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F. CHRIST
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* 7.1.1886 (Bamberg)
† 5.7.1906 (München)
Bildhauer
Personalnachrichten.
† Fritz Christ. Am 8. Juli schloß sich das Grab über einem bekannten Münchener Alpinisten, Herrn Bildhauer Fritz Christ, der im schönsten Mannesalter von 40 Jahren einer Blindarmentzündung erlag. Christ gehörte zu jenen tatenfreudigen Alpinisten, denen das Bergsteigen nicht nur Selbstzweck einer geistigen und körperlichen Erholung ist; ihm war der alpine Sport ein Feld regelrechter Leibesübung und eine Wissenschaft, die dankbare Aufgaben zu lösen gibt. Als wohlgeübter Turner durfte er sich an alpine Probleme wagen, die einen ganzen Mann, einen unerschrockenen und gewandten Alpinisten verlangten, und mit verschiedenen Erstbesteigungen hat er manche neue Wege gewiesen, die besonders bei den unternehmungslustigen Münchner Bergsteigern ein beliebtes Ziel geworden sind, so z. B. die Ersteigung des Laliderer Falken (Karwendel) vom Falkenkar, der Sulzleklammspitze-Nordwand (Karwendel), die Überschreitung der Ruchenköpfe mit Durchkletterung der Westwände (Schliersee Gebiet) u. a. Bis zum Jahre 1902 Mitglied der S. Bayernland-München, war Christ Mitbegründer der jungen S. Männerturnverein München, deren erstem Ausschuß er angehörte. Von seinen beachtenswerten Bergfahrten hat er dort in packenden Vorträgen berichtet. Dem Manne, der als gefeierter Künstler dem Alpinismus mit gleichem Ernste und mit gleicher Hingabe diente wie seine Kunst, sei darum eine Erinnerung auch an dieser Stelle gewahrt.
Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Nr. 14. München-Wien, den 31.7.1906.
PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN
MÜNCHEN. Am 5. Juli verstarb hier der Bildhauer FRITZ CHRIST im Alter von kaum vierzig Jahren. Schüler der Münchener Kunstakademie unter W. v. RÜMANN erhielt er eine tüchtige Ausbildung. Schon als Akademiker erwarb er sich die erste Auszeichnung für eine modellierte Aktfigur. Auf den Münchener Friedhöfen stehen mehrere prächtige Denkmale aus seiner Werkstätte. Eigenartiger und künstlerisch noch wertvoller sind seine kleinen Statuetten aus Bronze. Gerade in der Kleinplastik kommt seine solide tüchtige Arbeitsweise am besten zum Ausdruck. Auf den jährlichen Ausstellungen im Glaspalast, bei denen er lange als Juror beteiligt war, fanden sich regelmäßig solche Arbeiten ein. A. H.
Die Kunst für Alle. München, 1906.
Christ, Fritz, Bildhauer, geb. 7. Jan. 1866 in Bamberg, Schüler der Münchener Akad. unter Widnmann (1886–87) und W. v. Rümann (1887–91). Er liess sich in London nieder. Von ihm Brunnen (Markusplatz, Bamberg), Sterbender Gladiator (Mus. das.), Denkmäler in den Arkaden des südlichen Friedhofs (München), Figuren im Justizpalast (das.).
Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Frankfurt am Main, 1921.
Christ Fritz, 1866 (Bamberg) – 1906, Bildhauer; Ch. kam 1880 nach München, um sich bei seinem älteren Bruder, dem im Kolosseum 1881 verunglückten Bildhauer Adam Ch. auszubilden; Ludwig II. ermöglichte ihm nach des Bruders Tod das Studium auf der Akademie bei M. Widnmann; mit seinem »sterbender Krieger« errang er eine Auszeichnung und neue Förderung durch Eberle und Ruemann; kleine, meist nur halbmeterhohe, höchst gefällige Figürchen, in Marmor ausgeführt oder durch Erzguß vervielfältigt, erhielten auf den Ausstellungen in Paris, Kopenhagen, Chikago und München allgemeinen Beifall.
Hauptwerke: Frauenstatue in der Münchner Glyptothek, Monumentaldenkmal Ludwigs II. in Bamberg (von Ph. Rittler nach Chs. Entwürfen vollendet).
© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.