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Das Grab ist nicht erhalten
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Pixis, Theodor; 1.7.1831 (Kaiserslautern) – 19.7.1907 (Oberpöcking am Starnberger See); Historienmaler und Illustrator
»Der Münchener Historien-, Porträt- und Genremaler Theodor Pixis, einer der typischen Vertreter der altklassischen Münchener Schule und Schüler Wilhelm Kaulbach ist im 77. Lebensjahre auf seiner Besitzung in Oberpöcking am Starnberger See gestorben. Durch sein Gemälde »Huß auf dem Wege zum Konzil« (1857 Erste Medaille) im Berner Museum hat er seinen Rufe begründet und dann im Auftrage des Königs Max drei Fresken im alten Münchener Nationalmuseum gemalt. Später hat er sich auch der Illustration deutscher Opern zugewendet und für König Ludwig II., der ihm Zutritt zu den Separatvorstellungen gestattet, Szenen aus den Wagnerschen Opern gezeichnet. Hieraus ist dann im Laufe der Jahre die bekannte Richard Wagner-Galerie (45 Blatt), sowie auch ferner der Zyklus »Otto der Schütz« von O. Kinkel entstanden. Noch in den letzten Jahren hat Pixis eine reiche literarische Tätigkeit entfaltet.«
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* 1.7.1831 (Kaiserslautern)
† 19.7.1907 (Pöcking)
Historienmaler und Illustrator
Pixis, Theodor, Historien- und Genremaler, * 1. Juli 1831 in Kaiserslautern (in der bayerischen Rheinpfalz), † 17. Juli 1907 auf seinem Landgut zu Oberpöcking (bei Starnberg). – P. absolvierte, seit 1847 in München, das Gymnasium, bezog im nächsten Jahre die Universität, um sich nach dem Vorbilde des Vaters, eines ausgezeichneten hochgestellten Beamten, der Rechtsgelehrsamkeit zu widmen, vertauschte aber bald das Corpus juris mit der Palette und die Hochschule mit der Kunstakademie, wo ihn Professor Philipp Foltz, welcher damals eine große Zahl namhafter Talente in seiner Schule vereinte, gerne aufnahm. P., welcher schon 1848 mit einem »Fischhändler« seine gründliche Begabung erwiesen hatte, oblag mit jugendlichem Feuereifer den »streng historischen« Studien. Als erste Probe reifte ein die Deputation der »römischen Frauen im Lager der Volsker vor Coriolan« vorstellendes Bild, ebenso (1855) eine große Szene mit dem von Peter Vinea an Kaiser Friedrich II. geplanten Attentat, 1856 der »Abschied des böhmischen Reformators Johannes Huß von seinen Freunden« (vgl. Julius Grosse in Nr. 256 der »Neuen Münchener Zeitung«, 25. Oktober 1856). Mit solchen, der deutschen Kunst doch ziemlich fern liegenden, unmalerischen Stoffen, plagte sich damals die akademische Jugend. Angeregt durch seinen geistreichen mitstrebenden Freund Karl Lossow (s. »Allg. Deutsche Biographie« 1884, XIX, 223), der einen Zyklus aus der »Gudrun« in der am Comer See erbauten Villa Carlotta für den Erbprinzen von Meiningen begonnen hatte, warf sich P. mit aller Macht auf das Studium dieses mittelhochdeutschen, »die Nebensonne der Nibelungen« benannten Epos und gestaltete eine ganze Reihe von Kartons und Ölbildern, deren erstes, im Kunstverein ausgestelltes Programm mit der am Meeresstrande klagenden Königstochter einen ungenannten Käufer fand, hinter welchem sich der sinnig aufmunternde Vater des Malers entpuppte. Leider fand P. damals keinen weiteren Mäzen. Erst später gedachte König Ludwig II. mit dieser für einen Maler so dankenswerte Stoffe bietenden Dichtung das Erdgeschoß seines neuen Schwanenschlosses ausschmücken zu lassen, doch traten der Freskoausführung beklagenswerte Hindernisse entgegen. Welch prächtiges Gegenstück zu Schnorrs berühmten Nibelungenbildern hätte P. zu schaffen vermocht!
Den Winter 1857 auf 1858 verbrachte der junge Maler zu weiteren Studien in Rom, gleichzeitig mit Caesar Willich, August von Heckel, Engelbrecht, Peroulaz, Zurstrassen, Kaspar Zumbusch, Ludwid Vogt, A. Feuerbach, Steinhäuser und vielen anderen, wo P. ein großes Frühlingsfest mit dem »Auszug der Gralritter« inscenierte und damit jene ausdauernde Begabung bewährte, welche er auch in der Folgezeit als Sänger, Schauspieler und Regisseur bei den dramatischen Aufführungen von Krempelsetzers (s. »Allg. Deutsche Biographie« XVII, 122) Opern betätigte, die von der Künstlergesellschaft »Jung-München« in opferwilligster Weise zur Aufführung gebracht wurden.
