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Büste
Widmungs-Tafel
DEM EDLEN FÖRDERER WAHRER HUMANITÄT
HERRN HOFRATH DR. IGNAZ PERNER
GRÜNDER DER THIERSCHUTZ-VEREINE
WIDMET DIESE BÜSTE VON ERZ
ALS ZEICHEN DANKBARER ERINNERUNG
DER VEREIN
ZUM SCHUTZE DER THIERE
IN MÜNCHEN.
Hier ruht
HERR DR. IGNAZ PERNER
k. Hofrath,
geb. in Ebersberg am 3. Juli 1796,
gest. in München am 16. Febr. 1867.
Dieses Denkmal errichten
dem geliebten Bruder und Oheim
die Hinterbliebenen
Linke Seite
Frau Katharina Ott
geborne Perner.
k. Gerichtsarztswittwe,
gestorben 14. März 1872
80 Jahre alt.
Rechte Seite
Frau Maria Perner,
Gastwirths-Wittwe von Ebersberg
gestorben den 28. Februar 1830
72 Jahre alt.
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Ott, Katharina (vh) / Perner (gb); – 14.3.1872; Gerichtsarzts-Witwe
Perner, Johann Ignaz, Dr. jur. et phil.; 3.7.1796 (Ebersberg/Obb.) – 16.2.1867 (München); Jurist und Gründer des Münchner Tierschutzvereins
Perner, Maria (vw); – 28.2.1830 (München), 73 Jahre alt; Gastwirts-Witwe aus Ebersberg
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* 3.7.1796 (Ebersberg/Obb.)
† 16.2.1867 (München)
Jurist und Gründer des Münchner Tierschutzvereins
Hofrath Dr. Ignaz Perner.
Der Gründer des Münchener Thierschutzvereins, Ignaz Perner, ward geboren am 3. Juli 1796 im oberbayerischen Flecken Ebersberg, 8 Stunden von München. Sein Vater, ein Wirth, der mit eiserner Strenge dem Knaben die Gewöhnung an Ordnung und Rechtssinn einpflanzte, lebte in keineswegs günstiger Lage; die Mildthätigkeit anderer war darum schon früh, namentlich aber von da ab, als Ignaz das Gymnasium zu München bezog, dem Knaben das einzige Mittel zu geistiger Ausbildung, und auf solche Weise lernte er frühzeitig die Segnungen dieser Tugend verehren. Treffliche Anlagen und bei allem jugendlichen Uebermuth der beharrlichste Fleiß führten ihm bald das juridische Doctordiplom zu, und im Jahre 1820, mit 23 Jahren, sehen wir ihn schon die Stelle eines Protokollisten bekleiden, dann nach einigen Monaten diejenige eines Rathes zu Landshut; bald darauf erfolgt seine Versetzung in die Hauptstadt. Aber Perner’s Ideal bestand nicht in der Verfolgung ehrgeiziger Pläne: so vortheilhafte Stellen ihm auch offen standen, er trat schon 1832 von der Advokatur, die er seit seinem 1827 erfolgten Austritt aus dem Staatsdienste geübt, zurück; und jetzt erst, vom Könige zum Hofrath ernannt, beginnt die Wirksamkeit desjenigen, den diese Zeilen zum Gegenstände haben.
