Ω
Elisabeth Crämer,
geb. 7. April 1890, gest. 30. November 1890.
Helene Crämer,
geb. Otte,
geb. 8. Februar 1857, gest. 6. April 1926.
Hermann Crämer,
Dipl. Ingenieur, geb. 15. Okt. 1895,
dessen Ehefrau Cläre,
geb. Freiin v. Jungenfeld, geb. 10. Okt. 1899,
beide am 7.I.28, in Zürs einem Lawinenunglück
zum Opfer gefallen.
Dr. Friedrich Crämer,
Geh. Sanitätsrat,
geb. 21.7.1855, gest. 12.7.1932.
Grabstätte der Familie
Dr. Crämer.
J. Lallinger
Ω
Crämer, Cläre (vh) / Jungenfeld, Freiin von (gb); 10.10.1899 – 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks; Ingenieurs-Gattin
Crämer, Elisabeth; 7.4.1890 – 30.11.1890
Crämer, Friedrich, Dr. med.; 21.7.1855 – 12.7.1932; Geheimer Sanitätsrat
Crämer, Hermann, Dipl. Ing.; 15.10.1895 – 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks; Dipl. Ingenieur
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* 15.10.1895
† 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks
Dipl. Ingenieur
Freiin von Jungenfeld (gb)
* 10.10.1899
† 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks
Ingenieurs-Gattin
Lawinentod dreier Münchner
Skiläuferunglück am Arlberg
Schweres Leid ist durch ein Lawinenunglück, das sich am Samstag am Zuersersee, Arlberg, ereignete, über zwei angesehene Münchner Familien gekommen. Diplom-Ingenieur Hermann Crämer, der Sohn des bekannten Geh. Sanitätsrates Dr. Friedrich Crämer in der Lessingstraße, seine Frau Klara und Kaufmann Hans Reim, der ältere Sohn des Kommerzienrats Joh. Bapt. Reim, des Inhabers der Großhandlungsfirma Reiner & Lippacher in der Schwanthalerstraße, haben auf einer Skitour den Tod gefunden.
Am Neujahrstag fuhr Reim und sein Freund Crämer mit Frau nach einem ihnen bekannten Gebiet in Tirol, um dem Skisport zu huldigen. Da die Schneeverhältnisse dort schlecht waren, begaben sie sich nach Zuers in Vorarlberg und unternahmen hier genußreiche Touren. Am Dreikönigstage führten sie, wie Ing. Crämer seinen Angehörigen auf einer Karte berichtete, eine wunderschöne Tour aus. Die nächste Kunde, die die Angehörigen erreichte, war die Nachricht von dem tragischen Tode.
Die erste Meldung, die am Samstag nachmittag bei der Bergwacht eintraf, war vom Gendarmerie-Posten Lech in Vorarlberg. Sie meldete, daß das Ehepaar Crämer und Hans Reim von einer Lawine verschüttet wurden. Ingenieur Crämer wurde als Leiche, Reim schwer verletzt geborgen. Die Gattin Crämers konnte zunächst nicht gefunden werden. Spätere Meldungen berichteten, daß Rein bald darauf seinen Verletzungen erlegen ist und daß Frau Crämer als Leiche geborgen wurde. Die Nachrichten stimmten darin überein, daß die drei Skifahrer die Partie trotz Warnung führerlos unternommen haben.
Kommerzienrat Reim versuchte, durch den Fernsprecher Näheres über das Unglück von der Vorarlberger Landesregierung zu erfahren. Es konnte ihm mitgeteilt werden, daß die Verunglückten um 9 Uhr vormittag die Partie angetreten hatten, daß der verhängnisvolle Lawinensturz um ½11 Uhr erfolgte und daß sein Sohn, als er geborgen war, noch lebte. Alle Hilfe aber war vergebens.
