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NA – 8 (Saporta)

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Tafel

FRIEDRICH
GRAF von SAPORTA
* 17.III.1794 † 4.V.1853

Überlieferte Grabinschrift: Geschichte des königlich bayerischen Cadetten-Corps. Aus Original-Quellen verfasst zur 100jährigen Jubel-Feier von Anton J. J. Frh. v. Schönhub. München, 1856

Grabstätte der Familie Saporta, errichtet von Friedrich Grafen v. Saporta, königlich bayerischem Kämmerer, pensioniertem Hofmarschall und General-Major Sr. Majestät des Königs von Bayern, Grosskreuz des Verdienst-Ordens vom heiligen Michael, Commenthur des Verdienst-Ordens der bayerischen Krone und Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens; Ritter der königlichen Ehrenlegion, Besitzer des königlich bayerischen Armeedenkzeichens für die Feldzüge 1813/14, des königlich griechischen Denkzeichens für die deutschen Freiwilligen in Griechenland; Gross-Comthur des k. griechischen Erlöser-Ordens und des grossherzoglich oldenburgischen Haus- und Verdienst-Ordens des Herzog Peter Friedrich Ludwig. Commandeur 1. Classe des herzoglich hessischen Ludwig-Ordens, des ungarischen St. Stephan-Ordens, des königlich preussischen rothen Adler-Ordens, und des herzoglich Sachsen-Ernestinischen Haus-Ordens 1. Classe; Ritter des kaiserlich-königlich russischen St. Annen-Ordens 2. Classe in Brillanten; Grosskreuz des herzoglich badischen Ordens vom Zähringer Löwen, dann des königlich schwedischen Schwert-Ordens.
Geboren zu Neckargmünd, den 17. März 1794, gestorben zu München den 4. Mai 1853.

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Friedrich Graf von Saporta

* 17.3.1794 (Neckargemünd)
† 4.5.1853 (München)
General

Bayerischer Militär-Kalender für 1854

Generalmajor Friedrich Graf von Saporta.

Am 4. Mai 1853 starb zu München der königl. bayerische Kämmerer und Hofmarschall in Pension, Generalmajor Friedrich Graf v. Saporta, Ritter des k. bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens, Comthur des Verdienst-Ordens der bayerischen Krone, Großkreuz des k. bayer. Verdienst-Ordens vom heil. Michael, Ritter der k. französischen Ehrenlegion, Großcomthur des k. griechischen Erlöser-Ordens und des großherzogl. oldenburgischen Haus- und Verdienst-Ordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig, Commandeur 1ster Classe des großherzogl. hessischen Ludwig-Ordens, und des k. ungarischen St. Stephan-Ordens, des k. preuß. rothen Adler-Ordens und des herzogl. Sachsen-Ernestinischen Hausordens 1. Classe, Ritter des kais. russischen St. Anna-Ordens 2. Classe in Brillanten, Großkreuz des großherz. badischen Ordens vom Zähringer-Löwen, dann des k. spanischen Isabellen-Ordens und Commandeur-Großkreuz des k. schwedischen Schwert-Ordens.

Friedrich Karl Ludwig Graf v. Saporta war den 17. März 1794 in Neckargemünd in der Pfalz geboren, Sohn des früher in königl. französischen Kriegsdiensten gestandenen Anton August Grafen von Saporta, dann kurpfälzischen Kämmerers, herzoglich pfalzzweibrückischen Garde-Obersten und Adjutanten des Herzogs Karl von Zweibrücken, aus einer ansehnlichen Familie stammend, welche Besitzungen in Spanien und im südlichen Frankreich hatte.

Nachdem Graf Friedrich Saporta seine Vorbildung in der königlichen Pagerie zu München erhalten hatte, ward derselbe am 19. Juni 1812 zum Unterlieutenant im ersten Linie-Infanterie-Regiment König ernannt, wo er am 16. Februar 1814 zum Oberlieutenant befördert wurde.