Schon in früheren Jahren, als er noch mit Pünktlichkeit und musterhaftem Ordnungssinne seinen Pflichten nachgekommen, war an Perner oft wiederholt der Gedanke herangetreten: wie wird es möglich sein, jenen tiefgehenden Zug der Rohheit und Grausamkeit im Menschengeschlechts, der die Menschen selber zu Thieren erniedrigt, wenigstens annähernd zu tilgen. Als die Frucht dieser Betrachtungen müssen wir den von ihm gegründeten und jetzt weit über Europa hinaus verbreiteten Thierschutzverein betrachten, denn hier, in den Beziehungen des Menschen zu dem wehrlosen, dienenden Geschöpfe, fand Perner die nächste Veranlassung und den Keim zu Grausamkeit und den Ausschreitungen des Hasses, der Bosheit. Diese Ueberzeugung und die Verachtung alles äußerlich Bestechenden ließen Perner unempfindlich gegen die alsbald hundertfach auftauchenden Bespöttelungen und Schmähungen; was galt ihm das Verkennen der großen Menge, deren Grundschwächen er ja eben zu bekämpfen unternahm! Er verfolgte unermüdlich seinen Zweck, suchte wackere Geister dafür zu gewinnen, sammelte auf vielfachen Ausflügen und weitern Reisen die mannichfaltigsten Erfahrungen und fand dabei denn auch in den verschiedensten Ländern überall festliche, herzliche Aufnahme. In den höchsten und niedrigsten Kreisen bereicherte Perner im Laufe eines Vierteljahrhunderts, im Verkehr mit allen Ständen, im Privatleben wie im Geschäfte und auf den Reisen, seine Menschenkenntniß, und an mehreren Orten beeiferten sich in diesen letztem Jahren selbst die ersten Notabilitäten, dem wackern Manne ihre Anerkennung auszusprechen: so in Linz, in Hamburg, in Breslau.
Als der Münchener Thierschutzverein durch Perner im Jahre 1841 begründet ward, kam dem Unternehmer die Bekanntschaft mit Männern der verschiedensten Berufsstände trefflich zu statten; sie alle, die Freunde des Gründers und Gesinnungsgenossen von ihm, waren damit von vornherein Förderer seines Werkes; ihnen schloß sich sogleich ein Mann von Gewicht als Vorstand des Vereins an, der Staatsrath und damalige Finanzminister Graf Karl v. Seinsheim, und die Nachfolger dieses allbeliebten Mannes: der Prinz Eduard von Sachsen-Altenburg, Herzog zu Sachsen, und von dessen Tode ab der Prinz Adalbert von Bayern, der noch heute zum Segen des Vereins wirkt, waren nicht minder Bürgschaft der Erfolge.
So ist dieser Verein, trotz aller Hindernisse, durch Muth und Ausdauer seiner Begründer, zu einer Mitgliederzahl von 6000 angewachsen, darunter zahlreiche fürstliche Häupter; andere regierende, unter ihnen der jetzige Prinz-Regent.von Preußen, haben namhafte Beiträge gegeben; über 150 Zweigvereine, unzählige Private und Körperschaften wirken, über alle Theile der Erde vertheilt, für die Sache des Hauptvereins, und in allen bedeutendsten Städten sammelten sich Gesinnungsgenossen zu gleichem Zwecke. Seine Einrichtung blieb für alle das Muster, seine Schriften wurden in viele fremde Sprachen übersetzt, und in Frankreich ward von der gesetzgebenden Versammlung ein fast wörtlich aus den Schriften des Münchener Vereins entnommener Gesetzentwurf angenommen.
Bis zu diesen Zielen, – welcher Opfer bedurfte es von Seiten der Mitglieder, vor allem von Seiten des Begründers! Unwandelbare Ueberzeugung, ein eiserner Charakter, eine durch nichts zu brechende Geduld und Ausdauer, der Kampf gegen eingerostete Vorurtheile und Misbräuche, gegen Eigennutz, Kälte und Gleichgültigkeit, gegen offenen und heimlichen Widerstand waren Perner’s stete Begleiter, und eine Correspondenz durch fast ganz Europa seine Thätigkeit – er schrieb allein über 12,000 Briefe!
Heute nun, wo bereits ein großer Theil der Vereinszwecke erreicht wurde und ein endlicher vollständiger Sieg des edeln Werkes zu hoffen steht, bedarf es wol nur der Hinweisung auf jene Grundlage, das Hauptmotiv seiner Wirksamkeit, um jeden Menschenfreund für den Verein zu gewinnen. Es sind folgende Sätze:
1) Das Menschengeschlecht kann nie glücklich werden, so lange Mitleid nicht die Grundlage der Erziehung geworden ist.
2) Es ist unmöglich, ohne Abstellung der Grausamkeit gegen die Thiere das wahre Mitleid je zur Grundlage der Erziehung zu machen.
