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Die Grabinschrift ist nicht erhalten
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Steinbacher, Josef, Dr. med.; 17.4.1819 (Augsburg) – 29.3.1869 (München); Badearzt
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* 17.4.1819 (Augsburg)
† 29.3.1869 (München)
Badearzt
Vermischtes.
Dr. Josef Steinbacher. (Nekrolog). Der Gründer und Eigenthümer der Naturheilanstalt Brunnthal bei München – Joseph Steinbacher – ward 1819 als das Kind eines niederen Beamten in Augsburg geboren, und hatte schon in seinem vierten Jahre das Unglück, durch einen heftigen Fall den Bruch einiger Rückenwirbel zu erleiden. Nur die ihm von Jugend auf innewohnende Lebenskraft ließ das Kind dieses schreckliche Leiden, als dessen Ausgang eine Knickung der Wirbelsäule nach innen, eine sogenannte Lordose blieb, überstehen. Der damalige Stand der Orthopädie gewährte keine Mittel gegen dieses Leiden, und nur den falschen Trost des Verwachsens. Das Uebel blieb aber, und trotzdem ihm dasselbe die Freuden der Jugend raubte, zeigte sich der Knabe doch frohmüthig, schnell lernend und ungemein thätig. So absolvirte er das Gymnasium und widmete sich dann mit eisernem Fleiße dem Studium der Medizin, obwohl seine nervöse Blutscheue ihm anfangs sehr hinderlich war, bis er sie durch zahlreiche an Thieren vorgenommene Vivisektionen überwand. Nach dem Staatsexamen wurde Steinbacher als Assistenzarzt am Spital seiner Heimat angestellt, und hier begann bei einem Ab- und Zugang von durchschnittlich 4000 Kranken per Jahr eine sehr lebendige fruchtreiche Lehrzeit für den jungen Arzt. Bei seinen vielfachen an Leichen angestellten chirurgischen Studien hatte Steinbacher das Unglück, sich mit Leichengift zu vergiften. Seine sehr kräftige und gesunde Konstitution überwand nach achtwöchentlichem schwerem Krankenlager auch dieses schrecklichste aller Gifte, und wir finden ihn bald nach seiner Genesung auf Reisen, um die damaligen berühmtesten Hochschulen der Arzneiwissenschaft, Wien und Prag, und ihre berühmten Spitäler kennen zu lernen. Hier erweiterte sich der Gesichtskreis des jungen Mediziners im genauen Umgang mit den Celebritäten seiner Wissenschaft, wie: Jakisch, Oppolzer, Arlt, Dumreicher, Scanzoni und Rokitanski, und in gewissenhafter Vorbereitung der durch sie gegebenen Anregungen unendlich. Froh kehrte er heim, in der Hoffnung, die errungenen Kenntnisse nunmehr in München verwerthen zu können. Er hatte aber in dem verhängnißvollen Jahre 1848 viel zu viel in freisinniger Politik gemacht, um auf eine Anstellung hoffen zu dürfen, und so entschloß er sich denn als Assistenzarzt bei dem damals sehr beliebten Dr. Ott in Mindelheim einzutreten. Er hatte sich mit Eifer auf die Homöopathie geworfen, um in dieser Heilmethode alle die Beruhigung zu finden, die ihm die Allopathie längst nicht mehr gewährte. Aber auch in jener fand er nicht, was er suchte, und von Dr. Ott selbst auf die Wasserkuren von Prießnitz aufmerksam gemacht, ergriff er diese Methode mit der gewohnten Energie und beschloß endlich an Ort und Stelle sich Raths zu erholen. Er reiste nach Gräfenberg und studirte emsig die Wirkungen der Prießnitz'schen Kur am eigenen gesunden Körper. Dann erprobte er eben so rührig die Schroth'sche Kur in dem benachbarten Lindenwies. Die Cholera, die damals Galizien verwüstete, erweckte in ihm zuerst eigentlich den bei Schroth und Prießnitz gesuchten, aber nicht gefundenen Gedanken seines Naturheilverfahrens. In Bilitz, dem eigentlichen Herd und Brennpunkt jener entsetzlichen Epidemie, wandte er mit sehr gutem Erfolg sein Naturheilverfahren an, und die Grundsätze, welche er in seinem weitverbreiteten Buch: »Selbsthilfe bei Choleraanfällen« niedergelegt hat, retteten damals Vielen das Leben. Nach München zurückgekehrt, erregte er durch die Kuren, die er damals in Brunnthal unter der Respizienz eines in München zur Praxis berechtigten Arztes machte, Aufsehen, aber auch zugleich heftige Verfolgung; von vielfachen Strafen wegen nichtberechtigter Kuren nicht zu sprechen, ward er sogar mit Ausweisung bedroht, welcher Drohung er dadurch vorbeugte, daß er, der graduirte Doctor medicinae et chirurgiae, sich ein Baderrecht kaufte und nun als ansässiger Bürger nicht mehr ausgewiesen werden konnte. Seine sich fort und fort wiederholenden Erfolge verschafften ihm endlich die Berechtigung zur Praxis, erst in einem Dorfe bei München, dann in München selbst, und hier hat er die ihm eigenthümliche Anstalt Brunnthal längst zu einer Musteranstalt erhoben, in welcher nicht nur fort und fort Kranke, die vergeblich alle möglichen Kurarten durchprobirt hatten, ihre Gesundheit wieder erlangten, sondern auch junge Aerzte seine Methode studirten. Mitten im thätigsten Wirken erreichte ihn der Tod, den er so oft mit gutem Erfolg bei Anderen bekämpft hatte. In Folge seiner unglücklichen Körperkonstitution (durch die oben erwähnte Lordose) steigerte sich ein sonst fast unbedenkliches Unwohlsein zu erschreckender Heftigkeit, so daß am zweiten Osterfeiertag Morgens 7½ Uhr ein Erstickungsanfall ihn bei vollem Bewußtsein hinwegraffte. Friede seiner Asche, Ehre seinem Andenken! Sein Werk wird übrigens durch seinen Tod keinen Stillstand erleiden; sein Schwager Herr Dr. Loh, welcher seit 10 Jahren unter Steinbachers Aufsicht die Naturheilanstalt leitet, wird diese fortsetzen; Steinbachers Geist wird in seinen Werken und in seiner Anstalt fortleben zum Wohl der leidenden Menschheit!
Bayerische Landeszeitung Nr. 76. Mittwoch, den 31. März 1869.