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Das Grab ist nicht erhalten
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Haller, Albert; – 2.1.1862 (München), 11 Jahre alt; Redakteurs-Sohn
Haller, Josef, Dr.; 5.10.1810 (Scheinfeld/Mittelfranken) – 28.11.1886 (München); Hofrat
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† 2.1.1862 (München), 11 Jahre alt
Redakteurs-Sohn
Danksagung.
In dem schweren Schlage, der mich durch den, wie der Sectionsbefund als unzweifelhaft herausstellt, lediglich und unvermeidlich in Folge einer schon im Frühjahre 1855 durch einen unglücklichen Fall erlittenen Gehirnerschütterung so unerwartet rasch eingetretenen Tod meines einzigen geliebten Kindes Albert getroffen, sind mir von so vielen Seiten, von nah und fern, Beweise der liebevollsten und werkthätigsten Theilnahme geworden, daß sie zu der Stärkung, welche mein Gottvertrauen und meine Ergebung in den Willen des Allerbarmers mir gewährten, eine reiche Quelle lindernden Trostes hinzufügten. Nie in meinem Leben wird das Andenken daran in mir erlöschen.
Ich erfülle nun eine heilige Pflicht, indem ich allen meinen verehrten Gönnern und lieben Freunden meinen tiefgefühltesten Dank dafür öffentlich ausspreche, da ich es unmöglich jedem Einzelnen gegenüber zu thun vermag.
Zu ganz besonders innigem Danke bin ich aber verpflichtet den hochwürdigen Herren P. P. Rector, Professoren und Präfecten des kgl. Erziehungs-Instituts für Studierende dahier für die so unaussprechliche als unermüdliche Liebe, Sorgfalt und Hingebung, mit welcher sie mein liebes Kind vom ersten Augenblicke seines Eintritts in das Institut bis zu seinem vorzeitigen Grabe in jeder Beziehung in wahrhaft väterlicher Weise gepflegt und geleitet haben. Möge ihnen das Bewußtsein, in der kurzen Zeit von drei Monaten ganz das Herz und die kindliche Liebe ihres Zöglings gewonnen, und meine unauslöschliche Dankbarkeit sich gesichert zu haben, einige Entschädigung bieten, und der Himmel ihnen im reichsten Maße vergelten, was ich zu thun nicht vermag. Glücklich die Eltern, die ihre Kinder solch bewährten Händen anvertraut wissen.
Schließlich auch noch den Ausdruck meines innigsten Dankes den sämmtlichen Zöglingen des kgl. Erziehungs-Instituts und Ludwigsgymnasiums, welche ihrem nun in Gott verklärten Mitschüler in ebenso erhebender als rührender Weise die letzte Ehre am Grabe und beim Trauergottesdienste erwiesen.
München, 8. Januar 1862.
Dr. Joseph Haller.
Neue Münchener Zeitung Nr. 8. Morgenblatt. Donnerstag, den 9. Januar 1862.
Ein Vergißmeinnicht auf das Grab des Albert Haller.
Es kam das Jesukind auf Erden
Mit einem frohen Engelchor,
Und denk! Es suchte sich Gefährten,
Die nahm’s zum Himmel mit empor.
Auch Albert sah’s und fand Gefallen
An seiner Herzensreinigkeit,
An seiner Unschuld doch vor Allem
An seiner Lieb‘ und Frömmigkeit.
»Folg‘ mir, sprach’s Jesukind, zum Himmel,
Komm mit zum Paradiese hin;
Dir tauget nicht das Erdgewimmel!«
Zum Himmel trugen Engel ihn.
Dort findet Eltern, Ihr ihn wieder,
Dort bittet er für Euch auch Den,
Dem er nun singet heil’ge Lieder,
Bis Euch vereint das Wiederseh’n.
Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 9. Freitag, den 10. Januar 1862.
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* 5.10.1810 (Scheinfeld/Mittelfranken)
† 28.11.1886 (München)
Hofrat
Bayerische Chronik.
München, 6. Juli.