Ein Münchner Rechtsanwalt, der mit den Verunglückten in den Tagen vor der Katastrophe Skifahrten, auch Hochtouren, unternommen hat, teilt uns mit, daß sowohl Crämer wie Reim hervoragende Skifahrer waren. Sie waren durchaus gewandt, geübt und vorsichtig. Besonders Reim war in der ganzen Gegend von Zuers bekannt und beliebt. Auch Ing. Crämer war schon im Vorjahre in Zuers. Als Rein nach Zuers kam, meldeten sich verschiedene Skifahrer und auch Skilehrer bei ihm und fragten ihn, ob sie mit ihm Fahrten machen könnten. Dem Münchner Tourengenossen wurde eine plötzliche Erkrankung zum Heile. Am Donnerstag trat bei ihm plötzlich eine Halsentzündung auf, die ihn zwang, nach München zurückzukehren. Dadurch entging er dem Unglück.
Ing. Hermann Crämer erreichte ein Alter von 32 Jahren. Er war bis vor etwa acht Monaten Teilhaber eines Autorevisionsbureaus und war zuletzt als Amtssachverständiger der Versicherungsbank tätig. Der glücklichen Ehe Crämers entstammt ein drei Jahre altes Kind, das das Unglück elternlos gemacht hat. Hans Reim war 27 Jahre alt und unverheiratet; er sollte der Nachfolger des Vaters im Geschäfte werden. Die Leichen wurden zur Beisetzung nach München gebracht.
Lawinenunglück im Allgäu
Am Samstag unternahmen vier Herren und eine Dame aus Stuttgart von Schattwald aus eine Skitour auf den Ponten. Der Weg war unten schneefrei. Als die Touristen die Schneegrenze erreicht hatten, wollten sie an einer schneefreien Stelle die Skier anschnallen. In demselben Augenblick ging eine Lawine nieder, aus der sich nur zwei Mann zu retten vermochten, während die übrigen Touristen verschüttet wurden. Die Dame und ein Herr konnten alsbald schwer verletzt ausgegraben werden. Der andere Teilnehmer, der einen Meter tief verschüttet war, gab bei seiner Bergung zwar noch Lebenszeichen, starb aber trotz der zwei Stunden lang fortgesetzten Wiederbelebungsversuche an den erlittenen Verletzungen. Er ist der einzige Sohn eines Stuttgarter Hotelbesitzers. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus nach Hindelang verbracht.
Zwei Skifahrer an der Schindlerspitze verschüttet
Wie aus Innsbruck gemeldet wird, verschüttete eine große Schneelawine an der Westseite der Schindlerspitze beim Valfagehrjoch zwei Skifahrer, von denen der eine, Johann Schwienbacher aus Jenbach, sich selbst befreien konnte, während der 24 Jahre alte Kaufmann Georg Pfleger aus Meran von den Schneemassen überdeckt wurde. Trotz sofort eingeleiteten Rettungsarbeiten der Hilfsmannschaften aus Stuben, denen sich in der Nähe befindliche Skifahrer anschlossen, konnte Pfleger nicht rechtzeitig befreit werden. Man glaubte anfangs, er habe nur einen Unterschenkelbruch erlitten, mußte aber später seinen Tod feststellen.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 8. Montag, den 9. Januar 1928.
Zwei große Lawinenunglücke im Arlberggebiet
3 Tote am Zürser See – 1 Toter bei der Ulmerhütte
Zürs, 7. Jän. Eine Münchener Skifahrergesellschaft, bestehend aus Ingenieur Hermann Crämer (geb. 1895), seiner Frau Klara Crämer und dem Studenten Hans Reim (geb. 1900), unternahm heute vormittags trotz ausdrücklicher Abmahnung ohne Führer ein Skipartie an den Zürser See. Etwa um 11 Uhr traten sie eine Lawine los, die alle drei verschüttete. Obwohl sehr rasch Hilfe an dem Unfallort erschien, konnten alle drei nur mehr als Leichen geborgen werden.
Die Angehörigen der Verunglückten in München wurden von dem Unglück verständigt. Die Leichen werden nach München überführt.
Die Rettungsexpedition.
