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38 – 13 – 22 (Hornig)

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FAMILIENGRAB

Sanft ruhen hier:
Ehrenfried Hornig
Königl. Stallmeister
geb. d. 14. Novb. 1807, gest. d. 27. Novb. 187¿
Caroline Hornig
geb. d. 28. Octob. 18¿, gest. d. 13. Januar ¿
Adolf Hornig,
geb. d. 3. November 1809, gest. d. ¿ Oktober 18¿
Frau Anna von Hornig,
geb. d. 10. Juli 1847, gest. d. 11. April 1911
Richard von Hornig,
Kgl. I. Stallmeister
geb. d. 10. September 1841,
gest. d. ¿ August 1911.

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Richard von Hornig

* 10.9.1841 (Basedow/Mecklenburg)
† 2.8.1911 (Rohrenfeld a. D.)
Königlicher I. Stallmeister

Schloß Herrenwörth, das bayerische Versailles in Wort und Bild (1887)

Stallmeister Hornig.

Richard Hornig, im Jahre 1841 zu Basedow in Mecklenburg als der Sohn des Graf Hahn'schen Stallmeisters Ehrenfried Hornig geboren, kam schon als Knabe nach München, da sein Vater vom König Max II. als Bereiter (später Stallmeister) in den bayer. Hofmarstalldienst berufen wurde.

Bereits im Jahre 1862 trat er als Eleve in den kgl. Marstalldienst, wurde 1864 Scholar, 1866 Bereiter, 1869 Oberbereiter und 1871 Stallmeister extra statum. Zur Zeit ist er der einzige dienstthuende Stallmeister beim Oberst-Stallmeisterstabe.

Am 11. Mai 1867 machte Hornig, nachdem er bei der im Herbste 1866 vom König gemachten Rundreise durch die damals vom Kriege heimgesuchten fränkischen Provinzen Bayerns als Bereiter dienstlich verwendet gewesen, zum ersten Male persönlichen Dienst bei seinem Monarchen, indem er ihn bei einem längeren Spazierritte von Schloß Berg aus begleiten durfte.

Seit dieser Zeit war Hornig bis zu seiner im Jahre 1885 anbefohlenen Rückbeorderung in den kgl. Marstalldienst der stete Begleiter des Königs Ludwig II. bei allen Fahrten und Ritten mit Ausnahme der ihm alljährlich gewährten 3monatlichen Ruhepause.

Während dieser 18jährigen persönlichen Dienstleistung war Stallmeister Hornig auch quasi der Privat-Sekretair des Königs. Es ward ihm die gesammte Korrespondenz anvertraut, welche wegen der Privatbauten des Königs mit dem eigenen Baubureau sowohl, als mit auswärtigen Anstalten, Künstlern, Ministern etc. gepflogen werden mußte.

Der König übertrug seinem Stallmeister auch noch andere Kommissionen, welche Herkommen gemäß mit dem Marstalldienste nichts zu thun hatten. Er schickte ihn zweimal nach Neapel, um die blaue Grotte zu studiren, weil deren Ebenbild auf Linderhof nie das richtige »Blau« von sich gab; er sendete ihn mehrmals nach Paris, um seltene Vasen, Büsten und Teppiche auszusuchen und beauftragte ihn, gleichzeitig mit dem Hofbaudirektor v. Dollmann die »Wartburg« an Ort und Stelle zu studiren, da dieselbe für Neuschwanstein als Modell zu stehen hatte.

Nachdem im Jahre 1885 durch die in der Kabinetskasse hervorgetretene Geldklemme selbstverständlich das Bauen und Ausbauen schon ins Stocken gerieth, fiel Stallmeister Hornig bei seinem Königlichen Herrn in Ungnade, weil mehrere festgesetzte Termine beim Baue der Schlößer nicht eingehalten wurden.

Stallmeister Hornig ist ein feingebildeter Mann von fast zu sagen »vornehmen« Manieren, und es läßt sich gar nicht Wunder nehmen, daß König Ludwig II. seinerzeit an dem jungen Manne Gefallen fand. Hornig ist verheirathet und glücklicher Familienvater.

J. L. Craemer: Schloß Herrenwörth, das bayerische Versailles in Wort und Bild. München, 1887.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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