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27 – 11 – 2·3 (Graf)

Ω

Anna Graf
Ida u. Rosa Graf 18¿
Opfer einer Explosion

Ω

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Anna Graf

* 1822
† 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor
Expeditorswitwe und Putzmacherin

Ida Graf

* 1840
† 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor
Putzmachers-Tochter

Rosa Graf

* 1840
† 15.9.1857 (München), Opfer der Pulverexplosion hinterm Karlstor
Putzmachers-Tochter

Augsburger Tagblatt (17.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 16. Sept. Ich habe Ihnen leider heute am frühesten Morgen über ein schweres Unglück zu berichten, das sich in vergangener Nacht in unserer Stadt ereignete. Das Haus unmittelbar am Karlsthore, in welchem sich die Eisenhandlung des Hrn. Rosenlehner befindet, wurde Nachts ½11 Uhr durch eine Pulverexplosion in die Luft gesprengt. Von den Bewohnern des Hauses sind leider bereits vier todt, darunter ein Brautpaar, aufgefunden und ein Fünfter wird noch vermißt; zwei sind schwer und einige leicht verletzt. Der Vermißte konnte trotz angestrengtester Arbeit zur Hinwegräumung des Schuttes bis diesen Morgen 6 Uhr noch nicht aufgefunden werden. An vielen Häusern in der Umgegend sind die Fenster zertrümmert und der anliegende Thurm des Karlsthores erhielt Risse. Die Stätte des Unglückes bietet einen furchtbaren Anblick der Verwüstung. (R. M.)

Augsburger Tagblatt Nr. 255. Donnerstag, den 17. September 1857.

Augsburger Tagblatt (18.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 16. Sept. Vergangene Nacht halb 11 Uhr flog das Eisenhandlungsgebäude des Hrn. Rosenlehner nächst dem Karlsthore in die Luft. Ein heftiger Knall wurde in den angrenzenden Straßen vernommen, ohne daß die sonstige Einwohnerschaft der Stadt allarmirt wurde. Erst heute früh verbreitete sich allenthalben die Schreckenskunde, daß das genannte Gebäude in Folge einer Explosion des im Laden befindlichen Pulvers in einen Trümmerhaufen verwandelt wurde. Die Nachbarschaft wurde in furchtbarer Weise aus dem Schlafe geschreckt und eilte sofort auf die Straße. Durch die Explosion war in allen Laternen der Umgebung das Gas erloschen und man fürchtete anfänglich, die Unglücksstätte zu betreten, wo möglicher Weise den Eindringenden neue Gefahr drohte. Da erschienen der Stadtkommandant, der k. Polizeidirektor etc. und nun wurde energisch Hand angelegt, um wo möglich noch Menschenleben aus der Ruine zu holen. Die Trümmer konnten begreiflicher Weise nur langsam weggeschafft werden; man arbeitete die ganze Nacht mit rastloser Anstrengung und brachte im Laufe der Nacht und des Vormittags etwa 12 Personen hervor, wovon einige nur noch ganz kurz am Leben waren. Im Ganzen zählte man heute Vormittags 5 Leichen: die Marchande de mode Graf, den Bräutigam von deren Tochter – Maler Castens aus Schleswig – dann die andere Tochter der Graf, ein 12jähriges Mädchen (Schwester des Rosenlehner) und den Lohnbedienten Weichselbaumer, welch’ letzterer erst Vormittags 10 Uhr aus den Trümmern hervorgezogen wurde; derselbe hatte im Nachhausegehen sein Zimmer nicht mehr erreicht, sondern wurde in der Hausflur verschüttet. Zwei andere Töchter der Graf, darunter die Braut des Malers, und eine Magd wurden schwer verletzt in’s allgemeine Krankenhaus gebracht. Der Haus- und Ladenbesitzer Hr. Rosenlehner, welcher während der Katastrophe im Kaffeehause war, soll, als er die Schreckensnachricht hörte, augenblicklich die Sprache und das Gehör verloren haben und sich jetzt in ärztlicher Behandlung befinden. Fenster- und Thürstöcke, Gestein etc. flog in weite Entfernung, zum Theil bis an die St. Michaelskirche. Die nächste Veranlassung der Explosion ist zur Zeit nicht ermittelt. Diesen Vormittag wurden aus dem unversehrt gebliebenen Nebengebäude 5 Centner Pulver weg- und nach dem Zeughause geschafft. Die angrenzenden oder Nachbar-Gebäude erlitten, mit Ausnahme zerbrochener Fenster, keinen weiteren Schaden, nur der Thurm des Karlsthores erhielt einen Riß, so daß diese Passage augenblicklich durch Militär und Gendarmerie abgesperrt ist. Eine große Menschenmenge wogt den ganzen Vormittag nach dem Schauplatz des Jammers.

