3 fl. werth, bei den Säcklern Alois und Jak. Röckl je ein Dutzend Paar Handschuhe im Werthe von 25 fl. Bei dem Chemiker Buchner wollte Schwendtner 1¼ Pfd. salpetersaures Silber im Werthe von 56 fl. 15 kr. herausnehmen, und ebenso in der Kaut'schen Papierhandlung 2 Buch Kartonpapier, in diesen beiden Fällen erreichte er aber seinen Zweck nicht, weil ihm die Verabfolgung der gewünschten Gegenstände verweigert wurde. K. Schwendtner ist geständig und erscheint als rückfällig, da er bereits am 27. Okt. 1859 vom Bezirksgericht München l/I. wegen Betrügereien zu 5 Jahren Arbeitshaus verurtheilt wurde.
Nach dem Plaidoyer erklärten die Geschwornen K. Schwendtner des Verbrechens des Betruges schuldig, worauf der Gerichtshof denselben zu 4½ Jahren Zuchthaus verurtheilte.
Der Bayerische Landbote No. 68. München; Montag, den 9. März 1863.
Zur bevorstehenden Weihnachtszeit empfiehlt sich zur Aufnahme von Portraits in allen beliebigen Formaten in brillanter Ausstattung das
photographische Atelier Hudemann,
Nr. 11 Sonnenstrasse Nr. 11
Aufnahmen von Kinderportraits finden in den Mittagsstunden statt.
Zugleich empfehlen wir unsere große Auswahl von Altären und der allgemein beliebten Heiligenbilder.
Bayerischer Kurier No. 353. Mittwoch, den 22. Dezember 1875.
Todes†Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsern innigstgeliebten Gatten, Vater etc. etc.
Herrn
Heinrich Th. Hudemann,
Kunstmaler und Photograph,
geb. aus Rendsburg,
nach langem schmerzlichen Leiden heute Nachmittags halb 4 Uhr zu sich in die Ewigkeit zu rufen.
München, den 12. September 1877.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen.
Das Bayerische Vaterland No. 210. München; Sonntag, den 16. September 1877.
Tiefgefühlten Dank
allen verehrten Verwandten, Freunden und Bekannten für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung des
Herrn
Heinr. Theodor Hudemann,
sowie auch für die überaus reiche Blumenspende und bitten, das dem Verstorbenen geschenkte Wohlwollen gütigst übertragen auf
Die tieftrauernd Hinterbliebenen.
Neueste Nachrichten Nr. 262. München; Mittwoch, den 19. September 1877.
Theodor Hudemann.
Am 12. dß. starb zu München nach fünfjährigen harten Leiden der Kunstmaler und Photograph Hr. Theodor Hudemann, geboren den 2. August 1817 zu Rendsburg (im ehemal. Holstein). Erst besuchte der Jüngling die Kriegsschule zu Kopenhagen, entsagte aber dem Militärstande um sich der Kunst zu widmen. Im Jahre 1839 kam er nach München, wo der schöne hellblonde und blauäugige Jüngling, ein wahres Abbild des altgermanischen Norden, als Porzellanmaler und namentlich als Silhouetteur*) eine schnell bekannte Persönlichkeit wurde. Verzichtend auf den langweilig herkömmlichen Weg, einen Schattenriß in Lebensgröße nachzuzeichnen und dann erst mittelst des sogenannten Storchenschnabel zu verkleinern, war Hudemann seine meist mit frappanter Aehnlichkeit natürlich en profil aufgefaßten Miniaturporträts im schärfsten Umriß gleich auf den Stein, von wo das gewünschte Bild rasch und zahllos abgedruckt werden konnte. Als dann die Photographie aufkam ging Hudemann nach Paris, machte sich mit dieser Technik vertraut und etablirte ein solches Atelier in München, wobei ihm in der malerischen Anordnung sein künstlerischer Sinn sehr zu statten kam. Ueberhaupt behielt das Künstlerische bei ihm immer die Oberhand. Ein schönes gerundetes Bild zu erzielen galt ihm als Hauptsache; dieses zu erreichen scheute er weder Zeit noch Mühe und machte nicht selten von einer Person eine ganze Reihe von Aufnahmen, bis zwar nicht ihm, aber doch dem gequälten Objekt über der Gewissenhaftigkeit des Künstlers die Geduld riß. Auch colorirte er mit zartester miniaturhafter Detailausführung viele Photographien, machte architektonische Aufnahmen von einzelnen historisch merkwürdigen oder besonders malerischen Partien Alt-Münchens, reproducirte als der Erste einige interessante Handzeichnungen aus dem damals noch unter Brulliot's Leitung stehenden kgl. Handzeichnungs-Kupferstich-Cabinet (insbesondere eine Reihe von Burgmair's Landsknechten). Auch vervielfältigte Hudemann eigene Compositionen, insbesondere aber die originellen Altarbauten des durch seine unermüdlichen Schöpfungen ausgezeichneten Architekten Georg Schneider. Frühzeitig geriet Hudemann, welcher sich vielfach auch mit chemischen Experimenten befaßte, auf die Herstellung von transparenten Photographien ein Verfahren, welches damals keine Beachtung fand, heutzutage aber so ziemlich allgemeinen Boden gewann. — Möglicherweise gaben die vielleicht nicht immer mit der gehörigen Vorsicht bewerkstelligten Versuche den ersten Anstoß zu einem hochgradigen Herzleiden, welches verbunden mit dem wassersuchtähnlichen Niederschlag in den Füßen, den armen Dulder in unbeschreiblicher Weise folterte. Unvermögend zu gehen, zu stehen oder zu liegen, verbrachte er fünf lange Jahre, Tag und Nacht in einer halbsitzenden Stellung auf einem Stuhle, in fortwährender Athemnot ringend, unfähig zu leben und zu sterben, dennoch nach Möglichkeit in den leichteren Zwischenräumen arbeitend und an allen Produkten seines Ateliers den regsten Antheil nehmend. Endlich erlöste den vielgepeinigten Mann, an dessen Heilungf alle ärztliche Kunst scheiterte, der lang und sehnlichst erwartete Tod.
Auffallender Weise erlag der am 11. September 1876 verstorbene Kunstmaler und Photograph Heinrich La Rüelle, freilich in hochbetagtem Alter, einem ganz ähnlichen Leiden.
Aus Hudemanns Atelier ging als besondere Specialität eine große Anzahl von Heiligenbildern hervor, ebenso neuestens eine originelle Portraitsammlung der Päpste in historischer Reihenfolge (in Medaillon-Form), welche wir dem kunstliebenden Publikum und hochw. Klerus zur Beachtung dringend empfehlen.
Ebenso wurden in diesem Verlag wohl über zwanzig Compositionen von Franz Pocci's Hand photographirt und in den Handel gebracht.
Beilage zur Augsburger Postzeitung Nr. 71. Samstag, den 22. September 1877.