Mit diesem Regiment wohnte Graf Saporta dem Befreiungskriege gegen Frankreich bei; in den Campagnen von 1813, 1814 und 1815 fand er öfter Gelegenheit, sich durch Entschlossenheit und Tapferkeit auszuzeichnen, namentlich in dem blutigen Treffen bei Frankfurt am 31. Oct. 1813. Als nämlich die Franzosen, von Hanau nach der dortigen Schlacht gegen den Rhein sich zurückziehend, die Mainbrücke besetzt fanden, entstand hier zur Forcirung des Uebergangs ein mörderisches Gefecht. Das Geschütz- und Gewehrfeuer hatte den ganzen Tag über gedauert. Der Feind hatte einige Vortheile errungen, die bayerischen Vortruppen, welche die in der Mitte des Flusses befindlichen Mühlen besetzt hielten, zum Rückzug genöthigt, und drang über die Brücke bereits mit großen Massen vor, während seine Avantgarde über die Balken des abgetragenen Theils anrückte. Hier erneuerte sich der heftige Kampf, wobei Scharfschützen-Abtheilungen des 1. und 10. Regiments, die ersteren unter Saporta's Führung, sich mit gefälltem Bajonet den Vordringenden entgegenwarfen, sie mit ungestümer Gewalt von der Brücke in die Straßen der Stadt zurücktrieben, und hier alles, was sich diesen tapfern Bayern widersetzte, niedermachten. Der Einbruch der Nacht und der Rückzug der Franzosen, welche große Verluste erlitten, machte dem Kampf ein Ende. Graf Saporta und seine Tapferen wurden von den commandirenden Generalen in den Schlachtberichten rühmend genannt, und später erhielt er das Ritterkreuz des Milität-Max-Joseph-Ordens als Lohn seines höchst muthvollen Benehmens.

Im weitern Verfolg des Feldzugs von 1814 hatte Graf Saporta mit jenen tapfern Schützen des Regiments, welche unter ihm in Frankfurt gekämpft hatten, den Schlachten von Brienne, Bar sur Aube, Arcis sur Aube und vielen andern Gefechten mit Auszeichnung beigewohnt, wie auch in der Schlußcampagne von 1815 an den damaligen Gefechten gegen die französischen Partisans thätigen Theil genommen.

Nach der Rückkehr ins Vaterland benützte Graf Saporta die Muße des Friedens, um seine durch die Kriegsjahre unterbrochenen Studien auf der Universität zu Landshut zu vollenden.

Bald darauf zum Bataillons- und Regiments-Adjutanten ernannt, widmete er sich nun ausschließlich dem Dienste, dem er mit der ihm eigenen rastlosen Thätigkeit und strenger Pflichttreue oblag.

Als im Jahre 1822 in der bayerischen Armee der gymnastischen Ausbildung ein besonderes Augenmerk zugewendet wurde, war er es, der im militärischen Schwimm- und Fechtunterricht eine besondere Gewandtheit entwickelte, und hiedurch berufen wurde, bei den königlichen Prinzen diese Uebungen zu leiten.

Durch diese Umstände dem königlichen Hofe näher gebracht, mußte das offene biedere Wesen des Grafen Saporta, sein feuriges Temperament und seine Entschlossenheit, gepaart mit einem edlen Gemüth und verlässigen Charakter, ihm sowohl der Vertrauen der allerhöchsten Eltern als die Zuneigung der königlichen Pinzen gewinnen.

Daher auch Graf Saporta, seit dem 7. Dezember 1830 zum Hauptmann vorgerückt, am 18. Sept. 1832 zum Adjutanten Sr. k. Hoheit des Prinzen Otto von Bayern ernannt wurde, als dieser in Folge der Londoner Verträge die ihm angebotene Königskrone von Griechenland anzunehen sich entschloß. Bei den gleich anfangs in mancher Hinsicht schon sehr ungünstig gestalteten Umständen, dann auf der Reise bis Neapel und der Ueberfahrt von dort nach Nauplia, sowie nach der Landung im neuen Königreich, entwickelte Saporta seine ganze Thätigkeit und unbedingteste Anhänglichkeit an seinen jungen königlichen Herrn und die allerhöchste Familie. Durch richtigen Takt, reinste Absicht und rastlosen Eifer zeigte er sich bald als der rechte Mann für die schwierigsten Verhältnisse.

Nachdem er am 17. Juli 1833 das goldene Kreuz des griechischen Erlöser-Ordens aus den Händen seines königlichen Herrn als Zeichen von dessen besonderer Zufriedenheit empfangen hatte, und am 1. Jan. 1835 zum Major in Bayern befördert war, hatte Saporta – von einem zur Eholung seiner sehr angegriffenen Gesundheit in München zugebrachten Urlaub mit wichtigen Aufträgen nach Hellas zurückgekehrt – dort das Hofmarschallamt übernommen, damit auch einen höhern militärischen Rang in der griechischen Armee erhalten. Nicht nur, daß er in dieser Stellung der Würde einer königlichen Hofhaltung und den beschränkten Mitteln des neugegründeten Staates entsprechende Einrichtungen zu treffen wußte, sondern es gelang ihm auch durch seine ebenso richtig und aufrichtig gemeinte als energisch durchgeführte Einwirkung gegen die bei der Großjährigkeit und Thronbesteigung König Otto's bestandenen politischen Wirren den Vortheil seines königlichen Herrn und die Ehre des bayerischen Staats zu wahren, und damit auch das junge Königreich in damals kritischer Lage vor ferneren Unruhen zu schützen. So groß damals Graf Saporta's Verdienst um die gute Sache war, ebenso groß war seine Bescheidenheit, und nie mißbrauchte er seine Vertrauensstellung, um in die Wirksamkeit der Rgierungsorgane störend einzugreifen.