Einer Münchener Correspondenz der Postzeitung entnehmen wir über diese traurige Catastrophe noch Nachstehendes: Kein Ton, kein Hilferuf ward von der Unglücksstätte vernommen, und doch war es einer Person aus dem zertrümmerten Hause beschieden, die erste Kunde über die armen Verschütteten zu geben. Der Hausknecht der Eisenhandlung, der das Dachstübchen bewohnte, wurde glücklicher Weise mit sammt dem Bette auf die Straße geschleudert und trug nur ganz unbedeutende Verletzungen davon, die ihn nicht einmal hinderten, die ganze Nacht mitzuarbeiten. Unter seiner Leitung wurde von der inzwischen eingetroffenen Hilfe die Ruine bestiegen und bei Fackelschein die Wegräumung des Schuttes begonnen. In dem Hause wohnte auch der Besitzer der Eisenhandlung, Herr Oskar Rosenlehner nebst vier Geschwistern, der Kindsfrau A. Schmederer und der Dienstmagd K. Späth, die Weißnäherin und Expeditorswittwe Graf mit ihren drei Töchtern, der Lohnbediente Weichselbaumer und der Kistlergeselle Lampert mit Frau und Kindern. Alle diese Personen waren zur Zeit der Katastrophe in dem Hause, mit Ausnahme des Herrn Oskar Rosenlehner und dessen älteren Bruder; die Anzahl der Personen bleibt doch dieselbe, weil bei der Wittwe Graf die Brüder Castens auf Besuch waren, von denen der eine gerade am Nachmittag die Heirathsbewilligung mit der jüngsten Tochter der Graf, einem Mädchen von 16 Jahren, erhalten hatte. Bei den beiden jüngeren Geschwistern des Rosenlehner ist zu erwähnen, daß sie wunderbar gerettet wurden, denn über das eine legte sich ein Kreuzbalken und auf das andere flog eine Stubenthüre.

Augsburger Tagblatt Nr. 256. Freitag, den 18. September 1857.