3) Da das Beispiel der Erwachsenen von wesentlichem Einfluß auf die Erziehung der Jugend ist, bleibt eine wahrhaft gute Erziehung der Jugend so lange unmöglich, als nicht den Erwachsenen die unnöthige Mishandlung der Thiere untersagt wird.
4) Diese Grundsätze können nur dann praktisch durchgeführt werden, wenn die Regierungen sie annehmen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln durchführen.
Und dieses Letztere sei auch unser Wunsch, damit das Wirken eines Mannes auch dann schon seine bleibende Stätte finde, wenn seine Abhandlung »Ueber das Mitleid und seinen bisher viel zu wenig beachteten Einfluß auf das Glück der menschlichen Gesellschaft« in ihren Grundwahrheiten noch von manchen aus der Gesellschaft unbeachtet bleiben sollte.
Weber’s Volks-Kalender für 1860. Leipzig.
15. Dr. Johann Ignaz Perner, Hofrat, geboren am 3. Juli 1796 als Sohn des Gastwirtes und früheren Gerichtsdieners Johann Georg Perner zu Ebersberg.
Von seinem 6. bis zum 11. Lebensjahre erhielt er Unterricht bei einem befreundeten Pfarrer in Frauenneuharting, dann besuchte er das Gymnasium zu München, wo er in jeder Klasse der Erste war und sein Absolutorium glänzend bestand. Dabei konnte er von zu Hause wenig unterstützt werden, er hatte ja noch zehn Geschwister, und mußte sich seinen Unterhalt großenteils selbst verdienen.
Mit 16 Jahren schon sehen wir ihn die Universität Landshut beziehen. Das akademische Leben sprach ihn sehr an und er genoß es in vollen Zügen. Er hatte dem Panier »weiß-blau-weiß« geschworen, denn er war Korpsbruder der Bayern. Der Fechtboden war ihm ein Lieblingsaufenthalt, und tüchtig verstand er die Waffen zu führen, weshalb er auch Consenior bei seinem Corps wurde. Manche Mensur hatte er auf seinen Bändern verzeichnet. Dabei vergaß er aber seine Studien nicht. Im Jahre 1815 löste er sogar eine Preisfrage.
Die Befreiungskriege hatten leider die erhoffte politische Freiheit nicht im Gefolge, im Gegenteile, die französische Revolution vom Jahre 1789 stand noch zu gut in der Erinnerung, man hielt die harmlosesten Vereine für staatsgefährlich und veranstaltete förmliche Jagd auf diese. Die Studentenverbindungen, in denen ja ein besonders freier Ton herrschte, erfreuten sich in dieser Beziehung auch einer ganz besonderen Fürsorge.
Wie an anderen Universitäten wurden sie ebenfalls in Landshut aufgehoben und ihre Mitglieder relegiert. Dies Schicksal traf auch Perner, er mußte Landshut verlassen, um erst ein Jahr später wieder dahin zurückkehren zu dürfen. Da studierte er dann wieder eifrigst und holte sich bald das philosophische und juristische Doktordiplom.
Er praktizierte bei einem Patrimonial-, sowie an einem kgl. Landgerichte. Die Staatsprüfung bestand er mit Note I.
Seine erste Anstellung erfolgte 1820 als Protokollist, der bald darauf die Beförderung zum Assessor und dann zum Kreis- und Stadtgerichtsrat in Landshut nachging. Als solcher wurde er nach München versetzt, verließ aber, trotz glänzender Aussichten, im Jahre 1827 den Staatsdienst.
Die freiere Thätigkeit eines Advokaten sagte ihm besser zu. Als solcher entfaltete er bald eine ungeheuere Wirksamkeit und sein Ruf als Advokat drang durch das ganze Land.
Seine Einkünfte waren derart, daß er schon nach fünf Jahren, also in einem Alter von 35 Jahren, seine Praxis als Anwalt aufgeben und sich ins Privatleben zurückziehen konnte. Gelegentlich seines Rücktrittes ehrte ihn der König durch Verleihung des Hofrattitels.
