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33 – 12 – 25* (Zitz)

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Das Grab ist nicht erhalten

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Dr. Franz Zitz

* 18.11.1803 (Mainz)
† 30.3.1877 (München)
Advokat, Revolutionär und Oberst der Mainzer Bürgerwehr

Intelligenz-Blatt (4.5.1877)

Tagesnachrichten.

Mainz, 1. Mai. Gestern starb zu München Dr. Franz Zitz, 72 Jahre alt, einer der hervorragendsten Führer der Bewegung des Jahres 1848 im Großherzogthum Hessen. Die Jahre 1848 und 1849 fanden ihn in der hessischen Ständekammer, im Vorparlament, in der constituirenden Nationalversammlung als thätiges und für die Rechte des Volkes entschieden auftretendes Mitglied. Eine glänzende Existenz opfernd, führte er die rhein-hessischen Streiter nach der für die Reichsverfassung von 1849 in den Kampf getretenen bayerischen Rheinpfalz. Die folgenden Ereignisse verschlugen ihn nach Nordamerika, wo er später in New-York mit Fr. Kapp einen geachteten Haltpunkt deutschen Wesens schuf. Müde und körperlich gebeugt zurückkehrend, hat er, die neuen Verhältnisse als Genugthuung nach einem bewegten Leben schätzend, einen weiteren Antheil an den Angelegenheiten seines »heiß geliebten Deutschlands« doch nicht mehr zu nehmen vermocht.

Intelligenz-Blatt Nummer 102. Beiblatt zur »Aschaffenburger Zeitung«, zugleich »Amtlicher Anzeiger« für die k. Bezirksämter Aschaffenburg, Alzenau und Obernburg. Freitag, den 4. Mai 1877.

Augsburger Tagblatt (13.5.1877)

Vermischte Nachrichten

Mainz, 2 Mai. (Dr. F. Zitz †.) In der bayrischen Hauptstadt starb vorgestern der im Jahre 1848 als einer der bedeutendsten Männer der Bewegung jener Epoche viel genannte Dr. Franz Zitz, 73 Jahre alt. Als gesuchtester und hervorragendster Anwalt hatte er schon 1846 eine politische Thätigkeit entwickelt, indem auf seine Veranstaltung hier förmliche Bürgerversammlungen, trotz der entgegenstehenden du Thil-Metternich'schen Ordonnanzen, die gesetzgeberische Thätigkeit der Regierung und der Kammern ihrer Discussion unterwarfen. Im Herbst 1847 trat er als Vertreter seiner Vaterstadt in die zweite Kammer, und am 28. Februar des folgenden Jahres, einen Tag nach dem Erscheinen der Mannheimer »Petition«, trat er in einer stürmischen Volksversammlung mit einer an die Ständekammern gerichteten in energischer Sprache abgefaßten Eingabe auf, mit welcher er auf Grund der Verfassung Preßfreiheit, Gewissensfreiheit, ein deutsches Parlament u. s. w. als Forderungen des Volkes aufstellte. Diese Kundgebung, damals die zweite derartige in Deutschland, mit Tausenden von Unterschriften bedeckt, war der Anfang jener Dinge in deren Strom in Hessen auch die alte Ordnung ins Wanken kam und in wenigen Tagen das Ministerium du Thil stürzte. Im Vorparlament, in der constituirenden Nationalversammlung blieb er unerschrocken seinem Standpunkte treu, bis auch ihn die wachsende Reaction zu anderen Consequenzen trieb. Als einer der Hauptführer des rheinhessischen Zuzugs in die für die Erhaltung der Reichsverfassung aufgestandene bayerische Pfalz war er bald zur Selbstverbannung nach Amerika genöthigt, eine glänzende Existenz seinem freiheitlichen Streben opfernd. Das Exil trug der Mann nicht ohne Herzeleid; aber von dem Ministerium Dalwigk, an dessen Spitze ein erbitterter Gegner stand, wollte er keine Gnade, und erst die Ereignisse des Jahres 1866 ermöglichten auch ihm die Rückkehr in das Vaterland. Der stürmische Jubel mit dem ihn nach 20 Jahren (1868) die Bevölkerung seiner Heimath begrüßte, hat er uns oft als den schönsten Moment seines Lebens bezeichnet. Diese Aufnahme hat für den Rest seiner Tage entscheidend gewirkt; er begab sich noch einmal nach New-York, wo er mit dem jetzigen Mitglied des Reichstags, Dr. Fried. Kapp, ein öffentliches Notariat führte, um seine Verhältnisse dort zu ordnen und dann ins Vaterland heimzukehren und hier zu sterben. Die früher imposante Gestalt seines Körpers war in den letzten Jahren gebeugt – ein Bild auch der schweren Opfer die er der Sache der Freiheit gebracht hat. Ehre seinem Andenken.

Augsburger Tagblatt No. 113. Sonntag, den 13. Mai 1877.



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