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40 – 5 – 18 (Barth)

Ω

Ruhestätte
der
Familie Barth.

40.5.18 Burlein.

Linke Seite

Anna Barth
Historienmalers-
Witwe,
geb. d. 26. Juli 1826
gest. d. 2. Juni 1913.

Rechte Seite

Xaver Barth,
Historienmaler,
geb. d. 12. Febr. 1821,
gest. d. 9. Febr. 1894.

Ω

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Franz Xaver Barth

* 12.2.1821 (Velden/Ndb.)
† 9.2.1894 (München)
Historienmaler und Kirchenmaler

Allgemeine Zeitung (12.2.1894)

Feuilleton.

Der Historienmaler Franz Xaver Barth ist am 9. ds., obwohl hochbetagt, doch immerhin unerwartet gestorben. Er zählte zu den Bannerträgern und Epigonen der großen, durch Cornelius gegründeten Schule.

Geboren am 12. Februar 1821 zu Velden bei Landshut, kam derselbe noch rechtzeitig auf die Münchener Akademie, um bei Julius Schnorr v. Carolsfeld die Traditionen dieser Epoche zu genießen und im strengen Componir-Stile dieser Meister zum gewandten Frescotier sich auszubilden. Als solcher assistirte er seinem Lehrer bei den letzten Sälen des Nibelungen-Cyklus in der k. Residenz und half dann mit Nilson, Echter, Palme und Süßmaier bei der Ausführung von Kaulbachs Entwürfen an der Neuen Pinakothek.

Als unter Dingelstedts Intendantur das Hoftheater eine Restauration erhielt, erblühte unsrem Maler die neidlose Aufgabe, die Deckenfelder des Zuschauer-Raumes mit den Figuren der Musen zu schmücken, eine wirklich verlorene Liebesmühe, da kaum die Insassen des letzten Ranges sammt dem naheliegenden »Olymp« ihr Augenmerk darauf zu richten im Stande sind.

Für Hiltensperger brachte sodann Franz Xaver Barth einen ganzen Cyklus von fünfzehn Bildern in Enkaustik für das Museum in St. Petersburg zur Ausführung. Ferner lieferte Barth nach eigener Composttion vier große Fresken in der historischen Galerie des Münchener National-Museums, mit kriegerischen und friedsamen Scenen aus den Thaten der bayerischen Fürsten, um dann wieder als Gehülfe, und zwar diesmal des poesievollen Moritz v. Schwind, an den Temperabildern demselben im Wiener Opernhause mitzuwirken. Eine weitere Freske nach eigener Invention mit der Figur eines auferstandenen Welterlösers schuf Barth in den Arcaden des Münchener nördlichen Friedhofs.

Indessen hatte sich der Künstler schon frühzeitig mit Oelbildern bewährt; dazu gehörten außer vielen Kirchen- und Altargemälden: »Hero und Leander«, ein »Friedensengel«, ferner der Entwurf zu einer Fürstengruft und das Project eines »Todtentanzes« für eine Grabcapelle, welche jedoch leider nicht zur Ausführung gelangten.

Dagegen erhielt Barth die Ausführung eines hübsch componirten und durch sein wohlklingendes Colorit vorzüglichen Deckenbildes in einem der unter König Ludwig II. restaurirten Prunkzimmer aus der Trausnitz, darstellend die alle Künste unter ihrer Aegide beschirmende »Bavaria«. Sein großes Compositionstalent erwies Barth sodann mit einer Reihe von Cartons, sowohl für die kgl. Glasmalerei des Hrn. Commercienraths v. Zettler, wie für Mayers Hof-Kunstanstalt. Hier bewährte er seine Vielseitigleit in verschiedenen Stilarten, sein Talent für großartig gedachte und energisch durchgeführte Schöpfungen, welche auch seinen feinen Farbensinn vollauf bethätigten.

Leider ist außer zwei kleinen, eine »Trinität« und »St. Vitalis« darstellenden Stichen und einigen bei Albert in Photographie reproducirten Bildern keine von Barths zahlreichen Originalarbeiten dem weiteten Publicum bekannt geworden.

Barth war ein still-thätiger, in sich gekehrter, überaus fleißiger, streng denkender, hohen Idealen nachfolgender Künstler, welcher, weit abseits von der zeitweise beliebten neueren Richtung, an den in seiner Jugend vererbten Principien festhielt und selbe in rühmenswerther Treue und Anhänglichkeit zeitlebens bethätigte.

Allgemeine Zeitung Nr. 42. München; Montag, den 12. Februar 1894.

Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Barth, Franz Xaver, Historienmaler, geb. 21. Febr. 1821 zu Velden (Niederbayern), † 9. Febr. 1894 in München, wurde 1847 Schüler von Moritz v. Schwind, Mitarbeiter Schnorr’s in den Nibelungensälen zu München und zu Schwind’s Malereien im Opernhaus zu Wien, und liess sich in München nieder. Er zeichnete viele Cartons für Glasmalereien, malte in der Burg Trausnitz bei Landshut, die Musen am Hoftheater in München und als sein bedeutendstes Werk in Keimsche Minieralmalerei die Werke der Barmherzigkeit als lebensgroße Figuren in Giebeinischen der Heiligengeistkirche in Landshut.

Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Herausgegeben von Hans Wolfgang Singer. Erster Band. Frankfurt am Main, 1895.

Allgemeine Deutsche Biographie (1902)

Barth: Franz Xaver B., Historienmaler, geboren am 12. Februar 1821 zu Velden (Niederbaiern), † am 9. Februar 1894 zu München, kam frühzeitig auf die Akademie, wo er noch unter Cornelius immatriculirt und dann der Componirschule des Julius Schnorr zugetheilt wurde. Diesem seinem Lehrer assistirte B. bei der Ausführung des letzten Nibelungensaales in der kgl. Residenz; ebenso arbeitete B. mit Nilson, Echter, Palme und Süßmaier bei der Ausführung von Kaulbach’s Entwürfen an den durch klimatische Einflüsse schon wieder verschwundenen Fresken der neuen Pinakothek. Dann erhielt B. bei der unter Dingelstedt’s Intendantur bewerkstelligten Restauration des Hoftheaters die neidlose Aufgabe, die Deckenfelder des Zuschauerraumes mit den Figuren der neun Musen zu füllen – eine wirklich »verlorene Liebesmüh«, da kaum die Insassen der höchsten Reihe und des naheliegenden »Olymp« ihr Augenmerk darauf zu richten im Stande waren. Dann wurde ihm mit Hiltensperger ein ganzer Cyklus von fünfzehn Bildern in Enkaustik für das Museum in Petersburg übertragen. Nach eigener Composition lieferte B. vier große Fresken in die historische Galerie des Münchener Nationalmuseums mit ziemlich undankbaren, kriegerischen und friedlichen Scenen aus dem Leben der bairischen Fürsten (Friedrich der Siegreiche schlägt 1462 bei Seckenheim das Reichsheer; Friedrich nimmt theil an den religiösen Uebungen der Barfüßermönche zu Heidelberg; Philipp der Aufrichtige als Förderer des Humanismus, umgeben von Johann von Dalberg, Rudolph Agricola, Conrad Celtes und Reuchlin; Kampf und Sieg der Pfälzer vor Landshut, angeführt von Elisabeth, der Gemahlin des Pfalzgrafen Rupert, Erbtochter Georg’s des Reichen, 1504). Bald darauf nahm Moriz v. Schwind den Maler mit nach Wien als Gehülfen an den Temperabildern des dortigen Opernhauses. Ein Freskobild nach eigener Composition, mit der Figur des auferstandenen Welterlösers schuf B. in den Arkaden des nördlichen Friedhofs. Indessen bewährte sich B. frühzeitig mit Oelbildern, dazu gehörten außer vielen Kirchen- und Altargemälden »Hero und Leander«, ein »Friedensengel«, der Entwurf zu einer Fürstengruft und das leider nicht ausgeführte Project eines »Todtentanzes« für die Friedhofscapelle zu Velden (im Kupferstichcabinet zu München). In einem durch König Ludwig II. restaurirten Saal der Trausnitz (Landshut) malte B. eine die Künste beschützende »Bavaria«. Sieben Fresken mit den »Werken der Barmherzigkeit« malte B. in der hl. Geistkirche zu Landshut. Sein großes Compositionstalent bewährte B. mit vielen originellen für die Glasmalereianstalten von Mayer und Zettler gefertigten Cartons und bewies damit eine seltene Fertigkeit, sich in verschiedenen Stilarten zu bewegen. Darunter befanden sich auch Entwürfe zu Wandbildern in der Einsteigehalle eines Bahnhofes.

Vgl. Nagler-Meyer, Lexikon, 1885. III, 49. – Nr. 42 d. Allgem. Ztg., 12. Febr. 1894. – Müller-Singer, Lexikon, 1895. I, 72. – Fr. v. Bötticher, Malerwerke, 1895. I, 50.
Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1902.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Barth Franz Xaver, 1821 (Velden/Ndb.) – 1894, Historien- und Kirchenmaler; er studierte in München bei P. von Cornelius und J. Schnorr von Carolsfeld, restaurierte in Fr. Dingelstedts Auftrag das Münchner Hoftheater, lieferte Fresken für das alte Bayerische National-(heute Völkerkundliches) Museum an der Maximilianstraße, half M. von Schwind bei der Ausmalung der Wiener Oper und schuf außerdem viele Kirchen- und Altargemälde (darunter die Werke der Barmherzigkeit in der Hl.-Geist-Kirche in Landshut); B. gilt als der Bannerträger der Cornelius-Schule, sein Kompositionstalent hat er in vielen Kartons für die Glasmalerei Zettlers und die Mayersche Kunstanstalt bewährt; auf eingesprengeltem Kathedralglas hat B. Bilder eingebrannt, die wie Perlen leuchten.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



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