Langen am Arlberg. 7. Jän. Heute nachmittags halb 1 Uhr unternahmen drei Herren von der Ulmer Hütte (2290 Meter) in der Valluga eine Skitour. Etwa 15 Minuten von der Hütte entfernt, beim Jahnturm, ging eine Lawine nieder. Sie erfaßte zwei von den Skifahrern, Der eine, Josef Schwienbacher aus Jenbach, konnte gerettet werden! Der andere, Georg Pfleger, Eisenhändler aus Meran, 27 Jahre alt, wurde erst nach langem Suchen bewußtlos aufgefunden. Sofort nach dem Niedergehen der Lawine wurde in Stuben eine Rettungsexpedition zusammengestellt, die in der Stärke von 15 Mann nach dem Unfallorte abging. Die Expedition suchte die Lawine, die in drei Teilen in einer Breite von 350 Meter niedergegangen war, mit Schneesonden ab. Die Lawine war stellenweise sehr leicht, stellenweise bis zehn Meter tief. Fraktionsvorsteher Richard Walch aus Stuben stieß mit einer Schneesonde auf einen Ski und so wurde Georg Pfleger aufgefunden. Er wurde sofort in die Ulmer Hütte gebracht, wo sich Dr. Prinzing aus Ulm um den Verunglückten lange, leider erfolglos bemühte. Die Leiche Pflegers wird nach Stuben gebracht.
Bericht eines Augenzeugen.
Zum Lawinenunglück. Aus einem Bericht des Bezirkshauptmannes Hofrat Dr. Strobele-Bludenz.
Bei der Partie, die am Zürser See verunglückte, war zuerst auch ein Fräulein Irma Rummel aus Berlin, die aber zurückblieb, da sie keine Felle an den Skiern hatte. Sie ging der Spur der anderen drei nach, sah diese plötzlich abbrechen und bemerkte, daß ein Schneebrett abgegangen war. Fräulein Rummel kehrte sofort um und eilte nach Zürs, um Hilfe zu holen. Um 12.15 Uhr ging die Rettungsexpedition von Zürs ab und erreichte in einer halben Stunde die Unglücksstelle; man braucht sonst für diese Strecke drei Viertelstunden. An der Expedition beteiligten sich 15 einheimische und etwa 15 fremde Skifahrer. Die Arbeiten leiteten die Skilehrer Schneider, Jochum und Schatzmann und die Hilfslehrer Mathis und Keßler. Letztere brachten auch den Rettungsschlitten mit. Zuerst wurde die Leiche des Ingenieurs Crämer aufgefunden, die etwa einen Meter tief im Schnee lag. Crämer ist, wie der anwesende Arzt Dr. Pösch feststellte, an Erstickung gestorben. Als Reim ausgegraben wurde, gab er noch Lebenszeichen. Dr. Pösch stellte Wiederbelebungsversuche an, die insoferne Erfolg hatten, als die Atmung wieder in Gang gebracht wurde. Auf dem Transporte ist Reim plötzlich gestorben, wahrscheinlich an inneren Verletzungen. Frau Crämer wurde erst nach vierstündigem Suchen aufgefunden. Sie lag zwei Meter unter dem Schnee. Nach Angabe des Arztes ist auch sie an Erstickung gestorben; Mund und Nase waren voll Schnee.
Das Unglück geschah auf der Madlochalpe, etwa drei Viertelstunden oberhalb Zürs. Das Schneebrett brach nach Nordosten gegen den See ab. Es war 70 bis 100 Meter breit, 200 Meter lang und 1 bis 3 Meter tief.
Die Verunglückten sind vom Hilfsskilehrer Friedrich Wolf, Bauernsohn von Lech, derzeit in Zürs, gewarnt worden, die Tour zu unternehmen; Wolf hatte auch mit Rücksicht auf die Lawinengefahr die Begleitung abgelehnt.
Die Brüder des Ingenieurs Crämer sind in Zürs eingetroffen. Am Montag früh werden die Leichen nach Langen gebracht und eingesargt und dann nach München überführt.
Die Leiche Pflegers ist in Stuben eingelangt. Die Stelle, wo Pfleger verunglückte, ist nach Angabe des Begleiters ganz ungefährlich. Pfleger war nur 50 Zentimeter tief im Schnee. Die Beerdigung Pflegers wird am Dienstag in Stuben stattfinden.