(Dr. J. Haller.) Am 23. ds. begeht Hr. Hofrath Dr. Joseph Haller sein fünfzigjähriges Jubiläum als Doctor der Philosophie. Derselbe wurde am 5. October 1810 zu Scheinfeld (in Mittelfranken) als Sohn eines Uhrmachers geboren, studierte und absolvirte zu Würzburg die Philologie, trat als Erzieher in die Familie des kgl. Advoeaten Dr. v. Hornthal in Bamberg, wirkte als Assistent an der kgl. Studienanstalt daselbst, wurde 1836 durch H. Zschokke als Rector der Bezirksschule nach Muri (Argau) berufen, kehrte aber bald als Chefredacteur des »Fränkischen Merkur« nach Bamberg zurück. Müde der gehässigen Censur-Plackereien, mit dem Ministerium Abel gründlich verfeindet und deßhalb in der eigenen Heimath ohne Aussicht auf eine Staatsanstellung, ging Dr. Haller 1839 nach Paris, wo er sich erst gründlich in der französischen, englischen, italienischen und spanischen Sprache bildete, und nachdem er Paris nach allen Seiten kennen gelernt hatte, als Berichterstatter für deutsche Zeitungen, insbesondere für die »Allg. Ztg.,« blieb. In Paris schloß er Bekanntschaft mit vielen ausgezeichneten Persönlichkeiten, zählte zu den Gründern des »Deutschen Hülfsvereins« daselbst und unternahm mehrere Reisen nach Spanien und Portugal (1843—1847), auch nach Algier und Alexandria. Der Ausbruch der Februar-Revolution 1848 vertrieb ihn nach England, wo er die Familie Louis Philippe's zu Claremont besuchte und einem großen Charlisten-Meeting auf Kennington-Green nächst London beiwohnte. Ueber Brüssel, Aachen, Köln und Frankfurt kam Dr. Haller sodann nach München, um daselbst die Chefredaction der »Neuen Münchener Zeitung« zu übernehmen. In jener vielbewegten, stürmischen Zeit wirkte Dr. Haller auch als Redner sowohl in dem »Constitutionell-monarchischen Verein für Freiheit und Gesetzmäßigkeit,« als auch auf sogenannten Volksversammlungen, wobei er sich durch Besonnenheit und Schlagfertigkeit auszeichnete und ebenso als Landwehrofficier bei höchst tumultuösen Auftritten unerschrockenen Muth bewährte. König Maximilian II. verlieh ihm im Jahre 1854 eigenhändig und unter ausdrücklicher Anerkennung seines patriotischen Wirkens das Ritterkreuz I. Classe des Verdienstordens vom heil. Michael. Ein Jahr darauf schied Dr. Haller aus der Redaction seines Blattes, ohne daß ihm die anfangs stipulirte Anstellung und Verwendung im Staatsdienste gewährt wurde. Dr. Haller vertiefte sich ganz in seine nationalökonomischen Studien, unternahm Reisen nach Hamburg und Amsterdam, betheiligte sich an den Bestrebungen des großdeutschen Vereins und veröffentlichte unter anderem eine in 50,000 Exemplaren verbreitete Flugschrift über »Handelsvertrag und Zollverein« (1863). Zuletzt warf er sich ganz auf kulturhistorische und sprachliche Forschungen; als Frucht davon erschien nach achtjähriger, angestrengtester Arbeit die Sammlung, Erläuterung und, so zu sagen, physiologische Vergleichung »Alt-Spanischer Sprichwörter« (1883, in 2 Bänden) – ein Werk, welches dem deutschen Fleiße zur Ehre gereicht, von der deutschen und außerdeutschen Presse sehr günstig beurtheilt wurde und dem Autor viele Ehren und Auszeichnungen einbrachte. Möge der Abend seines Lebens noch recht lange und glücklich währen!
Allgemeine Zeitung Nr. 186. München; Mittwoch, den 7. Juli 1886.
Hofrath Dr. Jof. Haller †.
Josef Haller wurde am 5. Okt. 1810 zu Scheinfeld (in Mittelfranken) als der Sohn eines Uhrmachers geboren, studierte an der Universität Würzburg die Philologie, welche er mit Auszeichnung absolvirte, trat als Erzieher in die Familie des Advokaten Dr. von Hornthal in Bamberg, wirkte als Assistent an der Studienanstalt daselbst und promovirte 1836 zu Erlangen als Doktor der Philosophie. In demselben Jahre wurde Dr. Haller durch den damals berühmten Heinrich Zschokke als Rektor der Bezirksschule nach Muri (im Argau) berufen, kehrte aber bald als Chefredakteur des »Fränkischen Merkur« nach Bamberg zurück. Müde der gehässigen Zensur-Plackereien, mit dem Ministerium Abel gründlich verfeindet und deshalb in der eigenen Heimat ohne Aussicht auf eine Anstellung im Staatsdienste, ging Haller nach Paris, wo er sich erst gründlich in der französischen, englischen, italienischen und spanischen Sprache bildete und nachdem er Paris von allen Seiten kennen gelernt hatte, als Berichterstatter für deutsche Zeitungen, insbesondere für die Augsburger »Allgemeine Zeitung« blieb.