Augsburger Tagblatt (19.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 17. Sept. Wie wir vernehmen, wurde von der k. Kabinetskasse schon eine namhafte Unterstützung für die Minderbemittelten der bei der traurigen Katastrophe am Karlsthore um ihre Habe Gekommenen, verabreicht. An der Unglücksstätte beim Karlsthore sind fortwährend eine Menge Hände mit dem Wegräumen des Schuttes beschäftigt. In den übrig gebliebenen Hausresten stehen noch verschiedene halbzertrümmerte Mobilien und an der massiven Stadtmauer, welche die Rückseite des Hauses bildete, hängen hoch oben noch Bilder in den Rahmen. Die Passage durch das Karlsthor ist heute wieder frei und scheint man wegen des beschädigten Thurmes keine Besorgnisse zu hegen. Der Zudrang zum Leichenhaus, wo die Verunglückten liegen, ist den ganzen Tag über außerordentlich. Im sogenannten reichen Saal befindet sich die Leiche des 12jährigen Mädchens A. Rosenlehner, die im Gesichte sehr bedeutende Verletzungen zeigt; und die Leiche des Malers J. Kastens, eines jungen, hübschen Mannes, äußerlich unversehrt, es scheint derselbe gleichsam zu schlafen. Die übrigen drei Opfer, die Putzmacherin A. Graf, ihre Tochter Rosa und der Lohnbediente Weichselbaumer liegen im zweiten Saale. Die Leichen dieser Verunglückten sind verdeckt. – Dem mehrfach verbreiteten Gerüchte, als sey die Braut des verunglückten Malers Kastens, Ida Graf, im Krankenhause gestorben, können wir auf das Bestimmteste widersprechen; dieselbe hat zwar einen Beinbruch und eine Quetschung der Brust erlitten, doch hat man Hoffnung, sie dem Leben zu erhalten; die zweite Schwester Maria Graf und die Dienstmagd Kath. Späth, gleichfalls im Krankenhause, befinden sich auf dem Wege der Besserung. – Der Lohnbediente Weichselbaumer feierte gerade an diesem unseligen Abend seinen siebzigsten Geburtstag im Gasthaus zum Oberpollinger im Kreise einiger Freunde, welche ihm, als er sich nach Hause begeben wollte, eifrig zuredeten, noch zu bleiben, »indem man nicht wisse, ob sie im nächsten Jahre wieder alle noch so fröhlich beisammen seyn werden.« Weichselbaumer ließ sich aber durchaus nicht aufhalten und ging – seinem schrecklichen Tode entgegen. – Die technische Commission, welche über den Zustand des Karlsthores zu referiren hatte, gab ihr Gutachten dahin ab, daß die Erschütterung keine erheblich nachtheilige Wirkung auf dasselbe äußerte. Die Passage zum Bahnhof wird daher in Zukunft ebenso eng bleiben wir vorher.

Augsburger Tagblatt Nr. 257. Samstag, den 19. September 1857.

Augsburger Tagblatt (20.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 18. Sept. Die Erde hat heute Nachmittag sämmtliche fünf Opfer der Pulverexplosion in ihren Schooß aufgenommen und die Sonne schien eben so freundlich und warm als wie an jenem Tage, an dem sie zum letzten Mal für diese Unglücklichen untergegangen. Die Anlässe zu großen Menschenansammlungen sind hier nicht selten, aber weder der hl. Frohnleichnamstag, noch das Oktoberfest und Allerheiligen haben eine solch ungeheure Menschenmenge gesehen, die sich heute bei diesem traurigen Gang auf dem Friedhof zusammenfand. Aus der Leichenrede an dem Grab des Malers Kastens erfahren wir, daß derselbe im Jahre 1849 den Feldzug in Schleswig Holstein mitmachte.

Augsburger Tagblatt Nr. 258. Sonntag, den 20. September 1857.

Augsburger Tagblatt (22.9.1857)

Vermischte Nachrichten.

München, 20. Sept. Wie man vernimmt, ist bezüglich der unglücklichen Pulverexplosion bereits eine Criminaluntersuchung eingeleitet und wird andererseits von den Eigenthümern der beschädigten Häuser auf Schadenersatz durch Eisenhändler Rosenlehner geklagt, weil dessen unzweifelhafter Überschreitung der Verordnung über den Verkauf des Pulvers die Größe des Schadens zugeschrieben wird. Sehr verschiedene Gerüchte bezüglich der Entstehung des Unglücks sind in Umlauf; unter Anderem sagt man, daß ein Buchhalter Rosenlehner’s aus Eifersucht dasselbe verursacht habe. Diese Angabe ist durchaus unbegründet, da Rosenlehner keinen Buchhalter hatte. (Pstztg.)

Augsburger Tagblatt Nr. 260. Dienstag, den 22. September 1857.

Landshuter Zeitung (3.12.1857)

Spenden

Für die bei der Explosion am Karlsthor verunglückten Maria und Ida Graf sind bereits über 1000 fl. eingegangen.

Landshuter Zeitung Nr. 276. Donnerstag, den 3. Dezember 1857.