Ernste, große Aufträge nahmen zu München vollauf den Künstler in Anspruch, der nach Vollendung seines längst begonnenen Bildes von »Calvins Unterredung mit Miguel Servete« – die Herren Maler quälten sich damals mit Darstellungen von Zwiegesprächen, Reden und Disputationen – drei Fresken für die Galerie des »Nationalmuseums« erhielt mit Darstellungen aus der Geschichte der Wittelsbacher in Schweden: Karl X. Gustav wird zu Upsala zum König gekrönt (1654); sein Zug über den gefrorenen Belt (1657) und König Karl XI, Sieg über die Dänen bei Lund (1676) – somit immerhin anregende Motive für den phantasiebegabten Künstler, der diese Aufgabe glücklich erledigte. Inzwischen stellte P. bei der großen Schillerfeier 1859 lebende Bilder und beteiligte sich an dem zu Ehren des Meisters Cornelius veranstalteten Feste (1861), dessen gelungenen Verlauf P. in einem eigenen Ölbilde mit zahlreichen Porträts festhielt. In ähnlichen Bildern gruppierte P. die Dichter, Künstler und Gelehrten der Isarstadt, welche in geselliger Weise mit den von König Max II. berufenen Koryphäen zu friedlichem Wetteifer sich vereinten; mehrere solcher Tableaux wurden in der »Gartenlaube« und anderswo in Holzschnitt reproduziert, wobei die Porträtähnlichkeit durch das kleine Format, zum großen Leide des Malers, öfters starke Einbuße erlitt; doch sind, trotz der kaum erbsengroßen Köpfchen, die scharf ausgeprägten Gestalten in der trefflichen Charakterisierung immer noch unverkennbar wiedergegeben: in ihrer Weise literar- und kunsthistorische Typen der damaligen Ära. Das gab den Anstoß zu weiterfolgenden Experimenten.
Zwischendurch boten die Maientage der Künstlerschaft, welche zu Pullach mit der »Berennung einer Veste im Bauernkrieg«, oder auf dem seligen Roseneiland im Starnbergersee sich abspielten, heiteren Anlaß zu den originellsten Inszenierungen in freier landschaftlicher Natur, ebenso wie die Huldigung zu Bismarcks Ehrengedächtnis. Auch den sog. Armenbällen im Hoftheater lieh er mit Eduard Ille und Max Manuel langjährige Förderung.
Neben der Historienmalerei war längst schon der lyrisch-poetische Zug zum Volksleben erwacht und rege. Uhlands Heimat kennen zu lernen, durchstreifte P. das ganze Schwaben. Die gleiche Lust und Liebe zum Volksliede führte ihn durch den Schwarzwald und die Thüringerlande. Seine Studien gestalteten sich zu Illustrationen, die in Holzschnitt und Photographie vervielfältigt, Jos. Victor von Scheffels Beifall erregten und von Schwind und Kaulbach förderlich anerkannt wurden. Auch entstanden zwölf Zeichnungen zu Kinkels »Otto der Schütz« und Miltons »Verlorenem Paradies«.
Längere Zeit beschäftigte ihn die Erfindung einer neuen Technik, welche er zuerst bei zahlreichen Porträts, dann bei Landschaften und Stilleben in Anwendung brachte, indem P. photographische Aufnahmen auf durchsichtigem Material auf der Rückseite untermalte und dann rechtseitig durch Lasuren mit großem Zeitgewinn vollendete. Die neue überraschende Methode fand vielfachen Beifall, insbesondere durch Prof. Dr. von Pettenkofer, wurde durch Patente des Deutschen Reiches, sowie in anderen Staaten geschützt (Lützows Zeitschrift 1881, XVII, 475); veranlaßte auch die Gründung einer artistischen Anstalt von Ch. J. Thooft & Komp. (1881). Zufrieden, seine Invention in Theorie und Praxis begründet zu haben, fand P. mit unermüdlicher Phantasie immer noch Zeit zu fröhlichen Genrebildern, z. B. aus dem an Holteis »Vagabunden« erinnernden Wanderleben einer schauspielernden »Schmiere« (»Der Thespiskarren in der Klemme« in Nr. 30 »Über Land und Meer« 1895, 74. Bd., S. 596) oder zu landschaftlichen Schilderungen, die jedoch bald der Darstellung von Richard Wagners Tondichtungen weichen mußten.
