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Dem
Dr. phil. et. medic.
Carl Schneemann
ordentlichen Professor
der Medizin
und Gründer der Poliklinik
an hiesiger Hochschule
geb. zu Bamberg am 4. Juli 1812
gest. zu München am 7. Apr. 1850
gewidmet
von seinen Schülern
und Freunden
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Schneemann, Karl, Dr. med. et. phil.; 4.7.1812 (Bamberg) – 7.4.1850 (München); Arzt und Universitätsprofessor
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* 4.7.1812 (Bamberg)
† 7.4.1850 (München)
Arzt und Universitätsprofessor
München. 10. April. Gestern nahm das Campo Santo, der neue schöne Friedhof Münchens, in seinen melancholisch leeren Räumen die Leiche des biedern Schneemann auf. Viele Collegen, Freunde und dankbare Verehrer haben sie zur letzten Ruhestätte geleitet. Schneemann war eine Zierde der Münchner Hochschule, nicht bloß durch gediegene Kenntnisse, durch bedeutende Leistungen als Lehrer und Arzt hervorragend, sondern von allem seines milden, ächt menschenfreundlichen Charakters wegen in engeren und weiteren Kreisen geschätzt und geliebt. Die Poliklinik, welche Professor Schneemann mit so viel Mühe, Kampf und Sorge ins Leben gerufen, steht heute verwaist. Er hat dieser Anstalt die ganze Kraft seines thätigen Geistes, zuletzt seine Gesundheit geopfert. Nicht bloß als eine Schule tüchtiger praktischer Aerzte hat sich dieselbe so wirksam bewährt, sie war auch eine unermeßliche Wohlthat für Tausende von armen Hauskranken, welche in den Sälen der Poliklinik Rath und schleunigste Hülfe fanden.
Der Lechbote No. 100. Freitag, den 12. April 1850.
Dr. Karl Schneemann,
Professor der Polyklinik an der Universität München;
geb. zu Bamberg im Jahre 1812, gest. den 7. April 1850.
Sch., Sohn eines Apothekers, absolvirte das Gymnasium in Bamberg, bezog die Universität München und studirte Medicin. Um sich allseitig auszubilden, besuchte er die medicinischen Anstalten von Berlin, Wien, Paris und Rom und erhielt mit ausgezeichnetem Lobe das Doktordiplom. Als praktischer Arzt habilitirte er sich als Privatdorent zu München; auch wurde er im Jahr 1843 Professor der Klinik, die er gründete. Sein vorzüglichstes Verdienst ist daher auch die Gründung dieser Lehranstalt, deren Mangel vor ihm von den jungen Aerzten, die ihre Universitätsstudien vollendet hatten, schwer gefühlt worden war, und die er, wie es bei jeder neuen Schöpfung zu geschehen pflegt, erst nach mehrjährigen Mühen und nach Ueberwindung von einer Masse von Hindernissen aus kleinen Anfängen mit seltener Beharrlichkeit in's Leben rief und zur öffentlichen Geltung und allgemeinen Anerkennung zu bringen wußte. Die zahlreichen Schüler, die an seiner Hand in die ärztliche Praxis eingeführt wurden, sowie die vielen Tausende von Kranken, welche in dieser Anstalt während der sieben Jahre ihres Bestehens Hilfe und Heilung fanden, werden dem als Arzt wie als Mensch gleich ausgezeichneten Manne jederzeit ein dankbares Andenken bewahren. Er erlag den Folgen einer Lungenentzündung. – Er schrieb: De medorrhoea. Bg. 1836. – Ueber Polyklinik, Rede bei d. Antritte seines Lehramts. München 1843.
Kupferberg. G. A. Thiem.
Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1852.
Schneemann Karl, Dr. med. et phil., 1812 (Bamberg) – 1850, Arzt und Universitätsprofessor; er studierte in Würzburg und München, habilitierte sich in München nach langen Reisen durch Frankreich und Italien als Privatdozent für innere Medizin; als solcher ging sein Bestreben dahin, eine Poliklinik, wie sie schon unter Reisinger in Landshut bestanden hatte, in München ins Leben zu rufen, dabei wurde er von dem berühmten Chirurgen Ph. F. von Walther unterstützt; am 1. XII. 1843 wurde die Universitäts-Poliklinik zu München durch königliche Entschließung gegründet und Sch. zur Leitung derselben bestimmt; 1848 wurde er o. Professor; ein Mann, mit vielen Kenntnissen und entschiedenem Lehrtalent ausgerüstet, sah er sich in der Poliklinik bald von einem größeren Kreis lernbegieriger Schüler umgeben, leider erlag er schon 38jährig einer Tuberkulose-Erkrankung.
Hauptwerke: De metrorrhagia, Übersetzung von B. Panizzas über die Verrichtungen der Nerven, Tractatus de contagiorum venereorum differentia, Entstehen und Wirken der Poliklinik. (Die Büste stammt von J. Halbig)
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.