Wieder hat der weiße Tod vier junge, blühende Menschenleben gefordert. Vier gesunde, junge, frische Menschen mitten aus froher Bergfahrt herausgerissen und mit erbarmungsloser Hand, die keine Schonung, keine Rücksicht kennt, als Opfer gewählt und so Schmerz und Leid in Familien hineingetragen, die ihre Angehörigen auf sonniger Bergfahrt wähnten.
Seit es begeisterte Menschen gegeben hat, haben die Berge ihre Opfer gefordert und – erhalten. Die größte Erfahrung, die äußerste Vorsicht werden es auch in alle Zukunft nie vermeiden lassen, daß die Berge Einzelne als ihre Opfer unentrinnbar an sich reißen, die ihre Höhensehnsucht mit dem Leben bezahlen müssen.
Wir beugen uns auch in diesen beiden Unglücksfällen vor der Majestät des unerbittlichen Todes. Wir achten den Schmerz der Hinterbliebenen, denen ein kurzes Telegramm meldet, daß ihre Lieben, vielleicht ihr alles, nicht mehr sind. Auch wir stehen erschüttert an den Bahren, auf den vier Tote ruhen, die vor wenigen Stunden erst höhenwärts ihre Spuren durch die weißen Fluren zogen, die ihnen so grausam rasch ein unendlich großes Leichentuch werden sollten. Aber, wenn wir auch alle diese Umstände abwägen und berücksichtigen, können wir die eine Feststellung nicht unterlassen: Die Verunglückten sind vor Antritt der verhängnisvollen Tour gewarnt worden; die Zeichen sprachen für einen eingetretenen Wetterumschlag, dem früher als wohl alle dachten, vier Menschenleben zum Opfer fielen. Hätten sie, anstatt die Vorstellungen und Warnungen außer Acht lassend, auf die dort in den Bergen Wohnhaften gehorcht, sie könnten gesund und lebensfroh unter uns weilen. Schon eine einzige kurze Erwägung hätte ihnen sagen müssen, daß höchste Gefahr besteht: Die entschiedene und begründete Weigerung des Skilehrers, der, lieber auf den Tagesverdienst verzichtet, als seine Partie, und sich selbst unnotwendigerweise in höchste Lebensgefahr zu bringen und vielleicht Familien in tiefste Trauer zu versetzen. Wir können es nicht unterlassen festzustellen, daß vier dieser Opfer des weißen Todes nicht unvermeidlich waren, sondern, daß sie gefallen sind, als sie vermeinten, auf die nur allzubegründeten Warnungen nicht hören zu müssen.
Voralrberger Landes-Zeitung Nr. 6. Bregenz; Montag, den 9. Januar 1928.
Münchner Theil
Bestattung der Opfer der Vorarlberger Lawinenkatastrophe
Kaufmann Hans Reim, der auf einer Skitour in den Bergen Vorarlbergs einer Lawinenkatastrophe zum Opfer fiel, wurde im Waldfriedhof zu Grabe getragen. Mit dem Vater, Kommerzienrat J. B. Reim, sowie den übrigen Familienangohörigen hatten sich Hunderte von Leidtragenden zu der Trauerfeier eingefunden. Man bemerkte viele bekannte Vertreter der Münchner Kaufmannschaft und der Industrie. Sologesang leitete die Trauerfeier ein. Stadtpfarrer Schrallhammer von St. Paul schilderte Hans Reim, der die Stütze und Hoffnung des väterlichen Unternehmens war, als aufrechten jungen Mann, als großen Freund der Firnenwelt. Unter ehrenden Nachrufen weihten Kränze das Kaufmanns-Kasino, der Jugendausschuß des Kaufmanns-Kasinos, das Personal der Firma Reiner & Lippacher, die Mitarbeiter der Firma Oldenbourg, die Firma Eugen Lämmle in Stuttgart und die Bergkameraden. Der reiche Blumenschmuck zeigte u. a. Widmungen von der Ortsgruppe München des Reichsbundes deutscher Papier- und Schreibwarenhändler und von den Freunden.