Verzaget nicht, Gottes Auge wacht! (1857)

Verzaget nicht, Gottes Auge wacht!

Den
unglücklichen Waisen
Marie und Ida Graf
gewidmet von
Theodor Fischer.

Braut, Bräut’gam, Mutter und Schwesterlein
Im trauten Stübchen beisammen sein,
Sie reden vom Tage, wo liebend umschlingt
Der Künstler die Braut, die er ewig gewinnt!
Wie selig schwelgen die Lieben in Lust
Es hebt sich der Mutter bewegte Brust!

Schon ziehen die Schäfchen am blauen Gefild
Mit ihrem Hirten dort hin so mild,
Wie jeder das Tagwerk auch vollbracht,
Es decket Alles der Schleier der Nacht!
Und schweigend in süßem Wonnegefühl
Ersehnen die Guten das schönste Ziel!

Die Mutter spricht: »Bald ist der Hochzeittag,
Da halten wir alle ein fröhlich Gelag,
Ich rüste rasch nun mein Feierkleid,
Das Leben hat doch Lust nach Müh’ und Leid!
Gott hat bisher über uns gewacht,
Meine Lieben schlafen wohl und süß, gute Nacht!«

Die Schwestern sprechen: »O Hochzeittag,
Eile zu kommen als Feiertag,
Wie wollen geschmückt wir Alle geh’n,
Und wollen der Schwester Wonne seh’n,
Nie hat uns die hohe Lust noch gelacht,
Lieb’ Schwesterlein im Brautkranz, gute Nacht!«

»Geliebte, es nahet der ernste Tag,
Der lang schon im Willen des Höchsten lag,
Der Tag, an dem wir zum ew’gen Band
Uns binden die Herzen und Hand in Hand!
Um was ich gestrebt, ich hab’ es vollbracht,
Gott schütz’ uns! Lieb’ Weibchen, gute Nacht!«

Da blinken die Sternlein ruhig und mild
Herab von ihrem azurnen Gefild!
Ein Engel, vom Himmel herabgesandt,
Steigt hernieder im leuchtenden Sternengewand!
Er weint, – denn Gottes Wille beschloß
Sie heimzuholen in seinen Schooß!

Und unten tief in fester Hand
Hält der Sterbeengel den Todesbrand,
Und harret, bis von des Himmels Bord
Erschallet des Höchsten befehlend Wort!
Und Niemand ahnet’s, – es schläft die Welt, –
Seht ihr, wie der zuckende Blitz dort fällt!

Sie hören es nicht, – sie sehen es nicht,
Es flammet die Stube in glühendem Licht,
Und auffliegt’s in wild zerschmetterndem Schwall, –
Braut, Bräut’gam, Mutter und Schwestern all’
Sind begraben in Schutt, – und ruhig und mild
Seh’n die Sternlein herab vom azurnen Gefild!

Da stürmet und tobt es und rasch voran
Stürzt die Menge, es wagen die Hände sich d’ran,
Und voll festen Muth’s im Kriegergewand
Rettet Schwester und Braut mit eig’ner Hand
Ein Edler, der mit hoher Kraft und Macht
Viel Gutes und Schönes hat vollbracht!

Doch Mutter und Schwester, Bräut’gam und Kind
Und ein treuer Diener verschüttet sind,
Sie erblicken nimmer der Sternlein Licht,
Das glänzend durch die Ruinen bricht;
Leb’ wohl, Geliebter, das wunde Herz
Sucht nun Trost beim Höchsten dort himmelwärts!

Theodor Fischer: Den unglücklichen Waisen Marie und Ida Graf. München, 1857.

Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern (5.1.1858)

Belobende Anerkennung

Bekanntmachung.

Die Pulverexplosion im Eisenhändler Rosenlehner Hause am Karlsthore betr.
Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern.