In dieser Stellung blieb Graf Saporta bis zum Winter von 1837 auf 1838, während welcher drei Jahre er seinem Monarchen sowohl als Begleiter auf dessen häufigen Reisen besonders nach Deutschland, von welchen König Otto an der Seite einer erlauchten Gemahlin nach Athen zurückkehrte, als auch in vielen andern wichtigen Angelegenheiten wesentliche Dienste leistete.

Familienverhältnisse veranlaßten ihn, den griechischen Dienst zu verlassen; er kehrte daher nach einer größern Reise in den Orient wieder nach Bayern zurück, begleitet von liebebeweisender Anerkennung seines königl. Herrn, von der Achtung aller Wohlgesinnten in Griechenland und gehoben von dem Bewußtsein, nur immer für Wahrheit und Recht thätig gewesen zu sein.

Bald nach seiner Rückkher übernahm Oberstlieutenant Graf Saporta, durch das besondere Vertrauen König Ludigs von Bayern hiezu berufen, das Hofmarschallamt, und führte die hierauf bezüglichen sehr umfassenden Geschäfte zur allerhöchsten Zufriedenheit seines Monarchen bis zum Winter des Jahres 1847, wo er aus Gesundheitsrücksichten die Ruhestandsversetzung nachsuchte und erhielt.

Kaum von längerem Unwohlsein genesen, war er schon wieder dienstbereit und zum Eintritt in die active Armee entschlossen, weil die Ereignisse des Jahres 1848 alle treuen Anhänger des königlichen Hauses Wittelsbach und der gesetzlichen Ordnung in Bayern zu den Waffen riefen. Es galt damals in diesen Freiwilligen-Corps militärische Disciplin und Waffenfertigkeit zu begründen, daher erfahrene Militärs an deren Spitze gestellt werden mußten.

Nachdem Graf Saporta in dem Landwehr-Regiment der Münchener Freiwilligen als Gemeiner eingetreten war, und hier eine Abtheilung Recruten abexercirt hatte, wurde er auf den Wunsch seines königlichen Kriegsherrn und aller hochgestellten Militärs und durch den Einfluß seiner übrigen zahlreichen Freunde, wie auch durch die allgemeine Wahl des Regiments zum Obersten und Commandanten dieses durch seine Bestandtheile sowie durch seine Ergebenheit ausgezeichneten Corps gewählt. Obgleich seit langen Jahren vom Liniendienst entfernt, gelang es ihm in wenigen Wochen dieses Regiment zu einer kampffertigen Truppe auszubilden. Er selbst, gwandt zu Pfers und in den Waffenübungen, und ebenso lebensfrisch wie damals als Lieutenant auf der Frankfurter Brücke, war unermüdlich und überall voran, wo es bei den damaligen Unruhen darauf ankam, durch energisches Eingreifen mit bewaffneter Hand jede revolutionäre Bewegung im Keim zu ersticken. Nach Bewältigung jener schwierigen Verhältnisse und Auflösung der Freiwilligen-Corps wurde Graf Saporta zum Generalmajor und Infanterie-Brigadier ernannt. Durch die Wiederkehr seines frühern Unwohlseins sah sich Graf Saporta veranlaßt, wieder in den Ruhestand zurückzutreten, in welchem er bis zu seinem kürzlich erfolgten Tode mehrere Jahre unter glücklichen Verhältnissen verlebte.

Graf Saporta war zweimal verheirathet, zuerst mit einem Fräulein v. Stetten, welche ihm einen Sohn Ludwig und eine Tochter Karoline gebar. Seine Gemahling war ihm nach Griechenland gefolgt, und erlag dort einer durch das heiße Klima verursachten Krankheit. Sein Sohn, ein hoffnungsvoller Knabe starb bald nach der Rückkehr aus Griechenland im November 1836. Die zweite Verbindung knüpfte Graf Saporta im Jahr 1841 mit einem Freifäulein v. Fechenbach, welche nach kaum Jahresfrist durch den Tod ihm entrissen wurde.

Mit den ritterlichen Eigenschaften eines ächten Edelmanns und Militärs, mit der Offenheit und Schlichtheit eines unter allen Umständen sich gleichbleibenden Biedermannes, verband Graf Saporta die Gabe, daß er mit immer gleicher Anhänglichkeit für Obere oder Freunde, menschenfreundlichem Wohlwollen für Untergebene oder sonst eines Schutzes Bedürftige, unter allen Umständen bereit war, mit Rath und That Andern nützlich zu sein. War er ein strenger vielfordernder Vorgesetzter, so war er dabei billig und anerkennend für jedes Verdienst, ein unermüdlicher Beschützer seiner Untergebenen.

