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30 – 1 – 6·7 (Daffenreither · Möser)

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Heinrich Möser, Privatier,
geb. 8.III.1792, gest. 22.II.1857.
Anna Möser,
geb. 4.XII.1807, gest. 25.III.1866.
Franz Daffenreither, k. Major,
geb. 17.XI.1814, im Kriege gegen Frankreich gefallen 15.XII.1870.
Ferdinand Möser, Brauereibesitzer,
geb. 4.X.1826, gest. 4.VI.1873.
Theodor Möser, k. Notar,
geb. 8.I.1832, gest. 6.II.1898.
Gustav Möser, Privatier,
geb. 16.IX.1833, gest. 29.XII.1902.

FAMILIEN-GRAB.

30.1.6&7. Kosenbach.

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Franz Daffenreither

* 17.11.1814
† 15.12.1870 (Versailles)
Königlicher Major

Der Bayerische Landbote (1. u. 2.1.1871)

Lokales

† Heute Nachmittags wird abermals ein bayerischer Major – der dritte innerhalb der kurzen Frist von 8 Tagen – auf dem hiesigen südlichen Friedhofe beerdigt, nämlich der Major vom I. Inf.-Reg. »König«, Franz Daffenreither, welcher am 2. Dezember in den Kämpfen von Orleans verwundet wurde und am 15. zu Versailles gestorben ist.

Der Bayerische Landbote No. 1 und 2. Soontag und Montag den 1. und 2. Januar 1871.

Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land (10.1.1871)

Vom Kriegsschauplatz.

Etampes, 30. Dez. Das »Reg. Tagblatt« schreibt: Während der mehrwöchentlichen Gefechte mit der Loirearmee haben wir bei unseren bayerischen Regimentern vielfache Beweise eines außerordentlichen Heldenmuthes und großartiger Aufopferung zu verzeichnen. So will ich Ihnen heute einen Fall edler Kameradschaftlichkeit erzählen, welcher aufs Neue ein glänzendes und rührendes Zeugniß für das edle Verhältniß zwischen den Offizieren und Soldaten unserer Armee ablegt. Das 1. bayerische Regiment stand am 2. Dezember unerschüttert im gräßlichsten Feuer und hatte große und schmerzlichste Verluste. Da kamen zwei Kugeln geflogen; die eine traf den Major Daffenreither (längere Zeit Kommandant des Landwehrkommandos Weilheim) die andere einen gemeinen Soldaten, und beide Kugeln brachten den Getroffenen schwere Wunden bei. Unbeirrt von dem fürchterlichen Kugelregen nahten sich die Bleffirtenträger und wollten zuvor den Major auf die Tragbahre legen. Der selbst tödtlich getroffene Held gab dies aber durchaus nicht zu, und wies sie an, erst seinen verwundeten Kameraden aus der Feuerlinie zu bringen, weil ihm dessen Wunde gefährlicher als seine eigene erscheine. Die Träger nahmen denn auch den Soldaten und schafften ihn auf den Verbandplatz und höre ich, daß derselbe nun außer Gefahr sein soll. Unterdeß rückte das Regiment vor und um einige Sicherung vor den einschlagenden Kugeln und Granaten zu finden, kroch der Major in einen Straßengraben. Mochten ihn auf diese Weise die Träger nicht mehr erblickt haben, oder dieselben getödtet oder anderweitig in Anspruch genommen worden sein, kurz der tödtlich verwundete Major blieb einige qualvolle Stunden in der grimmigsten Kälte auf dem Schnee liegen, bis er fühlte, daß sich mehr und mehr eine Erstarrung seiner bemächtigte, welche den Tod des Erfrierens zur Folge gehabt hätte. Mit Aufbietung der letzten Kräfte raffte sich der Major auf und kroch mit ungeheurer Anstrengung und unter den größten Schmerzen einer einige Minuten entfernten Scheune zu. Kaum dort angekommen, zog sich das Gefecht wieder in diese Gegend, und wurde die Scheune, in welcher der Major vor der Kälte Zuflucht suchte, derart mit Granaten beworfen, daß sie sofort in hellen Flammen aufloderte. Derselbe, halb von Rauch betäubt, von platzenden Granaten umkracht, fühlte sich unvermögend, sich aus der gräßlichen Gefahr zu retten und vermochte nur noch laut nach Hilfe zu rufen, welche Rufe glücklicherweise vernommen wurden und der Major von bayerischen Soldaten aus dem brennenden Gebäude getragen ward. Leider starb derselbe einige Tage darauf in Versailles; er aber und seine edle Aufopferung, wodurch er einem Kameraden das Leben rettete, wird beim 1. Regiment wohl unvergessen bleiben!

Weilheimer Tagblatt für Stadt und Land No. 10. Dienstag, den 10. Januar 1871.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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