Unmittelbar nach der in der Nacht vom 15. auf den 16. September d. Js. durch Pulverexplosion erfolgten Zerstörung des Eisenhändler Rosenlehner’schen Hauses zu München eilten viele Personen freiwillig an die Stätte des Unglücks und leisteten zum Schutze und zur Rettung der Betheiligten theilweise mit eigener Lebensgefahr die aufopferndste Hilfe.

Das Leben von drei Personen des zerstörten Hauses wurde damals gerettet.

Allen denen, welche bei erwähntem Vorfalle, ohne durch eine amtliche Stellung hiezu verpflichtet zu sein, hilfreiche Hand geleistet haben, wird für den bewährten Muth und die edle Aufopferung die belobende Anerkennung der unterfertigten Stelle hiemit ausgedrückt und werden nach dem Ergebnisse der gepflogenen Erhebungen ihre Namen in alphabetischer Ordnung bekannt gemacht, wie folgt:

1) Friedrich Auracher, Vergolder,
2) Karl Bronberger, sen., Magistratsrath und Kaufmann,
3) Georg Adam Bruckhof, Schuhmachermeister,
4) Philipp Heiß, Gasthofbesitzer,
5) Alois Hesse, Lithograph,
6) Franz Hohenauer, Lederhändler,
7) Georg Huber, Zimmergeselle,
8) Joseph Radspieler, Gemeindebevollmächtigter und Vergolder,
9) Franz Alois Rahner, Schweiger aus Bregenz,
10) Karl Riederer, jun., Kaufmann,
11) Ludwig Rudenbauer, Oberlieutenant im königl. Infanterie-Leibregiment,
12) Karl Schenk, k. Lieutenant im 6. Jäger-Bataillon,
13) Georg Schmerber, Schuhmacher,
14) Richard Schmidtlein, Buchbinder,
15) Andreas Soyter, Melber,
16) Anton Stulberger, Koch,
17) Xaver Vogl, Schlossermeister,
18) Anton Wagner, Brauerssohn,
19) Georg Wagner, Schäfflergeselle aus Westerndorf, Landgerichts Wertingen,
20) Georg Werlein, Ornamentenmacher.

Gleiche belobende Anerkennung wird den Aerzten, dem k. Universitäts-Professor Dr. v. Rothmund, dem praktischen Arzte Dr. Walther und dem praktischen Arzte Dr. Herrmann in Nymphenburg für die in jener Nacht geleistete ärztliche Hilfe hiermit ausgedrückt.

München, den 31. Dezember 1857.

Königliche Regierung von Oberbayern,
Kammer des Innern.
Freiherr von Zu-Rhein, Präsident.

Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern Nr. 2. München, den 5. Januar 1858.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Graf Anna, 1822–1857, Expeditorswitwe und Putzmacherin, Graf Ida, 1840–1857, deren Tochter und Graf Rosa, 1840–1857, ebenfalls Tochter der Anna G.; alle drei sind Opfer der Pulverexplosion, die sich am 15. September 1857 hinter dem Karlstor, etwa beim heutigen Hotel Fahrig ereignete; dieser Grabstein mahnt an eine Katastrophe, bei der sechs Personen ums Leben kamen; am Dienstag, dem 15. September 1857, 10.30 Uhr, wurde das Haus des Eisenhändlers Oskar Rosenlehner durch das dort aufbewahrte Pulver in die Luft gesprengt; von den Hausbewohnern fanden die zwölfjährige Schwester des Hauseigentümers, Anna Rosenlehner, Julius Carstens, ein Kunstmaler aus Lindholm in Schleswig, 32 Jahre alt, die genannten Anna und Ida R. – letztgenannte war die Braut Carstens – und Benedikt Weichselbaum, Lohndiener beim Oberpollinger, den Tod; Maria G., eine weitere, 25.jährige Tochter der Anna G., kam zusammen mit ihrer später den Verletzungen erlegenen Schwester Ida und der Katharina Späth, einer Dienstmagd beim Eisenhändler Rosenlehner, ins Allgemeine Krankenhaus in München; den Knall der Explosion soll man bis in Landshut gehört haben.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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