Bayerischer Militär-Kalender für 1854. München.

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Klara von Saporta (vh)

von Stetten (gb)

* 1.1.1804
† 28.12.1835 (Athen/Griechenland)
Generals-Gattin

Münchener Politische Zeitung (1.2.1836)

Bayern.
München, den 1.Februar 1836.

Wir erhielten nachstehendes Schreiben aus Athen vom 4. Januar: Kaum sind die Thränen getrocknet, die dem frühen Tode einer der liebenswürdigsten deutschen Frauen, der Fürstin Louise Kantacuzenos, flossen, und schon stehen wir wieder weinend am Grabe einer der edelsten Freundinnen der hingeschiedenen Fürstin. Mit dem Raube zweier der schönsten Blumen, die Bayern dem befreundeten hellenischen Boden anvertraut hatte, wollte das nun entschwundene Jahr sich ein trauriges Andenken sichern. Es war am 28. Dezember, als die schon seit mehreren Tagen die Stadt durchlaufende Trauerkunde zur schmerzlichen Gewißheit wurde; nach einem sechzehntägigen Krankenlager ging die Gräfin Clara v. Saporta in einem Alter von 31 Jahren, in ein besseres Leben über. Dem in Bayern rühmlich bekannten Geschlechte der Stetten angehörig, hatte sie durch eine treffliche Erziehung und ausgezeichnete Gaben des Geistes und Herzens, mit denen sich eine liebenswürdige Einfachheit der Sitten paarte, alle die mit inniger Verehrung an sich gefesselt, die in ihrer Nähe lebten, und zwölf Jahre das Glück ihres nun tief gebeugten Gatten begründet. Der seltene Grad weiblicher Seelenstärke, die in ihr wohnte, und ihr selbst in dem Augenblicke des Scheidens von den Ihrigen getreu blieb, ihre geläuterte und zugleich so fromm christliche Denkweise, der Typus ächter Weiblichkeit, der sich in allen ihren Handlungen so rein und unverkennbar abspiegelte, hatte sie zum Muster jenes edlen, achtunggebietenden Anstandes und gesitteter Häuslichkeit erhoben, wie man sie nur im deutschen Lande unter den Edleren des weiblichen Geschlechtes findet. Daher der ungeheuchelte Schmerz vieler Hunderte, allen Nationen und Ständen angehörig, die sie zur einsamen Ruhestätte begleiteten, und mit feuchten Blicken der früh Geschiedenen ewiges Lebewohl sagten. Unter den Tönen eines deutschen Trauergesanges wurde die Entschlummerte da zur Ruhe gelegt, wo sie gerne im Kreise ihrer Familie unbemerkt der Segnungen der Natur sich erfreute. »Sollte je«, so rief sie einmal aus, »eine befreundete Familie eines ihrer Lieben verlieren, so wünschte ich ihm diesen Ort zur Ruhestätte.« Ach! sie ahnte nicht, daß ihren eignen Lieben sobald die harte Prüfung bevorstand, an dieser Stätte (Die englisch-amerikanische evangelische Gesellschaft hat ihre Verehrung für die Geschiedene durch die Bereitwilligkeit an den Tag gelegt, womit sie aus eigenem Antriebe diesen Platz mit seiner Umgebung käuflich an sich brachte, um ihn zum künftigen Gottesacker ihrer Gläubigen zu bestimmen.) das Grab der geliebten Gattin, der innig geliebten Mutter zu graben. In dem katholischen Bethause vereinigten sich des andern Tages mit dem Gebete des Priesters und der gebeugten Familie für die Geschiedene das schmerzliche Andenken und die frommen Bitten der zahlreichen Freunde der Verstorbenen und ihres schwer geprüften Gatten. Tief ergriffen war die Versammlung, als vor Eröffnung des Trauer-Gottesdienstes der Priester noch einmal der Geschiedenen, ihrer seltenen Vorzüge und so mancher unbekannt gebliebenen edlen Charakterzüge derselben gedachte. Die Thränen, die sich aus den Augen so vieler den Anwesenden drängten, zeugten von der innigen Theilnahme an dem Schmerze des auf den Knieen liegenden Gatten und der beiden den Verlust der geliebten Mutter laut beweinenden unmündigen Kinder, und aus den Herzen Aller stieg die Bitte zu dem Throne des Allmächtigen: »Lasse sie ruhen in Frieden!«

Münchener Politische Zeitung Nro. 27. Montag, der 1. Februar 1836.



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