Durch nichts gebunden, konnte er sich nun ganz der Erfüllung seines Lieblingswunsches, dem Reisen, hingeben. Er durchstreifte fast ganz Europa und sah Glück und Elend in mancherlei Gestalt vorübergleiten. Er gelangte zu der Überzeugung, daß ohne wahres Mitleid kein wahres Glück denkbar sei, daß ohne dies der Mensch immer mehr verrohen müsse. Und er erkannte richtig, daß den Tieren, die ja in vielen Fällen Freunde des Menschen sind, in ausgedehntestem Maße Mitleid entgegenzubringen sei.
Im Jahre 1841 regte er zum erstenmale die Gründung eines »Vereines zum Schutze der Tiere« an, nicht ohne als Erwiderung Spott und Hohn zu ernten.
Doch er scheute weder persönliche Mühe, noch große Geldopfer und wußte einige hundert Personen zum Eintritt in den Verein zu bewegen.
Er stand mit den höchsten Kreisen in Verbindung, und als die Prinzen Eduard von Sachsen-Altenburg und Adalbert von Bayern sich der Sache annahmen, zählte der Verein bald mehrere Tausende Mitglieder mit gegen 200 Zweigvereinen, um sich nach und nach die ganze Welt zu erobern.
Perner wurde mit dem Verdienstorden vom hl. Michael ausgezeichnet.
Im Jahre 1866 stifteten die Tierschutzvereine eine »Perner-Medaille«, welche solchen Personm verliehen wird, die sich in der Tierschutzsache als besonders thätig erweisen.
Einige Jahre schon war Perner leidend und starb fast plötzlich am 16. Februar 1867, nachdem er kurz vorher noch seinen Vereinen 13000 Gulden geschenkt hatte.
Sein Sterbehaus, Gärtnerplatz Nr. 4/I, ist leider bis jetzt noch durch nichts als solches kenntlich gemacht.
Die von Bildhauer Michael Wagmüller modellierte Bronzebüste, welche das Grab (südlicher Friedhof, Sektion 37, Reihe 13, Nr. 33/34) des »edlen Förderers wahrer Humanität« schmückt, ist vom Münchener Tierschutzverein gestiftet.
Einen Abguß derselben schenkte Perners Nichte, Bertha v. Lößl, dem städtischen historischen Museum, ein weiterer gelangte auf ihre Anregung hin in einer der Nischen unter den Arkaden zur Aufstellung, zum Unterhalte des Grabes machte sie an das städtische Kinderasyl eine Schenkung von 1500 Mark.
C. Reber: Die »Ruhmeshalle« unter den Arkaden des südlichen (älteren) Friedhofes in München. Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 9. Jahrgang. Heft Nr. 30. München, 1898.
Perner Johann Ignaz, Dr. jur. et phil., 1796 (Ebersberg/Obb.) – 1867, Advokat, Hofrat und Begründer der Tierschutzvereine; nach seinen Studien in Landshut war P. Gerichtsbeamter in Landshut, er verließ aber bald den Staatsdienst und wurde in München Advokat; seine Einkünfte waren derart ersprießlich, daß er sich schon nach fünf Jahren ins Privatleben zurückzog und daraufhin fast ganz Europa bereiste; die Erfahrungen, die er dabei auf dem Gebiet der Vernachlässigung und Quälerei der Tiere sammelte – er verhandelte deshalb mit den verschiedensten Herrscherhäusern –, veranlaßten ihn 1841 zur Gründung des »Münchner Vereins zum Schutze der Tiere«, dem bald andere derartige deutsche und ausländische Vereine folgten; 1866 stifteten diese Tierschutzvereine eine »Perner-Medaille«, die denen verliehen wird, die sich in der Tierschutzsache besonders tätig erweisen; der Münchner Tierschutzverein legt alljährlich am 4. Oktober, dem Tag des großen Tierfreundes, des hl. Franz von Assisi, einen Kranz an Perners Grab nieder.
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.