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Leonhard
Frhr. von Hohenhausen und Hochhaus
General d. Cavallerie
Gen. Cpt. d. kgl. Leibgarde d. Hartschiere
Kämmerer u. Gen. Adj. Sr. Maj. d. Königs
Kriegs-Minister
1788 – 1872
und Familie
Sockel
Feldzüge
1805, 1806, 1807, 1809, 1812, 1815.
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Hohenhausen, Leonhard Freiherr von; 28.6.1788 (Dachau) – 25.3.1872 (München); General und Kriegsminister
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* 28.6.1788 (Dachau)
† 25.3.1872 (München)
General und Kriegsminister
Am 25. März 1872 verschied zu München Freiherr Johann Nepomuk Maria Leonhard von Hohenhausen-Hochhaus, königlicher Kämmerer und Generaladjutant des Königs von Baiern, Generalkapitän der königlichen Leibgarde der Hartschiere, General der Cavalerie und Oberstinhaber des bairischen 7. Infanterieregiments, im fast vollendeten 84. Lebensjahre. Er war der älteste Offizier der bairischen Armee, welcher er seit beinahe 74 Dienstjahren angehörte.
Hohenhausen wurde am 28. Juni 1788 zu Dachau unweit München geboren. Durch den Einfluß seines Oheims, des kurbairischen Generals Sylvius von Hohenhausen, kam er im Jahre 1801 in das Cadettencorps zu München, wo er an dem Freiherrn von Werneck, dem derzeitigen Chef des Corps, einen väterlichen Freund und Protector fand. Im Jahre 1805 wurde Hohenhausen zum Lieutenant im 10. Infanterieregiment ernannt und betheiligte sich als solcher an dem dritten Coalitionskriege gegen Frankreich. Auch kämpfte er während des französisch-preußischen Krieges in den Jahren 1806 und 1807 mit; an der Belagerung von Breslau, Brieg und Kosel betheiligte er sich, wie auch an den Unternehmungen gegen die Festung Glatz, und machte die Gefechte bei Frankenstein und Schönwalde und das Treffen bei Kanth mit. Bei Kanth wurde er ziemlich erheblich verwundet und gerieth in feindliche Gefangenschaft. Beim Ausbruche des Krieges gegen Oesterreich im Jahre 1809 trat er als Oberlieutenant ins Hauptquartier des französischen Generals Lefèvre. Als solcher machte er die Schlachten von Abensberg, Schierling und Eckmühl mit und überbrachte nach der Einnahme von Regensburg dem Könige Max I. die Siegesbotschaft in Augsburg. Dann nahm er theil an der ersten Expedition gegen Tirol und an den Kämpfen an der Donau und erhielt für die bei dieser Gelegenheit bewiesene Tapferkeit in Linz das Band der Ehrenlegion. Auch die zweite Expedition gegen Tirol machte er mit. Als ein Beispiel der persönlichen Bravour, welche Hohenhausen eigen war, theilt die augsburger »Allgemeine Zeitung« gelegentlich eines Nekrologs über denselben die folgende Episode aus dem tiroler Kampfe mit: »Am 5. Aug. war Lefèvre, die Division Deroy unter Erlon Drouet in Innsbruck zurücklassend, mit der Division Kronprinz gegen Brixen aufgebrochen und bis Sterzing gekommen, als erstere am 11. Aug. plötzlich ringsum von überlegenen Streitkräften sich angegriffen sah. Wenn es nicht gelang, die getrennten Heeresabtheilungen rasch zu vereinigen, so war es voraussichtlich um beide geschehen. Wie aber sollte dem Marschall von dieser unerwarteten Wendung Kunde werden, wo alle Dörfer von Aufständischen gefüllt waren? Da erbot sich Hohenhausen zu dem Wagniß, und in rasender Eile, dreimal die abgehetzten Pferde wechselnd, und an den verblüfften Bauern wie ein Gespenst vorüberjagend, legte er trotz der glühenden Augusthitze die 13 Stunden lange Strecke in kaum vier Stunden zurück, und kam glücklicherweise noch rechtzeitig, wenngleich minutenlang sprachlos vor Erschöpfung, bei Lefèvre in Sterzing an.« Nachdem der Friede geschlossen, wurde Hohenhausen als Kurier an den Vicekönig von Italien gesandt und bei dieser Gelegenheit von Bauern gefangen genommen. Nur seine Klugheit befreite ihn aus dieser gefährlichen Lage. Beim Beginn des russischen Feldzuges wurde er zum Ordonnanzoffizier des Generals von Raglowich ernannt und focht mit bei Polock und in den folgenden Gefechten. Alle Schrecken des heillosen Rückzuges von 1812 machte er mit und gerieth bei Kowno mit 14 Offizieren und etwa 30 Mann in Gefangenschaft. Die Strapazen des Rückzuges hatten seine Kräfte erschöpft, und er mußte im Lazareth zu Mohilew zurückbleiben, wo ihm die fünf Zehen des rechten Fußes, welche erfroren waren, amputirt wurden. Schon auf dem Wege, nach Asien transportirt zu werden, obwol kaum genesen, wurde er infolge der Fürsprache des russischen Senators Teploff in Orel internirt und 15 Monate darauf in die Heimat entlassen. Am zweiten Befreiungskriege nahm er wiederum Antheil. Als Adjutant des Grafen von Rechberg zog er in Paris mit ein. Im Jahre 1822 wurde er als Erzieher des ältesten Sohnes des Kronprinzen Ludwig, des nachmaligen Königs Max II., nach München berufen. Er blieb in dieser Stellung bis zum Jahre 1824. In den folgenden Jahrzehnten durchlief er die ganze Stufenreihe der Höhern militärischen und Civil-Ehrenämter. Im Jahre 1847, nachdem das Ministerium Abel gefallen war, trat Hohenhausen (er war damals Generalmajor) als Staatsrath und Kriegsminister in das neue Ministerium ein; jedoch die münchener Bewegungen jenes Jahres veranlaßten ihn wenige Monate nach seinem Eintritte ins Ministerium, seine ministeriellen Functionen wieder einzustellen. König Max II. ernannte ihn zum Generaladjutanten und übertrug ihm mehrfach diplomatische Gesandtschaften. Im Jahre 1850 stand er an der Spitze der königlich bairischen ersten mobilen, im Jahre 1859 der Reservedivision. Darauf war er mehrere Jahre lang Generalcommandeur von Schwaben und Neuburg und wurde im Jahre 1861 vom Könige Max II. zum Generalkapitän der königlichen Leibgarde und zum General der Cavalerie ernannt. Hohe Orden und Ehrenbürgerdiplome, kostbare Geschenke und Auszeichnungen aller Art gingen ihm während der Dauer seines langen Lebens zahlreich zu. König Max II. war ihm stets besonders zugethan. Nächst dem alten Wrangel war der Freiherr von Hohenhausen wol der älteste Offizier der gesammten deutschen Armee. Sein Leichenbegängniß fand in sehr feierlicher Weise am 28. März 1872 statt. Die sämmtlichen Truppen aller Waffengattungen der münchener Garnison waren dazu unter dem Oberkommando des Generals von der Tann ausgerückt. Eine Deputation des 7. Infanterieregiments, dessen Hochstcommandirender er war, wie bereits erwähnt, und Vertreter der Städte Landshut, Passau, Augsburg und Dachau, deren Ehrenbürger er gewesen, sowie die Spitzen aller Stände der bairischen Metropole gaben dem Verstorbenen die Ehre des letzten Geleites.
Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart. Monatsschrift zum Conversations-Lexikon. Leipzig, 1872.