Inhalt | Register | |



32 – 1 – 12·13 (Ammann)

Ω

Hier erwartet die Auferstehung
meine geliebte Gattin, unsere unvergessliche Mutter
Frau Hofrat Ellen Ammann
geb. Sundström,
M. d. L., Vorsitzende des K. F. B.
geb. Stockholm 1.VII.1870, † München 23.XI.1932
und ihr treuer Gatte, unser lieber Vater
Herr Hofrat Dr. Ottmar Ammann
Spezialarzt für Orthopädie – Oberstabsarzt d. R. a. D.
geb. Niederpöcking 8.VIII.1861, † München 4.VIII.1939.
Dominus dei nobis suam pacem et vitam acternam. Amen!

Grabstätte der Familie Ammann.

Rückseite

Hier ruhen in Gott
der treueste Gatte und beste Vater
Dr. med. Wilhelm Ammann
pract. und Zahn-Arzt dahier
geb. 27. März 1811 zu Straubing gest. 31. Mai 1866 zu München.
Der hoffnungsvolle gute Sohn
Dr. phil. Hugo Ammann
k. Landwehr Lieutnant u. Ritter des Militär Verdienstordens II. Cl.
geb. 24. Dez. 1846, gest. den Heldentod i. d. Schlacht bei Beaugency 8. Dez. 1870.
Die unvergessliche teuerste Mutter
Maria Ammann geb. von Hellingrath
geb. 20. Oktober 1825, gest. 26. April 1888 zu München.
O Herr gib Ihnen die ewige Ruhe

Ω

|||

Ellen Ammann (vh)

Sundström (gb)

* 1.7.1870 (Stockholm/Schweden)
† 23.11.1932 (München)
Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei

Verhandlungen des Bayerischen Landtags (23.11.1932)

Nachruf auf die verstorbene Landtagsabgeordnete Frau Ellen Ammann
(Zum Zeichen der Trauer wird die Sitzung unterbrochen.)

Sehr verehrte Frauen und Herren!
(Die Abgeordneten erheben sich.)

In den Mitgliederkreis dieses Hauses hat der Tod in dieser Nacht eine außerordentlich schmerzliche Lücke gerissen. Das Leben unserer verehrten Kollegin, der Frau Abgeordneten Ellen Ammann, Hofrats- und Arztensgattin, dieses Leben, das köstlich war, weil sein Inhalt Mühe und Arbeit gewesen ist, ist heute nacht um einhalb ein Uhr erloschen. Ein Vorbote des Todes ist ihr gestern in diesem Hause schon begegnet in der Gestalt eines leichteren Schlaganfalls. Nach einer Rede, in der sie, schöpfend aus dem Gedankenschatz einer Frau und Mutter, die sechs Kinder geboren und erzogen und von ihnen vier Söhne dem Vaterland zur Wehr ins Feld geschickt hat, zu einem der brennendsten bevölkerungs- und sozialpolitischen Probleme, dem Problem der kinderreichen Familie sprach, ist sie, von einem Schlagfluß gerührt, aus diesem Saale getragen worden. Kollegen haben sie hinübergebracht in das Zimmer, in dem sie zunächst ruhen sollte, und in menschlicher Hilfsbreitschaft hat ein Mitglied dieses Hauses ihr den ersten ärztlichen Beistand geleistet. Die Wiederholung des Schlaganfalls hat ihren Tod herbeigeführt.

14 Jahre lang hat Frau Ellen Ammann diesem Haus angehört und mit einer vorbildlichen Pflichttreue und einem hingebenden Eifer die Aufgabe einer Abgeordneten erfüllt, für welche sie ein in vielen wissenschaftlichen Studien volkswirtschaftlicher und staatswirtschaftlicher Art gewonnenes und in der großen praktischen Schule sozialcharitativer Arbeit vertieftes und bereichertes Wissen mitgebracht hat.

Aber, meine verehrten Frauen und Herren, nicht bloß der Landtag hat eine hochgeschätzte Mitarbeiterin verloren, sondern auch viele Organisationen des öffentlichen Lebens beklagen in dem Tod der Frau Hofrat Ammann den Verlust einer außerordentlich wertvollen Arbeitskraft, die große katholische Frauenbewegung, der Mädchenschutzverein katholischer Prägung, die städtische Armenpflege, die Kriegerfürsorge und andere Organisationen ähnlicher Art.

In dieser Stunde wendet sich unser aufrichtigstes und tiefstes Mitgefühl der hinterbliebenen Familie, vor allem dem leidgebeugten Gatten zu, der mir heute früh, von furchtbarem Schmerz erfüllt, den Tod seiner Gattin, den Tod der Mutter seiner Kinder angezeigt hat.

Wir werden der verstorbenen Kollegin in voller Würdigung ihrer Persönlichkeit ein dauerndes Andenken, ein Andenken voll Ehre bewahren. Und ich darf als Christ wohl den Wunsch hinzufügen: Möge sie ruhen in dem heiligen Frieden Gottes, dem sie stets eine treue Dienerin gewesen ist!

Da sie aber gewissermaßen in den Sielen parlamentarischer Arbeit gestorben ist – ein gewiß seltener Fall in einem Parlament –, möchte ich dem Hause vorschlagen zum Ausdruck unserer Trauer die Sitzung um 10 Uhr wieder aufzunehmen.

Das Haus ist damit einverstanden.

Sie haben sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen.

(Die Sitzung wird um 9 Uhr 13 Minuten unterbrochen.)
Die Sitzung wird um 10 Uhr 5 Minuten durch den Präsidenten Stang wieder aufgenommen.

Stenographischer Bericht über die Verhandlungen des Bayerischen Landtags. Zehnte öffentliche Sitzung. Mittwoch, den 23. November 1932.

|||

Dr. phil. Hugo Ammann

* 17.11.1846 (München)
† 7.12.1870 (Beaugency/Frankreich)
Leutnant

Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee (1871)

Landwehr-Unterlieutenant Dr. Hugo Ammann, geboren zu München den 17. November 1847, als der Sohn des praktischen Arztes Dr. Ammann. Er trat am 15. März 1868 als Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie-Leib-Regiment ein, wurde den 12. Mai 1869 zum Landwehr-Offiziers-Adspiranten und den 18. Juli 1870 zum Landwehr-Unterlieutenant im 2. Landwehr-Bataillon befördert. Bei Wörth am 30. und 31. August, am 1. September bei Sedan, bei Artenay, bei der Erstürmung von Orleans, in den Tagen des November und Dezember erprobte sich sein Heldenherz. Der 7. Dezember – das Gefecht bei Beaugency – löschte seines Lebens Fackel aus. Seine Brust schmückte das Ritterkreuz II. Classe des Militair-Verdienst-Ordens, das er sich für seine große Tapferkeit bei Sedan erworben hatte. Außerdem wurde er für sein Verhalten bei Wörth belobt. Um ihn trauern nicht nur Eltern und Freunde, auch der Genius der Wissenschaft, er trauert für einen seiner besten Jünger.

Biographieen der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offiziere der Bayerischen Armee. Nürnberg, 1871.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


Erstellt mit jutoh digital publishing software (Anthemion Software Ltd.)