Mit der ihm innewohnenden ganzen Energie begeisterten ihn diese Stoffe zu neuen Nachbildungen, die in einer eigenen, über einhalbhundert von Blättern zählenden »Wagnergalerie« (45 Blätter, in photographischen Reproduktionen bei Hanfstängl) erschienen und ihren Weg durch die ganze Welt fanden. Ein freilich sehr betriebsamer Sortimenter setzte 1877 in Berlin 100 000 Exemplare ab und würde noch größeren Erfolg erzielt haben, wenn Jos. Albert die Nachlieferung der Exemplare bewältigt hätte. Zum »Lohengrin« und »Tannhäuser«, zu »Tristan« und den »Meistersingern«, zum »Fliegenden Holländer«, zum ganzen »Ring des Nibelungen« und endlich auch zum «Parsifal«, vermochte P. nicht allein eine Reihe von charakteristischen Typen zu den Hauptpersonen, sondern auch Szenen in einer den Bühnenaufführungen adäquaten Weise festzuhalten, dazu noch die Bildnisse der Rollenträger und eine Auswahl der Frauengestalten, meist in Aquarellen, wovon eine größere Auslese in den Besitz König Ludwigs II. gelangten. In verschiedenen Zwischenräumen kehrte P. gerne zum Porträt zurück. So entstanden die lebensgroßen Bildnisse von Dingelstedt (für die Galerie des Hoftheaters) und Pettenkofer (in der Maillingersammlung), von Paul Heyse, Döllinger, Villard (Berlin 1886) und viele andere, sorgsam durchgeführte Leistungen.
Diese aalglatte Vieltätigkeit noch färbiger zu gestalten drängte dem Maler die Menge seiner Erinnerungen neben Stift und Pinsel die Feder in die Hand, einen wenn auch nur verhältnismäßig geringen Teil seiner Wahrnehmungen und Erlebnisse durch Schrift festzuhalten, aus seinem sozusagen photographisch treuen Gedächtnis dem Papier anzuvertrauen und nachzuerzählen. Daß er diese immer höchst persönlichen Lebensskizzen und Charakteristiken – beispielsweise über W. von Kaulbach, M. von Schwind, W. Busch oder allerlei Traditionelles über König Ludwig I., auch über einen Besuch des jungen Herzogs von Meiningen auf einem Künstlerabend Jung-München, wo der hohe Herr sein Inkognito so gut zu wahren wußte, daß die Maler erst später hinter das heitere Geheimnis kamen, und andere Zeitgenossen, nebenbei auch das heitere Idyll über P.' Erlebnisse mit seinen Hunden (in Nr. 324 »Allgem. Zeitung« vom 22. November 1901) – aus dem flüssigen Memoirenstil nicht zu einer autobiographischen Gestaltung auszuarbeiten oder abzurunden die gehörige Muße fand, ist immer bedauerlich, weil P. vieles mit hinüber nahm, was zur Zeitkunde dienlich gewesen wäre.
Vgl. Spruner, »Wandbilder«. 1868. S. 377. – Regnet in den »Münchener Propyläen«. 1869. S. 612. – Rosenberg, »Münchener Malerschule«. 1887. S. 43. – Fr. von Bötticher, 1898. II. 282 ff. – Luise von Kobell, »König Ludwig II. und die Künstler«. 1898. S. 415 ff. – Friedrich Kley in Nr. 26 »Zeitbilder«. 31. Juni 1901. – Nr. 184 »Allg. Ztg.«. 4. Juli 1901. – Kunstvereins-Bericht f. 1907. S. 20ff. (F. Kirchner). – Nr. 338 »Münchener Neueste Nachrichten«. 21. Juli 1907. Hyac. Holland.
Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1907.
Pixis Theodor, 1831 (Kaiserslautern) – 1907, Historienmaler und Illustrator; er war in München Schüler von Ph. von Foltz und W. von Kaulbach und schuf Fresken im alten Münchner National- (heute Völkerkundlichen) Museum an der Maximilianstraße, Genrebilder, Historien (Huß’ Abschied – in der Berner Galerie), Porträts (Pettenkofer, Döllinger), beliebte Illustrationsfolgen (Bilder zu deutschen Volksliedern, zu Richard Wagner, Milton usw.); seine Erfindung zur photographischen Wiedergabe von farbigen Bildern, die sogenannte »Pixis-Patent-Malerei«, ist schon längst überholt.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.