Diplom-Ingenieur Hermann Crämer und dessen Gattin Kläre Crämer, geb. Freiin von Jungenfeld, die bei der gleichen Katastrophe der weiße Tod ereilt hatte, fanden im Südfriedhof gemeinsam die letzte Ruhestätte. Die Beteiligung an der Trauerfeier war ungewöhnlich groß. Stadtpfarrer Joch von St. Matthäus, der die Einsegnung vornahm, wies in der von innigem religiösen Trost erfüllten Gedächtnisrede auf das tragische Geschick, von dem eine angesehene Familie betroffen wurde, hin. In bewegten Worten gab der Geistliche ein Lebensbild von Hermann und Kläre Crämer, die in überaus glücklicher Ehe lebten. Nach dem Gebet gaben der Vater, Geh. Sanitätsrat Dr. Fr. Crämer, sowie die übrigen Familienangehörigen Edelweiß, Alpenrosen und Enzian als letztes äußeres Zeichen der Liebe in das Grab. Der Dorsche Chor sang ernste Weisen. In der Fülle der Kränze, die die Ruhestätte schmückten, befanden sich Widmungen von der Direktion der Bayerischen Versicherungsbank und deren Personal.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 11. Donnerstag, den 12. Januar 1928.
Das Lawinenunglück am Zuerser See
Von einem Fahrtgenossen wird im Nachtrag zu den Mitteilungen über das Lawinenunglück am Arlberg (M. N. N. Nr. 8) ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nicht Leichtsinn und jugendliche Unerfahrenheit, sondern Sonderumstände die Veranlassung waren. Die sämtlichen Beteiligten waren gute Skiläufer, die das Gebiet schon von früheren Zeiten kannten. Hans Reim war selbst von den Führern dort als hervorragender Fahrer anerkannt, dessen Führung sie selbst sich gerne unterordneten. Ingenieur Crämer war sogar Skilehrer und hat mit seiner Gattin seit Jahren hochalpine Touren unternommen. Dazu kommt, daß das Gebiet bis zum Zuerser See bei jedem Schnee vollkommen als sicher und lawinenfrei bekannt ist, wenn die Hänge unterhalb des Seekopfs vermieden werden. Nach Ueberwindung der Talstufe geht es wie eine Promenade durch langsam ansteigendes, muldenförmiges Gelände, das das Eldorado ist für alle Zuerser Skikurse.
Die drei Verunglückten haben sich wohl wegen der Hänge am Seekopf möglichst nach rechts gehalten. Sie kamen jedoch dabei vielleicht zu weit nach dieser Seite und ließen sich verleiten, die Traversierung nach dem Madlenerjoch unterhalb des Zuerser Sees zu versuchen. Die Hänge dieses Kessels schienen nicht allzu steil, die Entfernung hinüber zur Abfahrt nach Lech gering, die Fahrer glaubten, guten Pulverschnee gefunden zu haben, in dem sie tief einsanken. Leider war es jedoch nicht Pulverschnee; die Masse bestand aus Millionen Flugkristallen, die während der Föhnstürme der letzten Tage über die Gebirgsgrate und den Zuerser See geweht waren; es waren kleine, eisig gefrorene, blankgeschliffene Schneekörperchen, die in den Sperrfelsen des Sees eine Wächte gebildet und – vielleicht meterhoch – im toten Winkel dieser Seite liegen geblieben waren. Es war dies nicht der normale Schnee, sondern ein sehr gefährliches Gebilde, das von den meisten Alpinisten nicht beachtet wird und manchmal zur Auslösung der allergefährlichsten Lawinen, der Staublawinen, führt.
Die drei Fahrer kamen, diese Sonderumstände nicht erkennend, an diese Stelle, sie begannen sie zu durchqueren. Die Skis mit Fellen selbst wollten hier nicht halten. Darum versuchte der zweite eine eigene Spur, was der dritte nachmachte. Dadurch kamen die Drei untereinander. Da brach von oben ein Teil der Wächte aus; hierdurch wurde die ganze trügerische Stelle zum Gleiten und zum Absturz gebracht. Hans Reim und das Ingenieursehepaar Crämer sind einem Unglücksfall zum Opfer gefallen, der durch die Sonderumstände der Flugschneebeschaffenheit veranlaßt war.
Münchner Neueste Nachrichten Nr. 16. Dienstag, den 17. Januar 1928.