In Paris machte er die Bekanntschaft mit vielen ausgezeichneten Persönlichkeiten, zählte zu den Gründern des »deutschen Hülfsvereins« (er wurde Sekretär und Vizepräsident dieser wohlthätigen Einrichtung, und zahlte zeitlebens dazu alljährig seinen Beitrag), unternahm mehrere Reisen nach der Schweiz, nach Spanien und Portugal (1843), auch nach Algier und Alexandrien (1847). Durch den Minister Frhr. von Lerchenfeld wurde Dr. Haller nach München berufen als Chefredakteur der »Neuen Münchener Zeitung«; gleichzeitig erging an ihn eine ehrenvolle ähnliche Einladung aus Berlin unter glänzenden Anerbietungen. Dr. Haller, welcher es vorzog, seinem engeren Vaterlande zu dienen, begab sich 1848 erst noch nach London und besuchte Brüssel und Aachen. In München entwickelte er eine außerordentliche Thätigkeit; die Mitglieder des »Konstitutionell-monarchischen Vereins für Freiheit und Gesetzmäßigkeit« erinnern sich sicherlich noch, wie Dr. Haller oft spät in der Nacht, unmittelbar von der Redaktionsarbeit hinweg, noch in dem großen Saale des Gasthofs »zu den drei Rosen« erschien, um die neuesten Ereignisse mitzutheilen. Sieben Jahre mühte er sich unter dem damals fast unerträglichen Druck eines offiziellen Journals, welches er in leidenschaftsloser würdigster Weise redigirte. König Maximilian II. verlieh ihm 1854 eigenhändig und unter ausdrücklicher Anerkennung seines patriotischen Wirkens das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienst-Ordens vom heil. Michael. Ein Jahr darauf schied Dr. Haller aus der Redaktion seines Blattes, ohne daß ihm die früher in Aussicht gestellte Pension oder Verwendung im Staatsdienste gewährt wurde. Dr. Haller nahm seine früheren Korrespondenzen theilweise wieder auf, machte mehrere Studien-Reisen nach Hamburg und Amsterdam und vergrub sich gänzlich in nationalökonomischen und statistischen Studien, nachdem er auch an den Bestrebungen des großdeutschen Vereins sich betheiligt hatte. Später erschien er wieder in halb offizieller Stellung als Vertrauensmann der bayerischen Regierung, wofür ihm der Titel eines k. b. Hofraths gewährt wurde. Zuletzt warf er sich ganz auf kulturhistorische und sprachliche Forschungen; als Frucht davon erschien nach achtjähriger, unausgesetzter Arbeit sein großes zweibändiges Werk über die »Altspanischen Sprüchwörter« (1883, 1884 in zwei Bänden, gr. 8°), deren Sammlung er schon vor einem halben Menschenalter begonnen hatte. Er gab darin so zu sagen die ganze Genesis eines jeden einzelnen Sprich- und Wahrwortes wie selbes schon bei den alten Griechen und Römern, bei den Mittel-Lateinern, Italienern, Basken, Portugiesen, durch Frankreich bis nach Norwegen und Island hinauf geographisch verfolgbar ist und versah das ganze mit einer Fülle von sprachlichen, biographischen, geo-, topo- und ethnographischen, statistischen, geschichtlichen und literarhistorischen Notizen und Erläuterungen. Das umfangreiche Werk, welches er ganz auf eigene Kosten drucken ließ, trug ihm viele Auszeichnungen und Orden ein; der Autor wurde Ehrenmitglied vieler gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes; noch in den letzten Tagen seines Lebens wurden ihm neue Zeichen der Anerkennung aus Peru zu Theil. Eine größere Arbeit über die Literatur der Basken und eine Abhandlung über die Dichter des italienischen Mittelalters blieben unvollendet. Die Schmerzen des Alters machten sich fühlbar, obwohl der geistig ungeschwächte Mann noch viele Badereisen unternahm und noch im vergangenen Herbste sein liebes Würzburg und die trauten Genossen der Jugendzeit wieder besuchte. Anfangs November meldeten sich unverkennbar alle Symptome der Wassersucht. Er trug sein namenloses Leiden mit bewunderungswürdiger Geduld, ordnete mit unerschrockenem Muthe alle seine Angelegenheiten bis in's Kleinste mit gewissenhaftester Sorgfalt und der ihm eigenen Pünktlichkeit. Er entschlief am 28. November.
Dr. Haller war ein ehrenhafter Charakter von seltener Reinheit und Tadellosigkeit, dem auch seine politischen Gegner die höchste Anerkennung immerdar zollten; ein Feind aller unnützen Polemik, ein treuer uneigennütziger, unverbrüchlicher Freund, ein gewandter Publizist und achtbarer Gelehrter. Seine Gattin, Amalia Haller, eine Tochter des Augsburger Kupferstechers Bodenehr, starb 1883 zu Zürich; ihr beiderseitiger Sohn war schon in zarter Jugend den Eltern vorangegangen.
Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger No. 334. München; Dienstag, den 30. November 1889.